Endgültiges Aus: Deutsches Fernsehballett wird aufgelöst

    „Es rechnet sich einfach nicht mehr.“

    Glenn Riedmeier – 03.02.2020, 14:52 Uhr

    Das Deutsche Fernsehballett

    Das Deutsche Fernsehballett, eines der wenigen Überbleibsel des DDR-Fernsehens, steht vor dem endgültigen Aus. Der Inhaber Peter Wolf bestätigte gegenüber der dpa: „Wir werden den Betrieb im Fernsehen Ende dieses Jahres einstellen.“ Grund sind die Kosten und die deutlich geringeren Buchungen des Balletts. „Es rechnet sich einfach nicht mehr.“ Es wird allerdings eine Abschiedssendung und eine Tournee geben, um die fast 60-jährige Tradition gebührend zu beenden.

    Zuletzt habe lediglich der MDR noch das Deutsche Fernsehballett eingesetzt, während es etwa vom ZDF seit 2017 keinen Auftrag mehr gab. Dies hat den Hintergrund, dass die Zusammenarbeit zwischen Carmen Nebel und Peter Wolf, der viele Jahre ihr Manager war, im Streit endete. Wolf bat deshalb den MDR um eine Beendigung der fast 30-jährigen Zusammenarbeit. „Der Sender hat dem mit Bedauern entsprochen“, so Wolf. Bis es so weit ist, werden alle vertraglichen Verpflichtungen bis Ende 2021 erfüllt. In diesem Jahr gibt es noch zwölf Einsätze des Balletts in TV-Shows des MDR – der erste bereits am kommenden Freitag, 7. Februar, beim „Semperopernball“.

    Danach folgen Einsätze in den drei diesjährigen Ausgaben von „Die Schlagerparty mit Ross Antony“, „Stefanie Hertel – Die große Show zum Muttertag“, beim „MDR Frühlingserwachen“ und bei der „Goldenen Henne 2020“. Der letzte Auftritt im Fernsehen ist für Dezember 2020 geplant. „Unser letzter Auftritt ist eine große TV-Show zur Verabschiedung des Balletts im Dezember“, so Wolf. Im Frühjahr 2021 soll es dann noch eine Abschiedstournee geben.

    „Der MDR und das Deutsche Fernsehballett sind gemeinsam ein weites Stück Weg gegangen“, so MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi gegenüber der BILD am Sonntag. „Entstanden sind in diesen Jahren viele erfolgreiche und schöne Produktionen. Mit der nun vorliegenden Entscheidung, das Deutsche Fernsehballett aufzulösen, endet eine Ära, auf die wir gerne zurückblicken.“

    Das Deutsche Fernsehballett wurde 1962 mit zunächst acht Tänzerinnen in der DDR gegründet. Das Ensemble vergrößerte sich bis 1967 auf 20 Mitglieder. Regelmäßig traten sie in der Samstagabendshow „Ein Kessel Buntes“ zusammen mit nationalen und internationalen Künstlern auf. Auch in dem Weihnachtsklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wirkten Mitglieder des Fernsehballetts mit und sind in den auf Schloss Moritzburg gedrehten Ballszenen zu sehen. Nach dem Ende der DDR 1990 war zunächst unklar, ob das Fernsehballett weiter existiert. Kurz vor der Abschaltung des DDR-Fernsehens am 31. Dezember 1991 bot der Fernsehdirektor des neu gegründeten MDR Fernsehens eine Erhaltung des Fernsehballetts und Anbindung an seinen ARD-Sender an.

    Es folgten Einsätze auch abseits klassischer Shows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. So waren die Tänzerinnen in „Gottschalk Late Night“, in der „Tatort“-Folge „Bei Auftritt Mord“ sowie im Dreiteiler „Tanz auf dem Vulkan“ zu sehen. Im Herbst 2008 ging das Fernsehballett erstmals anlässlich des 45-jährigen Bestehens in 13 deutschen Städten auf Tour. Weitere Tourneen folgten 2009 und 2010. 2013 stand das Ballett bei David Garretts Tour auf der Bühne. Von 2013 bis 2016 tanzte das Deutsche Fernsehballett regelmäßig bei „Willkommen bei Carmen Nebel“.

    Bereits Ende 2013 stand das Fernsehballett schon einmal kurz dem Aus. Wolf beklagte damals den „Wegfall aller prestigeträchtigen ARD- und Eurovision-Formate“. Die „José Carreras Gala“ wurde zu Sky abgeschoben, „Die Helene Fischer Show“ ist zum ZDF gewechselt und auch in den Sendungen von Florian Silbereisen wurde das Ballett seltener eingesetzt. Zudem hat der MDR anders als geplant „Die große Show der langen Beine“ nicht fortgesetzt, obwohl die Gala zum 50-jährigen Bestehen eine der quotenstärksten Shows für den Sender gewesen ist. Damals konnte das Ende des Balletts mit Hilfe von Prominenten noch abgewendet werden. Doch nun scheint das endgültige Aus besiegelt zu sein.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1954) am melden

      Ich warte nur noch darauf, dass auch die AfD diese "Steilvorlage" nutzt und die öffentlich-rechtlichen Sender an den Pranger stellt. Das fehlte noch! Nur denen hülfe es, niemandem sonst.
      Warum hat denn Qualität (!!!) keine Chance mehr?????
      Hiermit rufe ich ALLE Prominenten auf, ihr Wort, ihre Stimme in die Waagschale zu werfen, um einen anderen Sender dazu zu gewinnen, dieses tolle Ballett weiter zu erhalten.
      Hier geht es eben NICHT um ein Ost-Ballett oder eine Ost-Show oder Ost-Nostalgie, sondern 30 Jahre später um ein Ballett, welches mit Künstler/innen auftritt, die NACH der DDR ihren Weg begannen und heute noch Menschen am TV begeistern. Diese Künstler/innen sind ein HINGUCKER, und KEINE Nostalgie.
      Um das zu begreifen, sollte man SEHEN und nicht nur kleinlich rechnen können.
      Begreift ihr das endlich?
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        Und wieder wird den Ostdeutschen ein Stück ihrer Identität und Geschichte genommen. Das ZDF sollte sich was schämen, dass sie das Ballett nicht mehr einlädt, nur wegen persönlicher Befindlichkeiten. Aber im ZDF und ARD werden ja eh immer nur die selben (West)-Künstler eingeladen.
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