plan b (2017) Folge 327: Verstärkung für die Polizei – Die neuen Fahnder
Folge 327
Verstärkung für die Polizei – Die neuen Fahnder
Folge 327 (45 Min.)
Ungelöste Fälle, Personalmangel, neue Maschen von Kriminellen: Die Polizei steht vor großen Herausforderungen und holt sich deshalb Hilfe von unerwarteter Seite. Hobbydetektive schließen sich zusammen. Insekten sind Indizien. Pferde helfen Freizeit-Cops und Staubsaugroboter werden zu Zeugen. Um Verbrechen aufzuklären, geht die Polizei neue Wege – dank Helfenden und Hightech mit oft erstaunlichem Erfolg. Seit 13 Jahren beschäftigt ein unaufgeklärter Mordfall die niederländische Polizei. Am Neujahrsmorgen wird in Oss eine junge Frau tot aufgefunden, doch die Ermittlungen verlaufen im Sande.
Peter de Kock hat sich des Falls angenommen und das Recherchekollektiv Bureau Dupin gegründet. Mit anderen Freiwilligen arbeitet der Ex-Polizist in seiner Freizeit an der Aufklärung des Cold Cases. Das Netzwerk von Hunderten Laien findet neue Spuren, wo die Polizei im Dunkeln tappt. „Die Polizei ist stark beschränkt, was ihre zeitlichen und personellen Kapazitäten angeht“, weiß de Kock aus eigener Erfahrung.
„Aber die Öffentlichkeit wird immer weiter ermitteln, Hunderte und Tausende Stunden lang. Das Vorgehen kann die Methoden, wie man an Cold Cases herangeht, wirklich verändern.“ Sie glauben, eine Person gefunden zu haben, die weiß, was geschehen ist. Werden die Hinweise vom Bureau Dupin die Polizeiprofis weiterbringen? An ihren Indizien gibt es nichts zu zweifeln: Dr. Lena Lutz vom Rechtsmedizinischen Institut der Uni Frankfurt ist Fachfrau für Fliegen und Larven. Die können noch nach Jahren entscheidende Hinweise für die Ermittlungen liefern.
„Die Spur Insekt hat ein supergroßes Potenzial, in verschiedenen Fragestellungen hilfreich zu sein, aber sie wird sehr, sehr selten beachtet“, sagt die forensische Entomologin. Genau das will sie mit ihrem Projekt MaDE
in Deutschland ändern. An einem Leichenfundort im Frankfurter Stadtwald sammelt die Forscherin mit Polizisten des zuständigen Kommissariats die stummen Zeugen, um den Todeszeitpunkt genauer einzugrenzen. Personalmangel ist bei der britischen Polizei ein großes Thema, wie in Deutschland auch.
Deshalb haben sie in der Grafschaft Wiltshire das Horse Rider Volunteer Scheme ins Leben gerufen und ehrenamtliche Helfer mit Pferden gesucht. Denn die ländliche Gegend ist zu weitläufig, als dass die dünn besetzten Polizeistationen überall die gewünschte Präsenz zeigen könnten. Im Städtchen Bradford-on-Avon sind Jerry und Emma Watkins dem Aufruf gefolgt. Seither satteln die beiden einmal wöchentlich ihre Pferde, um ehrenamtlich zu patrouillieren.
„Wir nutzen einfach unsere privaten Ausritte, um etwas für die Allgemeinheit zu tun“, sagt das Vater-Tochter-Gespann. Wilderei, Diebstahl, die illegale Entsorgung von Müll oder Vandalismus sind Delikte, die ihnen immer wieder begegnen. Per App melden die Freiwilligen der Reiterstaffel die Vergehen an die Polizei, die dann zielgerichtet ausrückt. Nur rund 14 Prozent aller Wohnungseinbrüche mit Diebstahl werden in Deutschland aufgeklärt. Das will Professor Felix Büsching von der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel ändern – und Haushaltsgeräte zu Ermittlern machen.
Smarthome-Stromzähler, Staubsaugerroboter, Luftqualitätsmesser oder Thermostate können digitale Daten liefern, die Aufschluss über den Tathergang liefern: Wann genau hat sich jemand in der Wohnung bewegt? Wie viele Leute waren in welchem Raum anwesend und wann wurde ein Fenster geöffnet? Büsching untersucht mit seinem Team in einem Forschungsprojekt, das vom Innovationhub der Polizei Niedersachsen unterstützt wird, welche zusätzlichen Hinweise Hightech zum Tathergang liefern kann. (Text: ZDF)