Dokumentation in bisher 7 Teilen, Folge 1–7weiter

    • Folge 1 (43 Min.)
      Bild: mdr
      MDR Fernsehen 25 JAHRE EINHEIT '90, "Wem gehört der Osten? (1); Die Stadt", am Dienstag (30.06.15) um 22:05 Uhr. Roland Ernst (Foto) ist heute nur noch ein seltener Besucher in seinem Lieblingsprojekt, den Hackeschen Höfen in Berlin. Er gehörte zu den ganz Großen. Millionen hat er im Osten investiert. Die Hackeschen Höfe, die Galerie LaFayette, einige der ehemaligen Interhotels und sogar das Grundstück, auf dem der Berliner Fernsehturm steht, gehörten ihm kurzzeitig. – © mdr

      Dreiteilige Dokumentation von Ariane Riecker Im Jahr 25 nach dem Fall der Mauer sind die großen politischen und ökonomischen Umbrüche in den neuen Bundesländern weitgehend abgeschlossen. Zeit Bilanz zu ziehen und die Frage zu stellen: Wem gehört der Osten? Und was ist aus dem von der DDR deklarierten Volkseigentum geworden? Die Filetstücke sind weg. Aber so mancher Ladenhüter der Nachwendejahre hat sich gemausert. Die alte Hauptpost in Leipzig z.B. – ein exklusives Grundstück in bester Lage. Jörg Zochert und Holger Krimmling von der KSW GmbH haben den Blick fürs Wesentliche. Wenn es nach ihnen geht, sollen hier ein Hotel, edle Studentenunterkünfte und eine Luxusklinik entstehen. Diese Ideen sind ihrem englischen Investor 100 Millionen Euro wert. Die Hauptpost wäre nicht das erste Prestige-Objekt der KSW GmbH in Leipzig aber mit Abstand das bedeutendste. Zochert, in der DDR aufgewachsen, ist ein erfolgreicher Projektentwickler. Seit der Wende mischt er mit im Wettstreit um attraktive Grundstücke, renditeträchtige Projekte und aufstrebende Stadtlagen in seiner ostdeutschen Heimat. Roland Ernst ist heute nur noch ein seltener Besucher in seinem Lieblingsprojekt, den Hackeschen Höfen in Berlin. Er gehörte zu den ganz Großen. Millionen hat er im Osten investiert. Die Hackeschen Höfe, die Galerie LaFayette, einige der ehemaligen Interhotels und sogar das Grundstück, auf dem der Berliner Fernsehturm steht, gehörten ihm kurzzeitig. Helmut Kohl persönlich hatte ihn gebeten dafür zu sorgen, dass im Osten schnell nach der Wende Kräne sichtbar würden. Roland Ernst sollte mithelfen, die Landschaften zum Blühen zu bringen und tatsächlich gehören seine Projekte – von den Treptowers in Berlin über die Beelitzer Heilstätten bis zu den Hackeschen Höfen – heute zu den Objekten, die für das Gesicht der neu sanierten ostdeutschen Städte stehen. Dass er mit Mieten und Renditen rechnete, die der neu eingeführte Kapitalismus im Land ohne Kapital nicht bringen konnte, führte ihn letztlich in die Pleite und zeitweise sogar ins Gefängnis. Anders als im Westen Deutschlands leben die meisten Eigentümer ostdeutscher Immobilien nicht in den ostdeutschen Städten. Wohnungen in attraktiver Stadtlage sind oft Kapitalanlagen. In Sachsens Landeshauptstadt wurde 2006 der gesamte Bestand an kommunalen Wohnungen verkauft: 48.000 Wohnungen gingen an eine amerikanische Aktiengesellschaft. Dresden war damit schuldenfrei – aber was geschah mit den Mietern? Dirk Schmitt ist heute der Vertreter der Wohnungsgesellschaft und erklärt, wie das Geschäft der Plattenbau-Einkäufer funktioniert hat. Aber nicht nur von den Großen im Haifischbecken erzählt „Wem gehört der Osten – die Stadt“ sondern auch von der kleinen Kurstadt Bad Liebenstein, wo Anita Bohlig zweimal ihre Heimat verlor. Sie ist die Erbin der ersten Thüringer Keksfabrik, die ihr Großvater hier begründete und sie 1942 an die Nazis verlor. In der DDR dann wurde er enteignet und das Gebäude verfiel zusehends. Nach der Wende fiel das Grundstück mit der dazugehörigen Familienvilla an die Treuhand. „Meine Eltern und ich waren euphorisch. Wir wussten: Jetzt wird alles gut … “ gibt sie die Gedanken zur Wendezeit wieder. Anita Bohlig jedoch wird keine Heimat mehr in Bad Liebenstein finden. Die Keksfabrik wird an Bahlsen verkauft. 25 Jahre nach dem Ende der DDR strahlen die meisten ostdeutschen Städte in neuem Glanz, doch die Eigentumsverhältnisse erzählen noch immer viel über die Höhen und Tiefen des Privatisierungsprozesses, über Gewinner und Verlierer – bis heute. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 30.06.2015 MDR
    • Folge 2 (43 Min.)
      Bild: mdr
      MDR Fernsehen 25 JAHRE EINHEIT '90, "Wem gehört der Osten? (2); Das Land", am Dienstag (07.07.15) um 22:05 Uhr. Familie Brandes wollten Schloß Thierbach übernehmen und dadurch erhalten - dieses wurde ihnen verwehrt. – © mdr

      Dreiteilige Dokumentation von Ariane Riecker Im Jahr 25 nach dem Fall der Mauer sind die großen politischen und ökonomischen Umbrüche in den neuen Bundesländern weitgehend abgeschlossen. Zeit Bilanz zu ziehen und die Frage zu stellen: Wem gehört der Osten? Und was ist aus dem von der DDR deklarierten Volkseigentum geworden? 1990 fielen etwa zwei Millionen Hektar Agrarland sowie knapp zwei Millionen Hektar Wald- und Forstfläche aus dem „Volkseigentum“ der DDR in die Verwaltungshoheit der Treuhand. Die Flächen sollten schnell verkauft werden, um Geld in die Bundeskassen zu spülen. Grundsätzlich sollten, wie im Einigungsvertrag festgehalten, die Regelungen der Bodenreform und damit auch die Enteignung von Großgrundbesitzern nach dem Zweiten Weltkrieg keine Neubewertung erfahren. Bis heute ranken sich zahllose Streitigkeiten und Entschädigungsfragen um genau diesen Beschluss. Denn vor allem auf dem Land betrifft das riesige, wirtschaftlich attraktive Flächen, Wälder und Felder. Enteignet wurden auch die Vorfahren des Fürsten Heinrich XIV Reuß. Bis dahin gehörte der Familie seit hunderten von Jahren ein beträchtliches Stück vom Osten – 15.000 Hektar Wald und Land zwischen Gera, Köstritz und Bad Lobenstein. Geblieben sind dem Fürsten heute u.a. 1.100 Hektar Wald, die er zu Beginn der 1990er-Jahre für 1 Million DM zurückkaufte. Die Flächen sind heute das Siebenfache wert. „Natürlich freut man sich, dass der Wert des Waldes gestiegen ist, aber für mich ist das nur eine Zahl auf dem Papier. [ … ] Ich will für meine vier Kinder wenigstens ein bisschen wieder von dem aufbauen, was wir früher einmal hier hatten“, sagt Fürst Reuß. Davon können die Schachtschabels bisher nur träumen. Seit 25 Jahren kämpfen sie mittlerweile um ein alleiniges Nutzungsrecht der Flächen, die ihnen laut Grundbuch gehören. Sie betreiben einen bäuerlichen Familienbetrieb in Thüringen. In den 90ern war Rainer Schachtschabel Abteilungsleiter der dortigen Agrargenossenschaft – der rechtlichen Nachfolgegesellschaft der LPG. Bei deren Auflösung wurde er Zeuge skrupelloser Vermögensauseinandersetzungen: „Die einfachen LPG-Mitglieder wurden auf Kosten von Wenigen betrogen.“ Heute besitzt Schachtschabel zwar einige Hektar Land, doch er kann sie nicht einmal vollständig nutzen, die Agrargenossenschaft, legt ihm noch immer Steine in den Weg. Wo die einen um ihr Land kämpfen, wollen es andere gern meistbietend loswerden. Im Osten gibt es Land zu kaufen und genau darauf hat sich die AGROENERGY AG spezialisiert. Nachdem die Firma auf Podiumsdiskussionen im Osten ihre Wirtschaftsstrategie erklärten, mit dem Geld von Investoren landwirtschaftliche Betriebe aufzukaufen und durch die Erträge hohe Renditen zu erzielen, schlug ihnen vor Ort massenhaft Abneigung entgegen. „Am nächsten Morgen klingelte hier ununterbrochen das Telefon und die Leute sagten: ‚Ich habe da einen großen Landwirtschaftsbetrieb [ … ], den würde ich gern verkaufen‘“. 4.200 Hektar Land haben die Einkäufer der AGROENERGY AG so erworben. Seitdem sind die Bodenpreise explodiert. Im Jahr 25 nach der Wiedervereinigung gehen gute Flächen, zum Beispiel in der Magdeburger Börde, auch mal für 38.000 Euro pro Hektar in den Verkauf. 25 Jahre nach dem Ende der DDR sind die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und Volkseigenen Güter Geschichte, aus dem Land jedoch ist ein echtes Wertobjekt geworden. Der Fortbestand der Bodenreform, die Auseinandersetzungen um fehlerhafte LPG Umwandlungen und der noch immer andauernde Verkauf von ehemals volkseigenen Flächen mischt Gewinner und Verlierer bis heute neu und sorgt dafür, dass der Osten dauerhaft eine andere Struktur von Besitz und Vermögen auf dem Land haben wird, als sie in den westlichen Bundesländern gewachsen ist. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 07.07.2015 MDR
    • Folge 3 (43 Min.)
      Bild: mdr
      MDR Fernsehen 25 JAHRE EINHEIT '90, "Wem gehört der Osten? (3); Die Heimat", am Dienstag (14.07.15) um 22:05 Uhr. Das Hotel Quisisana ist nach langem Kampf wieder im Besitz der Familie Reinhardt. – © mdr

      Dass Stadtimmobilien, Landflächen und zugkräftige Betriebe Rendite bringen sollten, hatte man nach der Wiedervereinigung schnell verstanden. Aber privatisiert wurden auch Seen, Wälder, Küsten, einstige Ferienorte und so manches Kleingartenareal. Also auch viele Orte zu denen die Ostdeutschen hochemotionale Beziehungen hatten: Die Seebäder der Ostsee, das private Glück in den zahllosen Datschen, die wiederentstandenen Kleinode in den ehemaligen Tagebaugebieten oder die Urlaubsorte im Thüringer Wald. Anno August Jagdfeld ist Immobilieninvestor ersten Ranges. Er besitzt nicht nur Verbindungen bis in die höchsten politischen Kreise sondern auch viele der Filetstücke im Osten. 1996 kaufte er u.a. in Heiligendamm ein Ensemble wertvoller Gebäude und bewahrte damit die Kulturgüter vor dem Verfall. Doch der Investor überschätzte den Markt in Ostdeutschland, 2012 war das Grand Hotel Heiligendamm pleite. Zuerst hofiert, streitet Jagdfeld bis heute mit der Kommune um die Zukunft der von ihm gekauften und zum Teil noch immer nicht sanierten Objekte. Ein wichtiger Rückzugsort für die Ostdeutschen war ihre Datsche. Auf meist nur wenigen Quadratmetern hatten sich bis 1989 etwa eine Million Pächter ihr ganz privates Idyll errichtet. Dass das Land nicht ihnen gehörte, hatte zu DDR-Zeiten keine Bedeutung. So auch bei Familie Wachall im thüringischen Sondershausen. Unzählige Sommer haben sie in der Datsche verbracht, auch nach der Wende noch, denn sie profitierten, wie alle Datschenbesitzer vom besonderen Kündigungsschutz ihrer Pachtverträge. Doch im Jahr 25 nach der Wende ist Schluss damit. Ab Oktober 2015 verfällt diese Regelung. Familie Wachall würde das Grundstück nun gern kaufen, der Besitzer aber weigert sich. Für die Region Bitterfeld war die Wiedervereinigung eine große Chance. Milliardenschwere Rekultivierungsmaßnahmen verhalfen der Natur in der einstigen Tagebauregion zum Aufschwung. Der Goitzsche-See – mit Fördermitteln entstanden und heute ein großes Naherholungsgebiet – wurde 2013 für 2,9 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft. Eine Regattastrecke und ein Hotel sollen hier in naher Zukunft entstehen und die Region touristisch aufwerten. Doch die Privatisierung weckt auch Ängste. Das Ehepaar Köppe betreibt am See einen Campingplatz, doch nun hat die Stadt den Pachtvertrag, der eigentlich bis 2058 läuft, gekündigt. Ist dies der Beginn des Kampfes um den See? Und so gibt es noch immer Auseinandersetzungen um die Frage „Wem gehört der Osten?“ Der abschließende Teil der Reihe widmet sich jenen Orten, die für die dort lebenden Menschen ihre Heimat sind, für andere wiederum Investitionsobjekte. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 14.07.2015 MDR
    • Folge 4 (43 Min.)
      Bild: MDR/Hoferichter & Jacobs
      "Kathi" Die Familie feiner Backideen. Herstellung und Vertrieb von Backmischungen, Mehlen und Backzutaten. im Bild: Rainer Thiele – © MDR/Hoferichter & Jacobs

      Die Privatisierung der volkseigenen Betriebe (VEB) und die damit verbundene Veränderung der Eigentumsverhältnisse gehören mit zu den prägendsten Einschnitten im Osten Deutschlands nach 1989. Dieser Prozess, ohne Vorbild in der jüngeren Geschichte, ist in den 1990er-Jahren ein Vorgang, der die Emotionen hochkochen lässt, führt er doch zu Betriebsschließungen und Entlassungen. Im Osten Deutschlands vollzieht sich in der Folge die größte De-Industrialisierung der Geschichte. Mit den veränderten Besitzverhältnissen ordnen sich auch Macht und Einfluss auf die Wirtschaft neu. Investoren und Käufer werden damals händeringend gesucht, denn mit ihnen überleben oder sterben ganze Industrieregionen. Zunächst kommen die aus dem Westen Deutschlands und aus dem Ausland. Aber es gibt auch Ostdeutsche, wenngleich sehr wenige, die die alten Betriebe übernehmen und sie zukunftsfähig machen. Die Dokumentation „Wem gehört der Osten“ zieht nach diesen umwälzenden Ereignissen Bilanz. Wem gehören die Fabriken heute? Erzählt wird von Gewinnern und Verlierern des gewaltigen Transformationsprozesses, von Produktionsstätten, die wie in Leuna heute Großkonzernen gehören. Aber auch von den kleinen Ausnahmen wie bei „Kathi“ in Halle oder der FAM in Magdeburg, alles Unternehmen in Privatbesitz, in denen Menschen sich unter schwierigsten Vorzeichen für „ihren Betrieb“ engagiert haben. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 04.10.2016 MDR
    • Folge 5 (43 Min.)
      Bild: MDR
      Mit dem Mauerfall kommt die schwierige Frage: wem gehört im Osten eigentlich was und wem soll es in Zukunft gehören? Es beginnt der größte Umverteilungsprozess im Nachkriegseuropa. Er hat Gewinner und Verlierer und prägt heute das Gesicht Ostdeutschlands. – © MDR

      Die Ostsee war der Sehnsuchtsort der Ostdeutschen schlechthin, nach der Wende allerdings auch das Eldorado für Spekulanten und Glücksritter. Die Konkursmasse an der ostdeutschen Küste sind 2000 Küstenkilometer, mit ihren Inseln, Werften, Schiffen und Häfen und den Seebädern mit mondänen Immobilien. All das musste 1990 neu bewertet und umverteilt werden. Viele der Glanzstücke an der Küste haben seit der Wende eine wechselvolle Geschichte hinter sich, wie z. B. das Seebad Binz. Hier gehören heute 52% der Flurstücke Westdeutschen. Die meisten Käufer stammen aus Berlin oder Hamburg und sehen die luxuriösen Wohnungen einerseits als gemütlichen Ort für den eigenen Urlaub und als stabile Geldanlage für die Altersvorsorge durch gewinnbringende Vermietung. Allerdings sind auch rund 30% der Käufer gutverdienende Ostdeutsche, die sich an ihren Urlaub auf Rügen in der Kindheit erinnern und sich mit einer Wohnung in Binz einen Traum erfüllen wollen. Wenig friedlich geht es zu, wenn man die „Wem gehört“- Frage auf der Insel Hiddensee stellt. Die autofreie Insel ist ein Symbol für Urlaube an der Ostsee. Heute haben viele Neuendorfer Familien, die seit Generationen im südlichsten Dorf der Insel leben Angst, dass die immer höheren Pachtforderungen sie irgendwann aus ihrer Heimat vertreiben. Sie besitzen – aus historischen Gründen – nur genau das Grundstück, auf denen ihr Haus steht. Treten sie vor die Tür, stehen sie bereits auf Pachtland, und das wird von Jahr zu Jahr teurer. Wem es gehört, darum wird schon lange gestritten. Fast unbekannt ist, dass der flächenmäßig beinahe größte Besitzer von Küstenland der NABU (Naturschutzbund) ist. Weite Flächen der Ostseeregion sind bereits in den 90er Jahren unter Naturschutz gestellt worden – sehr zum Leidwesen der ortsansässigen Bauern, die mancherorts ihr Land nun nicht mehr bewirtschaften können. Die Halbinsel Wustrow – zu DDR Zeiten militärisches Sperrgebiet – ist seit 2004 wieder für die Öffentlichkeit gesperrt. Neuer Besitzer ist Ernst August Jagdfeld. Ursprünglich wollte der Eigentümer auf Wustrow eine luxuriöse Ferienanlage bauen. Doch daraus wurde nichts: Die Fundus-Gruppe hat mittlerweile kein Baurecht mehr, weil sich das Bauland in Wald verwandelt hat – die Natur hat sich Wustrow zurückerobert. Die Dokumentation beleuchtet die Besitzverhältnisse am einstigen Ferienparadies der Ostdeutschen und setzt damit die Reihe „Wem gehört der Osten?“ fort. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Mo 05.06.2017 MDR
    • Folge 6 (43 Min.)
      Bild: MDR/Hoferichter & Jacobs
      Der Harz (Folge 6) – © MDR/Hoferichter & Jacobs

      Der Harz – einst geteiltes deutsches Mittelgebirge, war zu DDR Zeiten geliebtes Erholungsgebiet und Ferienziel. Die innerdeutsche Grenze prägte die Region lange Zeit, verlief sie doch über Berggipfel und selbst mitten durch Talsperren. Nach der Wende stellte sich auch hier auf der östlichen Gebirgsseite die Frage: Wem gehört eigentlich was und wem soll es in Zukunft gehören? Wald, Wasser, Natur und liebliches Fachwerk – wie in anderen Teilen der ehemaligen DDR führt der Privatisierungsprozess noch bis ins heute zu Begehrlichkeiten, bietet aber auch neue Möglichkeiten. Zum Harz gehören gewaltige Waldflächen, Naturschutzflachen wie der Hochwald, aber auch viel ehemaliger DDR Staatsforst. Einer der größten Waldbesitzer im Harz ist heute Clemens Ritter von Kempski. Der Ritter hat familiäre Wurzeln im Harz und kaufte 1994 das größte zusammenhängende Waldstück in Ostdeutschland. Heute besitzt er in der Gegend noch ein paar Hotels und setzt auf sanften Tourismus. Uwe und Susann Thielke, zwei studierte Landwirte aus Sachsen-Anhalt haben nach der Wende den Harz für sich als Lebensaufgabe entdeckt. Sie haben inzwischen 50 Hektar Land erworben und einiges dazu gepachtet und züchten Rinder, und zwar eine ganz spezielle Rasse: das rote Harzer Höhenvieh, das sogar in den hohen Lagen des Harzes, wo sonst keine Landwirtschaft mehr möglich ist, gedeiht. Für sie bietet der Harz besonders gute Bedingungen, da die Hochflächen fast alle Nationalparkflächen sind, die sie mit ihren Rindern jedoch nutzen dürfen. Anders als an der Ostsee fanden sich für zahlreiche Objekte im Harz bis heute keine Käufer. Viele einst ehrwürdige Objekte rotten lange vor sich hin, bevor sie einen Interessenten finden – vor allem die alten Sanatorien. Jahrzehntelang war der Harz auch als Luftkurort bekannt, mit beinahe der höchsten Dichte an Lungenheilzentren in ganz Deutschland. Viele der Objekte wurden zu DDR Zeiten vom FDGB Feriendienst genutzt und standen nach der Wende lange leer. Für Bernd Rühl eine neue Chance. Vor ein paar Jahren kaufte er gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten eine der ehemaligen Lungenheilkliniken. Nun soll das Objekt als Selbstversorgergemeinschaft genutzt werden – nur mittels privater Darlehen, ohne Bankenbeteiligung und mit viel Enthusiasmus. Die neue Folge von „Wem gehört der Osten?“ geht den Folgen des Privatisierungsprozesses im Harz nach. (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 03.10.2017 MDR
    • Alternativtitel: Die neuen Seen
      Folge 7 (43 Min.)
      Bild: MDR/Hoferichter und Jacobs
      Durch die Kreativität und die Ideen der Menschen erwachen die alten Reviere zu neuem Leben. – © MDR/Hoferichter und Jacobs

      Mit dem Fall der Mauer beginnt der größte Umverteilungsprozess im Nachkriegseuropa. Die Filetstücke sind hart umkämpft und die Schmuckstücke schnell vergeben. Einen viel längeren Weg haben die vermeintlichen Altlasten, die Kohlegruben, Tagebaue und Bergbaulandschaften. Anfang der 1990er-Jahre entsteht hier die weltweit größte Landschaftsbaustelle. Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten und der Flutung hunderter Tagebaurestlöcher entstehen die größten künstlichen Seenlandschaften Europas. Mit der Rückkehr des Lebens an diesen Orten stellt sich erst jetzt die Frage: Wem gehört davon heute was, warum und zu welchem Preis? Seit 2000 kommen in nur kurzer Zeit knapp 120 große Seen auf den Markt – zunächst ohne Infrastruktur jedoch mit erheblichen Entwicklungskosten. Land und Kommunen können oder wollen nicht überall investieren und so kommen sogar ganze Seen unter den Hammer. Mit neuem Geld, vor allem aber durch die Kreativität und die Ideen der Menschen erwachen die alten Reviere zu neuem Leben und ermöglichen vielerorts einen Perspektivwechsel: Plötzlich ist im sonst wasserarmen Mitteldeutschland das private Segelboot möglich, mit Liegeplatz in einer der neuen Marinas, am See vor der Haustür. Die neue Folge von „Wem gehört der Osten?“ geht den Folgen des großflächigen Landschaftsumbaus nach, vom ostdeutschen Braunkohlegebiet über die weltweit größte Landschaftsbaustelle bis hin zur größten künstlichen Wasserwelt Europas. Gekostet hat das bis heute schon mehr als 10 Milliarden Euro, Steuergeld, dass durch die Privatisierung der Bergbaufolgelandschaften nicht zu erwirtschaften ist. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer dieses gewaltigen Umverteilungsprozesses? Wem gehört an diesen neuen Seen heute was und wem wird gehören, was in Zukunft noch von der Kohlegrube zum Naturparadies verwandelt wird? (Text: mdr)

      Deutsche Erstausstrahlung: Mo 21.05.2018 MDR

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