In den USA wurden vergangene Nacht die letzten Hürden für den Aufkauf von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance aus dem Weg geräumt. Paramount-Chef David Ellison geht davon aus, dass das auf rund 110 Milliarden US-Dollar bezifferte Geschäft nun in rund zwei Wochen vollzogen werden kann.
Vorausgegangen waren zuletzt einerseits eine Klage von 12 US-Bundesstaaten wegen Monopolbedenken sowie eine Klage der Autorengewerkschaft WGA. Beide Klagen wurden nun nicht vor Gericht, sondern durch Vergleiche aufgelöst.
Nach dem Aufkauf von großen Teilen des FOX-Konzerns durch The Walt Disney Company ist es die größte „Flurbereinigung“ in der Film- und Fernsehbranche. Branchenbeobachter hatten durch das neue Streaming-Zeitalter, in dem die diversen bestehenden Unternehmenskonglomerate versuchten, weltweit erfolgreich Fuß zu fassen, vorausgesagt, dass mindestens ein großes Unternehmen „verschwinden“ werde, also entweder durch Firmenzusammenschluss oder Übernahme („Merger & Acquisition“, kurz „M&A“) mit einem anderen Konzern verschmelzen würde.
Warner Bros. Discovery umfasst unter anderem die Sendermarken HBO (mit HBO Max), TBS, TNT, HGTV, Food Network, adult swim und Discovery Channel. Man hält die Rechte an DC Comics, an der „Wizarding World“ (aka „Harry Potter“-Franchise), „Game of Thrones“, „Matrix“, „The Big Bang Theory“ sowie den Cartoons von „Looney Tunes“, „Tom & Jerry“ und „Scooby-Doo“.
Monopolbedenken – vor allem in den USA
Skydance, das zuvor schon Paramount Global aufgekauft hatte, hatte sich in einem aggressiven Wettstreit um den Erwerb von Warner Bros. Discovery begeben, für das auch Netflix ein konkurrenzfähiges Gebot abgegeben hatte – Netflix hatte zunächst auch den Zuschlag für einen Teil von Warner Bros. Discovery erhalten. Doch Ellison ließ nicht locker und konnte die Spitze von Warner Bros. Discovery doch noch davon überzeugen, dass sein Angebot für die komplette Firma für sie finanziell besser sei (fernsehserien.de berichtete).
Nach und nach konnte der angedachte Erwerb von WBD diverse regulatorische Hürden nehmen. Die US-Regierung stimmte in Form der Regulierungs- und Anti-Monopol-Behörde FCC schnell zu – dieser Tage muss man erwähnen, dass David Ellisons Vater Larry Ellison, ein Software-Milliardär und einer der reichsten Menschen der Welt, sich mit US-Präsident Donald Trump frühzeitig gut gestellt hatte und daher selten von der US-Regierung Steine in den Weg gelegt bekommt.
Auch Regulierungsbehörden der EU (im Juli), Großbritanniens (im August) und Mexikos (ebenfalls August) gewährten übrigens ihre Zustimmung ohne weitere Auflagen. Eine konkrete Überprüfung der Beteiligung „nicht-US-amerikanischer“ Firmen und Personen (vor allem aus dem Nahen Osten) als Geldgeber des Kaufs und damit spätere Anteilseigner wurde jüngst von der FCC ohne Einwände abgeschlossen.
Durch die innenpolitische Lage in den USA, in der auf der einen Seite der republikanische und unternehmerfreundliche Präsident Trump steht und auf der anderen Seite von Demokraten-Regierungen geführte Bundesstaaten, kam durch die Klage von 12 Bundesstaaten unter der Führung von Kalifornien trotz Zustimmung auf Bundesebene eine neue Hürde. Ein erster Gerichtstermin zur Verhandlung der Klage wurde erst für den März 2027 angesetzt – schlecht für Team Ellison, denn der hatte den WBD-Aktionären für den Fall von Verzögerungen oder des Scheiterns der Übernahme viel Geld als „Sicherheit“ geboten. Wie die Tagesschau seinerzeit festhielt, hätte jedes Quartal Verzögerung über Ende September hinaus eine Zahlung von 650 Millionen US-Dollar erfordert; bei einem Verhandlungsbeginn im März wären also sicher schon mal 1,3 Milliarden fällig geworden, mehr als 1 Prozent des Kaufpreises. Und nach dem 4. Juni 2027 hätte die WBD-Spitze den Deal als gescheitert abblasen können und 7 Milliarden US-Dollar für die Aktionäre erhalten.
In der Klage der Bundesstaaten ging es vor allem um die Angst, dass der neue Konzern signifikant weniger Filme produzieren würde, als Paramount Global und WBD es zuvor als einzelne Firmen getan hatten. Das hätte für das durch Streaming und das durch die Corona-Pandemie veränderte Kino-Nutzungsverhalten in den USA die strauchelnden Kinoketten weiter belastet und „Kino als Geschäftsmodell“ bedroht, ganz abgesehen von weniger Geld in der Unterhaltungsindustrie. Daneben gab es – wegen der Nähe der Ellisons zu Trump – Bedenken bezüglich der redaktionellen Unabhängigkeit der Nachrichten-Abteilungen bei WBD: Insbesondere CNN war Trump immer ein Dorn im Auge gewesen, gerade erst hat er Mitarbeiter des Senders von der Teilnahme an Pressekonferenzen im Weißen Haus ausgeschlossen.