Bastian Pastewka: „Wie viel besser unser Fernsehen geworden ist, lässt sich meiner Ansicht nach nicht widerlegen“

    Interview über „Der Sommer nach dem Abitur“, „Pastewka“-Ende, „Wochenshow“ und „Morgen hör ich auf“

    Glenn Riedmeier – 24.06.2020, 16:13 Uhr

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    Bastian Pastewka

    Im Februar wurde die letzte Staffel der Erfolgsserie „Pastewka“ veröffentlicht. Seitdem blieb es eher ruhig um den Hauptdarsteller, doch am Donnerstag, 25. Juni strahlt das ZDF die neue Komödie „Der Sommer nach dem Abitur“ mit Bastian Pastewka in einer Hauptrolle aus. Im Mittelpunkt stehen drei Freunde, die einem Jugendtraum nachhängen. Denn sie haben ihn damals verpasst, den magischen Sommer nach dem Abitur. Rund 20 Jahre später wollen Alexander (Bastian Pastewka), Paul (Hans Löw) und Ole (Fabian Busch) ihren Traum mit einer vergnüglichen Nostalgietour nachträglich verwirklichen – doch diese wird zu einem mittelschweren Desaster.

    Anlässlich der Ausstrahlung des neuen Films aus der Feder von Marc Terjung („Mutter muss weg“) sprach fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier ausführlich mit Bastian Pastewka. Der Schauspieler erinnert sich an seine eigene Schulzeit und erläutert, wie groß die Wehmut nach dem Ende seiner Serie „Pastewka“ ist – und klärt die Verwirrung über die Folgenanzahl auf. Der bekennende Fernsehjunkie spricht über Sitcoms, Late-Night-Shows und Lieblingsserien. Außerdem erklärt er, ob eine zweite Staffel von „Morgen hör ich auf“ wirklich geplant war und ob eine Sendung wie „Die Wochenshow“ im Shitstorm-Zeitalter heute noch funktionieren würde.

    fernsehserien.de: Lieber Herr Pastewka, wie fühlt es sich an, zum ersten Mal seit dem Ende der Serie „Pastewka“ über ein anderes Projekt zu sprechen?

    Bastian Pastewka: Es ist ein wenig ungewohnt. Denn zuletzt ging es ja immer um den Abschied von einer Serie, die ich 15 Jahre lang gemacht habe. „Der Sommer nach dem Abitur“ ist dagegen nun ein Einzelstück.

    Paul (Hans Löw), Ole (Fabian Busch) und Alexander (Bastian Pastewka) (v. l.) ZDF/Frédéric Batie

    Die Komödie wird am Donnerstag, 25. Juni im ZDF ausgestrahlt – im Februar lief sie allerdings schon bei arte … 

    Bastian Pastewka: Richtig – was wahrscheinlich kaum jemand mitbekommen hat. Aber für mich war es innerhalb meines Weltherrschaftsplans ein großer Gewinn, endlich auch mal bei arte zu sehen zu sein. Bisher ist aus Sicherheitsgründen noch nie etwas von mir dort gelaufen (lacht).

    Wie würden Sie den Film beschreiben? Inwiefern unterscheidet sich der Humor von der Serie „Pastewka“?

    Bastian Pastewka: „Der Sommer nach dem Abitur“ ist ja ein 90-minütiger Fernsehfilm, es geht um drei Figuren namens Ole, Paul und Alexander, die 25 Jahre nach ihrem Abitur eine Art Nostalgiereise zu einem Konzert ihrer Lieblingsband Madness unternehmen. Allerdings hatten sie sich nach dem Abitur zunächst aus den Augen verloren und im Verlauf der Geschichte werden wir auch erfahren, warum. Es geht um verpasste Chancen, unterschiedliche Lebensentwürfe und Missverständnisse – was vielleicht eine Parallele zur Humorfarbe von „Pastewka“ sein könnte. Jeder der Drei hat einen anderen Blick auf bestimmte Situationen – sie verständigen sich aber nicht untereinander. Sie benennen, bewerten, verspotten, belächeln die Dinge auf unterschiedliche Art – bis es irgendwann zwangsläufig knallt.

    Ihre Rolle Alexander weist meiner Ansicht nach auch gewisse Parallelen zu dem Bastian Pastewka aus Ihrer Serie auf. Welche charakterlichen Merkmale unterscheiden ihn?

    Bastian Pastewka: Ich habe versucht, Alex als Mann ohne nennenswerte Eigenschaften zu spielen. Er spürt nichts mehr, ist tiefenfrustriert und hat eine sehr kurze Zündschnur. Das wiederum ist ein fundamentaler Unterschied zu dem Bastian aus der Serie. Ich glaube, wenn man Alex fragen würde, wann er das letzte Mal gelacht hat, würde er es nicht wissen. Er sucht sein Heil in den unzähligen Tabletten, die er immer dabei hat. Und er muss sich permanent erhöhen, indem er seinen Kumpel Ole belächelt oder sich mit Paul verbündet. Die Figur Alex kennzeichnet für mein Empfinden eine größere Tragik, als es in einer klassischen Sitcom üblich wäre.

    Die drei Madness-Fans in fankorrekter Kleidung auf dem Festivalgelände ZDF/Britta Krehl

    Der Film handelt von drei Schulfreunden, die sich nostalgisch an ihre Jugend erinnern. Was verbinden Sie selbst mit Ihrer eigenen Schulzeit – und speziell der Zeit vor dem Abitur?

    Bastian Pastewka: Ich habe 1991 ein sehr durchschnittliches Abitur gemacht, was mich damals arg verstimmt hat. Ich war anfangs ein sehr guter Schüler, doch je weiter es aufs Abitur zuging, desto mehr überholten mich die anderen. Ich habe erst spät gemerkt, dass es im Schulunterricht meistens nicht reicht, die originellste, aber eben nicht die richtige Antwort parat zu haben. Hinzu kam: Als ich 1989 in die Oberstufe kam, endete die deutsche Teilung. Unsere Lehrer hatten sich mental darauf verständigt, unsere elfte Klasse wie alle bisherigen zu behandeln, nämlich als Orientierungsstufe. Manche von uns waren gar nicht da, weil sie für ein halbes Jahr ins Ausland gegangen sind. In Geschichte haben wir wieder die Bronzezeit behandelt – es ging alles irgendwie wieder von vorne los. Doch schon bevor der Eiserne Vorhang fiel, waren die Vibrationen zu spüren und unsere Lehrer wurden ganz hektisch, weil sie erkannten, dass sie uns im Politikunterricht auf so eine Situation nicht vorbereitet hatten. Mein Jahrgang hatte kein fundiertes historisches Wissen über die jüngste deutsche Geschichte. Keiner von uns konnte damals die Bundeskanzler aufzählen, aber jeder von uns wusste, was ein endoplasmatisches Retikulum ist. Deshalb war die Abiturzeit für mich eine Zeit der absoluten Veränderungen. Der Schulstoff wurde auf den Kopf gestellt, weil die Geschichte uns zu überholen drohte.

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