45 Jahre „Der Alte“ im ZDF

    Am 11. April 1977 lief der erste Fall des Krimi-Dauerbrenners

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 11.04.2022, 11:00 Uhr

    Walter Kreye (r.) leitete als Rolf Herzog ab 2008 die Münchner Mordkommission II ZDF/​Michael Marhoffer

    2007 suchte Helmut Ringelmann einmal mehr nach einem Nachfolger und fand ihn in dem bekannten Charakterdarsteller Walter Kreye. Gleich in seiner ersten Episode bekam es Hauptkommissar Rolf Herzog mit einem überaus persönlichen Fall zu tun: Ein guter Freund wurde getötet. Es sollte nicht der einzige Fall im unmittelbaren Umfeld des Kommissars bleiben, was an sich eher untypisch für die Serie war. In der Episode „Zivilcourage“ fiel Herzogs Neffe Carsten (Urs Fabian Winiger) einem Verbrechen zum Opfer.

    Im Gegensatz zum Wechsel von Lowitz zu Schimpf setzten Produzent Ringelmann und das ZDF dieses Mal nicht auf eine Neuaufstellung der Serie, sondern auf Konstanz. Das Ermittler-Team sowie der visuelle und inhaltliche Stil von „Der Alte“ blieben unangetastet. Zeitgleich gaben sich die Verantwortlichen alle Mühe, Rolf Herzog als sympathischen Neuen zu etablieren und ihn in das bereits vorhandene Team einzubetten – so beispielsweise in der Folge „Polizistenmord“, in der Heymann, Richter und Riedmann ihrem neuen Boss dabei halfen, das Bistro seiner Schwester Rose (Beatrice Richter) zu streichen. Der Wechsel in ein neues Büro, zum allerersten Mal seit 1977, war zudem eher dem Ende der Schwesterserie „Siska“ zu verdanken als dem Bemühen um etwaige Neuerungen.

    Vor allem in Anbetracht dessen, was in den folgenden Jahren hinter den Kulissen von „Der Alte“ geschehen sollte, stellt sich die Frage, ob Helmut Ringelmann beim Wechsel zu Walter Kreye die Chance auf eine weitere Neuausrichtung der Serie verpasste. Never change a winning team – die Logik leuchtet ein. Schließlich war „Der Alte“ beim Wechsel zu Kreye ein internationaler Exportschlager, lief in mehr als 100 Ländern und war auch am Freitagabend im ZDF nach wie vor erfolgreich. Freiwillige Veränderungen durch Ringelmann zu diesem Zeitpunkt hätte seinen langjährig treuen Darstellern später aber sicherlich einiges erspart.

    Teamwork am Tatort: Rolf Herzog (Walter Kreye, M.), Gerd Heymann (Michael Ande, r.) und Axel Richter (Pierre Sanoussi-Bliss) ZDF/​Michael Marhoffer

    Im Februar 2011 verstarb Helmut Ringelmann, der Mann, der dem ZDF-Publikum mehr als 800 Stunden Krimi-Unterhaltung geschenkt hatte, im Alter von 84 Jahren. Im gleichen Sommer kam es dann unter dramatischen Umständen zum ersten von mehreren großen Einschnitten bei dem Traditionskrimi. Bei Hauptdarsteller Walter Kreye wurde Darmkrebs diagnostiziert, zunächst konnte er nicht für weitere Episoden vor der Kamera stehen. Als Ersatz und scheinbar in Vertretung kam Jan-Gregor Kremp zur Münchner Mordkommission II. Allerdings kam er, um zu bleiben. Fortan war Richard Voss „Der Alte“, ein Chef, der jünger war als der Rest seines Teams.

    Und Walter Kreye? Der teilte im Dezember 2011 in einem Interview mit der Bild-Zeitung mit, dass Produzentin Susanne Porsche ihm bereits im August telefonisch mitgeteilt habe, dass man fortan mit einem anderen Hauptdarsteller drehen würde. Das ZDF berief sich in einer Stellungnahme auf die Krebserkrankung des Schauspielers, die eine weitere Mitwirkung unmöglich machen würde. Man habe die Jobs des gesamten Produktionsteams sichern müssen. Kreye entgegnete dem: Ich hätte es anständig und das Normalste von der Welt gefunden, wenn man sich mit mir nach der Chemo zusammengesetzt hätte, um mich zu fragen, wie die Prognose lautet. Die Prognose war gut, Walter Kreye drehte bereits Anfang 2012 wieder für „Das Traumschiff“. Nach wie vor ist er als Schauspieler und Hörbuchsprecher aktiv, war zuletzt unter anderem in dem Netflix-Hit „Dark“ zu sehen.

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