Verteidigung vor der Haustür: Was passiert im Ernstfall?
Folge 498 (45 Min.)
Heimatschützer sichern bei einer Übung in Rostock einen Flugplatz. Als Teil der Übungsserie Quadriga üben Soldaten von Heer und Marine in Rostock die Beladung von Fährschiffen mit Militärgerät, die dann an die NATO-Ostflanke nach Litauen fahren sollen.Bild: NDR/Sven WettengelHubschrauber über dem Hafen, Hundertschaften der Bundeswehr in den Straßen, Panzer in der Stadt. Nicht wenige Hamburger staunten, als im Jahr 2025 eine große Übung der Bundeswehr stattfand. Und auch anderorts im Norden und ganz Deutschland bereiten sich Landkreise und Kommunen auf mögliche Verteidigungsfälle vor. Das alles regelt der Operationsplan Deutschland – ein wichtiger und weitgehend geheimer Einsatzplan. „Wir gehen davon aus, dass Russland in einigen Jahren eine strategische Fähigkeit erarbeitet hat ( …) einen sogenannten großmaßstäblichen Krieg auch gegen die NATO führen zu können“, sagt Generalleutnant André Bodemann, der bei der Bundeswehr für die Landesverteidigung zuständig ist.Im Ernstfall müsste die Bundeswehr schnell Truppen und Material an die Ostflanke der NATO verlegen und die Versorgung sichern. Deutschland wäre damit eine logistische Drehscheibe für die NATO. Die Autoren Lennart Banholzer und Caroline Rollinger treffen für die „NDR Story“ Menschen, die sich mit dem Operationsplan auseinandersetzen. Sie sind bei Bundeswehrübungen dabei, die den Einsatz mit zivilen Unternehmen und Blaulichtorganisationen, wie z. B. Polizei und Feuerwehr trainieren, die im Ernstfall Teile der Bundeswehraufgaben im Inland übernehmen müssten. Und sie begleiten den Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), dabei, seine Region krisenfest zu machen. Eine große Herausforderung. Sollte die Bundeswehr an der NATO-Ostflanke gebunden sein, stünde sie im Inland kaum wie bisher für tatkräftige Unterstützung bei Katastrophen wie Waldbränden, Überschwemmungen oder Stromausfällen zur Verfügung. Der Landkreis müsste sich in diesem Fall selbst helfen. Und er müsste sicherstellen, dass die kritische Infrastruktur trotz Krise weiterläuft. Auch die Lieferketten müssten aufrecht gehalten werden, wenn im Ernstfall die Autobahnen der Bundeswehr und deren militärischen Partnern vorbehalten sind. Alternativrouten müssen geplant und organisiert werden. Der Film erklärt, was der Operationsplan Deutschland ist, wer daran arbeitet und welche Folgen er haben könnte. Und er zeigt, welche Auswirkungen das auf die Menschen vor Ort hätte. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 NDR Lärm – die unterschätzte Gefahr?
Folge 499 (45 Min.)Der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel sieht Lärm als Körperverletzung – und warnt vor den unterschätzten Folgen.Bild: NDR/Simona Dürnberg/Philipp NöhrDichter Straßenverkehr, riesige Baustellen oder startende Flugzeuge über dem Hausdach: Lärm gehört für viele Menschen zum Alltag. Doch was für die einen bloß ein Hintergrundrauschen ist, bedeutet für andere schlaflose Nächte, Stress und Angst. In Deutschland ist es nachweislich zu laut, doch die Belastung durch Lärm ist ungleich verteilt und nicht alle Menschen können sich gleichermaßen schützen. Warum ist das so? Welche Folgen hat permanenter Lärm? Und welche Lösungen kann es geben? Hannover-Langenhagen, Hamburg oder Lütgenrode: Die „NDR Story“ besucht laute Orte in Norddeutschland und trifft Menschen, für die Lärm ein ständiger Begleiter geworden ist.Mit ihrer Belastung sind sie nicht allein: In Deutschland leben Millionen Menschen, die unter gesundheitlich belastendem Lärm leiden. Laut dem Umweltbundesamt sind rund 21 Millionen Menschen tagsüber und über 14 Millionen nachts dauerhaft Schallpegeln ausgesetzt, die als gesundheitlich kritisch gelten (https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-belastung-der-bevoelkerung-durch#die-wichtigsten-fakten). Wie geht es Menschen, die alltäglich von Lärm betroffen sind? Welche Einschränkungen erleben sie? Welche gesundheitlichen Schäden haben sie? Und vor allem: Warum können sie nicht besser geschützt werden? „Manchmal habe ich vor der Nacht richtig Angst“, sagt Renate Wilhelms. Wenn die 70-Jährige schlafen geht, weiß sie nie, wie viel Ruhe sie bekommen wird. Renate Wilhelms wohnt in Osterwald Oberende, direkt neben dem Flughafen Hannover-Langenhagen. Während der Zeit, seitdem Renate Wilhelms dort lebt, haben die Nachtflüge dort deutlich zugenommen. Denn während es an vielen deutschen Flughäfen nachts Flugverbote gibt, darf in Hannover-Langenhagen auch nach Mitternacht geflogen werden. Der Fluglärm mache Renate Wilhelms oft gereizt und unruhig. Es ist schon vorgekommen, dass sie morgens nach dem Aufstehen stark gezittert und einen hohen Blutdruck gehabt habe. Sie kämpft für mehr Ruhe, fordert vor allem Einschränkungen für die Nacht. Doch das mache sie nicht nur für sich und ihren Mann, sagt Renate Wilhelms. Große Sorgen würden ihr vor allem die Kinder in der Nachbarschaft bereiten. In der Tat kann Lärm für Kinder besonders gefährlich sein, da sich ihr Gehirn, ihre Sprach- und Lernfähigkeiten in entscheidenden Entwicklungsphasen befinden und kontinuierliche Lärmeinwirkung diese Prozesse stören kann. Darüber hinaus können physische Stressreaktionen und sogar erhöhte Blutdruckwerte auftreten. Kinder haben zudem weniger Kontrolle über ihre Umgebung, was sie im Vergleich zu Erwachsenen besonders gefährdet. Das bestätigt auch Tobias Lucht von der Arche in Hamburg-Jenfeld. Er erlebt täglich Kinder, die zu Hause Lärm durch Straßenverkehr oder beengte Wohnverhältnisse erfahren, und davon erschöpft und müde wirken. „Manchmal schlafen Kinder am Nachmittag bei uns ein, weil sie hier endlich Ruhe finden“, erzählt Lucht. Die „NDR Story“ begleitet den Alltag in der Arche und spricht mit Kindern, die sich für die Zukunft mehr Ruhe wünschen. Grundsätzlich mehr Ruhe bzw. ein größeres Verständnis dafür, dass Lärm großen Schaden anrichten kann – das wünscht sich auch der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel. Medizinisch betrachtet sei Lärm für ihn eine Form von Körperverletzung und keine bloße Belästigung. Anhaltender Lärm löse im Körper Stressreaktionen aus, vor allem im Schlaf. Die Folge: ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen und Angststörungen. Besonders problematisch sei es, dass die Schäden durch Lärm auch dann entstehen, wenn Betroffene glauben, sich an den Lärm gewöhnt zu haben. Die „NDR Story“ ist während eines Lärm-Experiments dabei und erfährt, dass bereits eine durch Lärm gestörte Nacht gesundheitliche Folgen aufzeigen kann. „Ich möchte noch lange gesund bleiben und für mich sorgen“, sagt Hermann Fröchtenicht aus Lütgenrode. Der Rentner weiß um die möglichen Folgen des Lärms und kämpft seit Jahren für mehr Ruhe in seinem Heimatort. Jeden Tag fahren bis zu 17.000 Autos und Lkws an seinem Wohnzimmer vorbei. Auch in der Nacht würde er gestört werden. Der Plan? Ein Tempolimit, welches auch überprüft wird. Die „NDR Story“ begleitet Hermann Fröchtenicht bei seinem Kampf gegen den Lärm. Doch wie kann bei ansteigendem Verkehrsaufkommen und Bauvorhaben mehr Ruhe in den Alltag gebracht werden? Die Filmemacher treffen Mirco Bachmeier vom LÄRMKONTOR. Er berichtet davon, wie zumindest das Wohnen so gestaltet werden kann, dass Menschen zu Hause weniger Lärm ertragen müssen. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 09.03.2026 NDR Gefahr aus dem Stall – Erst das Tier, dann wir?
Folge 500 (45 Min.)Die jüngste Vogelgrippewelle im Herbst 2025 hat den Norden überrollt – mit einer Wucht wie nie zuvor. Gleichzeitig grassieren in Deutschland 15 weitere Tierseuchen, von der Afrikanischen Schweinepest bis zur Blauzungenkrankheit. „Das hatten wir vorher in dieser Häufung noch nicht“, sagt Prof. Martin Beer, stellvertretender Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tierseuchenforschung. Die Erreger bedrohen Wild- und Nutztiere, verursachen Milliardenschäden in der Landwirtschaft. Und auch Menschen stecken sich an. Wie sehen die Gegenmaßnahmen aus, sind sie wirkungsvoll genug, oder könnte eine neue Pandemie drohen? Diesen Fragen gehen die NDR Autor*innen Ute Jurkovic und Lars Kaufmann in der „NDR Story“ nach.Der Film zeigt, wie sich der Landkreis Parchim gegen die Afrikanische Schweinepest wappnet. Begleitet eine Amtstierärztin, die im Osnabrücker Land Schweineställe überprüft. Und dokumentiert, wie die jüngste Ausbruchswelle der Vogelgrippe – trotz aller Gegenmaßnahmen – in kurzer Zeit ganz Norddeutschland erfasst. Die Krankheit gilt als Zoonose, ihre Erreger können auch auf Menschen überspringen. Noch schaffen sie es nicht, sich direkt von Mensch zu Mensch weiterzuverbreiten und so eine Infektionswelle auszulösen. Doch die Gefahr besteht, wenn sich Vogelgrippeviren mit saisonalen Influenzaviren mischen und immer weiter anpassen. Deshalb hat für den Virologen Beer vom FLI höchste Priorität, die Ausbrüche einzudämmen, um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten. Wie gut gelingt das? Iris Tapphorn führt einen Gänsehof im niedersächsischen Lohne, sie kämpft für ein Impfprogramm gegen Vogelgrippe. Aus Überzeugung, um die Seuche einzudämmen, und um ihre eigenen Tiere besser zu schützen. Doch die Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen. Woran liegt das? Auch dieser Frage geht die „NDR Story“ nach. Denn ein Blick in die USA zeigt, wie anpassungsfähig Vogelgrippeviren sind. Dort hat die Seuche Tausende Milchkuhherden und eine Vielzahl anderer Säugetiere befallen. Und auch Infektionen bei Menschen häufen sich. Mit jedem neuen Wirt wächst die Gefahr weiterer Mutationen. „Wir standen noch nie so kurz vorm Beginn einer neuartigen Grippewelle, die sich auch zu einer Pandemie auswachsen könnte“, sagt Gülsah Gabriel, Leiterin des Leibniz-Instituts für Virologie in Hamburg. „Wir müssen uns jetzt vorbereiten!“ (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 16.03.2026 NDR
