„SEAL Team“: „Bones“-Star Boreanaz’ beliebige Ballerei

    Action-Serie mit Unterhaltungsfaktor, aber ohne Tiefgang

    "SEAL Team": "Bones"-Star Boreanaz' beliebige Ballerei – Action-Serie mit Unterhaltungsfaktor, aber ohne Tiefgang – Bild: CBS
    David Boreanaz in „SEAL Team“

    Durch Sat.1 kommt am Montag die neue US-Serie „SEAL Team“ zu ihrer deutschen Free-TV-Premiere – im Pay-TV hatte die 22-teilige Auftaktstaffel zuvor bei TNT Serie ihre Deutschlandpremiere gefeiert. Das von „Bones – Die Knochenjägerin“-Darsteller David Boreanaz getragene Militärdrama konnte sich in den USA die Verlängerung für eine zweite Staffel beim Sender CBS erarbeiten.

    „Kenne dein Publikum“ ist eine wichtige Weisheit für alle Entertainer, und die Macher von „SEAL Team“ kennen ihres recht genau: Eher konservative, ältere Amerikaner beim Sender CBS, die tendenziell den „einfachen, hart arbeitenden Mann“ als Helden ansehen und übergeordneten Instanzen kritisch gegenüber stehen. So werden die Einsätze von Team Bravo aus dem „First Tier“ der Navy SEALs aus der Sicht des Teamleaders Jason Hayes (Boreanaz) geschildert. In Rotation mit Schwesterteams kommt Team Bravo überall auf der Welt zum Einsatz, wo die Sicherheit der USA bedroht ist – Terrorismus, Piraterie oder Drogenhandel sind die Gründe, aus denen die Soldaten auf Mission geschickt werden. Bei einem jüngsten Einsatz kam das langjährige Team-Mitglied Nate Massey (in einer Gastrolle: Daniel Gillies, „The Originals“) ums Leben. Hayes hat daran schwer zu knabbern, denn es war letztlich eine „Schlachtfeld-Entscheidung“ von ihm, die zum verhängnisvollen Schusswechsel führte.

    Schon zuvor hatte es in der Ehe von Hayes mit der Mutter seiner drei Kinder (Michaela McManus) gekriselt: Er konnte die Einsatzerlebnisse auch auf der Heimatbasis nicht abschütteln. So hat sich das Ehepaar eine Auszeit verordnet und Hayes sich auf der Klappcouch von Team-Kamerad Ray Perry (Neil Brown jr.) und dessen Ehefrau breit gemacht.

    Die Hauptfiguren von „SEAL Team“: Logistikerin Lisa Davis (Toni Trucks), Raymond „Ray“ Perry (Neil Brown jr.), Jason Hayes (David Boreanaz), CIA-Officer Amanda „Mandy“ Ellis (Jessica Paré), Clay Spenser (Max Thieriot) und Sonny Quinn (A.J. Buckley)

    Im Schatten wartet der dickköpfige Clay Spenser (Max Thieriot, „Bates Motel“) auf die Erfüllung seines Lebenstraums: Der Sohn eines SEALs a.D. trainiert hart und verbissen um die Aufnahme in die Elite, die „Tier One“ – die Nachfolger der durch Umstrukturierungen verschwundenen Eliteeinheit SEAL Team Six. Neben seiner Arroganz macht Clay zu schaffen, dass sein Vater ein Buch über das Leben der SEALs geschrieben hat und damit ein ungeschriebenes Verschwiegenheitsgebot gebrochen hat – der Vater ist bei den SEALs daher Persona non grata.

    Frauen gibt es im Team bisher nur in „Nebenrollen“: CIA-Officer Amanda „Mandy“ Ellis (Jessica Paré, „Mad Men“) fungiert als Verbindungsstelle der Soldaten zum Geheimdienst, der häufig die Erkenntnisse zur Verfügung stellt, die den Einsatz der SEALs auslösen, während Lisa Davis (Toni Trucks, „Franklin & Bash“) als Logistics Specialist dafür sorgt, dass das Team bei seinen Einsätzen alles zur Hand hat, was es braucht. Beide Frauen nehmen aber nicht an den Einsätzen direkt teil, wie übrigens auch der kommandierende Offizier des Teams, Lieutenant Commander Eric Blackburn (Judd Lormand).

    „SEAL Team“ liefert im Wesentlichen Action, bei der sich der Amerikaner wohlfühlen kann. Die Feindbilder sind messerscharf gezeichnet und lassen keinen Spielraum für Ambivalenz: Langjährige Terroristenführer, moderne Piraten, Kriegsverbrecher und Giftgasproduzenten stehen in den ersten Folgen auf der Abschussliste. Meist wird noch ein Schuss Heldentum beigemischt, wenn überraschend Zivilisten in Gefahr vorgefunden werden – eine US-amerikanische Geisel, verschleppte „Einheimische“ oder eben die Besatzung eines entführten Schiffs.

    Kritische Töne über die Einsätze sind naturgemäß eher selten, wenn, dann auch eher der generellen Weltsicht und den verbreiteten Klischees bei Durchschnittsamerikanern geschuldet. Die Protagonisten sind, wie erwähnt, formal gesehen „einfache Soldaten“ – Offiziere hingegen werden eher als „die Politiker des Militärs“ gebrandmarkt, die eher in Machtkämpfe verstrickt, als zu irgendwas zu gebrauchen sind. Erwähnenswert ist hier auch Team-Mitglied Sonny Quinn (A.J. Buckley, „CSI: New York“), der die Funktion der eher reaktionären Stimme einnimmt – für sein Land die Haut riskieren ist OK, aber für „Einheimische“? Sonny fungiert grundsätzlich als Spiegelfläche für Hayes Heldenmut.

    „SEAL Team“ – Symbolbild

    Nachdem die ersten Folgen weitestgehend als „Ego-Shooter“ im TV-Format inszeniert sind, bei denen die Kampfeinsätze mit Wackelkamera, Restlich-Optik und immer wieder mal Leuchtspurmunition schick gefilmt sind, kommt es erst später zu einer Abweichung vom Schema F und leicht abwechlsungsreichen Einätzen. Insgesamt hebt sich „SEAL Team“ vor allem durch die moderne Action-Inszenierung von Serien wie „E-Ring“ oder „The Unit – Eine Frage der Ehre“ ab.

    Natürlich gehören zu modernen Serien auch übergreifende Handlungsbögen. Einerseits etabliert die Serie hier zum Auftakt die Ausbildung von Clay Spenser, die abseits der Einsätze von Team Bravo erfolgt. Hier gibt es ein Wiedersehen mit „The Unit“-Darsteller Michael Irby als bissigem Ausbilder. Dazu kommt Alona Tal („Hand of God“) als Doktorandin der Literatur, Stella, mit der Clay schnell eine Romanze verbindet. Schließlich tritt eine mysteriöse Hinterlassenschaft des gefallenen Nate eine weitere, übergreifende Handlung los.

    Insgesamt ist „SEAL Team“ in Deutschland vermutlich vor allem für Action-Fans interessant, denn in diesem Bereich kann die Serie deutlich punkten und zeigt für eine Fernsehproduktion Neues. Dadurch, dass das Team für seine Einsätze immer wieder mit nicht-kampferfahrenen Zivilisten zusammenarbeitet – CIA-Analysten, Chemiker, Übersetzer – bleibt „SEAL Team“ von Beginn an recht abwechslungsreich – der Vergleich zu den wechselnden Doktoranden bei „Bones“ als Frischzellenkur drängt sich auf.

    Wie üblich in solch amerikanisch-patriotischen Formaten kann die Weltsicht der Figuren für den deutschen Zuschauer ein Reibungspunkt sein. Insgesamt bleibt neben all der Action nur wenig Raum für andere Themen, die daher selten mehr als einen kurzen Dialog erhalten – sei es die Rolle der Frau im Militär, der Widerspruch zwischen Hayes Job als Soldat und einer „friedliebenden“ Erziehung für seine Kinder oder die erwähnte Frage, ob die US-Soldaten ihr Leben auch für ausländische Zivilisten riskieren sollten. Auch, wenn unter den Protagonisten ein deutlicher Mangel an Diversität herrscht – in den USA vermutlich ein schwerwiegenderer Kritikpunkt als für den deutschen Zuschauer – schaffen wenigstens die Nebenrollen ein bisschen Abhilfe, etwa in Gestalt von Ray Perrys afghanischer Ehefrau oder einem von James Hiroyuki Liao („Unforgettable“) dargestellten Chemiker.

    Wem der Sinn nach eher geradliniger Action steht, der ist bei „SEAL Team“ sicher gut aufgehoben. Wer einen vielschichtigen Umgang mit menschlichen oder politischen Themen sucht, sollte dann doch lieber weitersuchen.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten vier Episoden der Serie „SEAL Team“.

    Meine Wertung: 3/5


    © Alle Bilder: CBS

    „SEAL Team“ startet bei Sat.1 am 9. Juli 2018 um 22.15 Uhr. Wöchentlich werden zwei Folgen gezeigt.

    09.07.2018, 15:00 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • markox am 14.07.2018 23:55

      Aha. Also, wäre ich noch eine Frau, dann wäre ich wohl das annähernd genaue Gegenteil der Zielgruppe. Und ich fand die ersten Folgen sehr gut.
      Bones hab ich nie gesehen. Ich kenne David Boreanaz von Buffy und später Angel. So als Schauspieler ist er eigentlich nichts Besonderes. Aber in Kombination mit der Synchronstimme finde ich ihn auf jeden Fall sehr gut. Seine original Stimme kenne ich nicht, aber die Synchronstimme hat so etwas beruhigend, sympatisches. Etwas nachdenklich und leidend. Die mag ich sehr gerne.
      Und was ich sehr positiv fand, ist der 5.1 Ton. Seit langem mal wieder eine TV-Serie mit einigen super Effekten, Räumlichkeit, Bässe und sogar ein paar elektronische Sound-Spielereien. Klasse. Ich hoffe nur, das geht so weiter. Das war mir schon öfter aufgefallen, dass die Pilotfolgen guten Sound hatten, und später dann wieder alles recht fade wurde.
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      • Vritra am 11.07.2018 17:46

        Sondern? Dein Kommentar ist leider sehr kryptisch.
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        • LegendenLebenEwig (geb. 1983) am 10.07.2018 16:28

          "Dümmlich und eindimensional" - die Wortwahl von Vritra ist treffend, jedoch nicht auf die Serie bezogen!!!
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          • Vritra am 10.07.2018 15:50

            Bei den durchwegs zwar bekannten aber eher mäßig talentierten Schauspielern, dem dümmlichen und eindimensionalen Hurra-Patriotismus, den wirklich nur ein paar Ami-Rednecks gut finden dürften, muss ich mich über drei Sterne wirklich schwer wundern. Aber so sind die Geschmäcker und Ansprüche eben verschieden. Als passiv konsumierbares Ballerspiel lasse ich den Mist ja noch gelten.

            Der einzig clevere Zug war, Boreanaz als Typ zu besetzen, weil er in "Bones" eben auch schon einen (ehemaligen) Elite-Soldaten gemimt hatte. Aber was Anderes kann er auch gar nicht.
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