Karl Lauterbach drei Tage vor der Wahl im „Studio Schmitt“: ZDF sieht keinen Verstoß

    Auftritt des Kandidaten trotz Sechs-Wochen-Frist „vertretbar“

    Lukas Respondek
    Lukas Respondek – 27.09.2021, 11:43 Uhr

    Karl Lauterbach (r.) im „Studio Schmitt“ mit Benjamin von Stuckrad-Barre (l.) und Tommi Schmitt – Bild: ZDFneo/Screenshot
    Karl Lauterbach (r.) im „Studio Schmitt“ mit Benjamin von Stuckrad-Barre (l.) und Tommi Schmitt

    Am vergangenen Donnerstag kam es in Tommi Schmitts ZDFneo-Show „Studio Schmitt“ zu einem Auftritt des SPD-Politikers und Bundestagswahlkandidaten Karl Lauterbach – nur drei Tage vor der Wahl. Wie ist das mit der Regelung des ZDF vereinbar, derzufolge kandidierende Politiker in den sechs Wochen vor einer Wahl nicht in Unterhaltungssendungen auftreten sollen?

    In der „Studio Schmitt“-Sendung vom 23. September 2021 begrüßte Tommi Schmitt seinen Gast Benjamin von Stuckrad-Barre, um mit ihm im Fernsehstudio eine Kunstausstellung mit Exponaten zur Bundestagswahl zu besuchen. Hierzu ließen sich die beiden Herren in der Sendung auf das Coronavirus testen. Vorgenommen hat diesen Test der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der sich in der Sendung mit Schmitt und von Stuckrad-Barre unterhielt – und am Wochenende für den Bundestag kandidierte.

    Dieser fast dreiminütige Auftritt überrascht angesichts des Wirbels, den ein Auftritt der SPD-Politikerin Franziska Giffey vor vier Jahren in der Talkshow „Schulz & Böhmermann“ (ebenfalls ZDFneo) verursacht hatte. Die Sendung, die damals in den Wochen vor der Bundestagswahl 2017 ausgestrahlt werden sollte, war kurzfristig am Tag der geplanten Premiere aus dem Programm und aus der Mediathek genommen worden. Zunächst hatte der Sender damals produktionelle Gründe genannt. Später erklärte ZDFneo, die Ausstrahlung sei abgesagt worden, weil entgegen den Regeln des ZDF zur Teilnahme von Politikern vor Wahlen die SPD-Politikerin Franziska Giffey Gast war. Nach den Regeln dürfen Politiker sechs Wochen vor der Wahl nicht in Unterhaltungssendungen auftreten.

    Insofern stellt sich die Frage, warum Franziska Giffeys Auftritt in einer ZDFneo-Unterhaltungssendung gegen die Sechs-Wochen-Frist verstößt, Karl Lauterbachs Auftritt jedoch keinen Konflikt darstellt. Auf Anfrage von fernsehserien.de erklärt der Sender nun die Entscheidung: In dem kurzen Cameo-Auftritt von Karl Lauterbach bei ‚Studio Schmitt‘ fiel weder dessen Name noch wurde über Parteipolitik oder die bevorstehende Wahl gesprochen. Daher halte man seinen Auftritt im Rahmen der Sechs-Wochen-Frist für vertretbar.

    Dass die Nicht-Nennung seines Namens in dem Gespräch ein Argument dafür darstellt, einen Bundestagswahlkandidaten trotz der selbst auferlegten Sechs-Wochen-Frist in einer Unterhaltungssendung auftreten zu lassen, überrascht angesichts der Bekanntheit, die Lauterbach gerade in den letzten Jahren erlangt hat. Tatsächlich aber haben sich Schmitt und von Stuckrad-Barre im Gespräch mit Lauterbach nicht über Parteipolitik oder die Bundestagswahl unterhalten. Dennoch ist Lauterbachs Auftritt in eine Sendung eingebettet, die sich vorwiegend der von Schmitt „BuTaWa“ genannten Wahl widmet.

    Ganz ohne Nennung seines Namens kommt die Sendung dann aber doch nicht aus: In der anschließenden Kunstausstellung geben Schmitt und von Stuckrad-Barre einem leeren Stuhl, auf dem lediglich eine Moderationskarte von „Markus Lanz“ liegt, den Titel „Lauterbach hätte Zeit“. Ein Bundestagsmandat hat er jedenfalls wieder: Seinen Wahlkreis „Leverkusen – Köln IV“ gewann Lauterbach gestern mit 45,6 Prozent der Erststimmen.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Was für eine schwachsinnige Diskussion, bitte lasst die Kirche im Dorf! Es war ein ganz kurzer spassiger Auftritt, es ging nicht um Politik. Und streng genommen ist Lauterbach auch nicht "in der Sendung aufgetreten", sondern war in einem Einspieler zu sehen der hinter der Bühne stattfand. Dieser hätte auch genausogut vorproduziert gewesen sein können. In der "Heute-Show" am Freitag den 24.09. waren ja auch Politiker in Bild und Ton zu sehen und es wurde über politische Inhalte gesprochen. Das war ja auch kein Problem.
      • am via tvforen.de

        Helmprobst schrieb:
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        > Was für eine schwachsinnige Diskussion, bitte
        > lasst die Kirche im Dorf!

        Sehe ich auch so, vor allem ist es eine selbstauferlegte Regel, also kann das ZDF auch selbst entscheiden wie sie ausgelegt wird. Ist doch letztendlich völlig egal.

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