Alina Levshin über „Dunkelstadt“: „Etwas in der Art gab es bisher noch nicht in Deutschland“

    Interview über die neue ZDFneo-Serie, „Im Angesicht des Verbrechens“ und ihren „Tatort“-Ausstieg

    Glenn Riedmeier – 24.02.2020, 14:30 Uhr

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    Alina Levshin als Privatdetektivin Doro Decker

    Am kommenden Mittwoch (26. Februar) startet auf ZDFneo eine außergewöhnliche neue Serie. Die moderne Detektivserie „Dunkelstadt“ ist stilistisch an den Film Noir angelehnt und stellt eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt. Alina Levshin verkörpert die Privatdetektivin Doro Decker, die nicht nur Fälle löst, sondern auch einem persönlichen Geheimnis auf der Spur ist. Die erste Staffel wird sechs Wochen lang mittwochs um 21:45 Uhr auf ZDFneo gezeigt. In der Nacht von Freitag auf Samstag wird sie zusätzlich ab dem 28. Februar um 0 Uhr im ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlt. Alle sechs Folgen liegen ab dem 26. Februar auch in der ZDFmediathek auf Abruf bereit.

    fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier hat mit Hauptdarstellerin Alina Levshin über ihre ungewöhnliche neue Serie gesprochen – und darüber, was „Dunkelstadt“ von konventionellen Krimis unterscheidet. Außerdem erläutert sie, weshalb sie der Schauspielberuf schon seit frühester Kindheit fasziniert hat, welche Bedeutung Dominik Grafs preisgekrönte Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ für ihre Karriere hat – und warum sie nach nur zwei Folgen ihr Engagement als Ermittlerin beim Erfurter „Tatort“ beendete.

    fernsehserien.de: Liebe Frau Levshin, Sie spielen in der neuen ZDFneo-Serie „Dunkelstadt“ die Hauptrolle. Was unterscheidet die Produktion von anderen Krimiserien?

    Alina Levshin: „Dunkelstadt“ ist eine wirklich außergewöhnliche Crime-Serie. Ich glaube, etwas in der Art gab es bisher noch nicht in Deutschland. Sie ist angelehnt an den düsteren Film Noir mit einer sehr starken Frau im Mittelpunkt, die als Privatdetektivin ermittelt und ihren Weg geht.

    Doro Decker ist eine eigenwillige Privatdetektivin ZDF/Sofie Silbermann

    Wie würden Sie Ihre Rolle Doro Decker charakterisieren?

    Alina Levshin: Sie ist neugierig, eine Einzelkämpferin und hat einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie versucht, Menschen zu helfen, hat aber auch eine eigene Last zu tragen. „Dunkelstadt“ ist kein Krimi, in dem die Ermittlerin als Superheldin dargestellt wird. Wie bei den Vorbildern des Film Noir hat auch Doro ihre eigenen Probleme. Sie versucht, mit ihren Dämonen klarzukommen, und ist dem Alkohol nicht abgeneigt.

    Jede Folge erzählt einen in sich abgeschlossenen Fall. Gibt es dennoch einen roten Faden beziehungsweise eine horizontale Erzählung über die gesamte Staffel?

    Alina Levshin: Ja, die Folgen sind in sich abgeschlossen, aber jeder Fall hat auch etwas mit Doro Decker selbst zu tun. Sie kommt im Verlauf der Serie einem eigenen großen Geheimnis auf die Spur – nämlich dahinter, wie ihr verstorbener Vater tatsächlich ums Leben gekommen ist. Das ist ein Riesenschatten in ihrer Vergangenheit. Doro wollte eigentlich in die Fußstapfen ihres Vaters treten, aber sie hat dann einen anderen Weg eingeschlagen.

    Undercover schleust sich Doro Decker auf eine geheime Party ein … ZDF/Sofie Silbermann

    Sie haben auch schon für eher konventionelle Krimiserien wie etwa „Die Spezialisten – Im Namen der Opfer“ oder den „Tatort“ gedreht. Können Sie noch etwas genauer beschreiben, wo die Unterschiede zwischen einem klassischen Krimi und „Dunkelstadt“ liegen?

    Alina Levshin: „Dunkelstadt“ ist eine Serie, die sich sehr stark auf eine Protagonistin fokussiert, was bei anderen Krimis eher selten der Fall ist. Doro hat zwar einen Assistenten, der sich in ihr Leben drängt, doch sie ist eine Person, die keine schnellen Freundschaften schließt und auch gern alleine arbeitet.

    Mir ist sofort der unkonventionelle Stil der Serie aufgefallen, der sehr untypisch ist, gerade für das ZDF. Denn man hört auch die Gedanken der Hauptfigur.

    Alina Levshin: Genau, die Voice-Overs sind ein besonderes Stilmittel der Serie, wodurch man einen Einblick in die Gedankenwelt von Doro erhält. Sie ist teilweise ironisch und nimmt sich nicht so ernst. Die Menschen, auf die sie in den einzelnen Folgen trifft, bringen sie weiter in ihrer eigenen Entwicklung. Im Verlauf der Serie kommt sie langsam auch darauf, dass sie ein Problem haben könnte, und reflektiert ihr Verhalten immer mehr.

    Immer wieder gerät Doro in brenzlige Situationen. ZDF/Sofie Silberman

    Produziert wurde die Serie in Antwerpen. Wie waren die Dreharbeiten im Vergleich zu Ihren Erfahrungen mit Dreharbeiten in Deutschland?

    Alina Levshin: Wir haben knapp drei Monate in Antwerpen gedreht und es war tatsächlich etwas anders, weil wir nicht mit einem durchweg deutschen Team gearbeitet haben, sondern viele Teammitglieder aus unterschiedlichen Kulturen kamen. Der größte Teil des Teams stammte aus Belgien – und da gibt es ja wiederum die flämische und die französische Seite. Unsere Regisseurin Asli Özge stammt aus der Türkei – und die Arbeitssprache war Englisch. Deshalb hat es am Anfang etwas gedauert, bis man sich gefunden hat. Wir mussten uns viel absprechen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Das war vielleicht logistisch schwieriger, als wenn wir die Serie in Deutschland gedreht hätten, aber die Kulisse in Antwerpen gibt wirklich was her und hat dem Look und der rauen Stimmung der Serie sehr gut getan. Antwerpen ist wirklich eine wunderschöne Stadt, in der ich vorher noch nie war.

    Auf der nächsten Seite erläutert Alina Levshin, weshalb sie der Schauspielberuf schon seit frühester Kindheit fasziniert hat, welche Bedeutung Dominik Grafs preisgekrönte Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ für ihre Karriere hat – und warum sie nach nur zwei Folgen ihr Engagement als Ermittlerin beim Erfurter „Tatort“ beendete.

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