Alina Levshin über „Dunkelstadt“: „Etwas in der Art gab es bisher noch nicht in Deutschland“

    Interview über die neue ZDFneo-Serie, „Im Angesicht des Verbrechens“ und ihren „Tatort“-Ausstieg

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 24.02.2020, 14:30 Uhr

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    Alina Levshin als Privatdetektivin Doro Decker ZDF/​Sofie Silbermann

    fernsehserien.de: Wann haben Sie den Entschluss gefasst, Schauspielerin zu werden?

    Alina Levshin: So konkret habe ich mir das nicht vorgestellt, glaube ich. Aber ich hatte schon als Kind Bilder im Kopf. Vom sechsten bis zum 15. Lebensjahr war ich im Kinderensemble des Friedrichstadt-Palasts. Dadurch hatte ich das Glück, früh zu entdecken, was mir guttut und Spaß macht – nämlich mich auf der Bühne auszudrücken, zu bewegen und zu tanzen. Ich habe also gehofft, dass mein späterer Beruf irgendetwas mit dieser Richtung zu tun haben wird. Ich habe allerdings auch etwas dafür getan, um mir diesen Traum zu verwirklichen. Man kann schließlich auch nicht davon träumen, im Lotto zu gewinnen, ohne sich ein Los zu kaufen. Deshalb habe ich Unterricht in Chor, Gesang und Schauspiel genommen. Ich habe mich an Schauspielschulen beworben und irgendwann hat es geklappt. Ich wollte das Handwerk lernen und habe Schauspiel dann auch studiert. Der Beruf ist sicher anders als viele andere Berufe und bietet viele künstlerische Freiheiten.

    Gab es schauspielerische Vorbilder oder Menschen, die sie inspiriert haben?

    Alina Levshin: Ich habe schon vor meinem Studium viele Filme geschaut. Mich haben amerikanische Filmklassiker beeindruckt, zum Beispiel mit Jack Nicholson oder Charlize Theron, die ich schon immer toll fand. Ich bin auch einmal pro Woche ins Theater gegangen, wo mich die Leute an der Volksbühne oder am Deutschen Theater mit ihrer Kraft und ihrer Ausstrahlung beeindruckt und fasziniert haben. Dadurch wurde ich inspiriert und mir wurde immer klarer, wo ich hin will und welcher Stil mir gefällt.

    Alina Levshin als Jelena in „Im Angesicht des Verbrechens“ ARD/​Julia von Vietinghoff

    Sie haben schon in einigen herausragenden Produktionen mitgespielt, zum Beispiel in Dominik Grafs Serie „Im Angesicht des Verbrechens“. Welche Bedeutung hat die Serie für Ihre Karriere?

    Alina Levshin: Eine ganz besondere, denn nach meinem Filmdebüt in „Rosa Roth“ mit Iris Berben und Thomas Thieme, an das ich ebenfalls gerne zurückdenke, war „Im Angesicht des Verbrechens“ meine erste große Produktion. Da es eine Serie war, hatte meine Figur viel Raum, um sich zu entwickeln. Dominik Graf und das ganze Team haben mit mir als Anfängerin wunderbar gearbeitet. Es war bei allen eine hohe Professionalität zu spüren. Die Produktion der Serie wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil sie eine große Wirkung für mich hatte. Ich habe die Erfahrung sehr intensiv wahrgenommen, weil es für mich eben das erste Mal war.

    Auf welche anderen Produktionen in Ihrer Laufbahn sind Sie besonders stolz?

    Alina Levshin: Neben „Im Angesicht des Verbrechens“ auf jeden Fall auf den Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ und den Kinofilm „Kriegerin“ von David Wnendt. Mit Achim von Borries habe ich auch den sehr schönen Psychothriller „Alaska Johansson“ gedreht. Aber es gab noch ganz viele weitere Produktionen, bei denen ich dazugelernt habe und die mich weitergebracht haben.

    Alina Levshin als Marisa im Neonazi-Drama „Kriegerin“ ZDF/​Alexander Janetzko

    Sie waren auch schon „Tatort“-Ermittlerin. Allerdings endete der Erfurter „Tatort“ mit Ihnen und Friedrich Mücke nach nur zwei Folgen. Damals hieß es, dass Sie auf eigenen Wunsch ausgestiegen sind. Weshalb haben Sie damals diese Entscheidung getroffen?

    Alina Levshin: Wir haben ja nie behauptet, dass wir ein Leben lang „Tatort“-Ermittler bleiben wollen und auch keine Verträge über zehn Jahre abgeschlossen. Am Anfang hat mich und auch Friedrich das Konzept gereizt und wir wollten es deshalb mal ausprobieren. Nach den ersten zwei Folgen habe ich allerdings gemerkt, dass manche Dinge anders umgesetzt wurden, als sie im ursprünglichen Konzept angelegt waren. Es ist manchmal sehr unterschiedlich, wie etwas anfangs konzipiert wird, dann realisiert wird und am Ende nach dem Schnitt aussieht. Es ist ja auch völlig okay, Dinge mal auszuprobieren, aber wenn es dann nicht in die Richtung geht, die man sich vielleicht vorgestellt hat oder die angedacht war, sollte man andere Wege gehen. Unsere Neugier war nach den zwei Folgen gestillt. Friedrich und ich haben das unabhängig voneinander so gesehen. Deshalb haben wir guten Gewissens gesagt, dass wir gerne aufhören möchten.

    Das kurzzeitige Erfurter „Tatort“-Trio: Friedrich Mücke (l.), Alina Levshin und Benjamin Kramme MDR/​Carlo Bansini

    Sie standen schon für viele unterschiedliche Produktionen vor der Kamera. Ist Krimi beziehungsweise Drama die Richtung, in der Sie weitermachen möchten? Oder gibt es ein anderes Genre, in dem Sie sich gerne mal verwirklichen möchten?

    Alina Levshin: Ich bin offen für vieles und verschließe mich nicht bestimmten Genres. Es gibt vieles, was in Deutschland vielleicht keinen großen Anklang findet, ich aber interessant und wertvoll finde, um Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel fände ich Science-Fiction sehr spannend, aber das ist leider hierzulande nicht üblich. Comedy finde ich auch großartig, weil man da auch sehr ernsthafte Themen auf eine bestimmte Art ironisch erzählen und in einer Leichtigkeit verpacken kann. Das geht dann manchmal sogar tiefer, als man meint. Ich habe auch großen Gefallen daran, eine Figur wie Doro Decker länger und in größeren Strängen zu erzählen.

    Welche Serien schauen Sie selbst gerne? Haben Sie Tipps für Serienfans?

    Alina Levshin: Im Winter schaue ich eher weniger Serien, weil da bei mir eher Aufräumen angesagt ist (lacht)! Aber vor Kurzem habe ich es endlich geschafft, „How to Sell Drugs Online (Fast)“ zu Ende zu gucken, auch weil ein Kollege von mir mitspielt. Davon war ich sehr begeistert! Ansonsten hat mir die kanadische Serie „Workin’ Moms“ sehr gut gefallen, wovon es drei Staffeln auf Netflix gibt. Und die Comedyserie „jerks.“ kann ich auch sehr empfehlen, wenn man wie ich auf diese Art von Humor steht, der etwas drüber ist.

    Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

    Die erste Staffel von „Dunkelstadt“ ist ab dem 26. Februar mittwochs um 21:45 Uhr auf ZDFneo zu sehen. In der Nacht von Freitag auf Samstag wird sie zusätzlich ab dem 28. Februar um 0 Uhr im ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlt. Alle sechs Folgen liegen ab dem 26. Februar auch in der ZDFmediathek auf Abruf bereit.

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    Über den Autor

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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