68. 9/11 – Terror mit weltweiten Folgen
Folge 68 (30 Min.)
Barbara Wolschek im Gespräch mit Monica Iken-Murphy, die bei den Anschlägen ihren Mann verloren hat und engagiert an der Gestaltung des Memorials mitgewirkt hat.Bild: ORFAm 11. September 2001 steuern Terroristen der islamistischen Terrororganisation Al-Qaida zwei Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York, ein weiteres trifft das Pentagon bei Washington. Fast 3.000 Menschen sterben. Amerika wird – erstmals in seiner Geschichte – auf eigenem Boden angegriffen. Die Anschläge erschüttern das Land in seinen Grundfesten. In den sogenannten Bush-Doktrin werden die neuen außen- und sicherheitspolitischen Grundsätze der US-Regierung unter George W. Bush formuliert: die USA beanspruchen darin unter anderem das Recht Präventivkriege zu führen und sie rufen einen weltweiten „War on Terror“ aus.Die WeltWeit-Reporter:innen schauen sich an, wie sehr die Anschläge und ihre Folgen die Welt verändert haben. In den USA hat Barbara Wolschek als Korrespondentin damals wochenlang über die Ereignisse berichtet. Heute – 25 Jahre später – blickt sie auf das Erlebte zurück und geht der Frage nach, wie stark das Land von den Anschlägen geprägt ist. Am Ground Zero trifft sie Monica Iken-Murphy, die ihren Mann im South Tower des World Trade Centers verloren hat. Als Hinterbliebene hat sie maßgeblich an der Gestaltung des „9/11 Memorial & Museum“ mitgewirkt. In Washington spricht sie mit einem der Architekten des „Patriot Act“, jenes umstrittene Anti-Terrorgesetz, das damals im Eiltempo verabschiedet wurde, um die USA vor weiteren Anschlägen zu bewahren. Karim El-Gawhary ist in den Irak zurückgekehrt, aus dem er viele Male für den ORF berichtet hat. 2003 sind die USA unter Berufung auf jene Bush-Doktrin in das Land einmarschiert. Ein Präventivschlag gegen die angebliche Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen, die in die Hände von Terroristen fallen könnten. Ein Vorwurf, der später als Vorwand für den Einmarsch entlarvt wurde. Die US-Invasion hat das Land verwüstet und die Menschen traumatisiert. El-Gawhary spricht mit Kawthat Al Muhammadi, die sich um Menschen kümmert, die nach wie vor unter den Folgen des Krieges leiden. Menschen wie Mustafa Ahmad, der zwei Jahre alt war als er beim Einschlag einer amerikanischen Rakete ein Bein und eine Niere verliert. Bis heute ist das Land zerrissen und politisch instabil. Schon 2006 hat der Zusammenbruch des irakischen Staates den Aufstieg des IS begünstigt. Die Terroristen des Islamischen Staates haben Europa über Jahre mit Anschlägen in Angst und Schrecken versetzt. Benedict Feichtner ist in Molenbeek unterwegs, jener Brüsseler Gemeinde, die später zum Synonym für Europas Dschihadisten-Szene wird. Er trifft Montasser AlDe’emeh, der in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Jordanien geboren wird und in Belgien aufwächst. Für ihn wird 9/11 zum persönlichen Erweckungserlebnis: Als Jugendlicher ist er bereit, als Selbstmordattentäter zu sterben, danach vollzieht er einen radikalen Kurswechsel und beschließt „den Hass zu hassen“. Inzwischen hat sich die Terror-Bedrohung gewandelt, doch die Faszination der Ideologie bleibt brandgefährlich. Molenbeek sucht einen Neuanfang. Im Café, wo einst die Attentäter von Paris und Brüssel verkehrten, befindet sich heute das Maison des Béguines: ein Ort, an dem Sozialarbeiter täglich mit Jugendlichen daran arbeiten, dass sich Geschichte nicht wiederholt. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 24.09.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 11.09.2026 ORF 2 69. Hitze, Dürre, Wassernot. Wie rüsten für den nächsten Sommer?
Folge 69Auch wenn es jetzt langsam Richtung Herbst geht, die Rekordtemperaturen vom heurigen Sommer sind den meisten in lebhafter Erinnerung. Mit oft mehr als 40 Grad kommen Mensch und Natur in Österreich stellenweise an ihre Grenzen: Überhitzte Wohnungen, verdorrte Felder, austrocknende Flüsse und Brunnen. Mancherorts gerät die Wasserversorgung in Gefahr. Und Prognosen zeigen, Sommer wie dieser werden künftig zur neuen Realität. Die WeltWeit-Reporter:innen schauen sich an, welche Länder bereits Lösungen für die Herausforderungen von Hitze und zunehmender Trockenheit gefunden haben.Die spanische Region um Murcia ist eine der trockensten Gegenden Europas. Trotz großer Wasserknappheit ist Murcia aber ein wichtiges landwirtschaftliches Anbaugebiet. Isabella Purkart schaut sich Lösungen an, die auch für Österreichs Bauern von Interesse sein können: Anders als bei uns wird hier gereinigtes Abwasser zusätzlich aufbereitet und für die Bewässerung der Felder verwendet. Spanien gehört auch zu den europäischen Ländern, die besonders stark von Waldbränden betroffen sind. Auch hier geht das Land neue Wege in Sachen Prävention: eine spezielle Beweidung und gezielte Landschaftspflege tragen dazu bei, brennbare Vegetation zu reduzieren und zu verhindern, dass sich Feuer großflächig ausbreiten. In Frankreich war die Millionenmetropole Paris in der Vergangenheit schon öfter mit Hitzewellen konfrontiert. In einem extremen Klimaszenario könnte Paris künftig Temperaturen von bis zu 50 Grad erleben, erfährt Leonie Heitz bei ihren Recherchen. Eine der Maßnahmen, mit denen man den Hitzerekorden begegnen will, liegt tief unter der Stadt: Das Pariser Fernkältenetz versorgt mittlerweile rund 1.000 Gebäude mit Kühlung – mithilfe von Wasser aus der Seine. Gleichzeitig schafft die Stadt mehr Grünflächen, entsiegelt Böden und gestaltet öffentliche Räume neu. Doch reicht all das aus, wenn extreme Hitze künftig in Europas Städten immer häufiger zum Alltag wird? Auch in Ungarn hat der extrem heiße und trockene Sommer zu massiven Folgen geführt: Wegen des niedrigen Wasserstands der Donau musste das Atomkraftwerk Paks zeitweise heruntergefahren werden – was eine veritable Energiekrise ausgelöst hat. Die neue Regierung von Péter Magyar versucht nun, den Wasserpegel der Donau langfristig zu stabilisieren. Paul Krisai hat sich die Maßnahmen in Paks angesehen und Ungarns größten Solarpark besucht. Denn überraschenderweise gehört das Land bei Solarenergie zu Europas Spitzenreitern. Strom soll vorrangig aus Sonnenenergie gewonnen werden und damit zu Versorgungssicherheit auch in herausfordernden Zeiten beitragen. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 18.09.2026 ORF 2 Folge 70
Ein „Zensurangriff“ für die FPÖ, ein „schwammiges Gesetz“ für die Grünen – die Rede ist vom Vorschlag der Regierung zum Social Media-Verbot für unter 14-Jährige. Seit Juli ist das Gesetz in Begutachtung, ab Jänner 2027 soll es gelten. Dass inzwischen Gefahr in Verzug ist, belegt eine aktuelle Studie: jedes vierte Kind zeigt bereits suchtähnliches Smartphone-Verhalten. Wie schwer sich die Algorithmus-Falle aber gesetzlich regeln lässt, macht das Beispiel Australien deutlich: trotz Millionen gesperrter Accounts von Jugendlichen hat sich die tatsächliche Nutzung von TikTok, Insta, Snapchat & Co kaum verändert.Die WeltWeit-Reporter:Innen schauen sich an, ob wir mit Eigeninitiativen gegen die Handy-Sucht nicht viel erfolgreicher sein können als jedes Verbot. Eine Kindheit ohne Smartphone? In Irlands Kleinstadt Greystones ist das mittlerweile Realität. Jörg Winter hat die Vorzeige-Stadt an der Irischen See besucht und portraitiert Familien, deren Kinder keine Schlafprobleme mehr haben und wo Bullying in der Schule der Vergangenheit angehört. Bis zum 13. Lebensjahr haben die meisten gar kein Handy, danach nur solche, auf denen die Apps der üblichen Plattformen fehlen. Angespornt von so viel Selbstdisziplin, macht Winter den Selbstversuch mit Smartphone-Entzug während der Dreharbeiten. Auch in China läuft ohne Handy kaum noch etwas. Ein Feriencamp am Gelben Fluss bietet daher „digital detox“ für Jugendliche. Statt Endlos-Scrollen am Smartphone gibt es echte Herausforderungen: 120 Kilometer paddeln in fünf Tagen, schlafen im Zelt und Natur pur. Alexandra Siebenhofer begleitet die Jugendlichen durch Wind, Wellen, Erschöpfung und Gruppendynamik und erlebt, wie die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei ihrem Abenteuer langsam über sich hinauswachsen. Ein Blick auf ein modernes China zwischen digitalem Alltag und der Sehnsucht vieler Eltern, ihren Kindern wieder mehr Selbstvertrauen und Eigenständigkeit zu vermitteln. In New York trifft Patrick A. Hafner auf junge Menschen, die für sich entschieden haben, ohne Smartphone zu leben. Obwohl aus der „Gen Z“ verweigern sie sich allen Social Media Plattformen und besitzen nur ein altes Klapphandy. Der digitale Detox diene der emotionalen und geistigen Selbstreinigung, sagen sie, denn Smartphone-Nutzer sollen im Schnitt alle 13 Minuten nachschauen, ob es irgendwelche Neuigkeiten gibt. Joe Hollier, der Erfinder eines „dummen Telefons“ sagt: „Das Schöne ist, wenn wir die ‚Angst etwas zu verpassen‘ und die Langeweile aushalten können, werden wir wieder präsenter und vermissen all die Dinge nicht.“ (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 25.09.2026 ORF 2
