2026
Pendler-Stress – Eine Nation auf Achse
Folge 495 (45 Min.)
Viele Menschen in Deutschland pendeln mit Bus und Bahn, zwei Drittel aber mit dem Auto.Bild: NDR/Kristof Kannegießer / NDR Presse und InformationMorgens früh um 5:00 Uhr in Wittenberge (Brandenburg). Stefan Hoch verlässt sein Einfamilienhaus und steigt ins Auto. Vor ihm liegt der tägliche Arbeitsweg. Wenn er gegen 8:00 Uhr auf der Arbeit ankommt, hat er schon eine dreistündige Reise hinter sich. Nach dem Arbeitstag macht er sich wieder auf diesen Weg, nur in entgegengesetzter Richtung. 14 Stunden nach seinem Aufbrechen ist er wieder zu Haus. Und am nächsten Morgen geht es wieder los. Fünf Tage die Woche – ein Leben auf Achse. Stefan ist einer von mehr als 20 Millionen Menschen, die in Deutschland täglich für den Beruf pendeln. Längst nicht alle haben so weite Wege zu fahren wie er, aber die meisten können dennoch ein Lied singen von langen Tagen und nervenaufreibenden Unwägbarkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, bevor sie auch nur eine Minute auf der Arbeit verbracht haben.Und zum Pendel-Stress wird die Fahrt, wenn Langzeitbaustellen, marode Brücken oder die schiere Menge an Autos zu unvermeidlichen Stausituationen führen. Oder wenn Züge der Deutschen Bahn entweder verspätet kommen oder ganz ausfallen. Nach dem Motto: das einzig Zuverlässige ist die Unplanbarkeit. Täglich pendeln Tausende Menschen in die großen Städte ein; eine enorme Belastung für die Metropolen, die tagsüber eine Vielzahl von Menschen, aber auch von Autos aufnehmen müssen. Von Verkehrswende ist da kaum etwas zu spüren. Zwei Drittel der Pendler benutzen das Auto, die allermeisten sitzen allein in ihrem Fahrzeug. Mit welchen Maßnahmen könnte Abhilfe geschaffen werden? Wie können Verkehrssysteme noch resilienter und Städte noch nachhaltiger gestaltet werden, wie Verkehrsmittel noch umweltfreundlicher, um auch in Zukunft den riesigen Pendlerströmen standzuhalten? Denn klar ist, dass es eine absehbare Zukunft ohne Pendeln wohl kaum geben wird. In der „ARD Story“ begleitet Autor Kristof Kannegießer Menschen in ihrem Alltag und auf den Arbeitswegen. Welche Probleme erleben sie und welche Vorteile erkaufen sie sich durch das Pendeln? Wie wirkt sich das Pendeln auf das Leben der Betroffenen aus – auf ihre Gesundheit, auf die Leistungsfähigkeit im Beruf, auf soziale Beziehungen und die Partnerschaft? Und welche Träume können sie dadurch auch verwirklichen? Und er spricht mit Experten und Wissenschaftlern darüber, wie sich das Pendeln auf die Einzelnen und die Gesellschaft auswirkt und was unternommen werden könnte, um die Situation zu verbessern. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 12.01.2026 NDR Reformstau, Zollkrieg, Inlandsflaute – Mit Mittelständlern durchs Krisenjahr
Folge 496 (45 Min.)Sie fertigen Spitzentechnologie in Lübeck, Waldbrunn oder Balingen, brennen Porzellan in Thüringen oder ernten Wein in der Pfalz. Doch die Liefercontainer de Unternehmen stapeln sich im Frühjahr 2025 in Hamburg oder Bremerhaven, weil die angedrohten Handelszölle von US-Präsident Donald Trump den Welthandel verunsichern oder gar stoppen. „Die Art und Weise, wie die amerikanische Administration Zölle einsetzt, hatten wir in der jüngeren Vergangenheit nicht“, blickt Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, in der NDR Dokumentation zurück, in der es nicht um betroffenen Großkonzerne geht, sondern um Mittelstandsbetriebe, auch in Norddeutschland, zum Teil in fünfter Generation.Im Vergleich etwa zu den Autobauern erhalten sie weniger Aufmerksamkeit von Politik und Medien, dabei gelten gerade sie als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Und sie standen im Jahr 2025 vor den gleichen Herausforderungen, zu Hause wie auf dem Weltmarkt: Stimmungstief, wenn nicht gar Rezession im Inland, dazu ein mörderischer Zollkrieg mit den USA, auch ihrem zumeist wichtigsten Auslandsmarkt. NDR Reporter und Grimme-Preisträger Klaus Scherer hat fünf CEOs durch dieses Krisenjahr 2025 begleitet und beobachtet: Simone Mosca vom Packaging-Spezialisten Mosca, Sebastian Pohl vom Anlagenbauer GREIF-VELOX, Andreas Kraut vom Waagen-Hersteller Bizerba, Daniel Jeschonowski vom Porzellan-Produzenten KAHLA und Philipp Lucas vom Pfälzer Weingut Lucashof. Sie alle mussten in jenen Monaten in ungewohnter Dichte auf äußere Umstände reagieren, vom internationalen Zoll-Chaos bis zu explodierten Energiepreisen und dem von Bundeskanzler Merz (CDU) versprochenen Stimmungsumschwung im Inland, der aber nicht kam. Ergebnis: Manche passten ihre Fertigungen und Verkaufsverhandlungen an, manche schmälerten Gewinnmargen, suchten Ersatzmärkte in Asien oder bauten tatsächlich, Trump zuliebe, ihre Produktion an US-Standorten aus. „Wir fahren den Betrieb gerade ziemlich auf Sicht“, beschrieb der Lübecker Sebastian Pohl die Situation im Mai. Laut Münchener ifo Institut, das für diesen Film Zahlen beisteuert, hat sich dies auch in der Gesamtwirtschaft kaum geändert. Zwar hofften weiterhin alle auf baldige Besserung, ihre Auftragslage rechtfertige dies noch immer nicht. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 19.01.2026 NDR Das Mädchen mit den Goldhaaren – Eine Spurensuche im Holocaust
Folge 497 (45 Min.)KI-Recherche an einem Foto aus dem Wehrmachtsalbum von Malte Herwigs GroßvaterBild: Malte Herwig / NDR Presse und InformationLos Angeles 1932. Der Deutsche Walter Meyer gewinnt als Ruderer Gold bei den Olympischen Spielen. Er ist Erbe einer Industriellenfamilie, wohlhabend und weltgewandt. Doch nur sieben Jahre später nimmt er als einfacher Soldat am deutschen Überfall auf Polen und der Vertreibung der dortigen jüdischen Bevölkerung teil. In seinem Gepäck: ein Foto, das Jahrzehnte später zum verstörenden Beweisstück wird. Die „NDR Story“ begleitet den Journalisten und Bestsellerautor Malte Herwig bei der Entschlüsselung eines dunklen Familiengeheimnisses.Der Olympiasieger und Soldat ist sein Großvater. Auslöser ist ein unscheinbares Fotoalbum, gebunden in bunten Stoff, gefüllt mit privaten Schnappschüssen aus dem Krieg im Jahr 1939. Jahrzehntelang lag es auf dem Dachboden. Es zeigt den Alltag eines Wehrmachtssoldaten in Polen. Doch der zweite Blick offenbart einen Abgrund. Das Album des Großvaters enthält nie zuvor veröffentlichte, einzigartige Fotografien vom Beginn des Holocausts in Osteuropa. Im Zentrum steht das Foto, das den Titel der Dokumentation prägt: Darauf sind ein Mädchen mit blonden Locken und ein Junge während der Vertreibung 1939 in Polen zu sehen. Sie sitzen auf Gepäckstücken mitten auf einem Marktplatz – und blicken direkt in die Kamera. Wer sind diese Kinder? Was war ihr Schicksal? KI trifft auf Zeitgeschichte und gibt den Opfern einen Namen Malte Herwig nutzt für seine Recherche modernste Technologie. Mittels KI-gestützter Gesichtserkennung versucht er, den Namenlosen ihre Identität zurückzugeben. Seine Spurensuche führt ihn auf einen Marktplatz im polnischen Dobrzyn, wo das beklemmende Foto der Deportation aufgenommen wurde. Herwig findet Zeitzeugen und macht einen Enkel des damaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters ausfindig, der die Vertreibung organisierte. In seiner ersten Fernsehdokumentation konfrontiert Herwig auf persönlich-radikale Weise das deutsche Klischee „Opa war kein Nazi“. Der Film stellt die bohrende Frage, welche Rolle die eigenen Vorfahren tatsächlich im Dritten Reich spielten. Und was erzählen ihre privaten Bilder, wenn man bereit ist, wirklich hinzusehen? Ein Film über den blinden Fleck der Erinnerung und die Macht der Bilder. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 23.01.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 26.01.2026 NDR Verteidigung vor der Haustür: Wie gut sind wir vorbereitet?
- Alternativtitel: Verteidigung vor der Haustür: Was passiert im Ernstfall?
Folge 498 (45 Min.)Heimatschützer sichern bei einer Übung in Rostock einen Flugplatz. Als Teil der Übungsserie Quadriga üben Soldaten von Heer und Marine in Rostock die Beladung von Fährschiffen mit Militärgerät, die dann an die NATO-Ostflanke nach Litauen fahren sollen.Bild: NDR/Sven WettengelHubschrauber über dem Hafen, Hundertschaften der Bundeswehr in den Straßen, Panzer in der Stadt. Nicht wenige Hamburger staunten, als im Jahr 2025 eine große Übung der Bundeswehr stattfand. Und auch anderorts im Norden und ganz Deutschland bereiten sich Landkreise und Kommunen auf mögliche Verteidigungsfälle vor. Das alles regelt der Operationsplan Deutschland – ein wichtiger und weitgehend geheimer Einsatzplan. „Wir gehen davon aus, dass Russland in einigen Jahren eine strategische Fähigkeit erarbeitet hat ( …) einen sogenannten großmaßstäblichen Krieg auch gegen die NATO führen zu können“, sagt Generalleutnant André Bodemann, der bei der Bundeswehr für die Landesverteidigung zuständig ist.Im Ernstfall müsste die Bundeswehr schnell Truppen und Material an die Ostflanke der NATO verlegen und die Versorgung sichern. Deutschland wäre damit eine logistische Drehscheibe für die NATO. Die Autoren Lennart Banholzer und Caroline Rollinger treffen für die „NDR Story“ Menschen, die sich mit dem Operationsplan auseinandersetzen. Sie sind bei Bundeswehrübungen dabei, die den Einsatz mit zivilen Unternehmen und Blaulichtorganisationen, wie z. B. Polizei und Feuerwehr trainieren, die im Ernstfall Teile der Bundeswehraufgaben im Inland übernehmen müssten. Und sie begleiten den Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), dabei, seine Region krisenfest zu machen. Eine große Herausforderung. Sollte die Bundeswehr an der NATO-Ostflanke gebunden sein, stünde sie im Inland kaum wie bisher für tatkräftige Unterstützung bei Katastrophen wie Waldbränden, Überschwemmungen oder Stromausfällen zur Verfügung. Der Landkreis müsste sich in diesem Fall selbst helfen. Und er müsste sicherstellen, dass die kritische Infrastruktur trotz Krise weiterläuft. Auch die Lieferketten müssten aufrecht gehalten werden, wenn im Ernstfall die Autobahnen der Bundeswehr und deren militärischen Partnern vorbehalten sind. Alternativrouten müssen geplant und organisiert werden. Der Film erklärt, was der Operationsplan Deutschland ist, wer daran arbeitet und welche Folgen er haben könnte. Und er zeigt, welche Auswirkungen das auf die Menschen vor Ort hätte. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 20.02.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 NDR Lärm – die unterschätzte Gefahr?
Folge 499 (45 Min.)Der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel sieht Lärm als Körperverletzung – und warnt vor den unterschätzten Folgen.Bild: NDR/Simona Dürnberg/Philipp NöhrDichter Straßenverkehr, riesige Baustellen oder startende Flugzeuge über dem Hausdach: Lärm gehört für viele Menschen zum Alltag. Doch was für die einen bloß ein Hintergrundrauschen ist, bedeutet für andere schlaflose Nächte, Stress und Angst. In Deutschland ist es nachweislich zu laut, doch die Belastung durch Lärm ist ungleich verteilt und nicht alle Menschen können sich gleichermaßen schützen. Warum ist das so? Welche Folgen hat permanenter Lärm? Und welche Lösungen kann es geben? Hannover-Langenhagen, Hamburg oder Lütgenrode: Die „NDR Story“ besucht laute Orte in Norddeutschland und trifft Menschen, für die Lärm ein ständiger Begleiter geworden ist.Mit ihrer Belastung sind sie nicht allein: In Deutschland leben Millionen Menschen, die unter gesundheitlich belastendem Lärm leiden. Laut dem Umweltbundesamt sind rund 21 Millionen Menschen tagsüber und über 14 Millionen nachts dauerhaft Schallpegeln ausgesetzt, die als gesundheitlich kritisch gelten (https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-belastung-der-bevoelkerung-durch#die-wichtigsten-fakten). Wie geht es Menschen, die alltäglich von Lärm betroffen sind? Welche Einschränkungen erleben sie? Welche gesundheitlichen Schäden haben sie? Und vor allem: Warum können sie nicht besser geschützt werden? „Manchmal habe ich vor der Nacht richtig Angst“, sagt Renate Wilhelms. Wenn die 70-Jährige schlafen geht, weiß sie nie, wie viel Ruhe sie bekommen wird. Renate Wilhelms wohnt in Osterwald Oberende, direkt neben dem Flughafen Hannover-Langenhagen. Während der Zeit, seitdem Renate Wilhelms dort lebt, haben die Nachtflüge dort deutlich zugenommen. Denn während es an vielen deutschen Flughäfen nachts Flugverbote gibt, darf in Hannover-Langenhagen auch nach Mitternacht geflogen werden. Der Fluglärm mache Renate Wilhelms oft gereizt und unruhig. Es ist schon vorgekommen, dass sie morgens nach dem Aufstehen stark gezittert und einen hohen Blutdruck gehabt habe. Sie kämpft für mehr Ruhe, fordert vor allem Einschränkungen für die Nacht. Doch das mache sie nicht nur für sich und ihren Mann, sagt Renate Wilhelms. Große Sorgen würden ihr vor allem die Kinder in der Nachbarschaft bereiten. In der Tat kann Lärm für Kinder besonders gefährlich sein, da sich ihr Gehirn, ihre Sprach- und Lernfähigkeiten in entscheidenden Entwicklungsphasen befinden und kontinuierliche Lärmeinwirkung diese Prozesse stören kann. Darüber hinaus können physische Stressreaktionen und sogar erhöhte Blutdruckwerte auftreten. Kinder haben zudem weniger Kontrolle über ihre Umgebung, was sie im Vergleich zu Erwachsenen besonders gefährdet. Das bestätigt auch Tobias Lucht von der Arche in Hamburg-Jenfeld. Er erlebt täglich Kinder, die zu Hause Lärm durch Straßenverkehr oder beengte Wohnverhältnisse erfahren, und davon erschöpft und müde wirken. „Manchmal schlafen Kinder am Nachmittag bei uns ein, weil sie hier endlich Ruhe finden“, erzählt Lucht. Die „NDR Story“ begleitet den Alltag in der Arche und spricht mit Kindern, die sich für die Zukunft mehr Ruhe wünschen. Grundsätzlich mehr Ruhe bzw. ein größeres Verständnis dafür, dass Lärm großen Schaden anrichten kann – das wünscht sich auch der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel. Medizinisch betrachtet sei Lärm für ihn eine Form von Körperverletzung und keine bloße Belästigung. Anhaltender Lärm löse im Körper Stressreaktionen aus, vor allem im Schlaf. Die Folge: ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen und Angststörungen. Besonders problematisch sei es, dass die Schäden durch Lärm auch dann entstehen, wenn Betroffene glauben, sich an den Lärm gewöhnt zu haben. Die „NDR Story“ ist während eines Lärm-Experiments dabei und erfährt, dass bereits eine durch Lärm gestörte Nacht gesundheitliche Folgen aufzeigen kann. „Ich möchte noch lange gesund bleiben und für mich sorgen“, sagt Hermann Fröchtenicht aus Lütgenrode. Der Rentner weiß um die möglichen Folgen des Lärms und kämpft seit Jahren für mehr Ruhe in seinem Heimatort. Jeden Tag fahren bis zu 17.000 Autos und Lkws an seinem Wohnzimmer vorbei. Auch in der Nacht würde er gestört werden. Der Plan? Ein Tempolimit, welches auch überprüft wird. Die „NDR Story“ begleitet Hermann Fröchtenicht bei seinem Kampf gegen den Lärm. Doch wie kann bei ansteigendem Verkehrsaufkommen und Bauvorhaben mehr Ruhe in den Alltag gebracht werden? Die Filmemacher treffen Mirco Bachmeier vom LÄRMKONTOR. Er berichtet davon, wie zumindest das Wohnen so gestaltet werden kann, dass Menschen zu Hause weniger Lärm ertragen müssen. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 06.03.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 09.03.2026 NDR Gefahr aus dem Stall – Erst das Tier, dann wir?
Folge 500 (45 Min.)Gänse sind Freilandtiere. Stallpflicht gefällt ihnen gar nicht.Bild: NDRDie jüngste Vogelgrippewelle im Herbst 2025 hat den Norden überrollt – mit einer Wucht wie nie zuvor. Gleichzeitig grassieren in Deutschland 15 weitere Tierseuchen, von der Afrikanischen Schweinepest bis zur Blauzungenkrankheit. „Das hatten wir vorher in dieser Häufung noch nicht“, sagt Prof. Martin Beer, stellvertretender Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tierseuchenforschung. Die Erreger bedrohen Wild- und Nutztiere, verursachen Milliardenschäden in der Landwirtschaft. Und auch Menschen stecken sich an. Wie sehen die Gegenmaßnahmen aus, sind sie wirkungsvoll genug, oder könnte eine neue Pandemie drohen? Diesen Fragen gehen die NDR Autor*innen Ute Jurkovic und Lars Kaufmann in der „NDR Story“ nach.Der Film zeigt, wie sich der Landkreis Parchim gegen die Afrikanische Schweinepest wappnet. Begleitet eine Amtstierärztin, die im Osnabrücker Land Schweineställe überprüft. Und dokumentiert, wie die jüngste Ausbruchswelle der Vogelgrippe – trotz aller Gegenmaßnahmen – in kurzer Zeit ganz Norddeutschland erfasst. Die Krankheit gilt als Zoonose, ihre Erreger können auch auf Menschen überspringen. Noch schaffen sie es nicht, sich direkt von Mensch zu Mensch weiterzuverbreiten und so eine Infektionswelle auszulösen. Doch die Gefahr besteht, wenn sich Vogelgrippeviren mit saisonalen Influenzaviren mischen und immer weiter anpassen. Deshalb hat für den Virologen Beer vom FLI höchste Priorität, die Ausbrüche einzudämmen, um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten. Wie gut gelingt das? Iris Tapphorn führt einen Gänsehof im niedersächsischen Lohne, sie kämpft für ein Impfprogramm gegen Vogelgrippe. Aus Überzeugung, um die Seuche einzudämmen, und um ihre eigenen Tiere besser zu schützen. Doch die Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen. Woran liegt das? Auch dieser Frage geht die „NDR Story“ nach. Denn ein Blick in die USA zeigt, wie anpassungsfähig Vogelgrippeviren sind. Dort hat die Seuche Tausende Milchkuhherden und eine Vielzahl anderer Säugetiere befallen. Und auch Infektionen bei Menschen häufen sich. Mit jedem neuen Wirt wächst die Gefahr weiterer Mutationen. „Wir standen noch nie so kurz vorm Beginn einer neuartigen Grippewelle, die sich auch zu einer Pandemie auswachsen könnte“, sagt Gülsah Gabriel, Leiterin des Leibniz-Instituts für Virologie in Hamburg. „Wir müssen uns jetzt vorbereiten!“ (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 16.03.2026 NDR Papa, Parkinson und die Pflege
Folge 501 (45 Min.)Christine Haß leitet die Parkinson Regionalgruppe Kiel.Bild: NDRPeter Kosmol war jahrzehntelang Professor der Mathematik. Jetzt hat er Parkinson und wird zu Hause von seiner Frau gepflegt, solange das noch geht. Seine Tochter, Margareta Kosmol, ist NDR Journalistin und hat ihre Eltern ein Jahr lang begleitet. Herausgekommen ist ein berührendes Familienporträt über eine gnadenlose Krankheit, an der Hunderttausende in Deutschland erkrankt sind. Ein Großteil von ihnen wird zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt, für die Gesellschaft oft unsichtbar. Bis wann kann Mutter Karine die Pflege allein bewältigen? Und ist der Schritt in ein Pflegeheim unumgänglich? Viele Jahre lang haben Margaretas Eltern die Parkinson-Erkrankung des Vaters vor ihr verborgen.Doch mit jedem Besuch im Reihenhaus in der Nähe von Kiel werden die Symptome klarer: Peter, vor Ausbruch der Krankheit sportlich und aktiv, verliert Tag für Tag ein Stück mehr Kontrolle über seinen Körper. Zittern, verlangsamte Bewegung, Gleichgewichtsstörungen, Antriebslosigkeit. Für die Mutter ist die Pflege eine Selbstverständlichkeit – und wird zur Hauptaufgabe. Doch die Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte häufen sich, Selbsthilfegruppen und Pflegetrainer können nur bedingt unterstützen. Derweil sitzt Peter noch immer bis tief in die Nacht am PC vor seinen Mathe-Gleichungen. Die intimen Beobachtungen sind verwoben mit bunten Filmaufnahmen, die Margareta schon im Grundschulalter begonnen hat. Sie zeigen Peter im Hörsaal, im Garten, beim Bleigießen auf der Familienfeier. Artefakte aus der Vergangenheit, die die Tristesse des Parkinson-Alltags kontrastieren. Die Dokumentation über ein Ehepaar, das gemeinsam kämpft gegen die Krankheit und die Angst, einander zu verlieren, ist ebenso ein Porträt einer Generation, die Verantwortung ganz selbstverständlich übernimmt und oft nicht an Dritte abgeben mag – bis weit über die Grenzen der Belastbarkeit. Ein Film über Verlust und die Liebe am Leben. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 27.03.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 30.03.2026 NDR Sündenbock Reh – Wie viel Wild verträgt unser Wald?
Folge 502 (45 Min.)NDR Fernsehen NDR STORY – SÜNDENBOCK REH, „Wie viel Wild verträgt unser Wald?“ Hans-Martin Hauskeller, Landesforsten Niedersachsen: „Für den Harz haben wir die Notwendigkeit, die Abschüsse zu erhöhen.“Bild: NDR/BüllEine spannende Dokumentation über die Frage, wie man mit Reh und Hirsch umgehen sollte und den Wald robuster macht. Zwischen Jägern und Förstern ist ein Streit um das Reh in deutschen Wäldern entbrannt. Viele Förster fordern, ein Drittel mehr Wild zu schießen, weil vor allem Rehe junge Pflanzentriebe abfräßen und so einen klimaresistenten Zukunftswald verhinderten. Außerdem gebe es eine Zunahme an Wildunfällen, die den Menschen gefährde. Jägerinnen und Jäger widersprechen. Sie befürchten, dass wirtschaftliche Interessen der Forstwirtschaft bei der Forderung nach höheren Abschüssen im Vordergrund stehen.Reh und Hirsch stünden zu Unrecht am Pranger. Wer hat recht? In der „NDR Story“ sprechen Antje Büll und Felix Meschede mit Förstern, Waldbesitzern und Jägern. Rehe und Hirsche gehören fest zur deutschen Kulturlandschaft. Was kaum einer weiß: jährlich werden 1,3 Millionen Rehe und 80.000 Hirsche in Deutschland erlegt. Für viele Förster, die meist auch selbst jagen, ist das jedoch viel zu wenig. Sie sind überzeugt, die Rehe fressen die Knospen der jungen Bäume ab und behindern so den Waldumbau in einen klimaresistenten Mischwald. „Wir haben deutschlandweit überhöhte Wildbestände, die dazu führen, dass der Wald sich nicht natürlich verjüngen kann, und das ist ein riesiger volkswirtschaftlicher Schaden“, so Moritz von Maltzahn, Waldbesitzer aus Mecklenburg-Vorpommern. Der Förster ist überzeugt, dass man auch mit einem ökologischen Mischwald forstwirtschaftlich Gewinne erzielen kann. Doch dafür, sagt er, verbringe er 20 Prozent seiner Arbeitszeit mit dem Erlegen des Wildes. Auch im Harz starten Ende jeden Jahres die großen Treibjagden, um möglichst viele Rehe und Hirsche zu schießen. Die Landesforsten stehen unter Druck. Nach dem großen Fichtensterben müssen sie den Harz aufwendig aufforsten. Dabei störe vor allem der Hirsch, der Jungpflanzen anknabbere. „In den Niedersächsischen Landesforsten dient die Jagd dem Erreichen unserer waldbaulichen Ziele“, so Dr. Hans-Martin Hauskeller, Leiter der Abteilung Wald und Umwelt bei den Niedersächsischen Landesforsten. Ganz anders sieht es hingegen der Waldökologe Roland Pietsch, der den angrenzenden Nationalpark Harz leitet. Er beobachte, dass sich der Wald zwischen den abgestorbenen Fichten auch ohne viel Jagd verjüngen könne. „Wir brauchen mehr Äsungsflächen statt mehr Abschuss“, sagt er. Sein Ziel ist es, im Nationalpark auf Jagd ganz zu verzichten. Doch mit den Förstern der angrenzenden Landesforsten gibt es dazu Streit. Viele Jäger sehen sich als Anwälte des Rehs und des Hirsches. Es sei zu einfach, den Wildtieren die Schuld zu geben, wenn der Waldumbau nicht funktioniere. Monokultur und Trockenheit seien schuld am schlechten Waldzustand. Intensive Jagd führe zu Stress bei den Tieren, die deswegen mehr fräßen als sonst. Eine intensive Bejagung und stetig schrumpfende Lebensräume führten beim Hirsch zudem zu Inzucht und somit Missbildungen. Es brauche mehr Wildlenkung und lange Schonzeiten. Die NDR Autoren Antje Büll und Felix Meschede gehen dem „Wald-Wild-Konflikt“ auf den Grund. Sie begleiteten sechs Monate lang norddeutsche Jäger, Förster und private Waldbesitzer bei Wildbeobachtungen, Jagd, Pflanzungen und Fällarbeiten. Sie sprechen mit ihnen über ihre persönliche Einstellung zu Reh und Hirsch, ökonomische Ziele und gesellschaftliche Erwartungen. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 18.04.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 20.04.2026 NDR Die Lüge vom sozialen Aufstieg?
Folge 503 (45 Min.)NDR-Autor Manuel Biallas kennt Deutschland von beiden Seiten und will wissen: Wie steht es um den sozialen Aufstieg heute?Bild: NDR / NDR Presse und InformationWer schafft es in Deutschland tatsächlich von unten nach oben? Und was braucht es dafür – harte Arbeit oder schlicht das richtige Maß an Glück? NDR Reporter Manuel Biallas kennt Deutschland von beiden Seiten und begibt sich für diese „NDR Story“ auf Spurensuche, wagt dafür den Blick vom Gipfel: Er trifft Menschen, die den sozialen Aufstieg geschafft haben und erzählt ihre sehr unterschiedlichen Geschichten. Neben namhaften Politikern, denen der Aufstieg gelungen ist, trifft er Unternehmer und Menschen, die sich für mehr Chancengleichheit einsetzen. Denn während einzelne Aufstiegsgeschichten Hoffnung geben, zeigen Studien ein anderes Bild: Die soziale Mobilität in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Für viele Menschen entscheidet die Herkunft stärker über Bildungs- und Lebenschancen als früher. Ist der Traum vom sozialen Aufstieg also nur noch ein Mythos? Oder gibt es ihn noch – den Weg nach oben? Die Dokumentation zeigt persönliche Erfolgsgeschichten in einer unbequemen Realität. (Text: NDR)Deutsche Streaming-Premiere Fr. 24.04.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 27.04.2026 NDR Hells Angels heute – Zwischen Mythos und Macht
Folge 504 (45 Min.)Alles begann in Norddeutschland. Conny Hartmann hat die Hells Angels in den 1970er- Jahren nach Deutschland gebracht und den ersten Ableger in Hamburg gegründet. Von dort hat sich der Club rasch über ganz Deutschland ausgebreitet und immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Erpressung, Menschenhandel und Morde prägten das Bild, während die Rocker gleichzeitig mit angeblicher Freiheit und schweren Motorrädern warben. Heute fährt Conny Hartmann Taxi in Hamburg und versteht die Welt nicht mehr. Denn die Welt der Hells Angels sieht auf der Oberfläche völlig anders aus als zu seiner Zeit. Inzwischen prägt eine neue Generation das Bild.Sie sind auf Social Media aktiv und werben als Influencer mit Reichweite, Macht und einem Luxusleben. Für viele junge Männer wirkt das wie ein Versprechen auf Erfolg und Aufstieg. Was das bedeuten kann, zeigt ein Fall aus Peine. Dort hat ein Anwärter der Hells Angels einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus verübt, um die Mieter rauszukriegen. Das Versprechen war schnelles Geld, das Mittel Kriminalität. Eine „NDR Story“ über die Hells Angels und ihre neue, schillernde Fassade – mit einem Kern, der offenbar bleibt: ein Milieu, in dem Geld, Einschüchterung und Gewalt oft eng miteinander verknüpft sind. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 18.05.2026 NDR Die Russland-Route – Wie deutsche Waren den Weg in Putins Russland finden
Folge 505 (45 Min.)Ein packender Film über geheime Handelswege zwischen Deutschland und Russland mitten im Krieg. Deutschland steht offiziell fest an der Seite der Ukraine. Sanktionen sollen verhindern, dass westliche Technologie in russischen Waffen landet. Politik und Wirtschaft versichern immer wieder, dass Lieferketten unterbrochen seien. Doch stimmt das wirklich? Filmemacher Michael Höft und sein Team machen sich im kältesten Winter der Kriegsjahre auf den Weg nach Kyjiw. Der Himmel über der ukrainischen Hauptstadt wird fast jede Nacht vor allem von einer Waffe bedroht: der Drohne Geran-2. Diese Drohne wurde ursprünglich im Iran als Shahed-Drohne entwickelt und wird inzwischen in Russland selbst produziert.Immer wieder schlagen diese unbemannten Flugkörper in Wohnhäusern ein. Zivilisten sterben in ihren Wohnungen. Bei einem Termin beim ukrainischen Militärgeheimdienst erhält das NDR Team Zugang zu den Überresten abgeschossener Drohnen. Auf Tischen liegen zerlegte Elektronikteile, Kabel und Chips. Experten zeigen den Journalisten Bauteile aus westlicher Produktion. Besonders häufig tauchen elektronische Komponenten deutscher Hersteller auf. Ohne diese Bauteile würden viele der Drohnen nicht fliegen, erklären die Spezialisten dem Team. Doch wie gelangen solche Komponenten trotz der Sanktionen nach Russland? Auch im zivilen Bereich zeigen sich Widersprüche. Zu Beginn der Sanktionen wurde erwartet, dass die russische Luftflotte ohne westliche Ersatzteile schnell stillstehen würde. Doch zahlreiche Maschinen sind weiterhin im Einsatz. Recherchen des NDR deuten darauf hin, dass Komponenten, auch aus dem Umfeld des Luftfahrtkonzerns Airbus mit seinem großen Standort in Hamburg, über Drittstaaten nach Russland gelangen. Eine Spur führt dabei über Kirgistan. Geleakte russische Zollpapiere zeigen detailliert, welche Firmen welche Waren nach Russland geliefert haben und welchen Weg diese Güter genommen haben. Immer wieder führt die Spur nach Zentralasien. Vor allem Kasachstan spielt eine Schlüsselrolle. Die ehemalige Sowjetrepublik hat eine Zollunion und ein Freihandelsabkommen mit Russland. Gleichzeitig können europäische Firmen ihre Produkte problemlos nach Kasachstan exportieren. Seit Beginn des Krieges sind die Handelszahlen stark gestiegen. Mithilfe eines russischen Journalisten im Exil macht sich Michael Höft auf die Suche nach den Zwischenhändlern. In unauffälligen Lagerhallen in Almaty liegen unter anderem Kugellager „Made in Germany“. Von hier aus werden sie weiterverteilt, oft Richtung Russland. Das NDR Team verfolgt Lieferketten, spricht mit anonymen Händlern und konfrontiert deutsche Unternehmen mit ihren Recherchen. Dabei zeigt sich: Offiziell liefert niemand nach Russland. Doch über Umwege funktioniert der Handel weiterhin, präzise organisiert und äußerst lukrativ. Die „NDR Story“ folgt den Spuren deutscher Technologie von deutschen Industriegebieten über Zentralasien bis nach Russland. Der Film zeigt ein System aus Zwischenhändlern, Freihandelszonen und logistischen Schlupflöchern und stellt eine unbequeme Frage: Wenn Sanktionen den Krieg stoppen sollen, warum funktionieren die Lieferketten trotzdem weiter? (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 01.06.2026 NDR Gefährliche Raben – schützen oder abschießen?
Folge 506 (45 Min.)Blutige Begegnungen zwischen Kolkraben und Lämmern sorgen für großen Ärger auf der Schwäbischen Alb. Schäfer berichten, dass die Vögel ihre Lämmer attackieren und töten, um sie zu fressen. Die Vorfälle seien so gravierend, dass die Schäfer ihre Existenz bedroht sehen. Doch Wissenschaft und Politik betrachten Rabenangriffe eher als Mythos. Sind Kolkraben wirklich Täter? Oder Opfer eines Missverständnisses? Es ist ein kalter Morgen auf der Schwäbischen Alb. Ernst und Stefan Fauser stehen zwischen ihren Schafen und machen sich Sorgen. Bald werden hier auf der Weide neue Lämmer geboren werden und dann wird es hier richtig gefährlich.Offenbar stürzen sich regelmäßig Kolkraben auf die kleinen Jungtiere. Die Schäfer Stefan und Ernst Fauser aus Hohenstein im Kreis Reutlingen sorgen sich um ihre Lämmer. Immer wieder haben sie erlebt, dass Raben die frisch geborenen Jungtiere attackieren. Stefan Fauser zeigt ein Video und erklärt: „Da sieht man jetzt, dass das Lamm die erste Stunde relativ schwach ist. Bis das mal zu Kräften kommt, ist es natürlich eine leichte Beute für die Raben.“ Die würden anfangen, an den Lämmern herumzupicken: am Schwanz, aber auch am After, am Auge oder an der Zunge. Ablammzeit ist Rabenzeit – da sind sich die beiden Schäfer einig. Die Fausers rechnen damit, dass sie wieder viele Jungtiere verlieren werden. Trotzdem: Die Kolkraben dürfen nicht einfach so abgeschossen werden. Und eine Entschädigung für die toten Tiere gibt es – anders als beim Wolf – auch nicht. Die Verluste der Schäfer bleiben privat, selbst wenn sie dokumentiert sind. Auch Schäfer Jan-René Hartmann aus Karlsruhe erlebt das Phänomen. Er erzählt, dass Raben bereits elf seiner Lämmer getöteten haben sollen. Die Raben säßen auf den umliegenden Bäumen. Noch während der Geburt der Lämmer würden sie angreifen. Er zeigt ein Video von einem Lamm mit ausgepickten Augen. Die Vögel hätten das Lamm außerdem ausgeweidet, berichtet er. Ein weiteres Lamm habe zunächst schwer verletzt überlebt, sei dann aber beim Tierarzt gestorben. Das Problem: Kolkraben sind EU-weit streng geschützt. Außerdem halten Wissenschaft und Politik an älteren Studien fest, die die Vögel als vorwiegende Aasfresser beschreiben. Das Umweltministerium in Stuttgart sieht jedenfalls keinen Handlungsbedarf. Andre Baumann (Bündnis 90/Die Grünen), Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima & Energiewirtschaft Baden-Württemberg, verweist auf eine Studie, die zu dem Schluss kommt, dass Raben nur kranke oder bereits bewegungsunfähige Tiere attackieren würden. Auch der Naturschutzbund NABU betont, dass die Berichte über „Killer-Raben“ oft übertrieben seien. Nicht nur Schäfer auf der Schwäbischen Alb fühlen sich mit den Raben-Attacken allein gelassen. Eine bundesweite Umfrage des SWR unter rund 600 Freilandbetrieben ergibt ein klares Stimmungsbild: Weidetierhalter aus ganz Deutschland melden nicht nur Angriffe auf Lämmer. Offenbar sind auch Rinder, Schweine und Gänse betroffen – oft mit tödlichem Ausgang. Die geschätzten Verluste belaufen sich auf mehrere Tausend Tiere pro Jahr. Wie weit Kolkraben wirklich gehen, enthüllt diese Reportage u.a. mit Videoaufnahmen, die selbst renommierte Experten überraschen. Als sich der weltweit anerkannte Rabenforscher, Thomas Bugnyar, die Aufnahmen anschaut, sagt er dazu: „Also, um ehrlich zu sein, das habe ich so noch nicht gesehen.“ (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 08.06.2026 NDR Störangriff auf die Ostsee: Wie Russland Luft- und Seefahrt bedroht
Folge 507 (45 Min.)Flugzeuge auf dem Weg zur dänischen Insel Bornholm sind hin und wieder von GPS-Störungen betroffenBild: Lennart Banholzer/NDRFür Passagierflugzeuge über der Ostsee hat sich etwas verändert. Jeden Tag melden Piloten in dieser Region Störungen bei Navigationsgeräten. Systeme fallen einfach aus oder in den Cockpits ertönen schrille Warnungen, die sich als Fehlalarm herausstellen. Grund sind gezielte Störungen des satellitengestützten GPS. Ein Problem, das offenbar mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann und das neben dem Luft- auch den Schiffsverkehr betrifft. Viel deutet daraufhin, dass die Störungen ihren Ursprung etwa in der russischen Exklave Kaliningrad haben.Wer genau verursacht sie – und warum? Diese „NDR Story“ beleuchtet die Auswirkungen, geht den Ursachen auf den Grund und fragt, ob und wie Europa sich dagegen wehrt. Der Film begleitet Piloten, die sich auf die neue Situation einstellen müssen. Einer von ihnen ist Oliver Quiter von der dänischen Airline DAT, die mit Regionaljets zur Ostseeinsel Bornholm vor Schweden startet. Auf dieser Strecke habe er in den vergangenen Jahren vier Mal Störungen bei der Navigation per Satellit erlebt, so der Pilot. Und je näher man Russland oder der russischen Exklave Kaliningrad komme, desto häufiger träten sie auf, sagt der Pilot: „Ich weiß von Kollegen, die regelmäßig Richtung Finnland und ins Baltikum fliegen, dass sie es täglich haben.“ Wer verursacht die Störungen? In Polen treffen die NDR Reporter Lennart Banholzer und Simon Hoyme einen Forscher, der die Quellen der Störungen wissenschaftlich lokalisiert hat. Ihre Spur führt nach Russland. Den Erkenntnissen von Jaroslaw Cydejko von der Maritimen Universität Gdynia nach, gab es an der Küste der Exklave Kaliningrad in den vergangenen Jahren zwei Anlagen, von denen Störsignale ausgehen. Sie sollen vom russischen Militär betrieben werden. In den vergangenen Monaten hat sich die Situation offenbar weiter verschärft, wie Jaroslaw Cydejko in der „NDR Story“ erklärt. Kürzlich habe er gemeinsam mit seinen internationalen Forschungskollegen eine dritte Störanlage ausgemacht: auf dem Wasser. Sorgen wegen abgeschalteter Sicherheitssysteme Die Probleme, die durch GPS-Störungen im Cockpit entstehen können, sind vielfältig. Das beschreibt in der „NDR Story“ ein anderer Pilot: Niklas Ahrens fliegt für eine deutsche Airline auf Langstrecken und engagiert sich bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Es gebe zwei Störungsarten, erklärt er. Beim sogenannten Jamming falle das GPS-System an Bord einfach aus und die Piloten müssten für die Navigation Alternativen nutzen, etwa auf die Hilfe von Fluglotsen zurückgreifen. Oft bis zur Landung. Noch gravierender sei das sogenannte Spoofing. Dabei werde das GPS-Signal nicht nur gestört, sondern gezielt verändert. „Wenn die GPS-Position verfälscht wird, kann es zu einer großen Zahl an Fehlwarnungen kommen“, so Pilot Ahrens. Um diese falschen Alarme zu verhindern, sei es üblich, ein wichtiges Sicherheitssystem im Cockpit abzuschalten. „Wir verhindern dadurch Fehlwarnungen. Andererseits nehmen wir uns aber auch das Sicherheitsnetz“, so Ahrens. Andere Alarmsysteme blieben aber aktiv. Ramsey Faragher vom Royal Institute of Navigation in London stellt die Störung von GPS-Signalen in Konfliktzonen in Zusammenhang mit dem Vorgehen der russischen Streitkräfte. Es gehe dabei darum, Gegnern Angriffe mit Drohnen zu erschweren. Denn auch die nutzen in der Regel GPS. „Die Störungen reichen oft über Hunderte von Kilometern. Also weit über das Konfliktgebiet hinaus“, so Faragher. So ist es auch in der Ostsee, denn auch sie ist mittlerweile einer der Orte, an denen der russisch-ukrainische Krieg geführt wird. Das liegt insbesondere an den russischen Ölexporten, die weitgehend über die Ostsee abgewickelt werden. Um der russischen Kriegswirtschaft zu schaden, greift die Ukraine tatsächlich immer wieder Häfen mit Drohnen an. Doch Russland stört nicht nur im Bereich der Ölhäfen das GPS. Die Störungen gehen auch von der russischen Exklave Kaliningrad aus und reichen teils bis in den deutschen Luftraum. Ist das ein hybrider Angriff? Die Reporter fragen nach, bei Florian Hahn (CSU), Staatsminister im Auswärtigen Amt: „Russland setzt damit ein deutliches Zeichen, will uns bedrohen, will zeigen, was es kann, will uns unter Druck setzen“, sagt er. Wie wehrt Europa sich? Die deutsche Marine beobachtet die Situation offenbar mit Argwohn. Die Reporter der „NDR Story“ konnten exklusiv einen Verband von NATO-Schiffen bei einem internationalen Manöver zwischen Schweden und Deutschland begleiten. Der Kommandant der Korvette „Erfurt“, einem Kampfschiff, berichtete ihnen: „Jamming ist mittlerweile ein alltägliches Ereignis.“ Das liege auch daran, dass russische Kriegsschiffe in der Ostsee möglichst unbemerkt unterwegs sein wollen. Aus Sicht der Marine ist es deshalb wichtig, die Situation genau zu verfolgen. Die Kommandeurin Inka von Puttkamer spricht in diesem Kontext vom „Lagebildaufbau“, also dem Sammeln von Informationen und Beobachtungen. Wichtig sei auch, Präsenz zu zeigen, denn auch das sei „Abschreckung gegenüber Russland“. Doch belässt Deutschland, belassen die EU und die NATO es dabei? Oder greifen sie auch selbst zu robusten Maßnahmen? Auch dieser Frage geht diese „NDR Story“ nach. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 17.08.2026 NDR Albtraum Gastro? Eine Branche unter Druck
Folge 508 (45 Min.)Pächter Malte blickt auf ein Wochenende voller Reservierungen mit einem unterbesetzten Team.Bild: NDRSteigende Kosten, fehlendes Personal und immer mehr Beschäftigte, die überlegen, der Gastronomie den Rücken zu kehren: Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Was bedeutet das für die Menschen, die Gasthof, Bar, Restaurant trotzdem mit Leidenschaft für ihre Gäste am Laufen halten? Um das herauszufinden, arbeiten die Reporterinnen Kathrin Muckel und Saïda Belaatel ein langes Wochenende selbst in Küche und Service mit. Sie erleben hautnah, was es bedeutet, wenn Personal fehlt und der Druck auf die Betriebe steigt.Der große Traum vom eigenen Laden „Im Inneren sieht es dunkel aus und trotzdem muss man die ganze Zeit lächeln“, sagt der 33-jährige Malte. Vor einem Jahr hat er den alteingesessenen Landgasthof Waldeslust in Hamfelde in Schleswig-Holstein übernommen, sich den Traum vom eigenen Laden erfüllt. Schon bald wird dieser Traum auf die Probe gestellt. Kurz vor einem langen sommerlichen Wochenende kündigt eine wichtige Mitarbeiterin. Plötzlich muss Malte selbst in der Küche stehen. Was folgt, ist für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Krise trifft auch etablierte Gaststätten Auch Falco spürt, wie sehr sich die Branche verändert. Seit fast 30 Jahren führt er das Lokal Gloria in Hamburg-Eimsbüttel. Es läuft eigentlich gut, trotzdem machen ihm die steigenden Kosten für Lebensmittel, Energie und Personal zu schaffen. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten der Gäste: Viele geben weniger Geld aus. Für Falco bedeutet das, neu zu kalkulieren, sein Konzept zu überdenken und sich mit einer schwierigen Frage auseinanderzusetzen: Wer wird das Gloria unter diesen Bedingungen demnächst weiterführen? Wenn der Beruf krank macht Nicht alle halten dem Druck stand. Silvana und Burkhard haben lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet. Beide berichten von körperlichen und psychischen Belastungen, von Leistungsdruck und einem Arbeitsalltag, in dem Alkohol und andere Drogen für sie zum Problem wurden. Ihre Geschichten zeigen, welche persönlichen Folgen die Arbeitsbedingungen in der Branche haben können. Eine Studie der BARMER hat gezeigt, dass das Gastgewerbe von allen Branchen das höchste Risiko für Suchterkrankungen mit sich bringt. Auch die ungewöhnlichen und oft langen Arbeitszeiten werden als belastend empfunden. In einer nicht repräsentativen, aktuellen Umfrage der Gewerkschaft NGG sagen etwa 80 Prozent der Befragten, sie dächten – manchmal bis häufig – über einen Ausstieg aus der Gastronomie nach. Die „NDR Story“ zeigt den Alltag hinter den Kulissen einer Branche, die für viele Gäste mit Genuss und Auszeit verbunden ist, für Gastwirte und Beschäftigte aber häufig mit extrem harten Arbeitsbedingungen. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 04.09.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 07.09.2026 NDR Büros als Wohnraum? – Umbauen statt Abreißen
Folge 509 (45 Min.)Lange Zeit wurden in Deutschland mit Büromieten Milliarden verdient. Dann kamen Corona und das Homeoffice. Immer weniger Büros wurden gebraucht, der Leerstand nahm dramatisch zu. In den sieben größten Städten des Landes hat er sich sogar verdreifacht. Und eine Besserung ist am Markt nicht in Sicht. Jetzt fordern Architekten und Ökonomen, die leeren Büroflächen anders zu nutzen. Denn in Deutschland fehlen aktuell 1,4 Millionen Wohnungen, eines der drängendsten sozialen Probleme mit dem Potenzial, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben. Da wäre jedes leer stehende Bürohaus, das zu Wohnraum umgewandelt wird, hilfreich. Noch dazu würde die Umwelt profitieren: Denn moderne Gebäude müssen zwar höhere Ökostandards erfüllen.Dem stehen jedoch enorme Klimaschäden gegenüber, die der Abriss der Altbauten sowie der Neubau verursachen. Erste erfolgreiche Beispiele für die Umnutzung leer stehender Büros gibt es schon, wie diese „NDR Story“ an Beispielen auch aus dem Norden zeigt. Auch Verena Hubertz (SPD), Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, unterstützt die Idee mit einem neuen Förderprogramm und 300 Millionen Euro. Und trotzdem zögern in der Immobilien- und Bauwirtschaft noch immer viele. Weil sie von einer Wiederbelebung des Büromarktes und von Renditen in zweistelliger Prozenthöhe träumen? Weil steuerliche Abschreibungen, die sich für die nicht vermieteten Flächen nach Schätzungen auf dreistellige Millionenbeträge addieren, den Leerstand erträglich machen? Um herauszufinden, warum die üblichen Marktmechanismen zwischen Überangebot an Büros und ungedeckter Nachfrage an Wohnraum nicht funktionieren, machen sich Grimme-Preisträger Hauke Wendler und sein Kamerateam auf eine Reise einmal quer durch die Republik. Warum droht eine Idee, von der Mensch und Umwelt profitieren würden, zu scheitern? Und was könnte geändert werden, damit nicht etwa internationale Investoren bestimmen, wohin es mit dem deutschen Immobilienmarkt geht? (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 28.09.2026 NDR Was tun gegen Ratten? – Ein Stadtteil kämpft gegen den Müll
Folge 510 (45 Min.)In einem bewohnten Hinterhof haben Ratten mehrere Bauten mit unzähligen Löchern errichtet.Bild: NDR/Paola MesterEine spannende Reportage über den Kampf um Sauberkeit im Kieler Stadtteil Gaarden. Gaarden hat wie viele Städte ein Rattenproblem. Dichte Bebauung, Müll auf den Straßen und vor allem wärmere Winter sorgen dafür, dass die Population von Ratten deutschlandweit steigt. Die Nagetiere fressen sich durch Mülltonnen, leben in Hinterhöfen und Hauseingängen. Für die Menschen in Kiel-Gaarden ist die Belastungsgrenze erreicht. Sie wollen aktiv werden. Doch wie wird ein Stadtteil die Ratten wieder los? Nesimi Temel ist in Gaarden aufgewachsen.Er ist Ratsherr für die SPD in der Stadt Kiel und wohnt mit seiner Familie noch immer dort. Er liebt den bunten, multikulturellen Stadtteil, doch die Lebensqualität im Viertel leide unter dem Rattenproblem, hört Nesimi Temel immer wieder. „Wenn ich Spätschicht habe und um 22 Uhr nach Hause komme, dann sind hier schon mal fünf Ratten, die mich dann grüßen und sagen: Na Norbert, hast’ Feierabend?“ berichtet zum Beispiel Anwohner Norbert Milz. So wie er sind viele frustriert. Selbst wenn sie ihren Müll richtig trennen und die Tonnen verschließen, finden die Ratten einen Zugang. Durchgefressene und überfüllte Tonnen begegnen der Müllabfuhr täglich bei ihrer Route durch den Stadtteil Gaarden, die Ratten gehören hier zum Arbeitsalltag. Doch wer trägt eigentlich die Verantwortung? Während auf öffentlichen Flächen die Stadt beziehungsweise die Kommune zuständig ist, müssen auf den Hinterhöfen und Privatflächen die Vermieter und Anwohner für Ordnung sorgen. Gar nicht so einfach, denn in Gaarden leben auch viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu meistern: Arbeitslosigkeit, Suchterkrankung, fehlendes Wissen über den richtigen Umgang mit Müll, sind nur einige der Probleme. Die Stadt hat bereits vier Blocks durch Schädlingsbekämpfer bereinigen lassen, doch die Ratten sind inzwischen wieder da. Engagierte Bürger wie der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Cebel Kücükkaraca und Ratsherr Nesimi Temel wollen das Problem jetzt selbst angehen. Große Hoffnung setzen sie in den neuen Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Bündnis 90/Die Grünen), denn er kommt selbst aus dem Stadtteil. Wird er helfen können? Ratten sind schlau „Ab einer bestimmten Anzahl von Ratten ist es schwer, sie zu bekämpfen“, sagt Experte Dennis Zwandulla. Er ist Schädlingsbekämpfer und hat Kundschaft in ganz Norddeutschland. „Ratten sind oft schlauer als die Fallen der Menschen.“ Bei seiner Arbeit muss Zwandulla Gift einsetzen, das zeitversetzt wirkt, damit die Tiere keinen Zusammenhang herstellen können zwischen dem Futter und dem Tod von Artgenossen. Doch Gift allein reicht nicht, entscheidend ist immer, ob die Tiere vor Ort Futter finden: „Bevor eine Ratte an einen Köder geht, dann holt sie sich lieber irgendwelche Pommes-Reste. Das ist ganz klar.“ Zusätzlich dürfen Privathaushalte seit Beginn des Jahres kein Gift mehr kaufen, dafür müssen nun Schädlingsbekämpfer gerufen werden. Doch das ist oft teuer und zeitintensiv. In Gaarden, da ist sich der Schädlingsbekämpfer sicher, muss ohnehin zunächst das Müllproblem gelöst werden. Solange die Ratten Nahrung finden, werden sie sich weiter vermehren. Für die Menschen in Gaarden bedeutet das: sie müssen alle mitziehen. Nesimi Temel verteilt inzwischen Flyer mit Informationen zur Müllentsorgung. „Wir müssen eine Stimme sein für die Menschen, die gerade nicht sichtbar sind oder sich nicht aus dem Haus trauen. Wir müssen sie aktiver ansprechen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagt er. NDR Autorin Paola Mester hat den Stadtteil Gaarden über fünf Monate immer wieder besucht. Sie spricht mit Gastronomen ebenso wie mit Anwohnern und wohnungslosen Menschen im Park. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Ratten erfährt sie von der Expertin Marion Schweinfurth, die an der University in Schottland forscht. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere So. 04.10.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 05.10.2026 NDR Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 28.09.2026Drohnen über der Siedlung – Wer schützt unsere Privatsphäre?
Folge 511 (45 Min.)Drohnen sind Teil des Alltags geworden. Für wenige Hundert Euro kann heute nahezu jeder ein leistungsfähiges Fluggerät kaufen. Die „NDR Story“ begleitet Menschen, die sich durch Drohnen beobachtet, gestört oder sogar ausgespäht fühlen. Gleichzeitig stellt die Dokumentation rechtliche Fragen, die viele Menschen bewegen. (Text: NDR)Deutsche TV-Premiere Mo. 12.10.2026 NDR Die Kinder vom Bürgerzentrum
Folge 512 (45 Min.)NDR Fernsehen NDR STORY – DIE KINDER VOM BÜRGERZENTRUM. Zum ersten Mal spricht Familie Tali über die herausfordernden ersten Jahre in Achim.Bild: NDR/Carsten JanssenJahrzehntelang lagen sie unbeachtet in einem Schrank: VHS-Filme, die jetzt erstmals öffentlich zu sehen sind und seltene Einblicke in eine vergangene Zeit geben: Ein norddeutsches Viertel in den 1980er-Jahren: Beton, Hochhäuser, kaum Platz zum Spielen. Mittendrin Kinder, die dicht gedrängt vor einer verschlossenen Tür warten. Die Gesichter gegen die Scheibe gepresst, aufgeregte Rufe. Dann öffnet sich die Tür und es gibt kein Halten mehr. In Scharen stürmen sie los – hinein ins Bürgerzentrum. Seit 1981 ist das BÜZ, wie das Bürgerzentrum kurz genannt wird, ein beliebter Treffpunkt im Norden der Stadt Achim bei Bremen.Für Generationen von Kindern aus zugewanderten Familien ist die Einrichtung wie ein zweites Zuhause. Mitten im Magdeburger Viertel, einem Stadtteil, der lange von außen als Brennpunkt wahrgenommen wurde. Hier fanden viele Teilhabe und Raum, sich zu entfalten. Beim Ententanz auf Faschingspartys, bei hitzigen Kicker-Turnieren oder bei Mädchenabenden, an denen hinter zugezogenen Vorhängen ausgelassen zu den Backstreet Boys getanzt wurde. Dirk Ysker leitete fast 40 Jahre lang das Bürgerzentrum. Gemeinsam mit seinem Team unterstützte er Hunderte Familien aus unterschiedlichen Herkunftsländern, die in Achim ein neues Leben begannen: von den damals sogenannten „Gastarbeitern“ der ersten Generation über kurdische Geflüchtete bis zu den Menschen, die 2015 nach Deutschland kamen. Heute, im Ruhestand, öffnet der Sozialarbeiter erstmals sein Archiv. Auf zahlreichen Dias, Fotos und Videos lassen sich die Lebenswege ganzer Familien erahnen, Geschichten mit Brüchen, Hoffnungen und Wendungen. Was ist aus den Kindern von damals geworden? Und was lässt sich aus ihren Geschichten heute lernen – auch über Deutschland als Einwanderungsland? Nach Jahren trifft Dirk Ysker die Menschen, die er lange begleitet hat, wieder und blickt gemeinsam mit ihnen auf die prägenden Jahre zurück. So wird aus der Geschichte eines Bürgerzentrums eine Langzeitbeobachtung über mehr als vier Jahrzehnte deutscher Migrationsgeschichte, erzählt aus der Perspektive der Kinder von damals. (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 16.10.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 19.10.2026 NDR Falschgeld – Auf der Jagd nach den Blüten
Folge 513 (45 Min.)Landgericht Ingolstadt: Der Wuppertaler und seine frühere Partnerin im Prozess wegen Geldfälschung.Bild: NDR/Margareta KosmolFalschgeld gilt bei vielen als Relikt aus alten Krimis. Tatsächlich ist es Teil des heutigen Alltags: an der Supermarktkasse, an der Tankstelle, sogar im Festzelt in Friesland, wo der Wirt jeden einzelnen Schein am Biertresen überprüft. Immer bessere Kopiertechnik und das Internet machen den Betrug leichter denn je. Falsche Scheine im Nennwert von rund vier Millionen Euro zog die Deutsche Bundesbank 2025 aus dem Verkehr, rund 68.000 Blüten. In öffentlichen Gruppen beim Messengerdienst Telegram werben Verkäufer mit Preislisten, Qualitätsversprechen und Kundenservice.Doch was bedeutet das für Menschen, die am Ende auf so einem wertlosen Schein sitzen bleiben? Und was für die, die diesen Markt bekämpfen? Für die „NDR Story“ folgen die Autorinnen Natalie Beck und Margareta Kosmol den Spuren des Falschgeldes: von denen, die es drucken, über die, die es kaufen, bis zu denen, die es jagen. Deutschlands größter Geldfälscher Eine Spur führt nach Wuppertal. „Marktführer“ nennt sich ein 32-Jähriger, der gefälschte Euroscheine ins gesamte Bundesgebiet verkauft hat. Im Herbst 2025 nehmen Ermittler ihn fest; für die Polizei ist er „der wohl größte aktiv tätige Geldfälscher im Bundesgebiet“. Im Sommer 2026 muss er sich vor Gericht dafür verantworten, dass er rund 450.000 Euro in seiner Dachgeschosswohnung gefälscht haben soll. Von der Durchsuchung bis ins Labor Wie solches Falschgeld wieder aus dem Verkehr gezogen wird, zeigt sich auch in Norddeutschland. Frühmorgens durchsuchen Fahnder des Landeskriminalamts in Kiel eine Wohnung und finden falsche Hunderteuroscheine. Der mutmaßliche Täter hatte vorher versucht, einen dieser Scheine im Supermarkt zu Wechselgeld zu machen. Die Blüten werden beschlagnahmt und zur Sicherung der Fingerspuren ins Labor gebracht. Wer Falschgeld in Umlauf bringt, muss mit harten Strafen rechnen. Denn Falschgeld beschädigt das Vertrauen in die Währung. Die perfekte Fälschung? In der „NDR Story“ geben Ermittler, Täter und Fachleute von Bundesbank und Europol Einblick, wie Falschgeld hergestellt wird, was eine täuschend echte Fälschung ausmacht und ob es die perfekte Blüte gibt. Hinter allem steht die Frage, die so alt ist wie das Geld: Wie bewahrt man Vertrauen in etwas, um das sich alles dreht – und das doch nur ein Stück Papier ist? (Text: NDR) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 23.10.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 26.10.2026 NDR Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?
Folge 514 (45 Min.)Es wird wieder heftig diskutiert über das Beamtentum in Deutschland: Vor dem Hintergrund der großen Reformen der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung und den damit verbundenen sozialen Einschnitten stellen sich die Fragen: Sind die Privilegien, die Staatsdiener genießen, noch zeitgemäß? Ist es gerecht, dass Beamte von der Sozialversicherungspflicht befreit sind, dass ihr Pensionsniveau deutlich über dem der Rente bei Angestellten liegt und sie in der Regel privat krankenversichert sind? Kann sich Deutschland eine solche privilegierte Gruppe noch leisten? Wie reformfähig ist das Land, wenn es um das Beamtentum geht? Diesen Fragen geht Jessy Wellmer in ihrer neuen Reportage „Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?“ nach.„Ohne Beamte würden Teile unseres Staates nicht funktionieren. Unser Anspruch ist es, einmal ganz sachlich zu schauen, in welchen Bereichen wir noch Beamte brauchen und welche Privilegien noch gerechtfertigt sind“, so Jessy Wellmer. Auf der Suche nach Antworten besucht Jessy Wellmer unter anderem zwei Gymnasiallehrerinnen in Chemnitz. Beide arbeiten an derselben Schule – eine ist verbeamtet, eine nicht. Obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, verdient die Beamtin mehr und ist im Alter deutlich besser abgesichert. Empfinden die Kolleginnen das als gerecht? Und wünschen sie sich eine Änderung des bestehenden Systems? Müssen Lehrerinnen überhaupt verbeamtet sein? Jessy Wellmer trifft andererseits die oberste Steuerfahnderin von Nordrhein-Westfalen, Stephanie Thien, für deren Arbeit der Beamtenstatus elementar wichtig ist. Mit der Komikerin Tülin Sezgin, die früher auch Beamtin war, spricht Jessy Wellmer über Klischees und Wirklichkeit des Beamtenalltags. Und sie erfährt bei einem weiteren Dreh, dass nicht jeder Beamte auf Rosen gebettet ist. Schließlich beschäftigt sich Jessy Wellmer mit der Frage, wie eine Reform aussehen könnte – in Gesprächen mit Politikern und dem Chef des DBB Beamtenbundes, Volker Geyer. Ihre Recherche führt sie zudem nach Österreich, wo das Beamtensystem schon Anfang der 2000er-Jahre grundlegend reformiert wurde. Ergänzt wird die Reportage mit einer exklusiven infratest-dimap-Umfrage: Wie blicken die Deutschen auf die Beamten? Und wie notwendig erachten sie Reformen? „Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?“ ist der erste Film einer zweiteiligen Reihe „Wie reformfähig ist Deutschland?“. In dem zweiten Film beschäftigt sich Caren Miosga mit dem Thema Pflege. „Häusliche Pflege: Wenn würdevolle Betreuung zur Zerreißprobe wird“ wird am 26. Oktober 2026 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 02.11.2026 NDR Landwirt Helge und die Gülle – alles Mist?
Folge 515 (45 Min.)Gülleausbringung auf Grünland von Helge Blankemeyer.Bild: NDR/Herbert KordesFür den jungen Landwirt Helge Blankemeyer aus dem Landkreis Oldenburg ist Gülle kein Abfall, sondern wertvoller Dünger. Sie versorgt die Pflanzen auf seinen Feldern mit Nährstoffen und ist Teil eines Kreislaufs, von dem sein Hof lebt. Doch Helges Betrieb hat ein Problem: Sein Hof liegt in einem sogenannten roten Gebiet. Das bedeutet: Er muss den Dünger auf seinen Flächen eigentlich reduzieren, weil die zulässigen Nitratwerte im Grundwasser in diesen Gebieten per Definition überschritten werden. Mehrere Monate lang hat ein Team des NDR Helge Blankemeyer durch seinen Alltag begleitet: vom „Güllesilvester“ im Frühjahr über Aussaat und Ernte bis in den Herbst.Helge Blankemeyer ist überzeugt: Er ist zu Unrecht in einem roten Gebiet, das Grundwasser unter seinem Hof sei nicht belastet. Mit seinem Vater arbeite er seit Jahren daran, nicht mehr zu düngen als wirklich erforderlich ist. Landwirte wie er würden zu Unrecht für die Belastung der Gewässer verantwortlich gemacht, findet er: „Es kommt mir immer so vor, dass der Landwirtschaft das pauschal angekreidet wird. Obwohl wir seit fast 20 Jahren Dünger einsparen.“ Und er fragt: „Wer bezahlt mir am Ende den finanziellen Ausgleich für die Einbußen, die ich habe?“ Tatsächlich haben Gerichte inzwischen festgestellt, dass die Methode der Behörden zur Bestimmung der roten Gebiete unzureichend ist; Niedersachsen hat die Regelung zwischenzeitlich ausgesetzt. Andernorts zeigen sich unterdessen die möglichen Folgen einer zu hohen Nährstoffbelastung: in der See. Über Flüsse gelangen die Nährstoffe aus den ländlichen Gebieten ins Meer. Die Algen wachsen und nehmen den Lebewesen den Sauerstoff. Und was in der Nordsee schon kritisch ist, führt in der Ostsee zu toten Zonen, in denen kein Fisch mehr schwimmt. Anne Hamester von Greenpeace beobachtet die Folgen der Nährstoffbelastung in Flüssen und Meeren: „Immer, wenn zu viel Gülle oder andere Düngemittel auf dem Feld landen, sickert dieser überschüssige Dünger in die Gewässer und landet teils im Grundwasser, teils in Seen, aber auch von den Flüssen dann im Meer und hier in der Ostsee“, sagt sie. Die bestehenden Düngeregeln hält sie für nicht streng genug. Die Wissenschaft ist in ihren Augen viel weiter. Weniger Dünger müsse nicht weniger Ertrag bedeuten, sagt sie. Wirtschaftliche Zwänge hier – Gefahren für Mensch und Tiere dort: wie lässt sich dieser Konflikt lösen? Lässt er sich überhaupt lösen? Und was passiert, wenn der Landwirt und die Umweltschützerin aufeinandertreffen? Die „NDR Story“ betrachtet beide Seiten: Sie bringt den Landwirt und die Umweltaktivistin zusammen. Helge und Anne begegnen sich auf dem Hof, streiten über Grenzwerte, Düngevorgaben und Verantwortung und suchen trotz gegensätzlicher Positionen nach Lösungen. Wie groß ist das Verständnis der beiden Seiten für die Nöte des anderen? Und: Was muss passieren, damit am Ende beiden geholfen ist – dem Landwirt und der Umwelt? Ein Film über einen Stoff, der auf dem Acker landet und dessen schädliche Wirkungen viele Kilometer entfernt in der See sichtbar werden; über einen Landwirt, der darum kämpft, den Hof seiner Eltern in eine sichere wirtschaftliche Zukunft zu führen und eine Umweltschützerin, die den Spagat versucht zwischen dem Verständnis für wirtschaftliche Nöte in der Landwirtschaft und dem Kampf um wirksamen Meeres- und Trinkwasserschutz. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 09.11.2026 NDR Abgetorft – Kleine Branche, großer Schaden?
Folge 516 (45 Min.)Roberto Goncalves, Leiter des Umweltamtes im Landkreis Grafschaft Bentheim, im InterviewBild: NDR/Kolja NiberDer Torfabbau in Deutschland neigt sich dem Ende zu. Große Torfflächen in Naturschutzgebieten sollen stattdessen wieder zu klimafreundlichen nassen Mooren zurückgewandelt werden. Doch monatelange NDR Recherchen zeigen: entgegen der vereinbarten Planung fehlen nicht selten auf den Flächen große Mengen Resttorf. Wurde tiefer abgebaut als erlaubt? Die Torfindustrie rückte deshalb zuletzt in den Fokus von Strafverfolgern und Gerichten. Es geht um Millionensummen, um Behörden, die vermutlich jahrelang nicht einschritten, und um eine Industrie im Überlebenskampf.Von umweltpolitischen Zielen beim Torfausstieg ist die Branche mithin noch weit entfernt. Dazu kommt, dass auf EU-Ebene noch immer jedes Limit fehlt, offenbar auch dank einer einflussreichen Lobbyistin der Branche. Geht es nach ihr, brauche es für eine grünere Zukunft sogar mehr Torf. Dabei arbeiten Unternehmen gerade in Norddeutschland seit Jahren an Torf-Alternativen. Die „NDR Story“ deckt auf, wie groß der Schaden ist, den der Torfabbau mutmaßlich hinterlässt. Und fragt, wo die Zukunft der Branche liegen könnte. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 16.11.2026 NDR Nächster Halt: Auf die Fresse? Angst in Bus und Bahn
Folge 517 (45 Min.)Viele Menschen fühlen sich in Bus und Bahn nicht mehr sicher. Es stellt sich die Frage, wie es um die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr steht und was nötig ist, damit Fahrgäste sowie Fahrerinnen und Fahrer sich wieder geschützt fühlen. Die Doku begleitet Beschäftigte und Fahrgäste im Nahverkehr und zeigt, wie sie mit Gewalt, Bedrohungen und Angst umgehen. Fahrerinnen und Fahrer der Rheinbahn in Düsseldorf berichten von Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffen. „Wenn Männer aggressiv und laut werden, hat man immer ein mulmiges Gefühl“, sagt Straßenbahnfahrerin Sabine Weigle. Die Rheinbahn reagiert mit neuen Sicherheitskonzepten. Dazu gehören KI-gestützte Kameras, Bodycams und zusätzliche Sicherheitskräfte.„Der öffentliche Nahverkehr muss objektiv sicher sein und sich für die Menschen auch so anfühlen“, sagt Annette Grabbe, Vorstandsvorsitzende der Rheinbahn AG. Die Doku nimmt auch die Perspektive der Fahrgäste in den Blick und fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen von Zivilcourage. Ein Dortmunder Fahrgast berichtet, wie er nach einem Streit in der Bahn durch einen Messerangriff verletzt wurde: „Plötzlich sah ich in die Gesichter der anderen Fahrgäste und realisierte, dass mich der Mann mit einem Messer verletzt hatte, aus meinem Nacken lief Blut“. Die Story sucht Antworten auf die Frage, wie der öffentliche Nahverkehr wieder ein sicherer Ort für alle werden kann. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 23.11.2026 NDR
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