Prosit, „Twilight Zone“!

    Vor 50 Jahren startete die Kultserie von und mit Rod Serling

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 29.11.2009

    „Twilight Zone“ Logo
    „Jenseits der menschlichen Erfahrung gibt es eine fünfte Dimension. Sie ist unermesslich wie das Weltall und zeitlos wie die Ewigkeit. Diese Dimension erfasst den Übergang vom Licht zur Finsternis, von der Wissenschaft zur Mystik. Ihr Gebiet liegt irgendwo zwischen den Gipfeln aller Erkenntnisse und den Abgründen aller Ängste. Es ist die Dimension des Fantastischen“… oder im englischen Original: „The Twilight Zone“ – eine Serie ohne feste Hauptfiguren oder Rahmenhandlung, die fünf Jahre lang bis 1964 auf CBS ihren Zuschauer mit ihren düsteren, komplexen und zutiefst menschlichen Geschichten Gänsehaut bescherte.

    Seit damals mauserte sich das Format von Autor Rod Serling zu einem absoluten Kult-Klassiker, der noch immer regelmäßig im US-Fernsehen wiederholt wird. Außerdem diente er als Vorlage für zwei Nachfolgeserien, einen Kinofilm, zahllose Parodien und den brutal zu Boden stürzenden Hotel-Lift im „Turm des Schreckens“ in Disneyland. Doch noch wichtiger: „Twilight Zone“ beeinflusste mehrere Generationen von Film- und Fernsehmachern. Erfolgsproduzent J. J. Abrams wird nicht müde zu erwähnen, dass „Twilight Zone“ bis heute seine Lieblingsserie sei. Der Einfluss wird beim Betrachten von Abrams’ Serien „Lost“ und „Fringe“ mehr als deutlich. Vor nunmehr 50 Jahren, am 2. Oktober 1959 flimmerte erstmals eine Folge von „Twilight Zone“ über US-Bildschirme. Grund genug uns diese in Deutschland immer noch viel zu unbekannte Kultserie genauer unter die Lupe zu nehmen. Prosit, Twilight Zone!

    Als Drama noch live war


    Rod Serling, Erfinder der „Twilight Zone“
    Die Geschichte von „Twilight Zone“ ist untrennbar mit der ihres Erfinders verbunden. Rod Serling war in den 50er Jahren einer der gefragtesten Fernsehautoren Amerikas. Damals gab es noch keine Dramaserien, wie wir sie heute kennen. Der große Renner waren live übertragene Fernsehspiele, stets prominent gesponsert von US-Wirtschaftsriesen. Diese Reihen hießen unter anderem: „Kraft Television Theatre“, „The United States Steel Hour“ oder „Playhouse 90“. Von 1952 bis 1959 schrieb Rod Serling dutzende von Live-Stücken, die Kritiker und Publikum begeisterten. Dabei geschah mit Serling etwas ungewöhnliches: Er wurde im ganzen Land bekannt, obwohl er ja „nur“ ein Autor war, kein Darsteller. Serling wurde in dieser Zeit mehrfach mit dem Emmy ausgezeichnet, unter anderem für das Drama „Requiem For a Heavyweight“ mit Anthony Quinn, das unter dem Titel „Die Faust im Gesicht“ sogar den Sprung auf deutsche Bildschirme schaffte.

    Der CBS-Vorstandschef William S. Paley war von Rod Serlings Fähigkeiten angetan, während Serling selbst sich vom Fernsehen nicht unbedingt so begeistert zeigte. Wiederholt sprach er sich in Talkshows gegen Zensur und einengende Vorgaben der Sponsoren aus. Er warf dem Fernsehen gar vor, dass es sich nicht sinnvoll mit wichtigen sozialen Fragen und Themen auseinandersetzen könne und mahnte gleichzeitig zur Verantwortung an, die man als Fernsehmacher habe. Serling ließ sich dennoch nicht beirren. Auch nicht, als die Tage der großen Live-Dramen zu Ende gingen. Ende der 50er Jahre gab es in New York für Fernsehautoren immer weniger Arbeit und so zog man gen Westen, Rod Serling inklusive. In Hollywood fand er auf geniale Art und Weise die Möglichkeit, gerade die ihm wichtigen Themen in einem Format zu behandeln, dass von den Verantwortlichen als fantastisch, hundertprozentig fiktiv und dementsprechend harmlos eingestuft wurde.

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