1. Die blaue Sonne
Folge 1 (60 Min.)Das Emblem der „blauen Sonne“ steht für die Republik China unter Chiang Kai-shek. Nach dem Ende des jahrtausendealten Kaiserreichs 1911 sucht das Land nach einer neuen Identität. Wie kann China seine Souveränität zurückgewinnen? Und was bedeutet es, Chinese zu sein? Chiang Kai-shek, Nachfolger des Republikgründers Sun Yat-sen, will das Land einen und von ausländischer Vorherrschaft befreien. Seit den Opiumkriegen Mitte des 19. Jahrhunderts ist China durch Konzessionen zersplittert. Mit dem Nordfeldzug 1926 gelingt es Chiang Kai-shek, die von Warlords beherrschten Regionen unter seine Kontrolle zu bringen.Die Republik erobert einige Konzessionsgebiete zurück und übernimmt die Zollverwaltung. Doch Chiang Kai-sheks Vision eines starken Chinas wird von zwei Seiten bedroht: Japan intensiviert seine militärischen Angriffe und im Inneren erstarkt die kommunistische Bewegung unter Mao Zedong. 1936 wird Chiang Kai-shek entführt und muss unter sowjetischem Druck eine vorübergehende Allianz mit den Kommunisten eingehen, um japanische Truppen aus China zu vertreiben. Trotz Korruption und Repression wird sein Regime im Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen Verbündeten der USA. 1943 werden die ausländischen Konzessionen aufgehoben, 1945 wird China Gründungsmitglied der Vereinten Nationen mit einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Doch dieser scheinbare Triumph ist nicht von Dauer. Das nationalistische Regime ist instabil, und selbst US-Präsident Roosevelt beginnt, an seinem einst treuen Verbündeten zu zweifeln. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 10.02.2026 arte 2. Die rote Sonne
Folge 2 (59 Min.)1945: Gezeichnet von jahrelangem Krieg, Korruption und Brutalität wird die stark geschwächte Republik China von der „roten Sonne“ Mao Zedongs besiegt. Der Krieg gegen Japan hat den chinesischen Nationalismus gestärkt und somit den Kommunisten in ihren roten Hochburgen Zentralchinas zusätzlichen Rückhalt verschafft. Im Dezember 1949, einen Monat nach der Ausrufung der Volksrepublik durch seinen verhassten Rivalen, flüchtet Chiang Kai-shek mit 600.000 Mann nach Taiwan – eine vernichtende Niederlage. Auch für Mao ist der Bürgerkrieg erst beendet, wenn die letzten Funken des nationalistischen Regimes in Taiwan erloschen sind.Der kommunistische Führer will China zu einer aufstrebenden, souveränen Nation formen. Doch inmitten des Wiederaufbaus versinkt das Land in Hungersnot und Chaos. Mao steht zudem vor den ungelösten Territorialfragen seines Rivalen und bricht seine Versprechen auf nationale Selbstbestimmung gegenüber Tibetern, Mongolen und Uiguren, die einst von der Qing-Dynastie erobert wurden. Für ihn ist die Eingliederung dieser Gebiete in das vom Kalten Krieg bedrohte China unverzichtbar. Währenddessen ist Maos Erzfeind Chiang Kai-shek weiterhin davon überzeugt, dass die „blaue Sonne“ eines Tages erneut über ganz China erstrahlen wird. Auf Taiwan errichtet er ein autoritär regiertes Regime nach seinen Vorstellungen eines modernen Chinas. Mit dem Tod der beiden Tyrannen Mao und Chiang Kai-shek Mitte der 1970er- Jahre endet eine Ära – doch für ihre Nachfolger auf beiden Seiten der Taiwanstraße sind die Folgen dieser ungelösten Konflikte noch immer spürbar. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 10.02.2026 arte
