62. Europas Unabhängigkeit. Sein oder Schein?
Folge 62 (30 Min.)
Deutschland: Rund 1.500 Arbeitsschritte sind nötig, um einen Mikrochip herzustellen.Bild: ORFDie aktuellen Umfragen prophezeien bei den Parlamentswahlen in Ungarn das Ende der Ära Victor Orbáns. Fast 16 Jahre hat er mit seinem EU-feindlichen Kurs Brüssel immer wieder herausgefordert. Doch Orbáns Aus allein wird Europas Probleme nicht lösen. Die EU muss sich neu aufstellen, um weniger anfällig für geopolitische Erschütterungen zu sein: allem voran in der Energieversorgung, im Technologiesektor und bei den Lieferketten. Die „WeltWeit“-Reporterinnen haben sich angeschaut, wie es um Europas Abhängigkeiten steht. Wir planen via Google Maps unsere Reiseroute, kaufen unsere Fahrkarte online und machen das alles vom Handy aus.Doch dafür braucht es zahlreiche sogenannter Schlüsseltechnologien – und die stammen meist aus den USA oder China. Mikrochips zum Beispiel sind nicht nur in Laptops und Smartphones verbaut, sondern auch in vielen Alltagsgegenständen wie Rolltreppen oder Wasserkochern. Mit enormen Investitionen ins „Silicon Saxony“, einem Hightech-Netzwerk in Sachsen, soll die europäische Chipindustrie weiter ausgebaut werden. Lena Hager schaut sich auf einer 60.000 Quadratmeter großen Reinraum-Produktionsfläche um und erfährt, wie komplex und global verflochten die Branche ist. Lieferengpässe bei Medikamenten sind in Europa längst keine Ausnahme mehr, selbst in gut organisierten Gesundheitssystemen wie dem in Dänemark. Isabella Purkart trifft einen Vater, der vor Kurzem erfahren hat, dass die Augentropfen, auf die seine Tochter dringend angewiesen ist, nicht mehr erhältlich sind. Ohne die Tropfen droht dem Mädchen im schlimmsten Fall der Verlust des Augenlichts. Wie anfällig Europas Medikamentenversorgung geworden ist, zeigt auch die dänische Pharmafirma „Xellia“. Das Unternehmen muss seine Produktionsstätte von Kopenhagen nach China verlegen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Krieg im Iran hat einmal mehr Europas starke Abhängigkeit von Energieimporten aufgezeigt. Eine EU-Strategie für den Kernenergieausbau soll die Stromversorgung in Zukunft leistbar und krisensicher machen. Frankreich bezieht schon jetzt rund 65 Prozent seines Stroms aus Kernkraft. Zahlreiche Start-Ups arbeiten mit finanzieller Unterstützung des Staates an neuen Technologien, um kleinere Kraftwerke zu entwickeln. Denn der SMR – der Small Modular Reaktor – soll die Zukunft der Atomenergie sein. Wie stark der Rückhalt in der Bevölkerung für die Renaissance der Kernkraft ist, erfährt Cornelia Primosch in der Normandie. An der Ärmelkanalküste machen sich lokale Fischer für ein neues AKW stark, um den Bau eines Offshore-Windparks zu verhindern. Drei Reporter auf Spurensuche. Jeweils ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und aus verschiedenen Regionen der Welt. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 21.05.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 10.04.2026 ORF 2 63. Iran-Krieg. Unsicherheit als einzige Konstante
Folge 63 (30 Min.)Israel-Korrespondent David Kriegleder (li) mit Ben Perry: der Influencer führt ein Videotagebuch vom Alltag im Bunker.Bild: ORF„Operation epischer Zorn“, so lautet der amerikanische Codename für den Iran-Krieg. Doch mit jedem Tag mehr wird der Krieg zum „epischen Desaster“. Ein Desaster, das nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Weltwirtschaft mit sich reißt. Nach martialischen Drohungen von US-Präsident Trump, Häme aus Teheran, amerikanisch-israelischen Luftschlägen, iranischen Gegenangriffen auf Israel und die arabischen Nachbarländer, der Sperre der Straße von Hormuz, einer höchst fragilen Waffenruhe und gescheiterten Friedensgesprächen steht fest – Unsicherheit ist die einzige Konstante in diesem Krieg.Was es heißt, nie zu wissen, was der nächste Tag bringt, erfahren die ORF-Korrespondent:innen nicht nur am eigenen Leib, sondern auch im Gespräch mit den Menschen in ihrer Region. Der Waffenstillstand bringt der israelischen Bevölkerung gerade eine Verschnaufpause. Doch kaum jemand traut der aktuellen Ruhe. Korrespondent David Kriegleder, der selbst seit Wochen ein Leben zwischen Bunker und Live-Berichterstattung führt, macht sich ein Bild von der Stimmung im Land. Er trifft Israels bekannteste Instagram-Familie und einen Musiker, um über ihre Kriegserfahrungen, Hoffnungen und Sorgen zu sprechen. Und er spricht mit Menschen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet, wo die Kämpfe zwischen Israel und der Terrormiliz-Hisbollah andauern. Korrespondentin Rosa Lyon konnte am Tag, als der Krieg im Iran begonnen hat, gerade noch das Land verlassen. Seither ist sie mit Menschen vor Ort in Kontakt und erfährt, dass sich viele Gegner und Kritikerinnen des Regimes im Iran dieser Tage hinter ihre Regierung stellen. Der Hass gegenüber den beiden Erzfeinden Israel und USA eint. Tausende Menschen sind bereits bei Luftangriffen getötet worden, noch mehr verletzt. Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Energieanlagen wurden zerstört. Die Menschen im Iran haben keine Bunker, in denen sie Schutz suchen können, die Bemühungen um Freiheiten und Menschenrechte sind in den Wirren des Krieges erstickt. Rund eine Milliarde Dollar kostet die USA – Schätzungen zu Folge – ein Tag Krieg gegen den Iran. Für viele Amerikanerinnen und Amerikaner ist dieser Krieg, den ihr Präsident begonnen hat, zwar geographisch weit entfernt, doch die Auswirkungen werden im Alltag immer spürbarer – allem voran an der Tankstelle. Korrespondent Christophe Kohl macht sich für „WeltWeit“ auf den Weg nach Oklahoma. Er besucht einen Farmer, der neben den hohen Spritkosten mit massiven Preisschwankungen bei Düngemitteln zu kämpfen hat. Diese Unsicherheit bringt viele Betriebe an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Experten warnen, dass die steigenden Produktionskosten langfristig auch die Lebensmittelpreise in den USA weiter in die Höhe treiben könnten. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 28.05.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 24.04.2026 ORF 2 Folge 64
Viele Menschen sehnen sich in Zeiten von Krisen und Unsicherheit stärker nach Verlässlichkeit und Stabilität in ihrem unmittelbaren Umfeld – sprich in Beziehungen und Partnerschaft. Aber wie diese Stabilität konkret aussieht, wird heute individueller interpretiert als früher. Ob sich ein Paar für die traditionelle Ehe entscheidet oder das Zusammenleben ohne Trauschein vorzieht, ist meist von der kulturellen Einbettung abhängig. Auch in westlich Gesellschaften ist Partnerschaft nach wie vor wichtig, aber Qualität zählt mehr als Dauer.Die WeltWeit-ReporterInnen haben sich unterschiedliche Wege zum „Liebesglück“ angeschaut. Benedict Feichtner geht an der Ostküste der USA der Frage nach, ob und wenn, wie Technologie heute Liebe ermöglicht. Er trifft Paare, deren Beziehungen ohne digitale Hilfe vielleicht nie entstanden wären: David Duda aus den USA und Hong Liang aus China verstehen die Sprache des jeweils anderen nicht. Sie kommunizieren deshalb fast ausschließlich mit Hilfe von Echtzeit-Übersetzungsprogrammen. Tony nutzt gemeinsam mit seiner Verlobten Sarah eine KI-gestützte Beziehungs-App, die er selbst mitentwickelt hat – als digitalen Therapeuten für die eigene Partnerschaft. Indien und Pakistan sind seit Jahrzehnten verfeindete Länder. Die Grenze zu passieren ist für Bewohnerinnen und Bewohner nur schwer möglich. Doch was passiert, wenn sich zwei Menschen aus diesen Ländern ineinander verlieben, hat Eva Pöcksteiner in Indien herausgefunden. Sie trifft Seema und Sachin, denen genau das passiert ist: Sie haben sich bei einem Online-Spiel kennengelernt und ihre Herzen aneinander verloren. Unter schwierigsten Bedingungen und den Umweg über Nepal haben sie es geschafft zusammenzukommen. Filme, Märchen und gesellschaftliche Normen prägen von klein auf unser Bild von der großen Liebe – und die soll es in einer romantischen Partnerschaft geben. Ohne sie fehle etwas im Leben. Seit einigen Jahren werden jedoch Stimmen laut, die das Fokussieren auf genau diese EINE Liebes-Beziehung hinterfragen und zu einem breiteren Verständnis von Liebe aufrufen. Lena Hager ist in Dänemark und trifft die 29-jährige Frida Retz, die vor drei Jahren ihren sogenannten „Goldmenschen“, ihre beste Freundin, geheiratet hat, um ein Zeichen für die platonische Liebe zu setzen. Seit der Hochzeit hat sich jedoch viel verändert. Frida ist Mutter geworden und wohnt mit dem Vater ihres Kindes zusammen. Trotzdem will sie der Freundschaft den gleichen Stellenwert wie ihrer Partnerschaft mit dem Mann zukommen lassen. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 08.05.2026 ORF 2
