In Hamburg sagt man „Tschüss“: Aus für den „Tatortreiniger“ im NDR

    Ende Dezember säubert Schotty seinen letzten Tatort

    In Hamburg sagt man "Tschüss": Aus für den "Tatortreiniger" im NDR – Ende Dezember säubert Schotty seinen letzten Tatort – Bild: NDR/Sandra Hoever
    In Kürze zum letzten Mal im Einsatz: Tatortreiniger Schotty alias Bjarne Mädel

    Am 18. und 19. Dezember kehrt Bjarne Mädel als „Der Tatortreiniger“ Heiko „Schotty“ Schotte im NDR zurück. Nun steht allerdings fest: Die vier neuen Folgen der siebten Staffel werden gleichzeitig die letzten sein. Das Ende kommt nicht nur für die Fans überraschend, auch der Sender selbst wurde anscheinend vor vollendete Tatsachen gestellt – der Grund liegt nämlich keineswegs in schlechten Einschaltquoten, sondern in der Person der Drehbuchautorin Ingrid Lausund alias Mizzi Meyer.

    Diese sieht die Serie wie auch die Figur als auserzählt an und gab bei einem Hintergrundgespräch in Hamburg zu Protokoll, man wolle „Schotty nicht auslutschen, dafür lieben wir ihn viel zu sehr“. Anspruch und Qualität müssten im Einklang miteinander stehen und der Gefahr, beides zu verlieren, wolle sie sich nicht aussetzen: „Es gibt genügend Beispiele für Serien, die vorbei sind und trotzdem weitergehen. Ich habe gespürt, dass es immer schwieriger wird, Geschichten zu suchen, die noch mal eine neue Welt erzählen.“

    Meyer, die die Geschichten aller 31 Episoden verfasste und die Rolle des Schotty nach eigener Aussage explizit dem Schauspieler Mädel auf den Leib schrieb, bekräftigte zudem, das Ende habe „nichts mit Quoten, Gagen oder Gehältern zu tun“. Bjarne Mädel selbst respektiert die Entscheidung, wenngleich er noch nicht so recht von seinem Alter Ego Abschied nehmen kann: „Heiko Schotte ist ja nur eine von vielen Figuren, die ich in meinem Leben spiele – aber dann eben doch nicht, weil er immer eine ganz besondere Stellung in meinem Herzen einnehmen wird. Normalerweise kann ich ganz gut zwischen privatem und gespieltem Leben unterscheiden, aber Schotty vermisse ich jetzt schon wie einen realen Menschen, mit dem ich acht Jahre lang eng befreundet und extrem vertraut gewesen bin.“

    Er hätte „gern noch die eine oder andere Sauerei weggemacht“, ist gleichzeitig aber „dankbar dafür, durch [Schotty] unfassbar tolle Kollegen kennengelernt zu haben und ein Team, das seinesgleichen sucht“. Im Gegensatz zu anderen Rollen wie die des Berthold „Ernie“ Heisterkamp in „Stromberg“ oder Polizeiobermeister Dietmar Schäffer in „Mord mit Aussicht“ habe er im Tatortreiniger noch viel Potenzial gesehen, weshalb mit etwas Wehmut anfügt: „Es fühlt sich für mich tatsächlich so an, als sei jemand gestorben.“

    NDR-Intendant Lutz Marmor zeigt sich ebenfalls betroffen: „Manche Programme sind ein Geschenk. Dazu gehört die vielfach preisgekrönte NDR-Kultserie ‚Der Tatortreiniger‘. Die hoch geschätzte Autorin Mizzi Meyer hat entschieden, dass es mit der 31. Folge genug ist. Alle Bemühungen, sie vom Gegenteil zu überzeugen, waren leider erfolglos. Ich respektiere diese Entscheidung.“ Er bedankte sich bei allen Beteiligten vor und hinter der Kamera, ebenso wie Fernsehfilm-Chef Christian Granderath, dessen Ziel es nun sei, mit dem kreativen Team weiter zusammenzuarbeiten: „Die NDR-Arme sind weit, weit offen. Vielleicht gibt es ja eines Tages doch noch die Möglichkeit zu einer Weiterentwicklung.“

    „Der Tatortreiniger“ startete am 22. Dezember 2011 als kleine, aber äußerst feine schwarzhumorige Comedyserie im NDR Fernsehen. Alles dreht sich darin um den ungewöhnlichen Arbeitsalltag des Hamburger Gebäudereinigers Heiko „Schotty“ Schotte (Mädel), der sich auf das Reinigen von Tatorten von Gewaltverbrechen spezialisiert hat. Allerdings geht es in erster Linie nicht um die Kriminalfälle an sich, sondern vor allem um die skurrilen Begegnungen zwischen Schotty und den Personen, auf die er beim gewissenhaften Blutwegschrubben trifft. So kommt er mit Hinterbliebenen und Bekannten der Mordopfer ins Gespräch und es ergeben sich kammerspielartige Szenen, deren Situationskomik die irrwitzigsten Blüten treibt.

    Einige Prominente statteten der Serie in den vergangenen Jahren einen Besuch ab, darunter Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner in ihren Rollen aus „Polizeiruf 110“ oder Olli Dittrich. Bei allen Folgen führte Arne Feldhusen Regie, als Produktionsunternehmen zeichneten Studio Hamburg (Staffeln 1 und 4), die Nordfilm GmbH (Staffeln 2 und 3) und die Letterbox Filmproduktions GmbH (Staffeln 5–7) verantwortlich. Die Serie erreichte in der Spitze knapp eine Million Zuschauer bundesweit und für den NDR bemerkenswerte Marktanteile von bis zu vier Prozent. Zudem wurde sie mit Preisen überhäuft, gewann gleich zweimal den Grimme-Preis und siegte 2012, 2016 und 2017 beim Deutschen Comedypreis.

    Die vier letzten Folgen sind am 18. und 19. Dezember ab 22.00 Uhr im NDR zu sehen. Für die letzte Folge, die ganz simpel den Titel „Einunddreißig“ trägt, versprechen die Macher ein „brillantes, würdiges Finale“, wenn Schotty akribisch wie immer den letzten Blutstropfen aufwischt.

    11.12.2018, 09:32 Uhr – Dennis Braun/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Phantomias am 12.12.2018 06:29

      Wirklich schade, aber eine mutige und richtige Entscheidung. Vielleicht hat sie in ein paar Jahren doch noch die ein oder andere gute Idee für Schotty, und wenn nicht, man soll aufhören wenns am schönsten ist
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      • Snake Plissken am 11.12.2018 23:21 via tvforen.de

        Das ist echt mehr als schade.
        Aber wenigstens eine Entscheidung der Autorin, die damit auf dem Höhepunkt aufhört, statt das wieder eine Serie zu Tode geritten wird.

        Snake
        • pumpkins (geb. 1980) am 11.12.2018 17:37

          Schade das die Serie eingestellt wird. Echt traurig. Das war mal was anderes im TV
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