NDR Story Folge 518: Generation Hartz IV – Wie geht es ihr heute?
Folge 518
Generation Hartz IV – Wie geht es ihr heute?
Folge 518 (45 Min.)
Im Jahr 2020 hat ein NDR Filmteam Kinder begleitet, deren Familien von Hartz IV lebten. Es ging um Geld, Scham, fehlende Möglichkeiten und die Frage, welche Chancen diese Kinder im Leben haben. Jetzt kehrt Reporterin Simona Dürnberg zu den Kindern von damals zurück: Wie haben sich ihre Lebenswege entwickelt? Was ist aus ihren Wünschen und Hoffnungen geworden? Und wie erleben Kinder Armut heute? Für viele Menschen ist die umstrittene Reform Hartz IV schon lange Geschichte. Das Arbeitslosengeld II wurde vom Bürgergeld abgelöst, das Bürgergeld vom Grundsicherungsgeld.
Doch unabhängig von der Bezeichnung ist eine Sache geblieben: Die Anzahl der Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen, ist hoch. Etwa jedes siebte Kind in Deutschland gilt als armutsgefährdet. Warum sinkt die Anzahl der Kinder, die in Armut aufwachsen, in Deutschland nicht? Und welche Folgen hat eine Kindheit, die von Scham, Ausgrenzung und Verzicht geprägt ist? Sechs Jahre später reist Reporterin Simona Dürnberg erneut nach Föhr. Auf der Nordseeinsel können Kinder aus Hamburg dank Spenden Urlaub machen und sich von ihrem Alltag erholen.
„Die anderen Kinder in der Schule ärgern mich, weil ich keine Markenklamotten trage.“ Diesen Satz hat Reporterin Simona Dürnberg sechs Jahre zuvor nahezu wortgleich gehört. Das Mädchen damals hieß Tyra, war zehn Jahre alt und hat sich ein Leben ohne Hartz IV gewünscht. Das Mädchen heute heißt Larah. Sie ist zwölf Jahre alt und erzählt davon, dass sie hoffe, dass ihre Mutter bald einen Job finden wird. „Dann wird es leichter für
mich, dann werde ich hoffentlich nicht mehr ausgegrenzt“, sagt sie.
Viele Menschen würden mit Kinderarmut immer noch zu wenig Essen und schlechte Kleidung assoziieren. Doch das Aufwachsen in Armut bedeute für Kinder vor allem eines: weniger Teilhabe und weniger Chancen auf ein erfülltes und erfolgreiches Leben im Erwachsenenalter, sagt Sabine Andresen, Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes.: Sie kritisiert u.a. den Widerspruch, dass das Familienministerium wissenschaftliche Erkenntnisse über Kinderarmut und Bildungsungleichheit finanziere, daraus aber offenbar nicht die notwendigen Konsequenzen ziehe.
Wie sehr das Aufwachsen in Armut einen ganzen Lebensweg prägen kann, weiß auch Emily. „Was hätte alles aus mir werden können?“, sagt sie. Die 22-Jährige hat Tränen in den Augen, wenn sie von ihrem neuen Leben in Berlin spricht. Sie hat es aus dem Plattenbau in Rostock geschafft und lebt mittlerweile ohne finanzielle Unterstützung vom Staat. Doch das Aufwachsen mit Hartz IV habe Spuren hinterlassen: Jeden Tag habe sie Angst, auf einmal wieder kein Geld zu haben.
Diese Angst halte sie auch davon ab, einen Job zu suchen, der ihr vielleicht noch mehr Freude bringen könnte, erzählt sie. Denn das Risiko, plötzlich mit nichts dazustehen, sei ihr zu hoch. „Die NDR Story“ blickt zurück und zugleich nach vorn: auf junge Erwachsene, die ihre Kindheit in Armut erlebt haben, und auf Kinder, die heute unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Und welche Erfahrungen wirken bis ins Erwachsenenleben nach? (Text: NDR)