Hannes Ringlstetter: „Ich bin nicht der Botschafter Bayerns in der ARD!“

    Interview über Überraschungstalk „Club 1“, Late-Night-Probleme in Deutschland und bayerischen Humor

    Glenn Riedmeier – 05.10.2020, 13:00 Uhr

    Seite
    Hannes Ringlstetter mit seiner Kollegin Caro Matzko

    Am Dienstag, 6. Oktober startet im Ersten um 22:50 Uhr der „Club 1“. Der Überraschungstalk verstärkt die „Talk am Dienstag“-Schiene im Ersten. Der Clou: Moderator Hannes Ringlstetter weiß im Vorfeld nicht, welche Gäste ihn erwarten. Lediglich die Redaktion und Sidekick Caro Matzko wissen darüber Bescheid. Ohne Drehbuch und ohne Fragenkatalog soll das Talkformat in den jeweils 90 Minuten Sendezeit neu definiert werden.

    Anlässlich des Starts sprach fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier mit Hannes Ringlstetter darüber, wie die Idee zur neuen Sendung entstanden ist – und ob es Wunschgäste gibt. Darüber hinaus erläutert er, weshalb seine Show „Ringlstetter“, die seit Ende 2016 im BR Fernsehen läuft, eine schwere Geburt war und warum es gerade in Deutschland so kompliziert ist, eine Late-Night-Show zu etablieren. Außerdem spricht der bayerische Kabarettist und Musiker darüber, ob die Deutschen überempfindlich in Sachen Humor sind und was den bayerischen vom rheinländischen Humor unterscheidet.

    fernsehserien.de: Lieber Herr Ringlstetter, in Ihrer neuen Show „Club 1“ treffen Sie auf Überraschungsgäste, von denen Sie im Vorfeld nichts wissen. Wie ist die Idee zu der Sendung entstanden?

    Hannes Ringlstetter: Ende letzten Jahres hat mich der Fernsehdirektor gefragt, ob ich in der „Talk am Dienstag“-Schiene im Ersten für den BR eine Talkshow machen wolle. Ich habe mich zuerst gefragt: Warum? Braucht es wirklich noch eine weitere Talkshow? Es gibt doch schon genügend! Dann habe ich mir überlegt: Das Einzige, was mich als Zuschauer in irgendeiner Form interessieren würde, wäre, wenn ich nicht weiß, was passiert.

    Die Sendung trägt den ungewöhnlichen Titel „Club 1“. Ich kenne noch von früher den „Club 2“ im ORF. Ist das eine Anspielung darauf?

    Hannes Ringlstetter: Richtig, „Club 2“ war die erste Talkshow, die ich in meinem Leben gesehen habe. Die hatte etwas total Anarchisches und hat für den einen oder anderen Aufreger gesorgt. In einer legendären Sendung ist beispielsweise Nina Hagen völlig ausgeflippt. Eine andere Talkshow, die ich in meiner Zeit als Schüler und Student gerne gesehen habe, war „Wat is?“ mit Jürgen von der Lippe. Er wusste vorher nie, welcher Gast kommt. Ich habe vor dem Fernseher immer mitgefiebert, weil ich wissen wollte, wie die Sendung ausgeht. Ich hatte die Idee, diese beiden Konzepte zu vereinen, und schlug dem Sender „Club 1“ vor. Ich hätte nicht gedacht, dass der BR sich darauf einlassen würde, gerade weil es immer wieder heißt, dass die Öffentlich-Rechtlichen selten Risiken eingehen. Umso mehr freue ich mich, dass die Zeit offenbar reif ist für so eine Show ohne Netz und doppelten Boden, in der endlich mal die Komfortzone verlassen wird.

    BR/Markus Konvalin

    Nun werden die Ausgaben jeweils 90 Minuten lang sein – das ist ganz schön lang, auch weil Sie sich aufgrund des Konzepts kaum vorbereiten können. Sind Sie angesichts dessen nervös?

    Hannes Ringlstetter: Ich selbst habe keine Angst. Wenn ich jemanden auf der Straße treffe, weiß ich ja vorher auch nicht, wie das Gespräch verlaufen wird. Die Herausforderung besteht für mich darin, über den Smalltalk zu einer echten Begegnung zu kommen. Unterstützt werde ich außerdem von meiner Redakteurin Caro Matzko, die mit im Studio sein wird und im Gegensatz zu mir alles weiß. Dadurch bewegen wir uns nicht im luftleeren Raum. Sie kennt die Struktur der Show, weiß über die Gäste Bescheid und hat die Uhr im Blick. Anders gesagt: Sie hat die Zügel in der Hand und ich darf mich ausspinnen (lacht)!

    Werden die einzelnen Gäste nacheinander von Ihnen begrüßt oder werden alle gemeinsam in einer Runde sitzen?

    Hannes Ringlstetter: Die Gäste kommen nacheinander rein, aber nach 50 Minuten werden alle da sein, so dass man für die restlichen 40 Minuten eine Gruppensituation hat, in der alles passieren kann. Wir sitzen dann zusammen im Kreis, und Caro mir als Ansprechpartnerin direkt gegenüber.

    Sie wissen zwar noch nicht, wen Sie begrüßen werden, aber haben Sie eine Ahnung, ob es sich ausschließlich um prominente Gäste handelt oder ob auch unbekannte Menschen dabei sein werden?

    Hannes Ringlstetter: Ich habe mir gewünscht, dass es nicht nur Prominente sind, weil ich das selbst auch fad finde. Ich bin mal gespannt, was sie aus meinem Wunsch machen.

    Caro Matzko und Hannes Ringlstetter BR/Markus Konvalin

    Apropos Wünsche: Gibt es Gäste aus einem bestimmten Bereich, die Sie sich für die Sendung wünschen würden?

    Hannes Ringlstetter: Eine meiner Lieblingsausgaben der „Ringlstetter“-Show im BR Fernsehen war die, in der Theo Waigel zu Gast war. Denn sobald Politiker nicht mehr im Amt sind, fangen sie plötzlich an, wie normale Menschen zu reden. Sie erzählen dann die Dinge so, wie sie wirklich waren (schmunzelt). Daher fände ich es spannend, mit anderen ehemaligen Politikern zu sprechen. Außerdem würde ich gerne Harald Schmidt und Gerhard Polt gemeinsam in einer Sendung haben! Grundsätzlich ist es mir aber fast egal, welche Gäste mich erwarten.

    Über einen Gast pro Sendung wissen Sie schon Bescheid, und zwar über den musikalischen Gast. Können Sie schon verraten, wer dies in der ersten Sendung sein wird?

    Hannes Ringlstetter: Ja, es wird Wolfgang Niedecken sein.

    „Club 1“ wird nicht im BR zu sehen sein, sondern im Ersten. Gehen Sie deshalb anders an die Sendung heran – sprich: werden Sie versuchen, möglichst hochdeutsch zu reden?

    Hannes Ringlstetter: Ich kann das gar nicht wirklich steuern, aber ich versuche generell immer so zu sprechen, dass man mich versteht. Vielleicht kennt nicht jeder Zuschauer typisch bayerische Wörter, aber ich habe noch keine Post aus Schleswig-Holstein erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, dass man mich nicht versteht. Ich bin aber auch nicht der Botschafter Bayerns in der ARD! Meine BR-Show bewegt sich im bayerischen Kosmos, deshalb braucht es jetzt keine zweite solche Sendung im Ersten. Ich bin ja nicht nur Bayer, sondern auch Mensch (lacht)!

    Auf der nächsten Seite erläutert Hannes Ringlstetter, weshalb seine wöchentliche Show, die seit Ende 2016 im BR Fernsehen läuft, eine schwere Geburt war und warum es gerade in Deutschland so kompliziert ist, eine Late-Night-Show zu etablieren.

    weitere Meldungen