Rowan Atkinson („Mr. Bean“) vergleicht Cancel Culture mit mittelalterlichem Mob

    „Tastatur-Krieger“ suchen nach jemandem, „der verbrannt werden kann“

    Glenn Riedmeier – 05.01.2021, 14:11 Uhr

    Rowan Atkinson

    Seit dem vergangenen Jahr ist vermehrt das Phänomen der sogenannten Cancel Culture zu beobachten. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem angelsächsischen Sprachraum, hat 2020 allerdings auch vermehrt in Deutschland Debatten ausgelöst. Cancel Culture bezeichnet den Abbruch der Unterstützung für eine Person oder ein Produkt, weil man mit deren Inhalt beziehungsweise Haltung nicht einverstanden ist. Meistens wird diese Praxis in sozialen Netzwerken durch einen Shitstorm ausgelöst und anschließend von klassischen Medien aufgegriffen. Im extremsten Fall führt dies zur Entlassung der attackierten Person oder dazu, dass Serien abgesetzt oder aus dem Programm genommen werden. Dieser fragwürdige Trend stößt allerdings auch auf Widerstand. So fand jetzt der britische Schauspieler Rowan Atkinson (bekannt als „Mr. Bean“ und „Johnny English“) deutliche Worte.

    In einem Interview mit der Radio Times vergleicht Atkinson die Tastatur-Krieger in sozialen Netzwerken mit einem mittelalterlichen Mob, der durch die Straßen zieht und nach jemandem sucht, der verbrannt werden kann. Der Schauspieler, der derzeit für Netflix die Serie „Man vs Bee“ produziert, macht die Plattformen für eine stärkere Polarisierung verantwortlich und blickt besorgt darauf, was das in Zukunft für die Meinungsfreiheit bedeuten könnte.

    Das Problem, das wir online haben, ist, dass ein Algorithmus darüber entscheidet, was wir sehen möchten. Dies führt letztendlich zu einer stark vereinfachten, binären Sicht auf die Gesellschaft. Du bist entweder für uns oder gegen uns. Und wenn du gegen uns bist, verdienst du es, gecancelt zu werden, erläutert Atkinson. Seiner Ansicht nach sei es aber wichtig, ein breites Meinungsspektrum zu bewahren.

    Rowan Atkinson ist nicht der erste Comedian, der sich gegen Cancel Culture ausspricht. Bereits im Juli 2020 sagte „Monty Python“-Legende John Cleese, dass die Vertreter der Cancel Culture das Hauptziel des Lebens missverstehen, das darin bestünde, Spaß zu haben. Jede Form von Humor ist kritisch. Wenn Sie jemanden haben, der vollkommen nett und intelligent ist und sich immer angemessen verhält, ist er nicht lustig. Bei Funniness geht es um Leute, die das nicht tun, wie Trump. Die zunehmende politische Korrektheit habe dazu geführt, dass Comedians anfangen, sich mit ihrer Messlatte daran zu orientieren, was die empfindlichsten, emotional instabilsten und zerbrechlichsten Menschen des Landes sagen. Die BBC bezeichnete er als feige und memmenhaft, nachdem die Sendeanstalt zwei umstrittene Folgen des Serienklassikers „Fawlty Towers“ aus dem Programm nahm.

    Ricky Gervais („After Life“) sieht die Sache ähnlich. In einem Interview mit der Times Radio sagte er, dass er vermutlich heutzutage eine Serie wie „The Office“ nicht mehr machen könnte, ohne von Mobs der Cancel Culture attackiert zu werden. Die Serie würde darunter leiden, dass Leute die Dinge wörtlich nehmen. Es gibt diese empörten Pöbel, die Dinge aus dem Zusammenhang reißen, so Gervais. Es war eine Serie, in der es um alles ging: Um Unterschiede, um Sex, um Herkunft – all die Dinge, die viele Leute heutzutage überhaupt nicht mehr anzusprechen oder zu diskutieren wagen – aus Angst davor, das Falsche zu sagen und gecancelt zu werden. Gervais beklagt die Tatsache, dass es heutzutage keine Nuancen oder Diskussionen über Comedy mehr gebe, sondern nur noch zwei Stämme von Menschen, die laut brüllen. Einige Leute interessieren sich gar nicht für das Problem, sie wollen nur den Streit gewinnen.

    Die Cancel Culture führte dazu, dass diverse Sender und Streamingdienste bestimmte Serien und Filme aus dem Programm nahmen. Prominente Beispiele sind etwa die Comedy „Little Britain“ sowie einzelne Folgen von „30 Rock“, „Community“ und „Golden Girls“ – vorranging aufgrund umstrittener Blackfacing-Szenen. Auch deutsche Produktionen gerieten wegen angeblich rassistischer Inhalte nachträglich in die Kritik, darunter „Otto – Der Film“ und „Switch Reloaded“.

    Comedian Michael Kessler sprach sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung für die Kunstfreiheit aus: Wir können uns als Künstler keine Fesseln anlegen lassen, nicht in der Satire und nicht in der Parodie. Seiner Ansicht nach leben wir inzwischen in einem Zeitalter der Empörung, in dem viele ständig alles kritisieren und immer weniger erlaubt sein soll. Wenn wir Künstler das mitmachen, ist es das Ende von Kunst und Satire.

    Konkrete Vorwürfe gab es bezüglich eines alten „Switch Reloaded“-Sketches, in dem Kessler Florian Silbereisen parodiert und gegenüber seinem Kollegen Bernhard Hoëcker, der als schwarzer Rapper 50 Cent auftrat, das N-Wort verwendete. Auch darin sieht Kessler eine Fehlinterpretation: Es geht uns doch nicht darum, Minderheiten zu denunzieren. Unser Team wägt bei jedem Sketch genau ab; und es gibt eine Gürtellinie, unter die wir nicht gehen.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Auch, daß die BBC eine Folge von "Fawlty Towers"
      (entgegengesetzt zum "TV-Wunschliste"-Text finde ich auf die
      Schnelle keine andere Seite, die von zwei Folgen handelt)
      aus dem Programm und wohl auch von Streaming-Plattformen
      entfernt hat, ist absolut lächerlich.

      Es handelt sich um die wohl bekannteste Folge "The Germans".
      Grund der Beanstandung ist allerdings nicht der Hauptplot, in dem
      Basil zwar allen Anderen einschärft, den deutschen Gästen gegenüber
      keinesfalls den Krieg zu erwähnen, selber aber immer wieder zu diesem
      Thema gelangt - bis hin zum urkomischen Mix aus deutschem Stechschritt
      und "Silly Walk" (aus "Monty Python's Flying Circus").

      Nein, es geht um eine Szene, in der er sich mit "Major Gowen", einer der
      Dauergäste des Hotels, unterhält und dieser in einer Anekdote rassistische
      Begriffe gegenüber Indern benutzt.



      Hier wird sich, stellvertretend durch den Major, über Leute mit einer
      rückständigen, rassistischen Weltanschauung lustig gemacht.

      Wenn das nicht verstanden wird, dann müßen wohl auch Sketche von
      Gerhard Polt ("Mai Ling") und die gesamte Serie "Ein Herz und eine Seele"
      mit einem Shitstorm überrollt werden (der nächsten Monat schon niemand
      mehr interessiert) und aus dem Programm genommen werden...

      ...wobei es ja schon immer genug Leute gab, die die Figur "Alfred Tetzlaff"
      und seine Äußerungen als Klartext mißverstanden haben.

      Und nun noch einen schönen Feiertag -
      mit hoffentlich "Drei Weissen aus dem Morgenland".
      • am via tvforen.demelden

        Die Besserwisserin hat das als Scherz gedacht und kann sich die Analyse sicher auch selber geben.

        Mr. Bean hat doch Recht, eine vollkommen politisch korrekte Comedy ist nicht lustig. Schon seit je her haben die Leute gelacht, wenn man ihnen den Spiegel vorgehalten hat. Wie soll das funktionieren, wenn sich immer irgendwo eine Mimose dadurch auf den Fuß getreten fühlt?
        • am via tvforen.demelden

          Die "Cancel Culture" hat, wie die sogenannte
          "Political Correctness", ihren Ursprung darin, fremdenfeindlichen,
          sexistischen und homophoben Leuten keine Plattform zu bieten.
          Natürlich ist beides aus dem Ruder gelaufen und die Masse der
          Leute, die so einem "Shitstorm" angehören, schreien nur mit, weil
          sie zu den selbsternannten Guten gehören wollen.
          Meistens ist es aber so, daß die Leute die kritisierten Filme, Szenen,
          Lieder und Bücher gar nicht selbst betrachtet und sich selbst ein
          Urteil gebildet haben.

          Ja, der Vergleich mit dem "Wahrheitsministerium" ist deswegen so
          richtig, weil durch das Entfernen der kritisierten Filme und Serien
          (was ja sowieso nur TV und Streamingdienste betrifft, es ist deswegen
          keine Zensur, weil es die Sachen natürlich weiterhin komplett als DVDs
          zu kaufen gibt) nur der Umgang damit in den Medien verändert wird.
          Auf "den Straßen" ändert sich deswegen absolut nichts.

          Es ist auch furchtbar, wie auf der Suche nach dem nächsten Aufreger
          Szenen komplett aus dem Zusammenhang gerissen werden.

          In dem erwähnten Sketch aus "Switch Reloaded" wird das Wort "Neger"
          ja nicht von der Person Michael Kessler gesagt, sondern von Michael Kessler
          in seiner Rolle als Florian Silbereisen. Das ist ein sehr großer Unterschied.
          Wer die Serie oder auch nur diesen Sketch gesehen (und verstanden!) hat,
          weiß, daß in den Florian-Silbereisen-Parodien die volkstümliche Musik und
          ihre Interpreten als komplett primitiv und rückständig verarscht werden.
          (Bis hin zu unverhohlenen Inzest- und Sodomiewitzen).
          Bernhard Hoëcker spielt in diesem Sketch den Rapper "50 Cent", um den
          komplett entgegengesetzten Musikstil zu repräsentieren.
          (Natürlich in Blackface, wie soll die Person denn sonst erkennbar sein?)
          Der hört sich Silbereisens "Weißwurst-Schwarzwurst"-Witze auch nicht lange
          an, sondern tritt ihm zwischen die Beine.

          "Blackface" kommt in "Switch Reloaded" natürlich häufig vor, wie sonst soll
          die prominente Person, wenn sie eben schwarze Hautfarbe hat, denn sonst
          dargestellt werden?
          Natürlich ist das den Schauspielern selber bewußt und es werden in späteren
          Folgen auch mal genau darüber Witze gemacht, so z.B. wenn Bernhard Hoecker
          als Bruce Darnell in der Jury von "Das Supertalent" ... ach, seht selbst:

        • am via tvforen.demelden

          James Finlaysons Assistent schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > "Blackface" kommt in "Switch Reloaded" natürlich
          > häufig vor, wie sonst soll
          > die prominente Person, wenn sie eben schwarze
          > Hautfarbe hat, denn sonst
          > dargestellt werden?
          > Natürlich ist das den Schauspielern selber
          > bewußt und es werden in späteren
          > Folgen auch mal genau darüber Witze gemacht, so
          > z.B. wenn Bernhard Hoecker
          > als Bruce Darnell in der Jury von "Das
          > Supertalent" ... ach, seht selbst:
          >

          Wie soll man die Personen denn sonst parodieren? Silvie hat den holländischen Akzent, Bruce ist schwarz und hat eine sehr charakteristische Sprache und Bohlen spricht norddeutsch gefärbt.
          Wenn man Bruce weiß darstellen würde, gäbe das auch Ärger.
      • am via tvforen.demelden

        Das ganze Problem ist doch nur dadurch entstanden, dass viele Menschen heute keine Ironie mehr erkennen oder verstehen. Wahrscheinlich deshalb, weil beim gesprochenen Wort kein Smiley über dem Kopf erscheint, wenn jemand etwas sarkastisch meint.

        Satire hat schon immer von Provokation gelebt. Schließlich will und soll sie ja auch zum Denken anregen. Selbst denken ist aber heute eher unbeliebt - man befolgt lieber Regeln, das ist einfacher.
        • am via tvforen.demelden

          Diese Beiträge hier von "Lehrer Specht" und Roberto Blanco finde ich auch gut und normal:


          https://www.youtube.com/watch?v=qMuM4glK2iA

          https://www.youtube.com/watch?v=vE-vcgBIPcQ
          • am melden

            Und dann gibt es noch diesen Elliot Page, der der in der Vergangenheit Frauenrollen spielte, obwohl er keine ist.
            Von britischen Schauspielern, die französische Raumschiffskapitäne spielen, will ich gar nicht erst anfangen. Blackfacing at its best.
            • (geb. 1979) am melden

              Was ist das denn bitte für ein schei* Vergleich?
            hier antworten
          • (geb. 1979) am melden

            Es kommt für mich darauf an, wie etwas gestaltet wird. Bei Family Guy ist es beispielsweise so, dass diese keine rassistischen und diskriminierenden Witze bringen, sondern sich eher über den Rassismus und Diskriminierung lustig machen. 
            Wenn aber eindeutig Scherze auf Kosten von Menschen gemacht werden, aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Sexualität, Religion, Behinderung....das geht nicht! Und da braucht man mir nicht damit anzukommen, man solle sich doch nicht so anstellen, denn das kann dazu führen, man solle sich bei anderen Dingen, die für einige angeblich "genauso harmlos" sind die Grenzen immer weitergehen. Außerdem...wenn sich die "Kleinigkeiten" häufen, wird es irgendwann zu einem Haufen. Und ich kann nur bestätigen...es reicht! 


            Also bevor hier wieder welche solche Aussagen treffen, man solle sich nicht anstellen: Stellt euch bitte vor, diesen Satz bekommt ihr sehr oft zu hören. Das bedeutet sehr viele kleine "Witzchen". Ihr habt echt keine Ahnung!
              hier antworten
            • am melden

              Schade, dass so viele Leute, hauptsächlich der älteren Generationen, den heutigen Gesellschaftswandel mit platten Schlagworten wie "Cancel Culture" oder "PC Police" abtun, ohne sich zu fragen, warum diese Menschen eigentlich so wütend sind und of ihre Moral- und Humoransichten von vor 30 Jahren heute einfach keinen Platz mehr haben.

              Ich meine, als Kind der 80er habe ich auch Schwarze als "Neger" bezeichnet (was damals noch nicht mal abwertend gemeint war, sonder einfach die "korrekte" Bezeichnung) , mir nichts dabei gedacht, wenn einem Schauspieler Schlitzaugen angeschminkt wurden, damit er einen Chinesen spielen konnte und ja, ich habe natürlich auch andere Menschen als "Schwuchtel" beschimpft.

              Aber irgendwann wird man halt erwachsen, man merkt, dass diese Worte und Verhaltensweisen eigentlich schon immer dumm und verletztend waren und akzeptiert dir Veränderung.

              Oder...man schimpft über "wütende Mobs", die mein Bimbo- und Schwuchtelwitze von damals nicht lustig finden, obwohl es doch "nur ein Witz" war.
                hier antworten
              • (geb. 1981) am melden

                @ Dustin Man merkt, dass du den Sketch bei Switch nicht kennst. Berndhard Hoecker tritt da als 50 cent auf mit den typischen Rapperausdrücken "hey joh, what's up man" etc. Und Kessler in seiner Rolle spricht in der dritten Person über 50 Cent (oder wie er es sagt "FuffzigPfennig") ihn mit dem N-Wort bezeichnet. Und ich muss ehrlich sein, DAS GEHÖRT DA AUCH HIN! Und warum? Weil es nichts anderes ausdrücken sollm als die geistige und moralische Rückständigkeit von den Fernsehschlageraffen, die nur auf heile Welt machen, jedoch noch in den 50ern hängen geblieben sind. Eine Parodie auf eine Sendung, die nur für alte Menschen, die auch teilweise noch GENAU SO reden gemacht worden ist.

                In der Kunst geht es darum Emotionen beim Zuseher zu erzeugen. Und hier sind es die typischen Fremdschämmomente, die erzeugt werden sollen. Ohne diese Fremdschämmomente würde z.B. Stromberg (Mikrokosmos eines Büros mit verstecken sexistischen und rassistischen Denkmustern) oder Familie Heinz Becker (typischen, deutsche Spießbürger) nicht funktionieren.

                Leider ist wohl einfach bei vielen die Fähigkeit verloren gegangen, Subtexte zu sehen und zu verstehen. Z.B. RTL hat da in den letzten 20 Jahren mit ihrer zynischen und menschenverachtenden Art viel angerichtet.
                  hier antworten
                • am via tvforen.demelden

                  Ich gebe Atkinson, Cleese und Gervais mit ihren Aussagen ebenfalls in allen Punkten recht. Comedy muss alles dürfen. Wenn manche Folgen oder Inhalte 'gecancelt' werden halte ich das für gefährlich. Man muss auch niemanden um Erlaubnis fragen, ob ein Scherz (!) vielleicht seine Gefühle verletzen würde.

                  Sehr sinnvoll fand ich in dem Zusammenhang neulich die Sendung "Walulis Woche" (SWR), in der dieses Thema (sowie die genannten Beispiele) als STORY sehr umfassend bearbeitet wurde mit dem Fazit: Sachen wegzuschliessen, nur weil sie manchem aus heutiger Sicht nicht mehr passen, kann dazu führen, dass 'Fehler' wiederholt werden. Besser ist, betreffende Folgen/Sendungen/Videos mit Erklärungen zu versehen, was daran für manche problematisch ist. Das war für mich der bislang überzeugendste Beitrag zu diesem Thema.
                  • am via tvforen.demelden

                    Genau, den mittelalterliche Mobs waren ja dafür bekannt Minderheiten zu verteidigen und gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie etc. vorzugehen ...

                    Cancel Culture ist an sich kein Problem, denn niemand wird "gecancelt", die sind alle noch da, haben weiterhin die Möglichkeit sich zu äußern, zu arbeiten usw., sie bekommen nur etwas Gegenwind umd damit kommen einige Leute scheinbar nicht klar das man unter dem Deckmantel der Comedy nicht mehr alles sagen kann.

                    Das z.B. Michael Kessler dieses rassistischen Sketch noch verteidigt ist einfach nur peinlich, denn besonders viel abgewogen wurde da nicht und ich bezweifle das man sich die Mühe gemacht hat schwarze zu fragen was sie davon halten wenn ein weißer in Blackface auftritt und das N-Wort benutzt.
                    • am via tvforen.demelden

                      Dustin schrieb:
                      -------------------------------------------------------
                      > Cancel Culture ist an sich kein Problem, denn
                      > niemand wird "gecancelt", die sind alle noch da,
                      > haben weiterhin die Möglichkeit sich zu äußern,
                      > zu arbeiten usw., sie bekommen nur etwas Gegenwind
                      > umd damit kommen einige Leute scheinbar nicht klar
                      > das man unter dem Deckmantel der Comedy nicht mehr
                      > alles sagen kann.

                      Also nur noch öffentlich sagen, was jedem genehm ist, und womit man nirgends Gefahr läuft, anzuecken.
                      Gedankliche Vorab-Selbstzensur und Angepasstheit ist das Wichtigste!
                      Nur nicht unbequem werden!

                      Ich hoffe, du lebst auch selbst danach und überprüfst regelmäßig deine Äußerungen im Alltag.
                      Das sollte/muss jeder tun.

                      Snake
                    • am via tvforen.demelden

                      Ich habe neulich eine Rede gehört, in der nicht weniger als fünfzehn Mal von "the Negro" die Rede war. Danach fühlte ich mich irgendwie wütend und traurig, jedenfalls unwohl. Der Redner war ein gewisser Martin Luther King, der irgendetwas von einem Traum erzählte, den er habe. Offenkundig ein übler Rassist. Keine Lust, mich damit näher zu befassen. Und erst recht keine Zeit (kann täglich nur drei bis vier Stunden an meinem Smartphone verbringen). Aber ich fordere, seine rassistische Rede zu canceln und diesen Menschen aus dem kollektiven Gedächtnis zu eliminieren. "Negro!" Fünfzehn Mal! Schande über ihn! Ich bezweifele auch, dass er vorher alle ..... (bitte die Bezeichnung einsetzen, die heute gerade die einzig politisch korrekte ist) gefragt hat, was sie davon halten, wenn er dieses Wort benutzt. Einfach nur peinlich! Das Wahrheitsministerium wird hoffentlich das Nötige veranlassen, damit die Welt endlich eine bessere wird.
                    • am via tvforen.demelden

                      Besserwisserin schrieb:
                      -------------------------------------------------------
                      > Das Wahrheitsministerium
                      > wird hoffentlich das Nötige veranlassen, damit
                      > die Welt endlich eine bessere wird.

                      DARAN erinnert es mich auch so. Wir blenden rückwirkend aus, was gerade nicht passt und gleichen es an. Dann wird sich in den Köpfen der Menschen schon alles zum besseren wenden.

                      Snake
                    • am via tvforen.demelden

                      Meines Wissens sind harmlosere Varianten des N-Wortes, besonders im englischen, nur nicht erwünscht, wenn sie von einer Nicht-Minderheit verwendet werden. Als Schwarzer Mensch darf Martin Luther King und auch seine Nachkommen heute diese Worte immer noch öffentlich benutzen. Eine Person ohne diesen Hintergrund sollte allerdings möglichst Abstand von halten.
                    • am via tvforen.demelden

                      Dustin schrieb:
                      -------------------------------------------------------
                      > Genau, den mittelalterliche Mobs waren ja dafür
                      > bekannt Minderheiten zu verteidigen und gegen
                      > Sexismus, Rassismus, Homophobie etc. vorzugehen
                      > ...
                      >
                      > Cancel Culture ist an sich kein Problem, denn
                      > niemand wird "gecancelt", die sind alle noch da,
                      > haben weiterhin die Möglichkeit sich zu äußern,
                      > zu arbeiten usw., sie bekommen nur etwas Gegenwind
                      > umd damit kommen einige Leute scheinbar nicht klar
                      > das man unter dem Deckmantel der Comedy nicht mehr
                      > alles sagen kann.
                      >
                      > Das z.B. Michael Kessler dieses rassistischen
                      > Sketch noch verteidigt ist einfach nur peinlich,
                      > denn besonders viel abgewogen wurde da nicht und
                      > ich bezweifle das man sich die Mühe gemacht hat
                      > schwarze zu fragen was sie davon halten wenn ein
                      > weißer in Blackface auftritt und das N-Wort
                      > benutzt.

                      Kann dem nur zustimmmen. Kann mir denn einer einen nennen der wegen dieser vermeintlichen Cancel Culture tatsächlich irgendwelche großen konsequenzen hatte? Und darauf zu achten mit dem was man von sich gibt keine Menschen zu beleidigen sollte eigentlich selbstverständlich sein, als Person in der Öffentlichkeit ist es nun mal so, dass alles was man sagt von vielen Menschen gehört wird, die dementsprechend unterschiedlich darauf reagieren. Gegenwind für Aussagen zu bekommen die Falsch oder Diskriminierend sind gehört dazu und ist wichtig, sonst gäbe es garkeinen Diskurs.
                  • am via tvforen.demelden

                    Ich würde mir so gerne nochmal weitere neue Filme mit Mr. Bean wünschen.

                    Mit seiner Aussage hier über die "Cancel Culture" hat R. Atkinson finde ich völlig recht.
                    • am melden

                      Grundsätzlich kann immer nur der jeweils Diskriminierte, egal ob männlich, weiblich, farbig oder sonst etwas, feststellen, dass er/sie diskriminiert wird. Das geht "von außen" nicht, weil man selbst ja nicht in dieser Lage ist. Ein grundsätzliches Problem ist dabei aber die heute übliche Simplifizierung von komplexen Problemen, die z.B. völlig außer acht lässt, was Sprache bewirkt und wie wesentlich die Sprache ist um Diskriminierung zu ermöglichen was vor allem auch in Verbindung mit Bildern enorme Auswirkungen hat. Leider erreicht man mit der vielfach übertriebenen "political correctness" oft das Gegenteil dessen, was man erreichen will. Es ist völlig verständlich, dass sich gerade die Kreativ Branche beginnt dagegen zu wehren, denn die arbeiten völlig offen, während der tatsächliche Rassimsus, die tatsächlichen Diskriminierungen an ganz anderer Stelle und da vor allem in der Politik durch die einschlägig bekannten populistischen und rassistischen Parteien und Politiker stattfinden. Es liegt auch an den Medien, vor allem den Jüngeren und geschichtlich wenig gebildeten diese Unterschiede zu vermitteln und aufzuklären, wie man das eine vom anderen unterscheiden kann.
                      • (geb. 1979) am melden

                        Wieso übertrieben? Was ist denn übertrieben? Nenn mal bitte ein Beispiel. 
                      hier antworten
                    • (geb. 1990) am melden

                      Nein, schlechter Artikel. Statt die Problematiken zu erörtern die dahinter stecken, wird dem beschworenem Phänomen einfach nur mehr Auftrieb verliehen. Da hätte man wenigstens mal dem Walulis sein Video dazu verlinken können, der die Sache wesentlich differenzierter aufarbeitet.
                        hier antworten
                      • am melden

                        Schöner Artikel! Bringt gerne öfter Mal Hintergrundberichte.
                          hier antworten

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