Ralph Caspers: „Kinder merken es, wenn sie nicht ernst genommen werden“

    Interview zum 18. Geburtstag von „Wissen macht Ah!“

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 21.04.2019, 09:00 Uhr

    Ralph Caspers und Clarissa Corrêa da Silva WDR/​Ben Knabe

    fernsehserien.de: Sie machen inzwischen schon sehr lange Kinderfernsehen und feiern in diesem Jahr sogar ein rundes Jubiläum. Denn vor 20 Jahren sind Sie als Moderator zur „Sendung mit der Maus“ hinzugestoßen. Was ist es für ein Gefühl, schon so lange Teil dieser traditionsreichen Sendung zu sein?

    Ralph Caspers: Es ist total schön, mit Armin und Christoph und auch Siham und Clarissa zusammenzuarbeiten. Es macht einen Riesenspaß und ist eine tolle Arbeit, bei der ich immer noch dazulerne. Ich betrachte das wirklich als Geschenk. Aber ich habe komischerweise immer das Gefühl, dass morgen alles vorbei sein könnte. Ich weiß zwar, dass es unwahrscheinlich ist, dass ich von jetzt auf gleich auf der Straße lande, aber ich versuche immer, mir eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren. Es wäre für mich eine fürchterliche Vorstellung, mich ausschließlich von einer bestimmten Sendung abhängig zu machen, ohne irgendetwas anderes zu machen.

    Interessant, dass Sie trotz der langen Zeit ein gewisses Unsicherheitsgefühl verspüren. Ist das ein Grund, weshalb Sie abseits des Kinderfernsehens auch schon länger „Quarks“ im WDR machen?

    Ralph Caspers: Das klang jetzt vielleicht so, als würde ich mich grämen, aber ich bin wirklich glücklich über meine Situation. Bei „Quarks“ bin ich durch Zufall reingerutscht und habe Schritt für Schritt immer mehr dort gemacht. Das war nicht von langer Hand geplant. Überhaupt ist bei mir viel durch Zufall passiert. Ich wollte ja nie Kinderfernsehen machen, oder generell Fernsehen.

    WDR/​Nola Bunke
    Zum Fernsehen zu gehen war also gar nicht Ihr Berufswunsch? Welche Pläne hatten Sie ursprünglich?

    Ralph Caspers: Eigentlich wollte ich Design studieren, aber daraus wurde nichts. Man musste dafür Mappen erstellen und daran bin ich zwei Mal kläglich gescheitert.

    Ihr Einstieg war in den 1990er Jahren bei Jörg Draegers Gameshow „Geh aufs Ganze!“. Wenn Sie nie zum Fernsehen wollten, wie sind Sie dann dort gelandet?

    Ralph Caspers: Ich habe zuvor jobmäßig als Kameraassistent gearbeitet und dann hat mir meine Mutter ein Praktikum bei „Geh aufs Ganze!“ besorgt, weil sie nicht mehr wollte, dass ich von ihrem Geld lebe. Das klingt jetzt etwas peinlich, aber so war es nun mal. (lacht) Zusammen mit der Redaktion habe ich mir die Spiele für die Sendung ausgedacht.

    Und wie ging es von dort aus weiter vor die Kamera?

    Ralph Caspers: Es änderte sich firmenintern einiges und wir mussten uns alle neue Jobs suchen. Zufälligerweise war ich auf einem Video drauf, das jemand von Super RTL gesehen hatte und der daraufhin meinte: „Der wäre doch super für diese Tiersendung, die wir machen wollen.“ Die gleiche Firma, die „Geh aufs Ganze!“ produziert hat, war auch für „Muuh – Das Tiermagazin“ verantwortlich, sodass ich bleiben konnte.

    Haben Sie während dieser Zeit Gefallen am Kinderfernsehen gefunden, so dass für Sie klar wurde, diesen Weg unmittelbar weiter zu verfolgen?

    Ralph Caspers: Nicht direkt. Nachdem es bei Super RTL vorbei war, dachte ich mir, dass ich mich ab sofort auf das Studium konzentrieren werde, das ich kurz zuvor begonnen hatte. Doch eines Tages stieg ich aus der Straßenbahn und wurde von einer Frau angesprochen, die meinte: „Bist du nicht der von Super RTL? Der WDR sucht gerade neue Moderatoren. Melde dich doch dort mal.“ Diese Frau war Shary Reeves. Ich habe ihren Rat befolgt und wurde für Probesendungen für den „Maus Club“ gecastet. Ich wurde genommen und habe die Sendung anschließend zwei Jahre lang zusammen mit Shary und Tina Halverscheid moderiert, während ich parallel weiter studiert habe.

    Sehr interessant. Ihre Karriere ist von einigen glücklichen Zufällen geprägt. Wie ist dann die Idee zu „Wissen macht Ah!“ entstanden?

    Ralph Caspers und Shary Reeves WDR/​Thorsten Schneider

    Ralph Caspers: Als der „Maus Club“ endete, dachten wir uns: „Was wird jetzt aus den vielen schönen Beiträgen, die wir für die Sendung gemacht haben und die nur ein einziges Mal gezeigt wurden?“ Daraufhin haben wir ein Konzept für eine neue Sendung entwickelt, in der das Material in einem anderen Rahmen zweitverwertet werden konnte. So ist „Wissen macht Ah!“ entstanden. Das lief so gut, so dass wir schließlich angefangen haben, neue Beiträge zu produzieren, nachdem die „Maus Club“-Beiträge alle aufgebraucht waren.

    Und inzwischen ist „Wissen macht Ah!“ 18 Jahre lang auf Sendung. Wie schwierig ist es, nach so einer langen Zeit noch neue, interessante Themen zu finden?

    Ralph Caspers: Überhaupt nicht. Wenn man einmal angefangen hat, sich über alles Mögliche Gedanken zu machen, geht das in Fleisch und Blut über. Egal, wo man ist oder was man macht, man findet immer eine Frage, die es sich zu beantworten lohnt.

    Welche Themen haben Ihnen in den vielen Jahren am besten gefallen oder sind Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben?

    Ralph Caspers: Das ist echt schwierig zu sagen, weil es so viele waren. Jede Ausgabe ist für mich etwas Besonderes, deshalb fällt es mir schwer, etwas Herausragendes zu nennen. Spontan fällt mir die Aktion ein, als wir Einhornhaufen gemacht haben. Wir hatten ein richtiges Einhorn im Studio, das sprechen konnte. Das war toll!

    Auf der nächsten Seite erläutert Ralph Caspers, wie schwer ihm der Abschied von seiner früheren „Wissen macht Ah!“-Partnerin Shary Reeves gefallen ist, und ob er sich ein Comeback der Quizshow „Null gewinnt“ wünscht.

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