61. Gott 2.0. Was wollen wir glauben?
Folge 61 (35 Min.)
Ruanda: Jeder fünfte Christ weltweit lebt in Afrika. Die Kirche boomt.Bild: ORFKriege toben, Krisen überschlagen sich – eigentlich sollte man annehmen, dass die Menschen wieder vermehrt Trost und Halt in der Religion suchen. Doch vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Der renommierte Religionssoziologe Detlef Pollack spricht von einem „dramatischen, historisch beispiellosen Bedeutungsrückgang“ und zwar weltweit. Der Säkularisierungsprozess ist dabei kein Phänomen der westlichen Welt, sondern tritt auch in Ländern auf, die bislang als religiöse Hochburgen galten. Die WeltWeit-Reporter haben sich angeschaut, ob Gott wirklich ausgedient hat und ob der neue Trend in punkto Glauben nur noch „ich bin nicht religiös, aber spirituell“ heißt.In Thailand boomt der sogenannte Kloster-Tourismus. Vor allem für Menschen, die der modernen Leistungsgesellschaft entfliehen wollen und mehr Spiritualität suchen, haben buddhistische Tempel eine große Anziehungskraft. Patrick A. Hafner ist in die Welt der Mönche eingetaucht und begleitet Ashley Morton, der Ehefrau und Tochter in England gelassen hat, um sich seinen Traum vom Klosterleben zu erfüllen. Kein Handy, kein Alkohol und keine anderen irdischen Freuden, erst durch das Leid findet man zum Glück. „Es ist eine große Herausforderung, doch es lohnt sich, sich ihr zu stellen“, sagt Ashley. Jeder fünfte Christ weltweit lebt mittlerweile in Afrika. Über 700 Millionen Gläubige sind es verteilt über den ganzen Kontinent. Und seit einiger Zeit gewinnen evangelikale Kirchen immer mehr an Bedeutung. Paul Huemer besucht in Ruanda eine Messe der „Holy Trinity Church“. Ihre Prediger werden in den USA ausgebildet, die Gemeinde finanziell unterstützt. Bibelschulen und Mediennetzwerke werden errichtet. Doch das alles ist kein Akt christlicher Nächstenliebe, sondern Teil einer Strategie mit dem Ziel, Politik und Gesellschaft im Land nach dem Weltbild der radikal-konservativen US-Kirchen zu formen. Für viele Menschen bedeutet ihr wachsender Einfluss inzwischen vor allem eines: Ausgrenzung. Spanien ist traditionell ein tief katholisches Land, doch auch hier geht die Hälfte der Bevölkerung nur noch zu besonderen Anlässen in die Kirche. Der Glaube scheint zum gesellschaftlichen Ritual zu verkommen. Leuchtendes Gegenbeispiel ist die junge katholische Glaubensbewegung „Hakuna“. Der Name ist vom Suaheli-Begriff „Hakuna Matata“ inspiriert und bedeutet so viel wie „keine Sorgen“. Die Idee dahinter: Glaube, Gemeinschaft und gelebte Spiritualität zu verbinden. Josef Manola hat einen Tag bei den jungen Leuten im „El Estudio“, der Zentrale der Bewegung, in der Nähe von Madrid verbracht. Neben dem persönlichen Erleben gibt es viel Präsenz auf Social Media Plattformen und riesige Konzerte der „Hakuna Group Music“. Kritiker sprechen deshalb gerne von einem „Event-Glauben“. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 06.08.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 27.03.2026 ORF 2 57. Goldrausch. Wer zahlt den Preis für den Boom?
Folge 57 (35 Min.)Wer zum Valentinstag heuer ein Goldkettchen oder einen Ring schenken möchte, muss ganz schön tief in die Tasche greifen. Auch wenn gerade von einem historischen Absturz bei Edelmetallen gesprochen wird, so hat der Goldpreis in den vergangenen zwei Jahren einen Rekordhöhenflug hingelegt: innerhalb von zwölf Monaten hat Gold knapp 65 Prozent zugelegt, der Preis pro Unze ist auf ein Allzeithoch von fast 5.600 Dollar geklettert. Politische Instabilität, Inflationssorgen und geopolitische Spannungen bereiten den Boden dafür, dass die Nachfrage steigt.Die „WeltWeit“-Reporter:innen haben sich angesehen, was der neue Goldrausch mit den Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Erde macht. Auf den Philippinen begleitet Isabella Purkart den 42-jährigen Familienvater Zaldy, der seit mehr als 15 Jahren unter extrem gefährlichen Bedingungen Gold schürft: in einem Schlammloch taucht er nach feinen Goldpartikeln und wird dabei nur über einen alten Kompressor mit Luft versorgt. Jeder Tauchgang ist ein großes Risiko, das er eingeht, um seine Familie zu ernähren. Der aktuell hohe Goldpreis treibt auch Zaldy und seine Kollegen an, noch härter zu arbeiten, denn meist verdienen sie trotzdem nicht mehr als ein paar Euro am Tag. Die Schweiz ist seit Jahrzehnten eine Drehscheibe im internationalen Goldhandel. Auch „dreckiges“ Gold, sogenanntes Blut- und Raubgold, wurde hier zu Barren verarbeitet. Vier der größten Raffinerien der Welt befinden sich im Land und gehen – geschützt hinter Kameras und Stacheldraht – diskret ihren Geschäften nach. Ein kürzlich beschlossenes Zollgesetz verlangt nun, dass die Raffinerien ihre Lieferketten bis zum Ursprung zurückverfolgen. Marion Flatz-Mäser taucht ein in die Welt der großen Goldhändler. Eine Welt, in der es Menschen gibt, die sich um viele Millionen Franken mit Gold eindecken, um sich damit auch in unsicheren Zeiten Sicherheit zu erkaufen. „Sie werden entweder Söhne aus ärmeren Familien oder ältere Männer heiraten müssen“, sagt der Vater von fünf Töchtern. In Indien wird die Mitgift in Form von Gold und teurem Brautschmuck verlangt. Beim aktuellen Preis können sich das immer weniger Brautväter leisten. Patrick A. Hafner trifft eine Familie mit fünf Töchtern, von denen drei in nächster Zeit verheiratet werden sollen. Das stellt sie vor eine große Herausforderung. Indiens Goldhändler haben auf das Rekordhoch beim Goldpreis reagiert und bieten Familien einen Ausweg: weniger Karat und statt Voll-Gold wird vergoldeter Schmuck angeboten. So lässt sich wenigstens der Schein von Glanz und Glamour wahren. Doch das birgt eine große Gefahr, denn traditionell ist der Brautschmuck zur finanziellen Absicherung der Frau gedacht, die nach ihrer Hochzeit auf das Wohlwollen der Familie ihres Ehemannes angewiesen ist. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 20.08.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 13.02.2026 ORF 2 45. Katerkultur. Kampftrinken oder neue Nüchternheit?
Folge 45 (30 Min.)Berichte rund um das traditionelle Münchner Oktoberfest beginnen seit Jahren mit Sätzen wie „Trinken bis der Arzt kommt“, „Erstes Bier-Opfer auf der Wies’n nach nur einer Stunde“ oder „Alkoholbedingter Totalausfall – 450 Sanitäter im Dauereinsatz“. Alkohol ist in unseren Breiten ein fixer Bestandteil bei Festen und Feierlichkeiten – von Geburtstagen, Hochzeiten oder Weihnachtsfeiern ist er für viele nicht wegzudenken. Wer auf solchen Anlässen keinen Alkohol trinkt, muss sich meist erklären. Doch inzwischen macht sich auch ein Wandel bemerkbar. Begriffe wie „Dry January“ oder „Sober Curiosity“, eine Bewegung, die Lust am Alkoholverzicht propagiert, begegnen uns häufiger.Laut Studien greift die „Gen Z“ immer seltener zum Alkohol. Die WeltWeit-Reporter:innen schauen sich an, wie es um die neue Nüchternheit steht. Großbritannien ist das Land der „Binge-Trinker“. Das gilt besonders auch für Frauen. Jede vierte Britin betrinkt sich regelmäßig, das ist ein weltweiter Rekord. Die Zahl der tödlichen Lebererkrankungen in Folge von Alkohol nimmt weiter zu. Vom „silent killer“ ist die Rede. Jörg Winter trifft eine 40-jährige Frau, die eine Lebertransplantation hinter sich hat, und spricht mit einem ehemals alkoholkranken Banker, der Einblicke in die Trinkexzesse der Londoner Finanzwelt gibt. In Frankreich gilt Wein nach wie vor als nationales Kulturgut, ein Klischee, von dem sich die jüngere Generation jedoch zunehmend abwendet. Der Weinkonsum hat im Weinland Frankreich drastisch abgenommen. Dazu trägt auch ein langsam wachsendes Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol bei. Ein Familienweingut im Languedoc setzt daher auf die Produktion von alkoholfreiem Wein. Cornelia Primosch begleitet die Winzer bei der Weinlese und beobachtet, wie sich in der Weinnation Frankreich ein neuer gesellschaftlicher Trend etabliert. Island gilt heute als Vorbild, wenn es um erfolgreiche Alkohol-Prävention bei Jugendlichen geht. In den 1990ern noch berüchtigt für exzessiven Alkoholkonsum junger Menschen zeigt das Land inzwischen ein völlig anderes Bild: nur noch ein Bruchteil greift regelmäßig zu Bier, Wein oder Hochprozentigem. Benedict Feichtner schaut sich die Maßnahmen genauer an, mit denen Island diesen Wandel geschafft hat: ein Verbot von Alkoholwerbung, beschränkter Verkauf alkoholischer Getränke und eine strikte Einbindung der Eltern in den Erziehungsprozess. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 10.09.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 26.09.2025 ORF 2 66. Countdown – Warten auf das Desaster
Folge 66Italien: Cornelia Vospernik im Gespräch mit dem Bürgermeister von Niscemi, Massimiliano Conti.Bild: ORFAm 28. Mai vergangenen Jahres wird Blatten, ein kleines Dorf im Schweizer Kanton Wallis, von einem Bergsturz weitgehend zerstört. Die Bilder gehen um die Welt. Rund neun Millionen Tonnen Gestein, Geröll und Eis begraben die Häuser unter sich. Da das Dorf rechtzeitig evakuiert wird, kommt keiner der fast 300 Bewohner ums Leben. Heute – ein Jahr später – sind einige der Familien wieder im Dorf zurück. Blatten ist nur ein Katastrophen-Szenario von vielen möglichen: Ob Felssturz, Hangrutsch oder Erdbeben, die WeltWeit-Reporterinnen haben nachgefragt, wie es ist, mit dem Countdown zum Desaster zu leben.Die bergreiche Schweiz hat neben Blatten noch weitere „Sorgenkinder“. Auch in Kandersteg, nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt, muss das Rutschgebiet rund um den sogenannten Spitzen Stein seit 2018 überwacht werden. Das kostet rund 900.000 Franken jährlich, denn zirka 50 Messgeräte und Kameras zeichnen die Bewegungen im Rutschgebiet auf. Marion Flatz-Mäser ist mit Ernst Müller unterwegs, der sich um die Wartung der Instrumente kümmert. In Kandersteg selbst macht sie die Erfahrung, dass nicht alle im Dorf öffentlich über die Bedrohung sprechen wollen: „Jede Berichterstattung über den Spitzen Stein schade dem Tourismus“, sagen sie. 1.500 Menschen verlieren in Niscemi auf Sizilien ihr Zuhause, als es im Jänner nach starken Regenfällen zu einem Erdrutsch kommt. Seither zieht sich ein vier Kilometer breiter und bis zu 50 Meter tiefer Riss durch die Stadt. Cornelia Vospernik ist mit Antonio Pizzacanti vom italienischen Zivilschutz unterwegs und darf mit ihm direkt in die rote Zone. Die Katastrophe kann sich aufgrund der Bodenbeschaffenheit rund um Niscemi jederzeit wiederholen, sagen Geologen. Auch davor hat es bereits 1997 einen riesigen Erdrutsch gegeben. Den Verdacht, dass das Geld für die notwendigen Maßnahmen klassisch sizilianisch versickert sein könnte, weist der Bürgermeister entschieden zurück. Dass es in Istanbul ein großes Erdbeben geben wird, daran zweifelt niemand. Die Frage ist nur, wann es passiert. Der Grund: im Meer vor der Küste stoßen Eurasische und Anatolische Kontinentalplatte aneinander, wodurch sich starke geologische Spannungen ergeben. Die türkische Metropole mit fast 16 Millionen Menschen ist für so ein Beben nicht gerüstet. Wer, so wie Türkei-Korrespondentin Rosa Lyon, in der Stadt lebt und arbeitet, muss sich mit dem Thema konfrontieren. Ihre Recherchen zeigen ein schlechtes Bild: Die Stadt ist zu dicht bebaut, die Substanz der Häuser meist schlecht und viele wurden auf zu weichem Untergrund errichtet. Wenn die Erde in Istanbul bebt, muss man mit verheerenden Schäden und vielen Opfern rechnen, denn in den schmalen Gassen wird es kaum ein Durchkommen für Einsatz- und Rettungskräfte geben. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 29.05.2026 ORF 2 67. USA, Kanada, Mexiko: Lokalaugenschein vor der WM
Folge 67USA, Kanada, Mexiko: Lokalaugenschein vor der WM. Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM und zum ersten Mal in der Geschichte wird sie von drei Ländern gemeinsam ausgetragen: USA, Kanada und Mexiko. Gespielt wird an insgesamt 16 Orten, die über die drei Länder verteilt sind. Das Turnier inszeniert ein geeintes Nordamerika, doch eigentlich waren es gerade die beiden Länder Kanada und Mexiko, die Trump in seiner zweiten Amtszeit extrem unter Druck gesetzt hat. Die WeltWeit Reporter: innen schauen sich im Vorfeld des großen Sport-Spektakels an, ob der Fußball einen kann, was Trump mit seiner Zoll-, Wirtschafts- und Einwanderungspolitik so konsequent zerstört hat.Kanada will sich von den USA emanzipieren: „Buy Canadian“ ist längst mehr als ein Slogan. Auf einem Roadtrip entlang der Grenze trifft Benedict Feichtner Menschen, für die sich das Verhältnis zum Nachbarn spürbar verändert hat. In der kanadischen Autostadt Windsor direkt gegenüber von Detroit, erzählt Unternehmer Stephen Hargreaves, dass er statt wie früher dreimal pro Woche jetzt nur noch dreimal im Jahr in die USA fährt. Bar-Inhaberin Nicole Sekela hat aus Protest alle US-Produkte aus ihren Regalen verbannt. Donald Trumps feindliche Zollpolitik macht es kanadischen Unternehmen wie Schneepflug-Hersteller „Arctic Snowplows“ unmöglich, ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt konkurrenzfähig anzubieten. In Mexiko wird der Widerspruch zwischen „Sport als verbindendendes Element“ und der Realität besonders deutlich. Isabella Purkart erfährt, wie stark das Land die Folgen der harten US-Immigrationspolitik zu spüren bekommt. Seit dem Amtsantritt von Trump sind etwa 150.000 Mexikaner und Mexikanerinnen deportiert worden. Viele Familien in den Dörfern haben damit die finanzielle Unterstützung durch die Angehörigen in den USA verloren. Und die Rückkehrer finden in der Heimat keine Arbeit. Zugleich ist Mexiko wirtschaftlich eng an die USA gebunden. Das Land produziert vorrangig für den US-Markt und ist seinerseits beim Erdgas stark auf die Lieferungen aus den USA angewiesen. Präsident Donald Trump hat die Fußball-WM zu einem seiner Prestigeprojekte gemacht. In den USA ist Markus Müller in Los Angeles unterwegs. In keiner anderen amerikanischen Großstadt ist Fußball so präsent wie hier mit seinen großen Zuwanderer-Communities. Er besucht den Fußballklub „Downtown-Soccer LA.“, in dem es ein spezielles Programm zur Förderung von Latinas gibt. Immer wieder tauchen Beamte von ICE auf, um den Aufenthaltsstatus der Eltern der Spielerinnen zu prüfen. In Long Beach trifft er den ehemaligen Fußballspieler Alan Johnson, der gerade den alten Industrie-Fischereihafen zu einem großen Freizeitzentrum umbaut. Bis zum Start der WM soll der erste Teil der Anlage fertig sein – mit einer großen Fanzone, um dort die Spiele schauen zu können, ohne horrende Summen ausgeben zu müssen. Inzwischen geht die US-Justiz gegen die Preispolitik der FIFA vor, denn schon die billigsten Tickets für die interessanten Spiele kosten mehrere tausend Dollar. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 05.06.2026 ORF 2
