Sci-Fi-Serie „Debris“: Alienmüll in Serienform – Review

    Neue Drama-Produktion aus der „Fringe“-Schmiede mischt Mystery mit Langeweile

    Rezension von Rosanna Großmann – 14.03.2021, 15:00 Uhr

    „Debris“ – Agenten beschäftigen sich mit Ufo-Wrackteilen und eigenen Dramen. – Bild: Universal Television/ Legendary Television/ NBC
    „Debris“ – Agenten beschäftigen sich mit Ufo-Wrackteilen und eigenen Dramen.

    Folgendes Setting wird zu Beginn der Serie „Debris“ schriftlich auf schwarzem Bildschirm erklärt: Vor drei Jahren wurde der Absturz eines außerirdischen Raumschiffes von der Erde aus gesichtet. Seit sechs Monaten fallen nun Trümmer davon (englisch: Debris) auf die Erde und werden dort von CIA- und MI6-Ermittlern im Team aufgesammelt. Die merkwürdigen Wrackteile stellen jedoch merkwürdige Dinge mit den Menschen an, die in ihre Nähe kommen. Das Sci-Fi- und Mystery-Drama wurde von J.H. Wyman („Fringe – Grenzfälle des FBI“) für Universal Television und Legendary Television entwickelt.

    Ein Phänomen scheint sich durch die heutigen Sehgewohnheiten im Gehirn einzustellen: Serien werden angefangen und bei Missfallen abgebrochen, notfalls mitten in der zweiten oder dritten Folge. Zwei Tage später bereits ist jeglicher zusammenhängender Inhalt aus den grauen Zellen gelöscht, um nicht unnötig Speicherplatz dort zu verbrauchen. Zurück bleiben nur vermischte Bilder; in diesem Fall von knapp über dem Boden schwebenden Menschen und einem Fahrrad voller Schnecken.

    Zum Glück macht man sich als Rezensentin Notizen. Der CIA-Agent ist ein überspannter, zu cooler Detective namens Bryan Beneventi (Jonathan Tucker). Die MI6-Agentin Finola Jones (Riann Steele) bildet das notwendige Pendant mit strenger Hochsteckfrisur. In einem mit gefühlvoller Musik ausgestatteten Vorspann werden die überaus nachdenklichen Gesichter der Ermittelnden eingeblendet.

    Mystery-Rätsel am Stacheldrahtzaun. Sergei Bachlakov / NBC

    Noch bevor die Serie mit penibler Erklärungswut zur Stelle ist, muss jedoch jemand sterben: Ein armes Zimmermädchen wird scheinbar durch 14 Etagen des Hotels nach unten teleportiert. Im Beamen noch ungeübt, fällt sie leider im letzten Raum von der Decke und landet krachend und tot auf einem Tisch. Auch noch vor dem Vorspann: Mysteriöse Verhandlungsgespräche und eine hektische Flucht von scheinbar Kriminellen.

    In einem weiteren, geheimnisvollen Einleitungsteil beginnt ein Junge hinten im Auto unsinniges Zeug zu reden, woraufhin seine Mutter Blut weint. Tatsächlich fährt sie ausnahmsweise nirgendwo gegen, sondern geht einfach nur vom Gas, während sie ohnmächtig wird. Der Junge öffnet ihr die Tür, damit sie aus dem Auto gen Feld schweben kann.

    Nun erreichen wir endlich das dynamische Duo der Detectives, die ihr Arbeitszimmer in einem fliegenden Flugzeug untergebracht haben. Man erfährt, dass Bryan so abgefuckt ist, weil er aus Afghanistan kommt. Und es wird – das erste Mal – gesagt, dass man sich von diesen herabsegelnden Wrackteilen viel für die Menschheit erhoffe.

    Mit schwebenden Menschen konfrontiert: Bryan Beneventi und Finola Jones. Sergei Bachlakov / NBC

    Wie ein Geschenk sei das „Debris“, und der Vater der Ermittlerin Finola habe durch die Sichtung einst sogar den Glauben zurückgewonnen. Die schwebende Dame aus dem Auto ist derweil auf ihrem Weg an einem Stacheldrahtzaun hängengeblieben, von dem sie die angekommenen Agenten befreien. Weiterschwebend führt sie Bryan, Finola und ihr Team zu einem Luftwirbel, in dem drei weitere Menschen bewusstlos umherfliegen.

    Tot sind diese zum Glück nicht. Nur in einen Dornröschenschlaf mit synchroner Gehirnaktivität versetzt. Es ist schön, dass man als Zuschauende bei all den Mysterien wenigstens genau verfolgen kann, warum die Handlung nun wo weitergeht und was die Ermittelnden alles herausgefunden haben. Alle Infos werden nämlich überdeutlich in den Dialogen aufbereitet.

    Neben dem oben bereits erwähnten, mit Schnecken belegten Fahrrad findet sich ein größeres Teil Ufo-Trümmer, das aus kleinen Sechsecken zusammengesetzt ist und eine unklare Ausstrahlung von sich gibt. Derweil läuft der Junge aus dem Auto, der eigentlich schon seit Monaten nicht mehr leben dürfte, an einer Tankstelle herum und sucht sich die nächste „Mutter“ zum Entführen.

    Unsicheres Gefahrengut im Wald. Sergei Bachlakov / NBC

    Die Alientechnologie scheint in die Erinnerungen ihrer Opfer einzugreifen und mit deren Trauer unbillige Dinge anzustellen. Immer wieder hat Detective Bryan Tränen in den Augen, er hat wohl so einiges mitgemacht. Und auch Finola trauert; in ihrem Fall um ihre Mutter, die ihr sogar in Visionen erscheint. Der herumwandelnde Junge wurde aus der Trauer der echten Mutter manifestiert.

    Gerade, als man beginnt, sich zwischen den biografischen und philosophischen Monologen der Hauptfiguren so richtig zu langweilen, werden weitere, nun unverständliche Interpretationen viel zu schnell runtergerattert. Einer der Verbrecher, der illegalen Handel mit den Wrackteilen begeht, demonstriert, dass man das „Debris“ zwar für übernatürliche Fähigkeiten nutzen kann – doch man kann sich auch mitten in einen Brückenpfeiler hineinteleportieren und daran sterben.

    Damit die bewusstlosen, schwebenden Menschen wieder aufwachen können, muss nun die Trauer der Mutter geheilt werden. Nur so kann der manifestierte Trauer-Junge verschwinden und kann der Zauber gebrochen werden. An sich eine kreative, sinnbildliche Idee des Autors J. H. Wyman. Doch wie genau ist sein Ermittlerteam auf diese Lösung gekommen?

    Weltraumschrott oder eine geheime Botschaft für die Erdenbewohner? Universal Television / Legendary Television / NBC

    Das nächste Rätsel, dem sich Finola und Bryan widmen müssen, ist ein konzentrischer Kreis aus losen Gegenständen, der sich um eine Stadt anhäuft. Die „Bauteile“ für diese Mauer ziehen dabei klappernd über die Straße, als wären sie auf dem Weg zu einer Montagsdemonstration. Vor dem Hintergrund des grau-düsteren Farbschemas wird sich gefragt, ob das Raumschiff vielleicht nicht ohne Grund ausgerechnet auf die Erde stürzt.

    In der evakuierten Kleinstadt treffen die Detectives auf einen sich auffällig verhaltenden Anwohner (David Alpay) – und das gleich mehrfach. Scheinbar aufgespalten in Verkörperungen seiner Charakterzüge fragt dieser Mann namens Eric wenig glaubwürdig: Haben Sie die Lichtkugel gefunden?, um ein weiteres Mysterium aufzumachen. Und plötzlich gibt es auch noch einen zweiten Ermittler Bryan.

    Irgendetwas stimmt hier nicht. Sergei Bachlakov / NBC

    Konfrontiert mit seinem Klon erschießt Bryan diesen prompt – und muss sich im Folgenden mit der Frage konfrontiert sehen, ob er selbst wirklich der echte, Originale ist. Daraufhin wird er sogar noch fast im Inneren der Alienmauer um die Stadt zerquetscht. Sowohl er als auch der Original-Eric kommen trotzdem perfekt frisiert wieder aus der lebensbedrohlichen Situation heraus.

    „Debris“ bietet also einen ganzen Haufen zu lösender und ein paar unlösbarer Rätsel an, wie es sich für eine Mystery-Serie gehört. Ganz eventuell wäre es auch möglich, dass sich zwischen den Ermittelnden Bryan und Finola eine Liebesgeschichte anbahnt. Dies wäre jedoch ein besonders ungewöhnlicher Aspekt der Erzählung. Das in Erinnerung Rufen der gesehenen Folgen hat jetzt ja funktioniert. Aber dringend weiterverfolgt werden muss die Geschichte um den Alienmüll nicht.

    Diese Kritik beruht auf der Sichtung der ersten zwei Folgen von „Debris“.

    Meine Wertung: 3,5 / 5

    Aktuell hat „Debris“ in den USA beim Sender NBC seine Weltpremiere. Ob und wo die Serie ihre Deutschlandpremiere haben wird, ist noch unbekannt.

    Trailer zur Serie „Debris“ (englisch)

    Über die Autorin

    Rosanna Großmann wurde schon früh zur Cineastin. Als Kind bettelte sie jahrelang darum, Filme wie „Jurassic Park“ oder „Tanz der Vampire“ sehen zu dürfen – die dann auch zu liebgewonnenen Dauerbrennern auf ihrem Fernseher wurden. In das Serienbusiness stieg sie erst später ein: Die ersten Serien, die die Wahlkölnerin mit Vorspann und Haaren verspeiste, waren „Star Trek – Next Generation“ und „Die Simpsons“. Seit 1999 schreibt sie jede Menge Zeug in einer wilden Mischung; seit 2020 auch Serienkritiken, Horror-Empfehlungen und Interviews für fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Peaky Blinders – Gangs of Birmingham, Family Guy, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1967) am

      Fringe hatte ja auch diese sogenannte "2.Zeitebene", wo alle Figuren eben dann doppelt waren....das fand ich einerseits irgendwie lustig, einerseits vollkommen irretierend.....:-)
      • (geb. 1984) am

        Naja...Fringe hatte ja auch ziemlich unlogisch und konfus begonnen, dennoch kam über die 5 Staffeln eine recht runde Sache bei raus. Mal schauen wie sich die erste Staffel von Debris entwickelt.

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