1. Die Methode (Le Parfait Inquisiteur)
Folge 1 (55 Min.)Im Jahr 1231 rief Papst Gregor IX. die Inquisition ins Leben, um Andersdenkende und -gläubige zu überwachen, einzuschüchtern und zu bestrafen. Über sechs Jahrhunderte hinweg verbreitete diese Institution mit Geheimverfahren, Folter und Hinrichtungen Angst und Schrecken in Europa. Was als brutale Reaktion auf vermeintlich ketzerische Bewegungen begann, entwickelte sich zu einem hochorganisierten System der Repression. Die katholische Kirche sah sich im Mittelalter mit wachsender Kritik konfrontiert: Einfache Gläubige forderten eine Rückkehr zu den bescheidenen Werten des Evangeliums und stellten das religiöse Monopol des korrupten Klerus infrage.Als Antwort darauf entsandte der Papst Inquisitoren nach Frankreich, Deutschland und Italien – Richter mit fast unbegrenzter Macht, die völlig willkürlich Exempel statuierten und Menschen auf Scheiterhaufen hinrichten ließen. Doch die Inquisition als Apparat zur Verfolgung angeblicher „Glaubensverbrechen“ schuf auch Strukturen, die bis heute nachwirken: Geheime Ermittlungen und ihre Dokumentation in Archiven, taktisch geprägte Zeugenbefragungen, erzwungene Geständnisse als zentrales Instrument der Beweisführung und Inhaftierungen als Druckmittel. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 15.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 22.09.2026 arte 2. Kirche, Tod und Teufel (Le secret et le faste)
Folge 2 (55 Min.)In Spanien, Portugal und Italien entstand ein streng hierarchisches Ermittlungs- und Unterdrückungssystem unter der Kontrolle eines Obersten Rates. Er war Sinnbild der „modernen Inquisition“, die unter anderem auch Galileo Galilei verurteilte. Das um 1380 entstandene „Directorium Inquisitorum“ wurde überarbeitet und um neue Gruppen von Verdächtigen ergänzt: zum Christentum konvertierte Juden und Muslime, denen die heimliche Rückkehr zu ihrer früheren Religion vorgeworfen wurde, Protestanten, Gelehrte, Philosophen, die indigene Bevölkerung der Neuen Welt, Homosexuelle, Bigamisten und Menschen, die die Bibel in ihrer Landessprache lasen. Die traditionellen Methoden der Inquisition und ihre Arbeit im Geheimen wurden weiter verschärft und sorgten landauf, landab für Angst und Schrecken.Gleichzeitig dienten die großen Autodafés, bei denen Dutzende verurteilter „Ketzer“ öffentlich vorgeführt wurden, als wirkungsvolle Inszenierungen der gesellschaftlichen Rolle der Inquisition und ihrer engen Verbindung mit der weltlichen Macht. Der Einfluss der Inquisitoren in Südeuropa schien grenzenlos. Doch im 18. Jahrhundert geriet die sie unter den Druck neuer Ideale von Toleranz und Gewissensfreiheit. Außerdem sah sie sich mit dem zunehmenden Widerstand weltlicher Herrscher konfrontiert, die die Befugnisse von Polizei und Justiz nicht mehr mit der Kirche teilen wollten. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 15.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 22.09.2026 arte
