NANO Folge 139: Folge 139/2026: Spieltheorie – Wie wir Krisen berechenbar machen
Folge 139
Folge 139/2026: Spieltheorie – Wie wir Krisen berechenbar machen
Folge 139 (45 Min.)
Warum kooperieren wir? Welche Strategien helfen uns bei Entscheidungen? Ob bei geopolitischen Konflikten, im globalen KI-Wettlauf oder in der WG-Küche: Die Spieltheorie hat die Antwort. Win-win-Situation oder Nullsummenspiel? Mathematische Modelle beleuchten die Ursachen scheiternder Kooperationen und zeigen, warum das Verhalten anderer über den eigenen Erfolg entscheidet: beim Elfmeterschießen, bei Organspenden oder Klimaverhandlungen. Ein Elfmeterschuss dauert weniger als eine Sekunde – und ist doch ein komplexes strategisches Duell. Genau solche Situationen untersucht die Spieltheorie: Was geschieht, wenn der eigene Erfolg davon abhängt, was andere gleichzeitig entscheiden? Auf dem größten Frankfurter Volksfest, der „Dippemess“, demonstriert der Wirtschaftswissenschaftler Christian Rieck das „Chicken Game“ im Autoscooter: Wer dem gegnerischen Fahrzeug bei dieser Mutprobe ausweicht, ist das „Chicken“ – der Angsthase – und verliert das Spiel.
In einer WG zeigt sich am Geschirrspüler das Gefangenendilemma: Für den Einzelnen scheint Nichtstun bequem, für alle zusammen wird es
zum Problem.
Die Dokumentation begleitet Forschende, die mit spieltheoretischen Modellen reale Konflikte entschlüsseln. Der Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels von der Universität Köln zeigt, wie Kooperation bei Nierenspenden organisiert werden kann. Auf dem Fußballplatz wird Unberechenbarkeit zur Strategie, in der Weltpolitik hingegen werden Drohungen und Ultimaten zum riskanten Machtspiel. Besonders deutlich wird die Kraft der Spieltheorie beim Klimaschutz: Forschende am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und am Institute of Science and Technology Austria untersuchen, wie Zusammenarbeit auch unter ungleichen Voraussetzungen beteiligter Länder gelingen kann.
Doch wo sind die Grenzen der Theorie – und was passiert, wenn nicht mehr nur Menschen verhandeln, sondern Maschinen mitentscheiden? Am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersucht der Computerwissenschaftler Iyad Rahwan, wie KI soziale Entscheidungen verändert. Die Spieltheorie liefert keinen einfachen Weltrettungsplan – aber neue Perspektiven auf Kooperation, Macht und unser Entscheidungsverhalten. (Text: 3sat)