„Lucie. Läuft doch!“: Bei der neuen VOX-Serie mit Cristina do Rego läuft vieles rund – Review

    Charmante Feel-Good-Serie, die Spaß macht

    Rezension von Jana Bärenwaldt – 17.11.2020, 16:35 Uhr

    Cristina do Rego in „Lucie. Läuft doch!“

    Das Grundgerüst der neuen VOX-Dramedy „Lucie. Läuft doch!“ ist relativ simpel gestrickt und schnell erzählt: Die junge Berlinerin Lucie (Cristina do Rego, „Pastewka“) hat sich durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn mal wieder selbst in Schwierigkeiten gebracht und wird zu Sozialstunden verurteilt. Sie landet im idyllischen Waldschloss Kleeberg, einer Einrichtung, in der Kinder und Jugendliche betreut werden, die nicht nach Hause können oder wollen. Schnell sorgt Lucies impulsives Temperament auch in der Einrichtung für Trubel, allerdings offenbart sich dabei auch ihr Geschick als Betreuerin. Kurzerhand bietet Heimleiter Gleim (Robert Schupp) ihr einen Job an.

    In den einzelnen Episoden wird dabei jeweils einer der Jugendlichen in den Fokus gestellt und gezeigt, wie Lucies unkonventionelle Herangehensweise die Situation zwar zunächst oft verschlimmbessert, im Endeffekt ihren Schützlingen aber stets zu helfen weiß. Bei ihren Kollegen stößt Lucie mit ihrem Vorgehen dabei auf gemischte Reaktionen, kann diese aber auch nach und nach für sich einnehmen. Vor allem Alex (Eugen Bauder) scheint ihr von Anfang an sehr zugetan zu sein, was für eine sich früh abzeichnende Romanze sorgt.

    Zwischen Lucie (Cristina do Rego) und Alex (Eugen Bauder) funkt es sofort. TVNOW/Richard Hübner

    Was auf den ersten Blick wenig Hoffnung auf eine mehr als durchschnittliche Dramedy macht, weiß bei näherem Hinsehen überraschend gut zu unterhalten. Die grundlegende Geschichte einer rebellischen jungen Frau, die allen um sich herum besser helfen kann als sich selbst, ist zwar nicht neu, aber sie wird modern aufbereitet und mit viel Herz erzählt. Der Unterhaltungsfaktor lässt sich dabei vor allem an der Hauptdarstellerin selbst festmachen, die schauspielerisch stets den richtigen Ton zu treffen vermag und als direkte Sympathieträgerin fungiert.

    Aber auch die anderen Figuren sind gut ausgearbeitet und fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen: vom verschmitzten Sunnyboy Alex und dem Psychologen Bartels (Kai Albrecht), der stets eine trockene Bemerkung parat hat, über den väterlichen Heimleiter Gleim bis hin zum stoisch ruhigen Betreuer Bär (Markus Hammer) und den Köchinnen Frau Kudella (Sanne Schnapp) und Frau Peetz (Hildegard Schroedter), die als gute Seelen des Hauses fungieren, schafft es die Serie beinahe durchgehend, interessante Charaktere zu zeichnen, die nicht allzu sehr in Klischees oder schlechten Dialogen versinken. Im Gegenteil – das Drehbuch ist oft pointiert und erfrischend geschrieben und verzichtet weitestgehend auf altbekannte Phrasen und anstrengende Pseudo-Alltagssprache.

    Lucies (Cristina do Rego) neue Kollegen: Psychologe Bartels (Kai Albrecht, links) und Heimleiter Gleim (Robert Schupp, rechts).TVNOW/Richard Hübner

    Leider weist die Geschichte stellenweise doch einige Logik-Lücken auf, angefangen bei der Prämisse, dass Lucie ohne eine passende Ausbildung als Betreuerin eingestellt wird. Zudem läuft alles einfach ein bisschen zu glatt ab, um ernsthafte Spannungsbögen entstehen zu lassen. Die Jugendlichen bleiben im Vergleich zu den anderen Figuren auch eher blass und gewinnen erst im Zusammenspiel mit Lucie an Relevanz.

    Dafür zieht die Serie ihre Stärke aus vielen kleinen Momenten und zwischenmenschlichen Interaktionen, die oftmals mit viel Charme und Humor daherkommen. Selbst schwierige Situationen und ernste Probleme der Jugendlichen werden häufig mit einem humorvollen Unterton aufgelöst und so leichter verdaulich. Emotionen bleiben aber trotzdem nicht auf der Strecke. Besonders die Geschichte um Lucies Großvater Kurt (Peter Sattmann), bei dem sie aufgewachsen ist und der aufgrund seiner zunehmenden Demenz in ein Heim ziehen muss, ist stellenweise sehr emotional.

    Lucies (Cristina do Rego) Großvater Kurt (Peter Sattmann) braucht Hilfe. TVNOW/Richard Hübner

    Auch wenn sich die meisten Handlungsstränge in der Serie ziemlich voraussehbar gestalten und die episodischen Erzählungen um die Jugendlichen oft nur wie schmückendes Beiwerk wirken, macht es insgesamt einfach Spaß, Lucie bei ihrer Reise zu begleiten. „Lucie. Läuft doch!“ ist charmant, humorvoll und stellenweise dennoch berührend und wird mit dieser Mischung zu einer prädestinierten Feel-Good-Serie, von der man sich an behaglichen Fernsehabenden gern in ihren Bann ziehen lässt.

    Meine Wertung: 3,5/5

    Diese Wertung beruht auf Sichtung der ersten zwei Episoden von „Lucie. Läuft doch!“.

    „Trailer

    Die acht Episoden von „Lucie. Läuft doch!“ sind seit dem 11. November auf TVNOW abrufbar und werden ab dem 18. November jeweils in Doppelfolgen mittwochs um 20:15 Uhr auf VOX ausgestrahlt.

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1967) am melden

      Man, ist der Sattmann weiß geworden....habe Folge 1 gesehen, idst nicht schlecht...mal was anderes...wie sagte ein User bei den SJ, ist etwas ähnlich dem "Lehrer"
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