Physiker Stephen Hawking mit 76 Jahren verstorben

    Allgemeines Interesse an Physik auch durch Auftritte bei „The Big Bang Theory“ gefördert

    Physiker Stephen Hawking mit 76 Jahren verstorben – Allgemeines Interesse an Physik auch durch Auftritte bei "The Big Bang Theory" gefördert – Bild: CBS
    Stephen Hawking mit „The Big Bang Theory“-Darsteller Jim Parsons

    Der weltbekannte Physiker Stephen Hawking ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren. Hawking hatte es verstanden, seine eigentlich recht trockenen Studien in den Grenzbereichen der Astrophysik auch auf der Ebene der Populärwissenchaften einer breiten Masse zugänglich zu machen. Daneben sorgte sein steter Kampf mit den Folgen der Muskelkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) für öffentliche Aufmerksamkeit und Bildung öffentlichen Bewusstseins. Und Hawking war auch offen für den Umgang mit der Popkultur, vor allem durch Auftritte bei „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ und „The Big Bang Theory“, wo er mehrfach mitwirkte.

    Der 1942 in Oxford geborene Hawking sollte eigentlich den Fußstapfen seines Vaters in die Medizin folgen. Als er noch vor seinem Schulabschluss testweise die Aufnahmeprüfung für die Universität Oxford ablegte, erzielte er so gute Ergebnisse, dass er ein Stipendium und 1962 seinen Bachelor-Abschluss erhielt. Noch vor Abschluss seiner Doktorarbeit wurde bei ihm ALS diagnostiziert und ihm daher eine nur noch geringe Lebenserwartung gegeben. Das bewirkte bei Hawking allerdings auch einen Motivationsschub. Seit 1968 war er auf einen Rollstuhl angewiesen, zuvor hatte er 1965 geheiratet – aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

    Hawking forschte in den Bereichen Astronomie und Kosmologie und insbesondere in deren Randgebieten, den Singularitäten („Schwarze Löcher“), deren notwendige Existenz er mit einem Kollegen aus der allgemeinen Relativitätstheorie herleiten konnte. 1974 entwickelte er das Konzept der „Hawking-Strahlung“, das überraschenderweise vorhersagt, dass Schwarze Löcher durch Quantenfluktuationen Masse verlieren („zerstrahlen“).

    Ab den späten 60ern war Hawking auf die Hilfe von Assistenten für den Alltag angewiesen, die für ihn etwa das Tippen übernehmen mussten. 1985 verlor Hawking infolge der Behandlung einer wegen seiner ALS-Erkrankung lebensbedrohlichen Lungenentzündung nach einem Luftröhrenschnitt die Fähigkeit zu sprechen. Ein neuartiger Sprachcomputer half ihm nach einer schwierigen Übergangszeit dabei, sich auszudrücken. Dessen Bedienung konnte nach und nach an die durch den Krankheitsverlauf eingeschränkten körperlichen Möglichkeiten von Hawking angepasst werden.

    1988 betrat Hawking mit seinem Sachbuch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ die Popkultur. In dem Buch stellte er die Theorien zur Entstehung des Universums, zu Schwarzen Löchern und zur Quantenmechanik allgemeinverständlich vor – auch wenn über das Buch gewitzelt wurde, es sei das am meisten ungelesen in den Schrank gestellte Buch, da die Menschen zwar Interesse hatten, es dann aber halt doch nicht oder nur wenige Seiten lasen, bevor sie vor den komplexen naturwissenschaftlichen Zusammenhängen die Waffen streckten.

    In der Folge wurde Hawking auch in der Popkultur verstärkt wahrgenommen, was zu Auftritten in fiktionalen Produktionen, aber auch zahlreichen Dokumentationen führte. Ein erster viel beachteter Auftritt erfolgte 1993 in „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“, als der Androide Data sich bei seinem Versuch, das Pokern besser zu verstehen, die klügsten Köpfe der Menschheit auf das Holodeck lud – Einstein, Newton und Hawking. Auch bei „Die Simpsons“ und „Futurama“ war Hawking mehrfach präsent und stellte die Stimme seines Sprachcomputers zur Verfügung.

    Eine längere Geschichte verbindet Hawking mit „The Big Bang Theory“. Dort wurde er zum Auftraggeber einer kleinen Forschungsexpedition und entwickelte eine freundschaftliche Beziehung mit Sheldon Cooper. Als Sheldon (Jim Parsons) eine Heirat mit Amy (Mayim Bialik) in Betracht zog, holte er sich etwa den Rat von Hawking ein.

    Hawking selbst war Gegenstand der fiktionalen Film-Biographien „Stephen Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit“ (2004) und „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (2014). In seinen späteren Jahren stand Hawking hinter diversen Dokumentationen, darunter „Stephen Hawking – Schöne neue Welt“, „Genius mit Stephen Hawking“ oder „Stephen Hawking: Der große Entwurf“.

    Hawkings Forschungsergebnisse, gesellschaftliche Leistungen und Ehrungen können, haben und werden Bücher füllen. Eine wichtige Ehre blieb ihm aber verwehrt: ein Nobelpreis. Das hängt vor allem damit zusammen, dass das Nobelpreiskomitee in der Regel keine Preise für noch unbewiesene Theorien vergibt – man möchte sich nicht der Gefahr aussetzen, dass die Arbeit eines Preisträgers im Nachhinein widerlegt wird.

    Mit Hawking verliert die Welt eine gleichsam interessante wie schillernde Persönlichkeit, die die Wissenschaft der Allgemeinheit mit Humor nahebringen konnte und im Angesicht großer Herausforderungen Lebensmut bewies.

    14.03.2018, 08:57 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Wicket am 16.03.2018 16:12 via tvforen.de

      @Tiramisusi: Den Zusammenhang mit Newton erwähnte er selbst und er bekam ja auch dessen Lehrstuhl.

      Für mich ist mit Stephen Hawking der bedeutendste Astrophysiker nach Einstein, den das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, gestorben. Habe seine Bücher regelrecht verschlungen, als ich mich näher mit Astronomie beschäftigte.

      Jean-Michel Jarre erhielt im letzten Jahr die hochdotierte Hawking Medaille. Jarre selbst hatte erst "Une Alarme Qui Swingue" zu Ehren Hawkings und anlässlich der MusiCall Swatch geschrieben. Daraus wurden schließlich erst "Chronologie IV" und "Chronologie V", danach erst entstand das ganze Album "Chronologie".



      Man sollte mal auf seine Rede nach dem Smartphonespielchen genau hinhören.

      Und einen Eindruck vom Album gebe ich auch noch kurz:



      Gruß,
      Wicket
      • A.J. am 14.03.2018 21:10 via tvforen.de

        "Schaut rauf zu den Sternen, nicht runter zu euren Füßen."

        • tiramisusi am 15.03.2018 09:25 via tvforen.de

          wäre noch der nebensächliche Zufall zu erwähnen, dass sein Geburtstag der 300.Todestag von Galileo und sein Sterbezag der Geburtstag von Albert Einstein ist ...achja, und er starb am PI-day ... natürlich gibt es da keinen Zusammenhang, erwähnenswert finde ich es schon
        • U56 am 15.03.2018 15:30 via tvforen.de

          tiramisusi schrieb:
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          > wäre noch der nebensächliche Zufall zu
          > erwähnen, dass sein Geburtstag der 300.Todestag
          > von Galileo und sein Sterbezag der Geburtstag von
          > Albert Einstein ist ...achja, und er starb am
          > PI-day ... natürlich gibt es da keinen
          > Zusammenhang, erwähnenswert finde ich es schon

          Das ist ja direkt unheimlich! Ich glaube, Stephen Hawking war gar kein Mensch, sondern ein Alien.

          Seinen Tod werde ich auf jeden Fall zum Anlass nehmen, mal wieder ein Buch von ihm zu lesen.
      • Thinkerbelle am 14.03.2018 18:18 via tvforen.de

        Das habe ich vorhin auch im Radio gehört! Mit 76 Jahren ist er ja ziemlich alt geworden mit dieser Krankheit. Die Mutter einer Kollegin hatte auch ALS und war nach 2 Jahren tot.

        Aber ich finde, es ist ein großer Verlust für die Menschheit! Es gibt sicher noch andere hochintelligente Menschen, aber nur wenige, die so populär sind. Und ich habe auch den Eindruck, dass Intelligenz aus der Mode gekommen ist... Wann wurde der letzte Mensch wegen einer außergewöhnlichen Geistesleistung berühmt? Die Nobelpreisträger kennt keiner mehr und es ist auch kaum noch groß Thema in den Medien.

        Möge er in Frieden ruhen!
        • Anonymer Teilnehmer am 14.03.2018 18:37 via tvforen.de

          vor ein paar jahren haben wir bei uns eine Dame (65) mit ALS gepflegt. Vom Einzug bis zum Tod ist ein knappes halbes Jahr vergangen, die letzten paar Wochen konnte man zusehen, wie sich der Zustand praktisch täglich extrem verschelchtert hat. Das war das härteste was ich bisher erlebt habe.
        • tiramisusi am 14.03.2018 20:19 via tvforen.de

          wie man vorhin au arte berichtete, gibt es wohl unterschiedliche Formen dieser Krankhit -ähnlich wie bei Leukämie. Er hatte wohl das Glück im Unglück, eine langsam fortschreitende Form zu haben. Ein alter Freund von mir , ein Baum von einem Kerl, ging 2004 nach Ungarn, wo er einen Bauernhof pachtete und mit seinen Hunden lebte, im Sommer und Herbst 2004 hackte er noch wie ein Berseker noch fast 10 Festmeter Brennholz und im folgenden Jahr r wurde er dann rapide schwächer. Ende 2005 war er nicht mehr in der Lage, seine Tiere und sich zu versorgen und Freunde organisierten einen Nottransport nach Deutschland für sich und die Tiere, die ein mit ihm gut befreundetes Tierheim aufnahm. Nach umfangreicher Diagnostik kam die niederschmetternde Diagnose: ALS ..unaufhaltsam ...daraufhin zog er in ein Pflegeheim in der Nähe des besagten Tierheims und besuchte seine Hunde, so oft es ging und im Herbst 2007 verstarb erm nur nochein Schatten seiner selbst, das war ganz furchtbar.,..
        • Sir Hilary am 14.03.2018 20:32 via tvforen.de

          Er konnte schon lange mit seinem Körper keinen Schritt mehr tun , im Geiste bewegte er sich Lichtjahre .....



          Gruß

          Sir Hilary
      • Sentinel2003 (geb. 1967) am 14.03.2018 12:25

        Ja, der Tod von ihm hat mich jetzt auch überrascht....obwohl ich in den letzten Jahren immer gedacht habe, wielange er doch mit seiner Krankheit gelebt hatte!
          hier antworten
        • Lobotoyour am 14.03.2018 10:39 via tvforen.de

          In der Tat ein großer Verlust. Auch, wenn er selbst nicht an eine wie auch immer geartete Weiterexistenz nach dem Tod glaubte, hat er vielleicht doch die Möglichkeit, das Universum jetzt vollständig zu verstehen. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht ob ich das selbst glaube, ich weiß nur, dass wenigstens die Hoffnung bleibt. Um so mehr, als die Hoffnung für eine Weiterexistenz der Menschheit jenseits eines überschaubaren Zeitraums mehr und mehr schwindet angesichts der Vollbekloppten, die an den Schalthebeln der Macht sitzen.

          Wie auch immer: Mach's gut, und Danke für die kurze Geschichte der Zeit.

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