• Folge 70 (30 Min.)
    Das große Abenteuer ohne Handy. – Bild: ORF
    Das große Abenteuer ohne Handy.
    Ein „Zensurangriff“ für die FPÖ, ein „schwammiges Gesetz“ für die Grünen – die Rede ist vom Vorschlag der Regierung zum Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige. Seit Juli 2026 ist das Gesetz in Begutachtung, ab Januar 2027 soll es gelten. Dass inzwischen Gefahr in Verzug ist, belegt eine aktuelle Studie: Jedes vierte Kind zeigt bereits suchtähnliches Smartphone-Verhalten. Wie schwer sich die Algorithmus-Falle aber gesetzlich regeln lässt, macht das Beispiel Australien deutlich: Trotz Millionen gesperrter Accounts von Jugendlichen hat sich die tatsächliche Nutzung von TikTok, Insta, Snapchat & Co kaum verändert. Die „WeltWeit“-Reporterinnen und Reporter schauen sich an, ob wir mit Eigeninitiativen gegen die Handysucht nicht viel erfolgreicher sein können als jedes Verbot. Eine Kindheit ohne Smartphone? In Irlands Kleinstadt Greystones ist das mittlerweile Realität. Jörg Winter hat die Vorzeigestadt an der Irischen See besucht und portraitiert Familien, deren Kinder keine Schlafprobleme mehr haben und wo Bullying in der Schule der Vergangenheit angehört. Bis zum 13. Lebensjahr haben die meisten gar kein Handy, danach nur solche, auf denen die Apps der üblichen Plattformen fehlen. Angespornt von so viel Selbstdisziplin, macht Winter den Selbstversuch mit Smartphone-Entzug während der Dreharbeiten. Auch in China läuft ohne Handy kaum noch etwas. Ein Feriencamp am Gelben Fluss bietet daher „digital detox“ für Jugendliche. Statt Endlos-Scrollen am Smartphone gibt es echte Herausforderungen: 120 Kilometer paddeln in fünf Tagen, schlafen im Zelt und Natur pur. Alexandra Siebenhofer begleitet die Jugendlichen durch Wind, Wellen, Erschöpfung und Gruppendynamik und erlebt, wie die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei ihrem Abenteuer langsam über sich hinauswachsen. Ein Blick auf ein modernes China zwischen digitalem Alltag und der Sehnsucht vieler Eltern, ihren Kindern wieder mehr Selbstvertrauen und Eigenständigkeit zu vermitteln. In New York trifft Patrick A. Hafner auf junge Menschen, die für sich entschieden haben, ohne Smartphone zu leben. Obwohl aus der „Gen Z“ verweigern sie sich allen Social Media Plattformen und besitzen nur ein altes Klapphandy. Der digitale Detox diene der emotionalen und geistigen Selbstreinigung, sagen sie, denn Smartphone-Nutzer sollen im Schnitt alle 13 Minuten nachschauen, ob es irgendwelche Neuigkeiten gibt. Joe Hollier, der Erfinder eines „dummen Telefons“ sagt: „Das Schöne ist, wenn wir die ‚Angst etwas zu verpassen‘ und die Langeweile aushalten können, werden wir wieder präsenter und vermissen all die Dinge nicht.“ (Text: 3sat)
    Deutsche TV-Premiere Do. 29.10.2026 3satOriginal-TV-Premiere Fr. 25.09.2026 ORF 2
  • Folge 72 (30 Min.)
    Brasilien: Erntezeit in Brasilien: ca. 5 Mal kann Zuckerrohr geerntet werden, bevor das Feld neu bepflanzt werden muss.
    Süßer Trost, bittere Folgen. Wie Zucker den Alltag bestimmt. Wer kennt das nicht? Wenn die Nerven blank liegen, greifen wir gerne zu Schokolade, Keksen oder Softdrinks: Eine süße Belohnung, ein kleiner Trost, eine schnelle Auszeit vom Stress – für alle Nichtraucher. Doch was kurzfristig guttut, kann langfristig zum Gesundheitsproblem werden. In Deutschland wird derzeit über die Einführung einer Zuckersteuer ab 2027 diskutiert, laut einer aktuellen Umfrage sind auch 63 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher für eine solche Abgabe. Die „WeltWeit“-Reporterinnen schauen sich an, welche Rolle Zucker spielt, wer am Handel verdient und ob Steuern helfen können, unseren Zuckerkonsum zu reduzieren. Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas wird seit den 1950er Jahren Coca-Cola abgefüllt und das hat gravierende Folgen: Fast jeder dort trinkt mehr als zwei Liter Coca-Cola pro Tag. Isabella Purkart trifft Arbeiter und Studenten, die erzählen, wie tief das Getränk in ihrem Alltag verankert ist, und sie spricht mit Mariano Sánchez López – ein lokaler Arzt, der die Menschen immer wieder vor den gesundheitlichen Folgen warnt. Purkarts Recherche zeigt auch, wie eng der übermäßige Konsum von Coca-Cola mit der angespannten Wassersituation in der Region verbunden ist. Brasilien ist der größte Zuckerexporteur der Welt. Anders als in Österreich wird der Zucker hier aus Zuckerrohr und nicht aus Rüben gewonnen. Im Bundesstaat São Paulo, dem Zentrum der brasilianischen Zuckerrohrindustrie, trifft Lena Hager Familie Guerini, die seit Generationen vom Anbau lebt. Für den heute 96-jährigen Valdemar Guerini hat Zuckerrohr einst die Chance geboten, sich aus einfachen Verhältnissen hochzuarbeiten und den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Mittlerweile ist auch sein 26-jähriger Enkel Pedro Luis in den Familienbetrieb eingestiegen. Doch der wirtschaftliche Erfolg des Zuckerrohrs hat auch soziale und ökologische Schattenseiten. Fast 100 Jahre hat Norwegen Schokoladen und Süßwaren besteuert – ursprünglich vor allem als Einnahmequelle für den Staat, später auch gesundheitspolitisch begründet. Seit 2021 gibt es nur noch eine Zuckersteuer auf den Rohstoff selbst. Dennoch gehört „Lørdagsgodt“ – also die „Samstags-Süßigkeiten“ – seit Jahrzehnten fest zur norwegischen Alltagskultur. Alexandra Nöbauer besucht Familie Paulsen, die die Tradition des „süßen Samstag“ bis heute lebt, und begleitet die Familie zum wöchentlichen Einkauf nach Schweden. Entlang der Grenze haben sich die größten Candy-Stores der Welt angesiedelt und einen regen Grenzhandel begründet. Die Besteuerung von Zucker wirkte nur wenig als Lenkungsmittel, daher setzt Norwegen inzwischen verstärkt darauf, das Süßigkeitenangebot nachhaltig zu verändern, in der Hoffnung damit auch die Gewohnheiten der Menschen langfristig zu verändern. (Text: ORF)
    Deutsche TV-Premiere Do. 12.11.2026 3satOriginal-TV-Premiere Fr. 16.10.2026 ORF 2
  • Folge 73 (30 Min.)
    Deutschland: Der AfD-kritische Influencer Hannes Kreschel wird während eines Interviews auf dem AfD-Familienfest am 3. Oktober angegriffen.
    In immer mehr Ländern verlieren die Menschen das Vertrauen in die etablierte Politik. Das zeigt sich am deutlichsten an der Wahlurne. Ehemalige Großparteien schrumpfen zu politischen Randnotizen, und meist sind es rechtspopulistische Parteien, die von dieser Entwicklung profitieren. Mit Verunsicherung und der Angst vor Migration, Kriminalität oder gesellschaftlichem Wandel wird Politik gemacht. Ihre Versprechen: mehr Sicherheit und nationale Stärke. Die „WeltWeit“-Reporterinnen und -Reporter gehen den Fragen nach, warum rechte Botschaften so große Zustimmung finden und welche Folgen das für das gesellschaftliche Zusammenleben hat. In Deutschland ist die AfD bei den Landtagswahlen zur stärksten politischen Kraft in drei Bundesländern aufgestiegen: Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihrer migrationsfeindlichen Politik trifft sie auf breite Zustimmung ausgerechnet in einer Region, die wenig Zuwanderung hat und dringend Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigt. Patrick A. Hafner trifft eine Familie, die aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist, um sich hier ein Leben aufzubauen. Doch jetzt lässt sie der steigende Alltagsrassismus darüber nachdenken, erneut ihre Koffer zu packen. Bei einem AfD-Familienfest am „Tag der Deutschen Einheit“ wird Hafner Zeuge davon, was passiert, wenn verbal versierte Influencer auf alkoholisierte Neonazis treffen. In Israel geht es bei den Wahlen am 27. Oktober 2026 um das politische Überleben von Langzeitpremier Benjamin Netanyahu. Der Terrorangriff der Hamas hat die politische Statik des Landes grundlegend erschüttert. Im traumatisierten Grenzgebiet zu Gaza dokumentiert David Kriegleder das Scheitern des einst linksliberalen Friedensversprechens und die Ernüchterung ehemaliger Brückenbauer. Gleichzeitig treibt eine junge Generation, die ohne Friedensprozess aufgewachsen ist und von permanentem Sicherheitsdruck geprägt wurde, den nationalreligiösen Diskurs voran, besonders in Jerusalem. Verstärkt wird diese Verhärtung durch Neu-Einwanderer, die vor dem wachsenden Antisemitismus nach Israel geflohen sind und die neue Kompromisslosigkeit aus Überzeugung mittragen. Eine Spurensuche nach den Treibern eines beispiellosen gesellschaftlichen Rechtsrucks. In Brasilien könnte die Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober einen weiteren Rechtsruck in Südamerika bringen. Nach dem ersten Wahlgang liegt der rechtspopulistische Flávio Bolsonaro knapp vor dem linken Amtsinhaber Lula da Silva. Das Land ist tief gespalten. Lena Hager trifft in Rio de Janeiro Índio Magno, der nach einem Einbruch in sein Geschäft vor dem finanziellen Ruin steht. Seine Hoffnung liegt auf der von Bolsonaro angekündigten harten Law-and-Order-Politik. Gegen die steigende Kriminalität im Land vorzugehen, damit punktet der rechte Kandidat bei vielen. Anders als bei der Wahl von Jair Bolsonaro stehen die Evangelikalen nicht mehr geschlossen hinter seinem Sohn Flávio. Bei einem Gottesdienst spricht Hager mit Pastor Marco Davi de Oliveira, der sich aktiv für Lula einsetzt und vor einer Gefährdung der Demokratie warnt. Zwei Männer, zwei politische Überzeugungen – und ein Land, in dem die Frage nach Sicherheit und Freiheit die Gesellschaft spaltet. (Text: 3sat)
    Deutsche TV-Premiere Do. 26.11.2026 3satOriginal-TV-Premiere Fr. 23.10.2026 ORF 2
  • Folge 71
    Wohnung in Schweden.
    Die Mieten steigen stetig, die Finanzierung von Eigentum sprengt oft den finanziellen Rahmen junger Familien. In immer mehr Städten fehlt es an leistbarem Wohnraum. Dabei stehen viele Wohnungen leer oder werden über Plattformen wie Airbnb nur als Ferienunterkünfte vermietet. Wer endlich was gefunden hat, bekommt am privaten Mietmarkt häufig nur einen befristeten Vertrag. Wohnen wird zunehmend zur sozialen und finanziellen Belastungsprobe und im Alter zur Einsamkeitsfalle. Die WeltWeit-Reporter:innen sind unterwegs, auf der Suche nach alternativen Modellen des Zusammenlebens, die Wohnen wieder leistbar machen und die Menschen in den Mittelpunkt stellen. In Schweden verzichten immer mehr Menschen auf den Traum vom klassischen Einfamilienhaus – und das nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus ökologischen Gründen: Mehr Neubauten bedeuten mehr Bodenversiegelung. Die Idee: Alter Immobilienbestand wird für ein nachhaltiges Zusammenleben genützt. Lena Hager trifft in Stockholm die Architektin Anna Sundham, die sich sowohl privat als auch beruflich mit dem Thema beschäftigt: Sie hat ein 100 Jahre altes Haus co-living-gerecht renoviert und lebt dort nun mit mehreren Menschen unter einem Dach. In den USA ist im Sunshine-State Kalifornien die Zahl der Menschen, die in einem Wohnmobil leben, stark gestiegen. Der Grund: Die extrem hohen Immobilien- und Mietpreise. Ein Drittel der Häuser und Wohnungen am Markt kostet über eine Million Dollar. Selbst Doppelverdiener können sich kaum noch leisten, in innerstädtischen Gebieten zu leben. Patrick A. Hafner trifft Familie Hernandes aus Los Angeles, die in einen Wohnwagenpark gezogen ist, weil sie trotz eines Einkommens von 5.000 Dollar im Monat eine Mietwohnung kaum bezahlen können. Doch das Leben zu dritt in einem 30 Quadratmeter großer Camper ist herausfordernd. In Spanien überzieht eine veritable Wohnungskrise inzwischen das ganze Land. Maren Häußermann trifft in Barcelona Elinor, die das erste kooperative Wohnprojekt für ältere Menschen umsetzt. Es soll ein Zuhause werden, in dem sie gemeinsam mit anderen selbststimmt und aktiv altern kann. Es geht darum, Gemeinschaft zu leben, um drohende Einsamkeit im Keim zu ersticken, und darum, die von Übertourismus und Immobilienspekulation geprägte Stadt wieder zurückzuerobern für ein lebenswertes Älterwerden. (Text: ORF)
    Original-TV-Premiere Fr. 09.10.2026 ORF 2
  • Folge 74
    Bei den Midterms werden die innenpolitischen Weichen gestellt für das Amerika der Zukunft. Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewinnen, wird das Trumps Handlungsspielraum ab Jänner 2027 deutlich einschränken. Außenpolitisch werden die Wahlen wenig verändern, weil sie Trumps präsidiale Macht nicht verringern. Er kann weiterhin per Dekret regieren. Die WeltWeit-Reporter:innen schauen sich an, wie stark Trumps zweite Amtszeit inzwischen im Sinne des „Butterfly Effects“ als Flügelschlag einen Tornado in der gesamten Welt ausgelöst hat. In Brasilien wird Amerikas neuer Kolonialismus deutlich. Anstelle von Bodenschätzen geht es jetzt um grüne Energie. Ein Wasserkraftwerk an der Grenze zu Paraguay liefert enorme Mengen Strom, der den Menschen billig zur Verfügung steht. Nun läuft der Vertrag über die Stromnutzung zwischen den beiden Ländern aus. Ein amerikanischer Tech-Konzern will die Karten neu mischen und in Paraguay ein Mega-Rechenzentrum errichten, das mit billigem Strom aus dem Kraftwerk betrieben werden soll. Lena Hager ist in der Grenzregion unterwegs und fragt nach, welche Folgen das für Mensch und Natur hat. Donald Trump hat klar gemacht, dass er an guten Beziehungen zu China und dessen Staatschef Xi Jinping interessiert ist. Den US-Verbündeten in der Region – allen voran Japan – fühlt sich Trump dagegen nicht mehr so stark verpflichtet. Und das hat Folgen für die Geopolitik: Im Schatten der amerikanischen Abwesenheit hat China ein neues Selbstbewusstsein erlangt und will seinen Machtanspruch in Ostasien ausbauen. Parallel will Japan militärisch aufrüsten, um wieder mehr Gewicht auf der internationalen Politbühne zu haben. Alexandra Siebenhofer schaut sich an, welche Rolle Taiwan in diesem Konflikt spielt und welche Gefahren diese neue Weltordnung birgt. Dass die jahrzehntelangen guten transatlantischen Beziehungen mit Trumps zweiter Präsidentschaft in die Brüche gegangen sind, hat Europa eine – wenn auch unfreiwillige – Emanzipation beschert. Allem voran in Sachen Verteidigungspolitik. Estland gilt als Vorzeigeland bei der Vorbereitung auf den Ernstfall: an der russischen Grenze entsteht derzeit die „Baltic Defense Line“, eine koordinierte Verteidigungslinie der baltischen Staaten mit Panzergräben und Bunkerkomplexen. Doch auch beim Schutz der zivilen Infrastruktur spielt Estland eine Schlüsselrolle: Levira, der größte Betreiber der nationalen Rundfunk- und Telekommunikationsinfrastruktur, entwickelt neuartige Warnsysteme, die selbst dann verlässlich funktionieren, wenn reguläre Mobilfunk- und Internetverbindungen zusammenbrechen. Benedict Feichtner erhält einen exklusiven Zugang zum 314 Meter hohen Fernsehturm von Tallinn, in dessen Untergrund ein Hochsicherheitsrechenzentrum liegt – geschützt von meterdickem Stahlbeton. Hier bereitet man sich auf Cyberattacken, langanhaltende Stromausfälle und kinetische Angriffe vor. (Text: ORF)
    Original-TV-Premiere Fr. 30.10.2026 ORF 2

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