Zwischen Reusen und Reet – Ostfrieslands letzter Binnenfischer

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Rudolf Endjer hat sein Handwerk gelernt: er stellt seine Reusen selbst her und flickt sie nach jedem Einsatz. (Weitere Bilder auf Anfrage.) – Bild: NDR/​nahaufnahme.tv/​Stefan Radüg
Rudolf Endjer hat sein Handwerk gelernt: er stellt seine Reusen selbst her und flickt sie nach jedem Einsatz. (Weitere Bilder auf Anfrage.)
Bei Regen, Sturm und Kälte: Täglich muss Rudolf Endjer seine Reusen auf den Seen nahe Emden einholen. Egal wie das Wetter ist. Es ist ein harter Job. Schon Rudis Vater, Großvater und Urgroßvater waren hier, kurz vor der Nordsee, Seenfischer. Rudi sorgt dafür, dass es weiterhin regionalen Fisch gibt: „Wenn ich das nicht tue, dann essen wir bald nur noch Importfisch aus China.“ Rudolf Endjer ist hier der Letzte seiner Zunft, der letzte Binnenfischer in Ostfriesland. Es landen nur wenige Fische in seinen Reusen auf dem Loppersumer Meer und dem Großen Meer in Ostfriesland. Die Kormorane haben dem Fischer wieder viele Brassen, Zander oder Karpfen „vor der Nase“ weggefressen.
Vielleicht standen aber auch seine Fanganlagen nicht so gut. „Fische verraten sich nicht, es braucht halt auch Glück“, sagt der Fischwirt und wechselt eine seiner Reusen aus. Offenbar sind auch wieder Plünderer unterwegs. Drei Netze seiner Reusen haben Löcher, die Anlagen sind leer. Immer wieder machen sich Hobbyangler über Rudolfs Netze her und klauen seine Fische. In Rudolfs kleiner Räucherei am Uphuser Meer qualmen schon die Öfen, traditionell mit Buchenholz befeuert, „für den guten Geschmack“.
Der Fischwirt muss für eine Vorbestellung Aale räuchern. Beim Schlachten, Ausnehmen und Verarbeiten hilft ihm Ehefrau Karin. Sie kümmert sich auch um den Hofladen. Doch seit Corona kommen nicht mehr so viele Touristen, um Fisch zu kaufen. Seit Jahren betreut Rudolf auch den heimischen Angelverein. Hier zieht er Fischbrut auf und setzt diese in kleineren Teichen aus. So sorgt er für Vermehrung der Tiere und für Artenreichtum in den Gewässern. Ab Mitte Januar wird seine Arbeit körperlich noch härter. Rudolf schneidet mit Traktor und Mäher das Reet am Ufer seiner Seen.
Auch das macht er ganz allein. Die Rohre werden gebündelt, gebürstet und zum Trocknen verteilt. Es ist ein äußerst wertvolles Baumaterial in dieser Gegend und sehr rar. Da es kaum noch Reetschneider gibt, reißen sich Dachdecker um sein Material. Zudem ist die Winterarbeit für Endjers Familie unverzichtbar, sie hält sie finanziell über Wasser. „Die Nordreportage“ begleitet den letzten Binnenfischer Ostfrieslands durch den oft harten Winter und zeigt, warum er, trotz harter körperlicher Arbeit, an gleich zwei Berufen mit Tradition festhält, die vom Aussterben bedroht sind: Binnenfischer und Reetschneider. (Text: NDR)

Cast & Crew

Redaktion: Joachim Grimm, Karoline Grothe
Moderation: Thorsten Hapke
Drehbuch: Stefan Radüg
Produktionsauftrag: Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Produktion: Ulrike Gädke

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