Dicke Körper, dünne Moral: Kate Manne über Fettfeindlichkeit
Folge 29 (60 Min.)
Kate Manne, PhilosophinBild: SRG SSRMehrgewichtige Personen gelten vielen als unbeherrscht, faul oder sogar dumm. Dabei ist das Körpergewicht weniger einfacher zu beeinflussen als viele denken und das moralische Urteil deshalb fehl am Platz. Mit dem Aufkommen von Medikamenten wie Ozempic und Wegovy könnte das Körpergewicht aber mehr und mehr zu einer Entscheidung werden, selbst für Diätresistente.Kate Manne, Philosophieprofessorin an der Cornell University in den USA, sieht diese Entwicklung kritisch: Zu gross sei die Gefahr, dass ein sozialer Druck entstehe, von den Medikamenten Gebrauch zu machen. Starkes Übergewicht könne zwar gesundheitliche Folgen haben, doch die Abwertung dicker Körper weist die Philosophin als eigenständiges Unrecht aus, das nicht mit einer Spritze oder Pille, sondern mit dem Kampf gegen die Unterdrückung dicker Menschen angegangen werden müsse. Ausgehend von eigener Erfahrung analysiert sie in ihrem Buch «Grösse zeigen» die strukturelle Diskriminierung in Schule, Job und Medizin – und plädiert für «Body Reflexivity»: den eigenen Körper nicht als Objekt fremder Moralstandards zu begreifen. (Text: SRF) Deutsche TV-Premiere So. 20.09.2026 3sat Original-TV-Premiere So. 23.08.2026 SRF 1 Wie Tiere den Tod verstehen – und was das über uns verrät
Folge 30 (60 Min.)Susana Monsò, Philosophin und TierethikerinBild: SRG SSROrcas tragen ihre toten Kälber über Tage durchs Meer, Elefanten kehren zu den Knochen verstorbener Herdenmitglieder zurück, Schimpansen wachen bei ihren Toten. Was sagen solche Verhaltensweisen aus? Handelt es sich um Trauer, Fürsorge oder lediglich um Instinkt? Und wie können wir überhaupt erkennen, ob ein Tier begreift, dass ein Leben unwiderruflich zu Ende gegangen ist? Die spanische Philosophin Susana Monsó gehört zu den wichtigsten Stimmen der jungen Forschungsrichtung der vergleichenden Thanatologie, die untersucht, wie Tiere auf den Tod reagieren.Das Gespräch führt mitten in eine philosophische Grundsatzdebatte. Was bedeutet es überhaupt, den Tod zu verstehen? Braucht es dafür Sprache, Selbstbewusstsein und die Vorstellung der eigenen Sterblichkeit? Oder messen wir Tiere an einem allzu menschlichen Massstab? Zwischen den grossen Fragen nach Bewusstsein, Endlichkeit und menschlicher Sonderstellung wird deutlich: Wer über Tiere und den Tod nachdenkt, denkt immer auch über sich selbst nach. (Text: SRF) Deutsche TV-Premiere So. 27.09.2026 3sat Original-TV-Premiere So. 30.08.2026 SRF 1 Funktionierst Du noch, oder lebst Du schon?
Folge 31 (60 Min.)Bild: SF1Die künstliche Intelligenz formuliert die Texte, das Navigationsgerät weist den Weg, der Thermomix kocht, und der Video-Schiedsrichterassistent entscheidet, ob ein Fussballtor zählt. Immer mehr Systeme versprechen Entlastung, Präzision und Sicherheit. Der Soziologe Hartmut Rosa sieht darin aber auch einen Verlust: Aus Menschen, die Situationen mit Erfahrung und Urteilskraft gestalten, werden Vollziehende, die vorgegebene Abläufe nur noch abarbeiten und keine Selbstwirksamkeit mehr erleben. Das Gefühl der Ohnmacht wächst.In diesem Ohnmachtsgefühl könnte auch ein Grund für den Erfolg von Figuren wie Donald Trump oder Elon Musk liegen: Sie versprechen, Regeln, Verfahren und Rücksichten beiseitezuwischen, um endlich wieder Kontrolle zu übernehmen. Doch Regeln sind nicht nur lästig, sie schützen auch: Sie begrenzen Willkür, schaffen Fairness und machen Macht kontrollierbar. Im Gespräch mit Olivia Röllin diskutiert Hartmut Rosa, wo Regeln notwendig sind – und wo sie Urteilskraft, Verantwortung und Lebensfreude ersticken. (Text: SRF) Deutsche TV-Premiere So. 04.10.2026 3sat Original-TV-Premiere So. 06.09.2026 SRF 1 Warum uns Hunde glücklich machen und Wölfe weise
Folge 32 (70 Min.)Kurt Kotrschal, VerhaltensbiologeBild: SRG SSRLange bevor der Mensch sesshaft wurde, stiess er auf den Wolf und begann, mit ihm zu kooperieren. Daraus wurde eine bis heute dauernde Partnerschaft, in der Wölfe zu zahmen Hunden wurden. Der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal hat sein Leben der Beziehung zwischen Mensch, Hund und Wolf gewidmet. Er sagt: Ohne diese Tiere wären wir heute nicht die, die wir sind. Denn nicht nur Hunde und Menschen haben erstaunlich viel gemeinsam. Auch Mensch und Wolf sind sich viel ähnlicher als man denken würde. Wie wir mit anderen Lebewesen als Teil der Natur agieren, bestimmt ganz wesentlich, wer wir sind und sein wollen. Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger erläutert Kurt Kotrschal, weshalb Sinn und Glück für ihn entscheidend aus der gelebten Gemeinschaft mit Tieren entstehen. (Text: SRF)Deutsche TV-Premiere So. 11.10.2026 3sat Original-TV-Premiere So. 13.09.2026 SRF 1 Bleiben, obwohl man gehen könnte?
Folge 33Prof. Dr. Carl Hart, Neurowissenschaftler und PsychologeBild: SRG SSRAufgewachsen in einem armen Viertel in Miami, erlebte Carl Hart Drogenhandel, Gewalt und Kriminalität aus nächster Nähe. Als Wissenschaftler begann er später, über Drogen zu forschen, um etwas gegen die Verbreitung von Crack zu unternehmen. Dabei gelangte er immer mehr zur Überzeugung, dass nicht die Drogen das Problem sind, sondern die sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände der Betroffenen. Und, dass der Kampf gegen Drogen als Vorwand diente, um bestimmte Bevölkerungsgruppen zu unterdrücken. Er wandelte sich zu einem Befürworter, der heute eine Legalisierung auch harter Drogen fordert und selbst regelmässig Substanzen wie Heroin und Kokain konsumiert. Er argumentiert, dass ein Konsum ohne Abhängigkeit nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel ist, und dass ihn Drogen zu einem besseren Menschen gemacht hätten.Olivia Röllin hakt nach, ob er die Risiken für die Gesellschaft nicht unterschätzt und ob wir durch ständige Intensivierung von Emotionen nicht verlernen, wie berauschend der Alltag ohne Verstärkung sein kann. (Text: SRF) Original-TV-Premiere So. 20.09.2026 SRF 1
