„Murmel Mania“: Hat RTL einen an der Murmel? – Review

    Neue Spielshow mit Chris Tall ist aufwendig, aber mäßig unterhaltsam

    Glenn Riedmeier
    Rezension von Glenn Riedmeier – 11.05.2021, 20:00 Uhr

    Harry Wijnvoord, Moderator Chris Tall, Marijke Amado und Ingolf Lück (v. l. n. r.) – Bild: TVNOW/W. Rutten
    Harry Wijnvoord, Moderator Chris Tall, Marijke Amado und Ingolf Lück (v. l. n. r.)

    RTL ist im Showfieber. Derzeit bestreitet der Kölner Sender seine Primetime an ganzen sechs von sieben Tagen in der Woche mit eigenproduzierten Shows, darunter auch einige Neuentwicklungen. Für große Aufmerksamkeit sorgte im Vorfeld die „Murmel Mania“. Der aus dem Kinderzimmer bekannte Spieleklassiker wird in ein großes Primetime-TV-Turnier umgewandelt. Kein Geringerer als Altmeister John de Mol hob das Format in den Niederlanden aus der Taufe, wo es Anfang des Jahres ein schöner Erfolg wurde. Wird sich die Show auch in Deutschland durchsetzen können?

    Die deutsche Adaption wurde im Februar vor Ort in den niederländischen Studios produziert und ist nun vier Wochen lang am Dienstagabend um 20:15 Uhr bei RTL zu sehen. Passenderweise wirken in der Premierenausgabe mit Marijke Amado und Harry Wijnvoord zwei niederländische Showlegenden mit, die in den 1990er Jahren mit der „Mini Playback Show“ und „Der Preis ist heiß“ große Erfolge bei RTL feierten – und gerne auch heute noch viel öfter im deutschen Fernsehen präsent sein dürften. Der Dritte im Bunde ist Ingolf Lück, der ebenfalls in den 1990ern mit der „Wochenshow“ auf dem Höhepunkt seiner Karriere war. Als Moderator führt Comedian Chris Tall durch die knapp zweistündige Sendung.

    TVNOW/​W. Rutten

    „Murmel Mania“ kommt in einem quietschbunten, großflächigen Studio daher. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch Animationen an den Studiowänden, die gelbe, rote und blaue Murmelfigürchen in virtuellen Tribünen zeigen. Da aus Corona-Gründen keine realen Zuschauer anwesend sein dürfen, fungieren die animierten Charaktere als Ersatzpublikum, die ihren jeweiligen prominenten Spieler anfeuern. Frank „Buschi“ Buschmann meldet sich während der Spielrunden aus dem Kommentatorenhäuschen und tut das, was er am besten kann: Anfeuern und ausrasten, als handle es sich um ein Fußball-WM-Finale. Es ist schon eine gewisse Kunst, dies auch dann zu tun, selbst wenn sich einfach nur drei Murmeln ihren Weg durch einen Parcours bahnen.

    Die drei Prominenten spielen gegeneinander und jeweils für einen guten Zweck. Ihnen wird eine bestimmte Farbe zugeteilt und anschließend treten sie in mehreren Spielrunden an. Dabei wechseln sich Geschicklichkeitsspiele mit Glücksspielen ab. Bei manchen Murmelbahnen kommt es auf ein ruhiges Händchen und Zielgenauigkeit an, etwa wenn die Murmeln in die Löcher eines „Schweizer Käse“-Modells getroffen werden müssen. Weitere Murmel-Disziplinen sind Farben-Schießen und Minigolf. Bei den Murmelrennen wiederum ist es reine Glückssache, welche der drei Murmeln als erstes ins Ziel kommt. Je schneller die bunten Kugeln über die Ziellinie rollen, umso mehr Punkte erhalten die Kandidaten.

    Die Holland-Bahn TVNOW/​W. Rutten

    Chris Tall, der sein Cap und sein „Darf er das?“-Shirt gegen einen schicken Anzug eingetauscht hat, macht eine überraschend gute Figur als Showmaster und verzichtet auf allzu platte Gags. Hervorzuheben ist auch, mit wie viel Liebe zum Detail die unterschiedlichen Murmel-Parcours-Bahnen gebaut wurden. Denn es handelt sich nicht um farblose Bahnen, sondern um regelrechte Themenwelten – von Holland über Skipiste und Kirmes bis hin zu Metropolis. Laut RTL wurden insgesamt 1.600 Stunden in den Aufbau der Bahnen gesteckt – die längste davon misst ganze 41 Meter. Im Finale, eine überdimensionale Rallye, rollen sage und schreibe 6.000 Murmeln gleichzeitig um die Wette – zweifelsohne beeindruckende Bilder.

    Umso bedauerlicher ist es, dass sich das durchaus sympathische Konzept nicht über eine zweistündige Sendung trägt. So liebevoll, bunt und aufwendig die Murmel-Stationen auch sind, so schnell verpufft der Unterhaltungswert. Die „Murmel Mania“ wurde quasi als inoffizieller Ersatz für das abgesagte Comeback des „Domino Day“ an den Start gebracht. Doch mit der Live-Faszination der fallenden Dominosteine in einem überdimensionalen Parcours können die Murmel-Bahnen einfach nicht mithalten. Ihr Übriges tut auch die fehlende Atmosphäre: Obwohl man sich mit dem animierten Cartoon-Publikum wirklich Mühe gibt, den schwierigen Corona-Bedingungen Rechnung zu tragen, will nicht so richtig Stimmung aufkommen. Es wirkt einfach zu künstlich. Wijnvoord, Amado und Lück sind dankbare Premierengäste, die nicht auf den Mund gefallen sind und daher keine langen Gesprächspausen aufkommen lassen.

    Beim Murmel-Wurf sind Geschicklichkeit und Präzision gefragt. TVNOW/​W. Rutten

    Als Zuschauer fühlt man sich an gemeinsame Minigolf-Abende mit Freunden erinnert, an denen man ebenfalls von Bahn zu Bahn wandert. Doch es ist eben nicht ganz so spannend, anderen Leuten beim Murmel-Schnippen zuzugucken, ohne selbst aktiv daran mitzuwirken. Als Spielrunde in einer großen Show à la „Schlag den Star“ oder „Denn sie wissen nicht, was passiert“ würde sich so eine Murmel-Bahn perfekt eignen, doch als abendfüllendes Spielkonzept ist es schlichtweg nicht abwechslungsreich genug. Zwischendurch wünscht man sich, Harry Wijnvoord würde lieber nach gesuchten Preisen fragen und Marijke Amado junge Dreikäsehochs in die Zauberkugel schicken – es wäre um einiges spannender.

    RTL zeigt vier Ausgaben von „Murmel Mania“ ab dem 11. Mai dienstags um 20:15 Uhr.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1963) am

      Mocki, Mocki, Mocki, Mocki...
      • (geb. 1980) am

        Ich fand es toll und freue mich schon auf die nächste Sendung. Ja, mit Mareike oder Harry als Moderatoren (team???) wäre es noch besser gewesen, aber schlecht hat Chris es nicht gemacht. Ja, ich habe mir damals als Kind auch Domino Day gerne angeschaut. Murmel mania war das erste Mal seit Wochen, dass ich TV geschaut habe. Sonst stream ich eigentlich nur noch. Manchmal ist es einfach schön so Sendungen zu sehen, vor allem in einer Zeit wo es sonst nur um Action oder Drama geht.
        Gerne mehr davon! Promi editions, Länder Kämpfe, ach da gibt es sicherlich noch viele Ideen!
        Und im Gegensatz zu dem Autor des Artikels fand ich es die ganze Sendung über unterhaltsam!
        • am

          Es wurde ein schöner Erfolg in den Niederlanden???? Wer verzapft solchen Unsinn?!?
          Nach etwa drei/vier Folgen wurde der Quark wegen Desinteresse schnell wieder abgesetzt.
          Ich habe einmal hingeguckt, das hat mir gereicht.
          John de Mol wird sich gefreut haben, dass er den wertlos gewordenen Plunder hat absetzen können.
          RTL hat wahrscheinlich noch ein hübsches Sümmchen niedergeblättert....
          • (geb. 1986) am

            Die Sendung war ganz nett, schöner wäre es, wenn Harry Wijnvoord oder Marijke Amado es Moderiert hätten. Kann mit dem Chris nichts anfangen genauso wenig Mario Barth die sollten lieber beim Comedy bleiben.
            • am via tvforen.de

              die sendung war ganz nett,toll was die alles aufgebaut hatten,allerdings hat mich das ständige "das schauen wir uns nochmal an" genervt
              • (geb. 1979) am

                Wer schaut sich auch bitteschön Sendungen mit Chris Tall an, abgesehen von den typischen, niveaulosen RTL-Zuschauern (wahrscheinlich auch diejenigen, die sich jedes Jahr regelrecht aufs Dschungelcamp freuen)?
                • am via tvforen.de

                  • am via tvforen.de

                    Mir machen diese Shows großen Spaß und ich würde sie mir gerne mal mit Ralfi ansehen.
                • am

                  Also genauso "spannend" wie Dominosteinen beim Umfallen zuzuschauen, haben aber merkwürdigerweise damals trotzdem 10-15 Millionen geschaut...
                  • (geb. 1963) am

                    Doch, geht schon.
                    Aber Thomas Gottschalk wäre mir aber lieber gewesen...
                    • (geb. 1984) am

                      Der unlustige Moderator geht gar nicht.

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