Boardwalk Empire – Review

    von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Rezension von Ralf Döbele – 01.12.2010

    • Seite
    Boardwalk Empire
    Ein neues Format erscheint am Serienhimmel und wird nicht nur fast einstimmig von Kritikern angepriesen, sondern legt auch noch eine so erfolgreiche Premiere hin, dass es praktisch sofort verlängert wird. Solche Fälle sind selten, „Boardwalk Empire“ darf sich zu den wenigen Auserwählten zählen. Das neue, historisch angelegte Drama des US-Bezahlsenders HBO überzeugte bei der Ausstrahlung des Piloten mit hohen Quoten gleich derart, dass unmittelbar danach eine zweite Staffel bestellt wurde.

    Für HBO ist der Erfolg nicht nur erfreulich, sondern auch notwendig. Revolutionierte der Sender einst die Fernsehlandschaft mit den „Sopranos“ oder „Sex and the City“, so war es in den letzten Jahren ruhiger um ihn geworden. Zwar läuft „True Blood“ inzwischen vor allem aufgrund des scheinbar nicht unterzukriegenden Vampir-Trends sehr gut, dennoch musste sich HBO in Sachen Trends und Popkultur-Buzz doch der Konkurrenz bei Showtime geschlagen geben, die oft die Schlagzeilen bestimmte. Inzwischen kennen und lieben Zuschauer weltweit „Dexter“, „Weeds“ und „Die Tudors“. Doch wie sieht es mit „In Treatment“, „Hung – Um Längen besser“ oder „Treme“ aus? HBO kann mit diesen Formaten zwar Kritiker meist überzeugen, doch Schlagzeilen machen sie kaum. Neuer Gesprächsstoff musste her und den bietet „Boardwalk Empire“. Glücklicherweise ist das nicht alles, was die Serie des ehemaligen, bereits Emmy-gekürten „Sopranos“-Autoren Terence Winter zu offerieren hat. Mit Mark Wahlberg und Regie-Ikone Martin Scorsese als ausführende Produzenten wurden die Erwartungen im Vorfeld zusätzlich gesteigert. „Boardwalk Empire“ wächst an dieser Herausforderung, entführt in eine Welt die einladend, abstoßend, faszinierend, brutal, fremd und doch vertraut ist. Damit steht die Saga in der Tradition der besten historischen Dramen der letzten Jahre und kann es mühelos mit ihnen aufnehmen.

    Nucky Thompson (Steve Buscemi), das heimliche Oberhaupt von Atlantic City.
    Atlantic City, 1920. Am Vorabend der Prohibition befindet sich die gesamte Stadt in einem Ausnahmezustand. Der Alkoholgenuss wird gebührend zu Grabe getragen – mit reichlich Sekt, lauter Musik und spärlich bekleideten Tänzerinnen. Inmitten der ausgelassenen Menge trifft sich Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi), seines Zeichens halb korrupter Politiker, halb Gangster und ganz heimliches Oberhaupt von Atlantic City, mit dem Bürgermeister, mehreren Stadträten und seinem Bruder Eli (Shea Whigham), der praktischerweise gleich auch noch der Sheriff der Stadt ist. Sie feiern gehörig mit und beglückwünschen nicht nur den Kongress der Vereinigten Staaten zu der Entscheidung Alkohol künftig zu verbannen, sondern vor allem auch sich selbst zu den bevorstehenden guten Geschäften. Wenn es nach Nucky geht wird Atlantic City auch in Zukunft „so feucht wie die Fotze einer Meerjungfrau“ bleiben. Die Gewinne des illegalen Nachschubs werden direkt in seine Taschen wandern. Der Termin für den ersten kanadischen Fusel-Import ist bereits angesetzt.

    Punkt Mitternacht senken die Partygäste ihre Häupter, lauschen dem Trauermarsch. Die Prohibition beginnt – mit dem Knallen der Sektkorken. Die Party fängt gerade erst an. Auch für Jimmy Darmody (Michael Pitt)? Der 22-jährige kommt frisch aus dem Krieg zurück, er gab sein Studium in Princeton auf, um seinem Land zu dienen. Vielleicht nicht die beste Entscheidung seines Lebens, schließlich leidet er noch immer unter den Eindrücken. Am Frühstückstisch versucht er seiner Frau Angela (Aleksa Palladino) klar zu machen, warum er nicht an die Universität zurückkehren will. Fortan soll er als Nuckys rechte Hand fungieren, will damit seine Frau und seinen Sohn versorgen. Keine schlechte Position, schließlich bekommt Nucky praktisch von allem, was in Atlantic City so läuft „ein Stück der Action“ ab.

    Jimmy Darmody (Michael Pitt) verfolgt seine eigenen Ziele.
    Für Jimmy ist ein kleines Stück dieses Stücks schon bald nicht mehr genug. Er fühlt sich zu alt um einfach nur als Chauffeur Nucky durch die Gegend zu kutschieren. Gemeinsam mit einem jungen Gangster aus Chicago, einem gewissen Al Capone (Stephen Graham), entwickelt er Eigeninitiative. Gemeinsam überfallen die beiden die besagte, kanadische Alkohol-Lieferung, doch die Aktion endet in einem Blutbad. Mehrere Männer des New Yorker Gangsters Arnold Rothstein (Michael Stuhlbarg), an den die Lieferung eigentlich gehen sollte, werden getötet. Rothsteins somit wachsender Zorn auf Nucky ist nicht das einzige, sein Leben komplizieren wird.

    Da ist auch noch Margaret Schroeder (Kelly Macdonald), die Nucky um Arbeit für ihren gewalttätigen Ehemann bittet. Nucky, der es in puncto Bittsteller sicher mit jedem Paten aufnehmen kann, sieht etwas besonderes in ihr, hilft ihr mit ein wenig Geld aus. Als Margaret erneut von ihrem Mann krankenhausreif geschlagen wird, findet man ihn bald darauf bei den Fischen. Die offensichtliche Zuneigung zu Margaret wird nicht nur von Nuckys Geliebte Lucy (Paz de la Huerta) nicht gerne gesehen. Auch Agent Nelson Van Alden (Michael Shannon) nähert sich der Witwe mit seinen ganz eigenen Absichten. Van Alden ist Teil einer neu eingeschworenen Truppe föderaler Prohibitions-Agenten, deren Ziel es ist das Alkohol-Verbot um jeden Preis aufrecht zu erhalten und Nuckys Herrschaft über Atlantic City ins Wanken zu bringen.

    weiter

    weitere Meldungen