„Catherine the Great“: Helen Mirren liefert königliche Performance – Review

    Mehr Drama als Historie in der Miniserie von Sky und HBO

    Jana Bärenwaldt
    Rezension von Jana Bärenwaldt – 23.10.2019, 18:30 Uhr

    Catherine (Hellen Mirren) findet Gefallen an dem intelligenten und charismatischen Leutnant Grigori Potemkin (Jason Clarke) – „Catherine the Great“ – Bild: Sky
    Catherine (Hellen Mirren) findet Gefallen an dem intelligenten und charismatischen Leutnant Grigori Potemkin (Jason Clarke) – „Catherine the Great“

    Dass Helen Mirren ein Talent dafür hat, Staatsoberhäupter zu verkörpern, hat sie bereits 2005 in der zweiteiligen TV-Produktion „Elizabeth I“ und ein Jahr später mit ihrer Darstellung von Elizabeth II im Spielfilm „Die Queen“ unter Beweis gestellt. Für Letzteren wurde sie mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Die Rolle der russischen Zarin Katharina II scheint der britischen Schauspielerin mit russischen Wurzeln wie auf den Leib geschneidert zu sein. Aber reicht das aus, um die vierteilige Miniserie „Catherine the Great“ zu tragen?

    In einer der ersten Szenen des Historiendramas hält Catherine eine Rede vor dem Adel Russlands, welche nicht nur ihre politischen Ziele verdeutlichen, sondern dem Zuschauer auch einen ersten Eindruck vermitteln soll, was für einer Art Herrscherin Catherine ist. Sie plädiert eindringlich für die Abschaffung der Leibeigenschaft/Sklaverei, stößt damit aber nicht auf die erhoffte Zustimmung – eigentlich kein Wunder, würden diese „neumodischen“ politischen Ansätze in der Staatsführung doch die Rechte der Adligen über ihre direkten Untertanen einschränken. Ungefähr die ersten zehn Minuten verwendet die Pilotfolge darauf, einen kurzen Abriss von Catherines Werdegang und ihrem jetzigen Standpunkt zu geben.

    Katharina II, die bekannter unter dem Namen Katharina die Große ist, kam ursprünglich als junges Mädchen aus Preußen nach Russland und heiratete dort den russischen Thronfolger. Als ihr Mann schließlich an die Macht kam, erwies er sich nicht gerade als fähiger Regent, woraufhin Katharina gemeinsam mit den Gebrüdern Orlov ein Komplott zu seiner Absetzung schmiedete. Unter ihrer Regentschaft wurde die Macht des russische Reichs soweit ausgebaut wie nie zuvor. Zudem ist sie heute immer noch berühmt für ihre zahlreichen Liebschaften, wovon allerdings wahrscheinlich viele nur angedichtet sind.

    Catherine (Helen Mirren) hält die Zügel gerne fest in der eigenen Hand … 
    Catherine (Helen Mirren) hält die Zügel gerne fest in der eigenen Hand … 

    Richtig Fahrt nimmt die Episode erst mit dem Auftritt von Catherines Vertrauter und besten Freundin Countess Praskovya Bruce (Gina McKee; „Bodyguard“, „The Rook“) auf. Hier tritt erstmals die andere Seite von Catherine zum Vorschein, die nicht nur als entschlossene Herrscherin auftritt, sondern auch eine überaus lebensfrohe Frau ist, die sich im Herzen ihre Jugendlichkeit bewahrt hat. Wie zwei junge Mädchen stellen die beiden Leutnant Grigory Potemkin (Jason Clarke) nach. Dem kommt das Treffen gerade recht, da er seinerseits schon lange ein Auge auf die Zarin geworfen hat.

    Da sich Catherine aber um Regierungsangelegenheiten kümmern muss, kümmert sich die Countess ihrerseits um Potemkin. Eifersucht und Besitzdenken scheint es bei den Freundinnen nicht zu geben. Die Fronten sind allerdings trotzdem geklärt. Als sich Potemkin und die Countess miteinander vergnügen, stellt diese ohne jede Wertung fest, dass Potemkin eigentlich an Catherine interessiert sei. Abgesehen davon, dass es sehr erfrischend ist, nicht direkt ein Eifersuchtsdrama zu erleben, ging es am russischen Hofe zu dieser Zeit tatsächlich weitaus liberaler zu als in Europa.

    Symbolbild: Grigory Orlov (Richard Roxburgh) gibt beim Kostümfest eine eher traurige Figur ab.
    Symbolbild: Grigory Orlov (Richard Roxburgh) gibt beim Kostümfest eine eher traurige Figur ab.

    Catherines langjähriger Geliebter Grigory Orloff (Richard Roxburgh) kann die Begeisterung der Frauen für Potemkin nicht teilen. Er ist bereits frustriert, dass er nicht die Macht von Catherine erhalten hat, die er sich versprochen hatte, da sie nicht heiraten will. Mit dem Eintreffen des Leutnants sieht er seine Felle nun noch schneller davon schwimmen. Denn die offensichtliche Anziehung zwischen Catherine und Potemkin bleibt niemandem verborgen, während er sich zunehmend mit der Zarin zankt.

    Helen Mirren gelingt ein perfekter Spagat zwischen den zwei Seiten von Catherine. Auf der einen Seite ist sie eine progressive Zarin, die dem Wohl des Landes immer Vorrang gibt, aber von allen Seiten, selbst von ihrem Geliebten und ihrem eigenen Sohn, bedrängt wird und um ihre Krone fürchten muss. Auf der anderen Seite steht die lebensfrohe Catherine, die sich nach Liebe und Leidenschaft sehnt, ihr Privatleben aber nur schwer mit ihrer Position in Einklang bringen kann.

    Nach seiner Volljährigkeit hofft Catherines (Helen Mirren) Sohn Paul (Joseph Quinn, r.) auf die Abdankung seiner Mutter. Auch Berater Panin (Rory Kinnear, l.) sieht in einem „Führungswechsel“ das Mittel der Wahl.
    Nach seiner Volljährigkeit hofft Catherines (Helen Mirren) Sohn Paul (Joseph Quinn, r.) auf die Abdankung seiner Mutter. Auch Berater Panin (Rory Kinnear, l.) sieht in einem „Führungswechsel“ das Mittel der Wahl.

    Denn das Machtstreben von Orlov ist ihr nicht verborgen geblieben und macht sie vorsichtig angesichts von Potemkins Avancen. So dauert es auch zwei Jahre, nach welchen die zweite Folge ansetzt, bis Catherine und Potemkin den nächsten Schritt wagen. Die Chemie der beiden ist auch zwischen den Darstellern so überzeugend, dass man keinen Moment in Frage stellt, warum ein deutlich jüngerer Mann Gefallen an der Zarin findet. Emotional wird man hier vollends abgeholt. Die Serie lebt von der Beziehung, die sich zwar offensichtlich zwischen ihnen anbahnt, aber doch überraschend entfaltet. Ein weiterer deutlicher Pluspunkt des Historiendramas sind die cleveren und prägnanten Dialoge, bei denen jedes Wort sitzt.

    Wenn es um das politische Geschehen geht, wird jedoch deutlich, woran es der Miniserie mangelt: an einem klaren roten Faden. Zwar ist die Handlung von politischen Unruhen und Eroberungszügen geprägt, allerdings erscheinen diese oft wie eine bloße Aneinanderreihung von im Endeffekt doch recht belanglosen Ereignissen, ohne ein wirkliches Ziel. Vielleicht hätte die Geschichte um Catherines Thronbesteigung auch mehr Stoff hergegeben, als die Episode in ihrem Leben, in der sie beinahe schon alles erreicht hatte.

    Die Serie „Catherine the Great“ folgt der Beziehung von Potemkin (Jason Clarke) und Catherine (Helen Mirren) über mehrere Jahre.
    Die Serie „Catherine the Great“ folgt der Beziehung von Potemkin (Jason Clarke) und Catherine (Helen Mirren) über mehrere Jahre.

    Letztendlich findet sich in „Catherine the Great“ mehr Drama als Historie und neben der Begeisterung für die Darsteller das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Die Miniserie besticht durch eine opulente Aufmachung, das auf den Punkt gebrachte Drehbuch und die Geschichte um Catherine und Potemkin, die wie ein Fels in der Brandung der um sie herum tosenden Wellen von nebensächlichen Ereignissen trotzen. Zusammengenommen sind das auf jeden Fall genug Gründe zum Einschalten, die einen auch über das ein oder andere Manko hinwegsehen lassen.

    Dieser Text beruht auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Miniserie „Catherine the Great“.

    Meine Wertung: 3,5/5

    Die vier Episoden der Miniserie sind ab Donnerstag, den 24. Oktober 2019, online über die digitalen On-Demand-Kanäle von Sky verfügbar. Die lineare Ausstrahlung erfolgt am 24. und 31. Oktober jeweils in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD. Ihre Weltpremiere hatte die Ko-Produktion von Sky und dem amerikanischen Pay-TV-Sender HBO ab dem 3. Oktober in Großbritannien.

    Extended Trailer im Originalton

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

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