2026 (Folge 1628⁠–⁠1644)

  • Folge 1628 (30 Min.)
    Mit Beginn der Pandemie 2020 startete der digitale Buchclub BookTok seine Erfolgsgeschichte. Allen voran nutzen ihn junge Frauen, die eine besondere Art von Literatur feiern: New Adult. Die neuen Bücher sind bunt und glitzernd, ihre Sprache leicht zugänglich, die Geschichten romantisch, spannend und mit viel Erotik aus weiblicher Sicht. Aber nicht nur online kultivieren die jungen Frauen den leidenschaftlichen Austausch über ihre Lieblingsbücher. Buchbloggerin Jess „miss.Nerdstagram“ trifft ihre Follower auf Events wie dem Buchball auf Burg Namedy. Auch Autorin Kim Leopold aus Rheine ist oft unterwegs, um ihren Fans nahe zu sein. Sie ist „Own Voice“ Autorin und bedient mit ihren Geschichten den Hunger nach authentischen Geschichten. Themen wie psychische Gesundheit, Body Positivity und ADHS liegen ihr am Herzen. Kim erwartet nervös den Launch ihres neuen Buches, das sich in neue Gefilde vorwagt: nicht mehr die Singlefrau steht im Zentrum, sondern ein junges Ehepaar. Wird auch diese Story bei ihren Fans ankommen? Die beiden Riekes leben in Jever ihren Traum: Mitten im Ort haben sie einen Laden rund um das Phänomen New Adult eröffnet. Die Jungunternehmerinnen sind auch privat ein Paar und posten Clips als komisches Duo auf Social Media. Für die beiden, genau wie für Kim und Jess – ist der Besuch der Frankfurter Buchmesse ein Höhepunkt im Jahr. Doch gerade hier spüren sie auch Gegenwind. Die etablierten Kritiker fremdeln mit den bunten Büchern. Werden sie sich trotzdem behaupten? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 02.02.2026 arte
  • Folge 1629 (30 Min.)
    Bruder Jeremias Borgards lebt seit drei Jahren als Priester des Kapuzinerordens im Norden Albaniens. Eigentlich ist er aus Oberhausen, war aber schon in vielen Gegenden der Welt im Einsatz, zuletzt in der Ukraine. Der gelernte Krankenpfleger macht regelmäßig Hausbesuche bei Kranken und Alten in den albanischen Bergen. Viele Dörfer sterben wegen der anhaltenden Auswanderung junger Menschen regelrecht aus, die Bevölkerung hier in den Bergen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert. Zurück bleiben oft nur noch Alte und Kranke, die vereinzelt in Dörfern in den Bergen leben. Für sie sind die Kapuziner-Brüder Krankendienst und Seelsorge zugleich, sie verteilen Lebensmittel, Medikamente – und sogar Baumaterialien, wenn sich jemand ein Haus bauen möchte. Die Kapuziner freuen sich dabei über Nachwuchskräfte, damit ihr Hilfsprojekt eine Zukunft hat. Seit kurzem wird Bruder Jeremias bei seinen Hausbesuchen von Angelos Delija begleitet. Der 18-Jährige hat gerade Abitur gemacht und möchte eine Ausbildung bei den Brüdern machen: „Ich will in meinem Land bleiben. Ich will da arbeiten, wo ich auch aufgewachsen bin“, erzählt der junge Albaner. Die meisten seiner Klassenkameraden zieht es in die Metropolen oder gleich ins europäische Ausland. Der Job ist hart, die Schicksale der Menschen in den Bergen noch härter. Doch aufhören und auswandern, wie so viele seiner Altersgenossen, kommt für Angelos nicht in Frage. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 03.02.2026 arte
  • Folge 1630 (30 Min.)
    Lotta Kokemohr zählt zu den Star-Athletinnen im Ninja-Sport. Mit 13 Jahren gewann sie die Kids-Version von „Ninja Warrior Germany“ – ein Erfolg, der ihr Leben prägte. Heute trainiert die 17-Jährige fast täglich in ihrem selbstgebauten Ninja-Parcours im Garten. Ihr Ziel: die Europameisterschaft in Krakau und vielleicht eines Tages Olympia – denn Hindernisparcours im Ninja-Stil wird 2028 Teil des Modernen Fünfkampfs. René Casselly, der erste Titelträger „Ninja Warrior Germany“, zählt zu den legendären Figuren der Szene. Zwischen Trainingszeiten zu Hause bei seiner Familie in Ungarn, Wettkämpfen in TV-Shows und todesmutigen Auftritten im Zirkus ringt er mit der Frage, ob er den Weg Richtung Olympia einschlagen soll, und entdeckt ein bisher unbekanntes Terrain für sich. Dritter Protagonist ist Steffen Moritz, Gründer der deutschen Ninja-Bundesliga. Er organisiert bundesweite Wettkämpfe und will den jungen Sport einer breiten Masse zugänglich machen. Seinen Sohn Jonas begleitet er durch Trainings und als Sportwissenschaftler erklärt er, warum sich gerade Kinder und Jugendliche so stark vom Ninja-Sport angezogen fühlen. Die Sportart greift natürliche Bewegungsmuster auf, fördert Kreativität und verbindet Communities weltweit. Zwischen Wettkampfstress, persönlichem Antrieb und familiärem Rückhalt erzählt die Reportage davon, wie eine vermeintliche Nische rasant wächst und weltweit begeistert. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 04.02.2026 arte
  • Folge 1631 (30 Min.)
    Im Süden Italiens, in Kalabrien, schmücken sanfte Hügel die Landschaft. Doch die Idylle trügt. Auf den Straßen und Feldern rund um die Gemeinde Cittanova ziehen Hunderte freilaufende Rinder umher. Sie sind ein Relikt aus den Zeiten der großen Mafia-Kriege, Hinterlassenschaften der ’Ndrangheta-Clans. Die Herden der „heiligen Kühe“ verursachen schwere Verkehrsunfälle, zerstören Zäune und vernichten die Ernten der Bauern. Und oft werden sie gezielt als Druckmittel zur Einschüchterung eingesetzt. Nur wenige Menschen wagen es, sich dagegen zu wehren. Giuseppe „Peppe“ Morabito, Gemeinderat von Cittanova, kämpft schon seit Jahren gegen die Präsenz der Tiere und das Schweigen der Behörden. Nachdem seine Tochter einen schweren Autounfall mit einem Stier hatte, gründete er die Bürgerinitiative „No Bull“. Unermüdlich ist er in dem unwegsamen Gebiet unterwegs, um die Bewegung der Herden und die Schäden, die sie verursachen, zu dokumentieren. Sein Ziel: Er will den Staat, der nicht besonders präsent ist, zum Handeln bewegen. Doch Widerstand ist gefährlich, denn die Kühe sind ein Machtsymbol. Das erlebt auch Bruno Bonfà, der als Landwirt Bergamotten anbaut. Die Rinderherden verwüsten immer wieder seine Plantage. Bruno hält das für den gezielten Versuch, ihn von seinem Land zu vertreiben. Denn sein Vater wurde vor Jahren von der Mafia ermordet, und Bruno fragte öffentlich nach den Namen der Mörder. Aufgeben kommt für ihn trotz der immer neuen Attacken nicht in Frage. Genau wie Giuseppe Morabito will er dazu beitragen, dass seine Heimat sich endlich aus dem Griff der organisierten Kriminalität befreit. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 03.02.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Do. 05.02.2026 arte
  • Folge 1632 (30 Min.)
    Berlin, Alexanderplatz. Hier leben viele Frauen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, für die ihre Monatsblutung schnell zum akuten Problem wird. „Ich bin schon eineinhalb Tage hier in Berlin mit vollgebluteter Hose rumgerannt“, erzählt eine Betroffene. Am Duschmobil erhalten Frauen kostenlose Hygieneprodukte – ein mobiles Hilfsangebot für Menschen, die auf der Straße leben. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Periodensystem e. V., der Tampons und Binden liefert. Doch Periodenarmut betrifft nicht nur wohnungslose Frauen. Nach Angaben der Hilfsorganisation „Plan International“ ist rund ein Viertel aller Mädchen und Frauen in Deutschland betroffen. Die Studentin Jaël Gallert aus München hat nach Abzug aller Fixkosten rund 400 Euro im Monat zur Verfügung – und muss davon auch ihre Periodenprodukte bezahlen: Tampons, aber auch Schmerzmittel, Magnesium oder Eisen. „Wenn man es ganz hochrechnet, ist das ein kompletter Einkauf, den ich mir dann stattdessen gönnen kann“, sagt die Studentin. Für Menstruierende mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem. Besonders in konservativeren Gesellschaften wie in Polen ist das Thema Periode noch immer stark schambehaftet. In Warschau setzt sich die Künstlerin und Aktivistin Martyna Baranowicz mit ihrer „Pink Box Foundation“ deshalb nicht nur für kostenlose Periodenprodukte ein, sondern auch für Aufklärung an Schulen, um das Thema aus der Tabuzone zu holen. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Sa. 07.02.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Mo. 09.02.2026 arte
  • Folge 1633 (30 Min.)
    Ausländische Ärztinnen und Ärzte sichern in vielen deutschen Landkrankenhäusern die medizinische Versorgung. Die Reportage zeigt ihren Alltag. Mohamed Cherbagi kommt aus Syrien. Als Internist arbeitet er im Krankenhaus eng mit deutschen und internationalen Kolleginnen und Kollegen. Anfangs gab es Sprachhürden und Vorurteile, heute ist er fester Teil des Teams. Mehr als 50.000 zugewanderte Ärztinnen und Ärzte stützen den medizinischen Betrieb an deutschen Krankenhäusern. Ihr Einsatz ist längt unverzichtbar. In Freiberg stammt fast jeder zweite Arzt aus dem Ausland. Doch Mohamed denkt über eine Rückkehr nach Syrien nach. Sobald er seine zweite Facharztausbildung abgeschlossen hat, möchte er gehen. Die Ärztin Ina Viaroukina aus Belarus hilft mit, eine Klinik im Harz am Laufen zu halten. Sie springt am Krankenhaus Quedlinburg dort ein, wo Personal fehlt. Auf der Intensivstation betreut sie schwer kranke Patientinnen und Patienten, diktiert Befunde und kämpft mit neuen Computerprogrammen. Sechs-Tage-Wochen sind für sie normal. Ihre beiden Töchter wachsen in Quedlinburg auf, während Ina Beruf und Familie allein stemmt. Deutschland ist für sie Chance und Belastung zugleich. Trotzdem sagt sie klar, dass sie bleiben will. Die Reportage zeigt zwei Leben zwischen Herkunft und neuer Heimat. Sie macht sichtbar, wie abhängig das deutsche Gesundheitssystem von internationalen Fachkräften ist. Wenn Ärzte wie Mohamed Cherbagi gehen und Ärztinnen wie Ina Viaroukina an ihre Grenzen kommen, gerät die medizinische Versorgung ganzer Regionen ins Wanken. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 10.02.2026 arte
  • Folge 1634 (29 Min.)
    Das Ausflugslokal „Strandperle“ an der Elbe in Hamburg säuft im Herbst und Winter regelmäßig ab, es steht bei Sturmfluten zum Teil meterhoch unter Wasser. Restaurantleiter Kevin Last hat die Wettervorhersage und die Pegelstände im Blick. Er ist auf alles eingestellt. Die Küche ist aus Edelstahl, die Elektroleitungen verlaufen an der Decke und das bewegliche Interieur kann kurzfristig abgeräumt und hinter dicken Flutschutztüren verstaut werden. Trotzdem ist die Spannung nach jeder Überschwemmung groß, „ob alle Wände dichtgehalten haben“. Nicht dichtgehalten haben 2023 viele Deiche an der Ostseeküste. Eine sogenannte „Jahrhundertflut“ traf mit zerstörerischer Wucht auf Land und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Ein Bürgermeister erinnert sich: „Es war ein Fiasko! Dass es keine Toten gab, ist eigentlich ein Wunder.“ Wasserbauingenieur Philipp Zülsdorff ist jetzt im Dauereinsatz, um die Reparatur kaputter Deiche zu koordinieren. Die betroffenen Gemeinden wollen gerüstet sein, wenn die nächste Sturmflut kommt. Seit einem traumatischen Starkregen im Jahr 2011 orientiert sich in Kopenhagen die Stadtplanung am Konzept Schwammstadt. Mit Milliardenaufwand werden Parks zu gigantischen Auffangbecken umgerüstet und unauffällige Kanäle für den Ablauf von Wassermassen so erfolgreich installiert, dass die dänische Hauptstadt als Vorreiter bei der sogenannten Klimaanpassung gilt. Delegationen aus der ganzen Welt kommen nach Kopenhagen, um sich vor Ort zu informieren, wie sich die Folgen von Extremwetter abmildern lassen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 12.02.2026 arte
  • Folge 1635 (30 Min.)
    Tausende Tote und Verletzte – so dokumentieren Menschenrechtsverbände die Folgen der Proteste im Iran. Zum Jahreswechsel 2026 geht das Regime mit massiver Gewalt gegen Protestierende vor. Trotz Repression eint viele Menschen im Land weiter der Wunsch zum Aufbruch. Die Reportage zeigt, wie tief die Ereignisse auch die iranische Diaspora in Europa treffen und begleitet Iranerinnen und Iraner, die durch Regimegewalt Angehörige verloren haben und die fern der Heimat an einer besseren Zukunft ihres Landes mitwirken wollen. Auf einer Demonstration in Köln trauert Mojgan Tahvildari öffentlich um ihren 27-jährigen Sohn Aria Alidust, der bei Protesten im Iran von mehreren Kugeln getötet wurde. Mojgans Tochter Parmis spricht zur versammelten Menschenmenge über die Träume ihres Bruders und ruft dazu auf, sich weiter laut Gehör zu verschaffen. In Berlin plakatiert die Schauspielerin Setareh Maleki mit ihrer Freundin Maryam Fotos von im Iran Getöteten, um ihnen ein Gesicht zu geben. Beide bewegt das Schicksal der vielen jungen Gewaltopfer, darunter der Teenager Milad Hasanzade, der seinen Eltern im Bewusstsein der Gefahren einen Abschiedsbrief hinterließ. Die Porträts der Getöteten im Berliner Straßenbild sollen die Menschen aufrütteln. In Paris versucht die Schriftstellerin Chahla Chafiq, Solidarität unter Exil-Iranern zu stärken, die teils über eine mögliche künftige Rolle des Schah-Sohns Reza Pahlavi streiten. Die Schriftstellerin, die in den 70er-Jahren selbst gegen den Schah protestierte, setzt sich heute für einen demokratischen Neuanfang ein und versucht, zwischen unterschiedlichen iranischen Diaspora-Kreisen zu vermitteln. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 13.02.2026 arte
  • Folge 1636 (29 Min.)
    Omer Hujdur aus Vrapčići lebt nur 200 Meter von einer der umstrittensten Mülldeponien Bosnien und Herzegowinas entfernt – die Anwohner nennen die technisch veraltete Deponie von Mostar „Müllkippe des Todes“. Regelmäßig überprüfen er und seine Nachbarn die Anlage – und stoßen dabei auf erschreckende Zustände. Immer wieder brennt die Deponie direkt vor Omer Hujdurs Haustür. Besonders große Sorgen bereitet ihm, dass bei vielen seiner Nachbarn Krebs diagnostiziert wurde. Die Krebsrate der Gemeinde scheint überdurchschnittlich hoch. Gibt es einen Zusammenhang mit der Mülldeponie? Die meisten Mülldeponien in Bosnien und Herzegowina erfüllen nicht die EU-Umweltstandards. Als Ausnahme aber gilt die Deponie der Stadt Zenica: Hier wird das Sickerwasser gereinigt und das entstehende klimaschädliche Gas Methan kontrolliert verbrannt. Abfallwirtschaftsexperte Dr. Džafer Dautbegović aber weiß: Vielerorts wird Müll in Bosnien einfach unkontrolliert in der Natur entsorgt, nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von ganzen Städten und Gemeinden. So auch im idyllischen Städtchen Stolac. Seit sich die junge Biologin Berina Amidžić mit den ökologischen Folgen der wilden Müllkippe ihrer Heimatstadt beschäftigt hat, kämpft sie für deren Schließung – zunächst mit Erfolg: Die regionale Umweltinspektion ordnete die Entfernung der Abfälle an. Doch Berina Amidžić und ihre Mitstreitenden vermuten, dass dort weiterhin Müll abgeladen wird. Gemeinsam beginnen sie, Beweise zu sammeln. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 16.02.2026 arte
  • Folge 1637 (30 Min.)
    Zwölfmal im Jahr pendelt das komplette EU-Parlament für knapp vier Tage von Brüssel nach Straßburg – so ist es in den Europäischen Verträgen festgelegt. Denn während Gesetze und Mehrheiten in Brüssel vorbereitet werden, finden die meisten Plenarsitzungen und Abstimmungen in Straßburg statt. Der Umzug ist längst zu einer Routine geworden, die alle mitmachen müssen, die aber kaum jemand will. Eine der wenigen Abgeordneten, die sich jeden Monat auf den Ortswechsel freuen, ist Fabienne Keller, die ehemalige Bürgermeisterin von Straßburg. Sie betont den wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt und sieht die ständige Standortdebatte gelassen. Denn eine Änderung des Parlamentssitzes ist nur mit Zustimmung Frankreichs möglich – und die gilt als äußerst unwahrscheinlich. Auch Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, begrüßt die regelmäßigen Umzüge: Straßburg habe großen Symbolwert für die historische Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland – und damit für das Friedensprojekt Europa. Doch viele Abgeordnete sind vom Dauerpendeln genervt. Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linksfraktion, hält den monatlichen Umzug für „völlig aus der Zeit gefallen“. Er koste Geld und Arbeitszeit und sei zudem umweltschädlich. Auch Reinier van Lanschot von der Reformpartei Volt sieht in Straßburg kein starkes Symbol mehr. Gesetze entstünden in Brüssel – in Abstimmung mit Europäischem Rat und Europäischer Kommission. Der ständige Wechsel sei heute eher ein Sinnbild für die Ineffizienz der EU. Am Ende bleibt eine einfache, aber unbequeme Frage: Ist der monatliche Umzug Ausdruck europäischer Stärke – oder ein Relikt, das dem Vertrauen in die Politik sogar schadet? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mo. 16.02.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Mi. 18.02.2026 arte
  • Folge 1638 (30 Min.)
    Drohnenaufnahmen der beiden Orcas Wikie und Keijo im geschlossenen Marineland Antibes an der Côte d’Azur haben weltweit Empörung ausgelöst. Ein neues Gesetz in Frankreich verbietet die Haltung von Walen zu Unterhaltungszwecken. Doch bis heute ist unklar, was mit den Orcas geschehen soll. Während Behörden und Betreiber über Zuständigkeiten diskutieren, verschärft sich die Lage der Orcas. Tierschutzorganisationen erhöhen den Druck. Die Aktivistin Aurore Defix dokumentiert immer wieder die Situation vor Ort: „Wir sehen Tiere, die komplett lethargisch sind und wirklich nur dann reagieren, wenn Menschen kommen, weil sie denken, es gibt ein Training.“ In ganz Europa gibt es nur noch einen Zoo, in dem Orcas auftreten. Der Loro Parque auf Teneriffa ist auch wegen seiner Orca-Show ein Publikumsmagnet. Betreiber Christoph Kiessling verteidigt die Haltung der Tiere als Beitrag zur Artenvielfalt: „Die Menschen werden von den Tieren berührt und entwickeln Empathie für sie. Unsere Orcas sind Botschafter für den Naturschutz.“ Orca-Trainerin Idaira Martín zeigt die intensive tägliche Arbeit mit den Tieren – und den hohen Aufwand, der hinter der Haltung steht. Wie viel Verantwortung trägt der Mensch für Orcas – in Gefangenschaft und in Freiheit? An der Straße von Gibraltar beobachtet Janek Andre mit seiner Walbeobachtungsflotte die letzten iberischen Orcas. Er dokumentiert Verletzungen und den zunehmenden Druck durch Schiffsverkehr und Fischerei. „Die Orcas leben hier seit Tausenden von Jahren. Doch menschliche Aktivitäten machen ihr Überleben immer schwieriger.“ (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 19.02.2026 arte
  • Folge 1639 (30 Min.)
    Der 61-jährige Mathias Mahnke will so gesund und so lange wie möglich leben. Dafür lässt er sich als weltweit erster Patient nach der sogenannten TRIIM-Methode behandeln. Er spritzt sich unter anderem Wachstumshormone, die die Thymus-Drüse aktivieren sollen. Die ist wichtig für die Produktion von Abwehrzellen und bildet sich normalerweise ab der Pubertät zurück. Mögliche Nebenwirkung der Hormone: Sie könnten auch Krebszellen im Körper schneller wachsen lassen. Regelmäßig fliegt daher ein Arzt aus London ein, um nach Krebsmarkern in Mathias Mahnkes Blut zu suchen. Er prüft auch, wie sich dessen Thymusdrüse entwickelt – und ob sich sein Körper zellulär verjüngt. Die Ergebnisse sind überraschend. Nach einem Burnout hat Kristine Zeller ihr Leben radikal verändert. Das Ziel der zweifachen Mutter und Unternehmerin: Sie will 120 werden. Dafür achtet sie grammgenau auf Nährstoffe, misst ihren Blutzucker, folgt ausgefeilten Sport- und Bewegungsplänen. Longevity ist ihr Lebensthema geworden. Sie ist überzeugt, dass weniger kranke und mehr fitte ältere Menschen ein Gewinn für die ganze Gesellschaft sind. Mit dem Trend wächst auch eine Industrie, die ein längeres, gesünderes Leben verspricht. Der Schweizer Pascal Rode leitet ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel. Mit seinen Antioxidantien, Blutzuckerstabilisatoren oder Kollagenprodukten machte er 2024 laut eigener Aussage einen Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich. Auch Pascal Rode strebt nach Langlebigkeit. Dafür lässt er sich in einer Züricher Klinik behandeln, die ganz auf Longevity ausgerichtet ist. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 20.02.2026 arte
  • Folge 1640 (29 Min.)
    Seit über 40 Jahren gibt es in Kielce die Milchbar Jagienka. Die Arbeit von Agata Bogulak beginnt früh am Morgen: Kartoffeln schälen, Piroggen füllen, Suppen ansetzen – bevor mittags bis zu 400 Gäste kommen. Studenten, Arbeiter, Familien aus dem Viertel. Die Milchbar wurde erst vor Kurzem komplett renoviert. Die sozialistische Einrichtung musste neuem weichen, doch die Gerichte sind die gleichen geblieben. Viele „Kantinen für Alle“ sind im Wandel zur kultigen Milchbar. Polens „Milchbars“ sind ein sozialistisches Relikt. Verteilt im ganzen Land bieten die einfachen Kantinen polnische Hausmannskost an – bis heute. Lange hat der Staat die Milchbars subventioniert, so dass sich jeder für wenig Geld eine warme Mahlzeit leisten kann. In den vielen Küchen der Milchbars arbeiten vor allem Rentnerinnen wie Wanda Szyszko. Die 73-Jährige hilft in der Stettiner Milchbar Kogel Mogel in der Küche aus. Die Milchbar bietet ihre Gerichte sehr günstig an, weil die Stadt sie mitfinanziert und die Supermärkte Lebensmittel spenden. Doch selbst diese günstigen Preise werden für viele zur Herausforderung. Auch in Bydgoszcz sieht Pfarrer Sławomir Bar, wie seine älteren Gemeindemitglieder sparen: zuerst beim Essen. Genau deswegen will er die erste „soziale Milchbar“ Polens eröffnen, direkt in seiner Kirche. Die kirchliche Milchbar ist für Menschen über 65 Jahre gedacht, deren Rente nicht zum Leben reicht. Warmes Essen für umgerechnet ein bis zwei Euro – und weniger Einsamkeit im Alter. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 arte
  • Folge 1641 (30 Min.)
    Michael verlässt Deutschland und schließt sich freiwillig den ukrainischen Streitkräften an. Zwei Jahre später ist er tot. Zunächst heißt es, er sei gefallen. Doch dann verdichten sich die Hinweise auf einen Selbstmord. Für seinen Bruder Kai bleiben Zweifel – und viele offene Fragen. Kai macht sich auf den Weg, die Umstände von Michaels Tod zu klären. Er kämpft sich von Deutschland bis nach Charkiw in der Ukraine durch bürokratische Hürden, widersprüchliche Aussagen und ein Land im Krieg. Er trifft Menschen, die Michael kannten: Kameraden, Freunde, Helfer. Er beginnt zu verstehen, warum sein Bruder verzweifelte – doch die Entscheidung für die Front bleibt rätselhaft. Die Reportage zeigt, wie der Krieg auch jene betrifft, die weit entfernt von der Front leben. Die Familien, die zurückbleiben. Die Freunde, die mit Schuldgefühlen leben. Den Bruder, der jetzt über die letzten Gespräche grübelt. Der Beitrag ist auch eine Parabel auf die Fragen, die sich viele junge Menschen in Europa angesichts des Krieges in der Ukraine und der Bedrohung durch Russland stellen: Würde ich bereit sein, mein Land zu verteidigen? Was bedeutet es wirklich, in den Krieg zu ziehen? Wie verändert ein Einsatz an der Front den eigenen Blick auf das Leben – und auf den Tod? Was ist mein Leben wert – und was geschieht mit denen, die ich zurücklasse? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 24.02.2026 arte
  • Folge 1642 (30 Min.)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 25.02.2026 arte
  • Folge 1643 (29 Min.)
    In der Reportage kommen republikanische Briten zu Wort, die ihren König Charles III. vehement ablehnen. In London leitet Graham Smith die Bürgerbewegung „Republic“, er will damit die republikanischen Gefühle der Leute wecken. In Cornwall stellt der Künstler Andrew Swan in seinen Werken die Missstände und Fehlentwicklungen durch die königliche Familie an den Pranger. Der Lehrer Danni Rawlings aus Bristol erträgt es nicht mehr, dass die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten immer größer werden. Deshalb geht er auf die Straße, um seine Mitbürger davon zu überzeugen, die Monarchie endlich abzuschaffen. Jane, eine 60-jährige Palliativkrankenschwester, ist seit ihrer Jugend gegen die Monarchie. Heute engagiert sie sich mit anderen Republikanern bei Anti-Monarchie-Treffen, die immer mehr Menschen anziehen. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 25.02.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Do. 26.02.2026 arte
  • Folge 1644 (30 Min.)
    Der 38-jährige Familienvater Čičak ist einer der letzten Landminenräumer Kroatiens. Seit dem Ende des Krieges vor 30 Jahren wurden bereits 300.000 Minen entschärft. Der Job ist gefährlich, in den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Todesfälle unter den Räumern. Die kroatische Regierung will das Kapitel nun abschließen und verspricht, dass bis zum Frühjahr 2026 alle Minen beseitigt sein sollen. Kann dieses ambitionierte Ziel gelingen – und welche Zukunft bleibt Čičak, wenn das Programm endet? In Kroatiens Küstenstädten wie Skradin, einst hart umkämpfte Frontlinien, ist heute kaum noch etwas von den Altlasten zu spüren. Ivica, Ex-Kriegskommandant und Hotelier, profitiert vom boomenden Tourismus und plant den Bau eines attraktiven „Glampingplatzes“ auf einem geerbten Stück Land. Doch auch seine Familie trägt Narben: Sein Sohn überlebte als Kind nur knapp eine Explosion mit einer Panzerfaust, die er mit Freunden beim Spielen in einem alten Haus fand – ein Erlebnis, das die Schatten der Vergangenheit noch heute spürbar macht. Dreißig Jahre nach dem Krieg steht Kroatien zwischen Vergangenheit und Neuanfang. Tourismus und Wohlstand haben Einzug gehalten, Kriegsnarben verblassen langsam – doch einige Spuren bleiben – sichtbar oder unsichtbar. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 27.02.2026 arte

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