„Outlander“: Wie gut war Staffel fünf und wie geht es weiter? – Review

    Die fünfte Staffel im Rückblick und erste Infos zur Fortsetzung

    Rezension von Jana Bärenwaldt – 12.05.2020, 16:18 Uhr

    „Outlander“ Staffel 5

    Die fünfte Staffel von „Outlander“ adaptiert die Ereignisse aus „Das flammende Kreuz“, dem fünften Band der Buchreihe von Diana Gabaldon. Dabei entfernt sich die Serie jedoch zunehmend von der Buchvorlage, indem sie wichtige Ereignisse vorzieht oder abändert. Die Staffel konzentriert sich vor allem auf den Krieg gegen die Regulatoren und den Konflikt um Stephen Bonnet (Edward Speleers) und endet in einem dramatischen Finale, das für einigen Gesprächsstoff sorgt.

    Die wichtigsten Ereignisse aus Staffel 5 im Schnelldurchlauf:

    In der ersten Episode, die den Titel des namensgebenden Buches trägt, werden die zwei großen Konflikte der Staffel etabliert: der Aufstand der Regulatoren und die Rückkehr von Stephen Bonnet. Dadurch werden automatisch Brianna (Sophie Skelton) und Roger (Richard Rankin) mehr in den Fokus der Serie gerückt, deren große Frage der Staffel lautet, ob und wann sie in ihre eigene Zeit zurückkehren sollen. Besonders Roger hat zunächst Schwierigkeiten damit, seinen Platz in der Vergangenheit zu finden. Während die Beziehung der beiden zu Beginn der Staffel noch oft hölzern wirkt, verbessert sich die Chemie zwischen den beiden im Laufe der Episoden zusehends.

    Zugegebenermaßen ist es auch schwer, nicht den Vergleich zu Claire (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan) zu ziehen, die die Serie so charakteristisch wie eh und je tragen. Jedoch genießen die beiden zu Beginn der Staffel weniger Zweisamkeit als sonst. Während Claire an medizinischen Innovationen forscht, muss Jamie seinen Eid gegenüber Governor Tryon (Tim Downie) erfüllen und gegen den Aufstand der Regulatoren vorgehen, deren Anführer sein bester Freund Murtagh (Duncan Lacroix) ist. Mit der Schlacht von Alamance erreicht die Staffel einen Höhepunkt, der im Niederschlagen der Rebellion und dem Tod von Murtagh endet.

    Jamie (Sam Heughan) muss Murtagh (Duncan Lacroix) Lebewohl sagen. Starz

    Dabei entkommt Roger nur knapp dem Tod am Galgen und hat im Anschluss daran mit physischen und psychischen Verletzungen zu kämpfen. Gerade seine traumatischen Erlebnisse bringen ihn und Brianna jedoch näher zusammen und lässt das junge Paar gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Im Laufe der Staffel übernehmen die beiden immer mehr Verantwortung und scheinen ihren Platz auf Fraser’s Ridge zu finden. Ein freudiges Ereignis in dieser Folge ist zudem die Rückkehr von Ian, der allerdings seine eigene Bürde zu tragen hat.

    Einen weiteren zentralen Punkt erreicht die Staffel in der finalen Konfrontation mit Stephen Bonnet, dessen Präsenz seit den tragischen Ereignissen der letzten Staffel wie ein dunkler Schatten über Brianna hing. Mit seinem Tod gewinnt sie ein Stück ihrer Freiheit zurück. Gerade als sich die Wogen geglättet haben, wird jedoch offenbar, dass ihr kleiner Sohn Jemmy die Fähigkeit zum Zeitreisen besitzt, was alles durcheinander bringt. In einer emotionalen Episode nehmen Brianna und Roger Abschied von Familie und Freunden und bereiten sich auf die Rückkehr in ihre Zeit vor.

    Die Entscheidung, Brianna und Roger (scheinbar) zurückreisen zu lassen, löste einige Kritik in Fankreisen aus. Jedoch war die unerwartete Wendung der Reise der entscheidende Punkt, um die beiden endlich realisieren zu lassen, wo ihr wahres Zuhause mittlerweile ist, was sie im Herzen bereits wussten. Zudem fungierte ihre Rückkehr nach Fraser’s Ridge als wichtiges Gegengewicht zum Finale der Staffel, welches ansonsten fast ausschließlich düster und tragisch gewesen wäre.

    Brianna (Sophie Skelton) und Roger (Richard Rankin) haben ihr Glück auf Fraser’s Ridge gefunden. Starz

    Trotz der unerwarteten und freudigen Wendung um die Reise von Brianna und Roger, lag der Fokus der Episode klar auf Claire und ihrer dramatischen Zeit der Gefangenschaft. Mit den expliziten Szenen der sexuellen Gewalt geht die Serie nicht zum ersten Mal über die Schmerzgrenze einer ihrer Hauptfiguren hinaus. Sowohl Jamie als auch Brianna haben ihre eigenen Traumata durchlebt, die jeweils zu einem zentralen Punkt ihrer Charakterentwicklung geworden sind. Auch wenn Claire sich weigert, an diesem Erlebnis zu zerbrechen, nachdem sie bereits so viel durchgemacht hat, wird die Erinnerung wohl noch länger nachhallen.

    Wie geht es weiter?

    Matthew B. Roberts, ausführender Produzent von „Outlander“, deutete bereits an, dass die Verarbeitung von Claires Trauma noch nicht abgeschlossen sei und auch noch in die sechste Staffel hineinspielen wird. In einem Interview mit TVLine gab Caitriona Balfe weitere Einblicke in die Entwicklung von Claire. Ich denke, die Gefahr, dass Claire als starke weibliche Figur angesehen wird, besteht darin, dass die Leute manchmal vergessen, dass sie nicht aus Teflon gemacht ist. Es gibt Dinge, die sie zutiefst verletzen können.

    Somit wird die sechste Staffel wahrscheinlich Claires Entwicklung in den Fokus nehmen und die weiteren Konsequenzen der Ereignisse beleuchten. Denn Richard Brown (Chris Larkin) hat bereits Rache für den Tod seines Bruders Lionel angekündigt, dessen unheilvolle Worte eine böse Vorahnung aufkommen lassen. Lionel (Ned Dennehy) hatte gegenüber Marsali (Lauren Lyle) angedroht, dass sein Bruder die gesamte Siedlung über ihren Köpfen niederbrennen würde, sollte ihm ein Leid zustoßen.

    Was hält die Zukunft für Jamie (Sam Heughan) und Claire (Caitriona Balfe) bereit?Starz

    Dies könnte eine Erklärung für das Feuer auf Fraser’s Ridge sein, von dem Roger und Brianna in dem Zeitungsartikel erfahren haben, und in dem Jamie und Claire angeblich umkommen sollen. Neben den Drohungen der Browns steht den Frasers jedoch vor allem ein Ereignis bevor, das fest in den Geschichtsbüchern verankert ist: der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der von 1775 bis zum offiziellen Ende 1783 zwischen den Dreizehn Kolonien und der britischen Kolonialmacht ausgefochten wurde. Der Krieg führte zur Unabhängigkeitserklärung und zur Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika.

    Da „Outlander“ gerade ungefähr im Herbst 1772 spielt, ist unklar, inwieweit der Unabhängigkeitskrieg in der sechsten Staffel bereits thematisiert werden wird, wobei es bereits vor dem Ausbruch des Krieges zu einigen Unruhen und bedeutenden Ereignissen wie der Boston Tea Party kam, in die auch der historische Governor Tryon verwickelt war.

    Im Verlauf der fünften Staffel hat die Serie immer wieder kleinere Zeitsprünge gemacht und sich zwar an den wichtigsten Ereignissen aus dem fünften Buch orientiert, jedoch auch einigen Handlungssträngen aus dem sechsten Buch vorgegriffen und dafür andere Dinge wiederum ausgelassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass bestimmte Geschichten aus den Büchern nicht mehr erzählt werden, wie Matt Roberts in einem Interview mit Variety verrät.

    „Das Schöne an einigen dieser Geschichten ist, dass man sie ein wenig hin und her bewegen kann“, sagt er. „Während wir in Staffel 5 zu Buch 6 übergegangen sind, könnte es einige Dinge in der sechsten Staffel geben, von denen die Leute nicht mehr erwarten, dass sie noch passieren. Es wird zum Beispiel Charaktere geben, die erst in Staffel 6 erscheinen werden.“

    Das klingt ganz danach, als würde die sechste Staffel nicht nur auf dem sechsten Band „Ein Hauch von Schnee und Asche“ basieren, sondern eventuell auch auf Material aus dem fünften Buch zurückgreifen, das es bisher nicht in die Serie geschafft hat. Eine Figur, die sehr wahrscheinlich noch einmal auftauchen wird, ist die des Zeitreisenden Wendigo Donner (Brennan Martin), der Jamies Rache gegen Lionel Brown und seine Leute entkommen ist. Es ist das zweite Mal nach Geillis Duncan (Lotte Verbeek), dass Claire direkt einem anderen Zeitreisenden begegnet ist, was die Frage aufwirft, wie viele es noch gibt.

    Brennan Martin als Wendigo Donner Starz

    Die Autoren und Produzenten haben sich in der fünften Staffel mehr künstlerische Freiheiten genommen, auch in Bezug auf bestimmte Darstellungen wie beispielsweise die Traumata von Roger und Claire. Während Rogers Erfahrungen mit dem Stilmittel des Stummfilms aufgearbeitet wurde, flüchtete Claire sich in eine Fantasievorstellung mit ihrer Familie in der Zukunft. Auch wenn Buchleser sich manchmal eine Adaption wünschen, die sich näher ans Ursprungsmaterial hält, so ergeben sich im Laufe einer Serie teils andere Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen.

    Die größten Unterschiede von Staffel 5 zur Buchvorlage:

    In den Büchern hat Murtagh die Schlacht von Culloden nicht überlebt, was bedeutet, dass er weder mit dem Aufstand der Regulatoren noch mit Jocasta (Maria Doyle Kennedy) etwas zu tun hat. Mit Murtagh als Anführer der Regulatoren, der so Jamie in der Schlacht gegenüberstand und zudem eine Beziehung zu Jocasta aufgebaut hat, konnte die Serie noch eine zusätzliche dramatische Wende einbauen.

    Die Geschichte um Stephen Bonnet wird in den Büchern etwas länger gezogen und ist im fünften Band noch nicht auserzählt, kommt aber zu einem ähnlichen Ende. Obwohl man vor Edward Speleers brillanter Darstellung des psychopathischen Stephen Bonnets nur den Hut ziehen kann, erscheint Bonnets Ende in dieser Staffel als ein passender Abschluss.

    Edward Speleers als Stephen Bonnet Starz

    Claires Trauma wurde ebenfalls aus dem sechsten Band vorgezogen, während Briannas und Rogers misslungene Reise durch die Steine gar nicht in den Büchern vorkommt, sodass auf die vorletzte Folge dieser Staffel einige Spekulationen zum Ausgang der Reise aufkamen.

    Einige Änderungen ergeben Sinn im Hinblick auf die organische Entwicklung der Serie. Beispielsweise hat Marsali in der fünften Staffel als Claires Schülerin eine größere Rolle als in der Buchvorlage, während Fergus (César Domboy) fast zu einer unwichtigen Nebenfigur wird. Dies könnte sich allerdings in der nächsten Staffel ändern, wenn sich die Serie an Fergus’ Geschichte aus den Büchern hält.

    Die sechste Staffel von „Outlander“ wurde bereits vor zwei Jahren bestellt, bis zur Ausstrahlung könnte diesmal angesichts der aktuellen Situation jedoch noch mehr Zeit vergehen als gewöhnlich. Die Dreharbeiten hätten eigentlich in diesem Monat beginnen sollen, mussten aber wie die meisten anderen Produktionen auch pausiert werden und werden nun wahrscheinlich auf den Herbst verschoben. Mit der Ausstrahlung der sechsten Staffel ist deshalb frühestens in der ersten, wahrscheinlich eher in der zweiten Jahreshälfte von 2021 zu rechnen.

    Castmitglieder und Fans nennen die „Outlander“-lose Zeit Droughtlander: Ein zusammengesetztes Wort aus Drought (Dürre, Trockenperiode) und „Outlander“. Allerdings bleibt nun für alle, die wissen wollen, wie es weitergeht, genug Zeit, um sich der Buchreihe zu widmen. Aktuell schreibt Gabaldon am neunten Buch der Serie mit dem Titel „Go Tell the Bees That I Am Gone“.

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

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