Fernsehautor Wolfgang Menge ist tot

    Erfinder von ‚Ekel Alfred‘ wurde 88 Jahre alt

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 18.10.2012, 11:44 Uhr

    Wolfgang Menge – Bild: WDR/Herby Sachs
    Wolfgang Menge

    Wolfgang Menge hat Fernsehgeschichte geschrieben. Nicht nur als Erfinder von ‚Ekel Alfred‘ in der ARD-Serie „Ein Herz und eine Seele“ wurde er in den 1970er Jahren bekannt. Menge etablierte sich als feste Größe mit aufsehenerregenden Fernsehfilmen und populären Krimireihen. Am Mittwoch ist Menge in einem Berliner Krankenhaus verstorben. Er wurde 88 Jahre alt.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg war Wolfgang Menge zunächst als Journalist tätig, arbeitete für das Hamburger Abendblatt und als Korrespondent für Die Welt in Ostasien. Bereits in den frühen Jahren des deutschen Fernsehens legte Menge die ersten Drehbücher vor, unter anderem für Jürgen Rolands Reihe „Der Polizeibericht meldet“, ein Vorläufer von „Stahlnetz“, für das Menge später in den 1960er Jahren 22 Episoden verfasst hat.

    In den 1970er Jahren wurde Wolfgang Menge außerdem zum Mitbegründer der Talkshow „3 nach 9“ auf Radio Bremen und fungierte bis 1982 als ihr Co-Moderator. Für die 1970 noch brandneue Krimi-Reihe „Tatort“ erfand Menge die kontroverse Figur des Zollfahnders Kressin, gespielt von Sieghardt Rupp. Immer stärker beschäftigte sich Menge dann in dieser Zeit mit sozialkritischen Themen. Ein besonders großer Erfolg wurde „Das Millionenspiel“. Die beklemmende Fernseh-Satire prangerte die Sensationsgier der Medien und des Publikums an und zeigte eine Zukunft, in der es zur Normalität gehört, dass bewaffnete Killer den Kandidaten einer Gameshow jagen.

    Ebenso bewegend war 1973 das Fernsehspiel „Smog“, das Wolfgang Petersen inszenierte. Darin ließ Menge eine Klimakatastrophe und ihre Folgen über die Bundesrepublik hereinbrechen, Jahre bevor die grüne Bewegung sich überhaupt politisch etabliert hatte. Im gleichen Jahr startete mit „Ein Herz und eine Seele“, der Adaption einer britischen Serie, Wolfgang Menges wohl größter Erfolg. Der reaktionäre Spießer Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert) wurde zu einer Kultfigur. Als ewig nörgelndes Oberhaupt einer typisch deutschen Familie zog er über die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme her.

    Mit einer ähnlichen Herangehensweise sorgte auch Wolfgang Menges Serie „Motzki“ 1993 für Aufsehen. Darin wurden die Probleme nach der Wiedervereinigung gewohnt bissig behandelt. 1998 schickte Menge dann Jaecki Schwarz als Nachfolger von ‚Ekel Alfred‘ an den Start. Als Spießer Arnold Tetzlaff hielt er in „Das Lied zum Sonntag“ in der ARD Einzug.

    2002 wurde Wolfgang Menge schließlich mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet und damit für seine visionären und zeitkritischen Arbeiten gewürdigt. Nach mehreren Schlaganfällen hatte er sich in den letzten Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

    >>> Zum Gedenken an Menge: Das Erste ändert Programm

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Ausserdem, das Millionenspiel ist von 1970, die Hitparade lief also bestimmt schon 1 1/2 Jahre, viele hielten es ja für echt und haben sich dann wohl nicht gefragt, warum Ditze Heck sich aufeinmal Thilo Uhlenhorst nennt.
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        Er hatte Geist, Witz, Humor, und ich mochte ihn.
        Schade, dass man Abschied nehmen muß.

        Migge
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          Vielen Dank für viele Fernsehstunden die auch heute noch begeistern ! ! !



          Gruß

          Sir Hilary
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        Ein großartiger Autor, dem wir viele wunderbare Drehbücher und TV-Produktionen zu verdanken haben, ist tot. In seinen Werken wird er weiterleben und unvergessen bleiben. Wolfgang menge konnte schreiben, was er wollte - es war (fast) immer eine tolle Arbeit. Ich habe ihn bewundert.

        Der Lonewolf Pete
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          Alles hat seine Zeit ....

          Nun hoffe ich doch, dass dass "Millionenspiel" in den nächsten Tagen
          einmal wieder ins Programm gehoben wird.
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            Wunsch schon erfüllt: Am heutigen Donnerstag zeigt das WDR Fernsehen „Das Millionenspiel“ (23.15 bis 00.51 Uhr).
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            Hier hat man nochmal eine komplette Übersicht, welcher Sender sein Programm wann ändert. http://www.tvforen.de/read.php?1,1282675
          • am via tvforen.demelden

            Einer der ganz Großen des Fernsehens!

            "Das Millionenspiel" war visionär, Alfred Tetzlaff messerscharf getroffen und, obwohl in die jeweilige Tagesaktualität eingebunden, zeitlos gut. Eine der wenigen Serienfiguren vergangener Tage, die auch heute noch bei den Nachwachsenden bekannt und populär ist.

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