• Folge 25 (45 Min.)
    Amerika unter Trump 2 – bald ist Halbzeit. Die Midterms stehen an. Von außen gesehen scheinen die USA sich rasant zu verändern. Die Angriffe auf die Demokratie, die Korruption, der Krieg gegen den Iran, die steigenden Preise. Und was tut sich im Land selbst? Donald Trumps Beliebtheitswerte sind schlecht – viele sehen in den Midterms auch die Möglichkeit, ihre Unzufriedenheit mit der Regierung Trump zum Ausdruck zu bringen. Wieviel Unterstützung gibt es für Trumps Veränderungen und wo gibt es Widerstand? ARD-Korrespondentin Gudrun Engel macht sich auf den Weg, tausende Flugkilometer durch das riesige Land mit der Frage: Bröckelt Trumps Macht? Es ist nicht einfach herauszufinden, was genau sich an das Basis verändert – abgesehen natürlich von den gestiegenen Preisen. Erste Station: Minneapolis, wo ICE-Beamte Trumps rigide Einwanderungspolitik mit aller Härte durchgesetzt haben, wo zwei Menschen erschossen wurden. Hier sind die Veränderungen deutlich spürbar: Gudrun Engel trifft auf traumatisierte Menschen, die kämpferisch sagen: Nicht mit uns! Krankenschwester Melina, Mutter von zwei Kindern und amerikanische Staatsbürgerin, wurde auf dem Weg nach Hause von ICE-Beamten angehalten und verhaftet, nur weil sie aussieht wie eine Latina. Es sei schwer, dem eigenen Land noch zu vertrauen, wenn man genau wisse, dass es noch einmal passieren könne, erzählt Melina. Sie habe zwar einerseits viel Rückhalt bekommen, aber von Trump-Unterstützern auch Ablehnung erfahren, sogar von den eigenen Nachbarn. „Meine größte Sorge ist, dass zu viele Menschen den Lügen und der Desinformation glauben“, sagt Carrie Humphries aus Minneapolis. Sie nimmt regelmäßig an Treffen teil, bei denen besorgte Bürger sich auf einen möglichen Angriff auf die Demokratie am Wahltag vorbereiten. Was kann man konkret tun, wenn man den Eindruck bekommt, dass Wähler daran gehindert werden, ihre Stimme abzugeben? – Solche Fragen spielen sie durch. Shay Myers bewirtschaftet in dritter Generation eine große Farm in Idaho und hat bei den Präsidentschaftswahlen Trump gewählt. Jetzt zweifelt er an ihm, verzweifelt an Trumps Migrationspolitik: „Wenn wir alle Arbeiter aus Lateinamerika einfach rauswerfen, werden wir verhungern.“ Myers ist mit Einwandererkindern aufgewachsen, ist mit vielen von ihnen befreundet. „Wir kennen ihre Kultur, sprechen ihre Sprache, wie kann man dann darüber nachdenken, sie alle nach Hause zu schicken?“ Aber in seiner eigenen Familie wird über diese Frage heftig gestritten, wie an vielen anderen Orten der USA. Von heute auf morgen kein Einwanderungsland mehr zu sein, ist eben nicht so einfach. Und dann hat Shay auch noch mit den gestiegenen Preisen zu kämpfen. Trump hat den Iran angegriffen, der die Straße von Hormus blockiert, Benzin, Diesel und Dünger deutlich teurer geworden. Hinzu kommt die Debatte um Zölle, die für den Farmer eine ständige Unsicherheit bringt. Trump nennt seine Amtszeit „die goldenen Zeiten von Amerika“. Immer wieder zählt er seine angeblichen wirtschaftlichen Erfolge auf. Feiert sich bei einem extra einberufenen Parteitag. Aber es geht auch um eine kulturelle Wende, weg von einem vermeintlich woken Amerika. Dafür feiern ihn seine Anhänger aus dem MAGA-Lager. Bei Turning Point USA, einer MAGA-Nachwuchsschmiede, sehen sie das Land auf einem guten Kurs. Endlich, so sagt auch Luis Vasquez, könne man sich von einer linken Elite an der Macht und in den Universitäten befreien. Regelmäßig treffen sie sich an seiner Uni in Florida, um über ihre Gesellschaftsvorstellungen zu diskutieren und weitere Mitstreiter zu gewinnen. Der Präsident, der bei den Midterms gar nicht zur Wahl steht, zieht auf der politischen Bühne alle Register, um bei den Wahlen Verluste für seine Partei, die Republikaner, zu verhindern. Trump will Neuzuschnitte von Wahlkreisen, Wahlgesetze verändern, redet jetzt schon von möglichem Wahlbetrug. Ob das am Ende funktioniert? „Immer mehr Menschen, die es früher nicht wichtig fanden, zur Wahl zu gehen, wachen nun auf“, so Musiker Butchy Austin. Man habe eben immer die Wahl, man müsse nur das Richtige tun. (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 04.11.2026 WDR
  • Folge 26 (45 Min.)
    Alle drei Minuten erlebt eine Frau in Deutschland häusliche Gewalt (nachgestellte Szene).
    25 Jahre lang hat die schmale, blonde Frau die Schläge und Demütigungen ihres Partners ertragen. Dann hatte sie endlich die Kraft, in ein Frauenhaus zu flüchten. „Du stirbst von innen. Er hat meine ganze Seele kaputt gemacht.“ Sie ist kein Einzelfall. 2025 gab es laut Landeskriminalamt 67.508 Opfer häuslicher Gewalt. Ein neuer Höchststand. Und nur fünf Prozent der Taten werden überhaupt angezeigt. Marion Steffens kennt viele hässliche und traurige Geschichten. Sie betreut seit mehr als 30 Jahren Opfer häuslicher Gewalt und hat 1992 ein Frauenhaus im Ennepe-Ruhrkreis mitgegründet. Nicht nur für die Frauen ein Zufluchtsort, sondern auch für ihre Kinder. „Die erleben, wie die Mutter geschlagen wird, die bekommen mit, wie sie niedergebrüllt wird. Teilweise werden Kinder zu sexuellen Übergriffen mit hinzugezogen, um sich das anzugucken oder sollen sich an den Demütigungen der Mutter beteiligen,“ erzählt Marion Steffens. Deshalb werden in ihrem Frauenhaus die Kinder sehr intensiv begleitet. Den gewalttätigen Partner zu verlassen, ist aber nicht einfach. Denn die Frauen und ihre Kinder müssen alles zurücklassen: den Job, die Schule, das Zuhause, die Freunde. Und einen Platz im Frauenhaus zu finden, ist schwierig. In NRW gibt es momentan 70 geförderte Frauenhäuser mit 708 Plätzen für Schutzsuchende. Zu wenige, sagt Marion Steffens. Immer wieder muss auch sie Frauen abweisen. Viele Frauen, die geschlagen werden, sprechen nicht darüber. „Sie schämen sich, fühlen sich minderwertig“, weiß Marion Steffens. Ärzte sind häufig diejenigen, denen blaue Flecken oder andere Verletzungen auffallen. An der medizinischen Fakultät in Münster müssen Studenten deshalb im 7. Semester ein Seminar zum Thema häusliche Gewalt belegen. Das gibt es sonst nirgendwo in Deutschland. Für Projektleiterin Bettina Pfleiderer eine Herzensangelegenheit: „Betroffene gehen irgendwann zum Arzt. Und da kommt es darauf an, dass wir dann die Ersthelfenden sind.“ Aber wie soll die Betroffene geschützt werden, wenn sie dann keinen Platz im Frauenhaus findet? In NRW kann die Polizei einen Täter für 14 Tage der Wohnung verweisen und ein Rückkehrverbot aussprechen. Im Juni 2026 hat außerdem der Bundesrat strengere Maßnahmen gegen häusliche Gewalt beschlossen, darunter elektronische Fußfesseln und Anti-Gewalt-Kurse für Täter. NRW-Justizminister Benjamin Limbach reicht das nicht. Er fordert eine Umsetzung des spanischen Modells: Spanien hat Gerichte, die auf geschlechtsspezifische Gewalt spezialisiert sind. Es gibt eine landesweite polizeiliche Datenbank, die das Risiko für die Opfer einschätzt und Schutzmaßnahmen festlegt. Ein Vorbild auch für Marion Steffens. Sie hat zusammen mit anderen ein Netzwerk gegründet z.B. mit Jugendämtern und Polizei, um Frauen besser schützen zu können. (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 25.11.2026 WDR
  • Folge 27 (45 Min.)
    Simone war geschockt, als sie sah, wie groß der Berg an frisch geernteten Kartoffeln war, den der Biolandwirt nicht verkaufen konnte: die Knollen zu klein für den Handel, zu uneben und hier und da zu pockig. Hochwertige Lebensmittel in Bioqualität für den Müll? Simone will das nicht hinnehmen und arbeitet seit kurzem als Lebensmittelretterin für einen Kölner Non-Profitladen. Kostenlos gibt es hier trotzdem nichts: Zahle, was es Dir wert ist, ist das Motto. Laut der Bundesregierung werden in Deutschland jährlich rund 11 Millionen Tonnen an Lebensmittel weggeschmissen, das sind 75 Kilo pro Kopf. Eine unglaubliche Zahl und seit mehr als 15 Jahren hat sich dieser Wert so gut wie nicht verändert. Dabei mangelt es nicht an Aufklärungskampagnen, Ideen und Initiativen, wie die Verschwendung von Lebensmitteln gebremst werden könnte. Pioniere der Lebensmittelrettung sind die die Tafeln. In Dormagen ist die Initiative von einer kleinen Gruppe inzwischen zu einem 85-köpfigen Helferteam gewachsen. Mit Geldern von Bund und Land ist ein neues Logistikzentrum entstanden, dass eine stetig wachsende Zahl Bedürftiger versorgt. Nur: das, was sie von den Supermärkten bekommen, wird immer weniger, sagt die Gründerin Claudia Manousek. Denn mittlerweile ist der Run auf das, was übrigbleibt, voll entbrannt. Längst mischen auch mehr und mehr kommerzielle Foodretter auf dem Markt mit. Und der Einzelhandel versteht es immer besser, Restmengen zu vermeiden. Die größte Verschwendung findet weiterhin in Privathaushalten statt. Millionenteure Aufklärungskampagnen wie „Zu gut für die Tonne“ werden kaum wahrgenommen. Aber wie kann es gelingen, den Wert von Lebensmitteln wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, und liegt die Verantwortung für die hohen Müllmengen wirklich hauptsächlich an uns, den Verbrauchern? Welche Rolle spielt der Lebensmittelhandel, der behauptet, die selbstgesteckten Reduktionsziele schon so gut wie erreicht zu haben. Wolfgang Minder geht diesen Fragen nach, zeigt begeisterte Foodretter, begleitet eine Familie bei einer Challenge zur Abfallvermeidung und erfährt, wie eine Großkantine mit Einsatz von KI Erfolg hat. (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 09.12.2026 WDR

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