FerienSerien: „The Shield“

    Intensives Cop-Drama konnte sich zum modernen Klassiker entwickeln

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 05.07.2016, 18:00 Uhr

    „The Shield“ – Bild: FX
    „The Shield“

    Dieser Artikel ist Teil unserer Artikel-Reihe FerienSerien.

    Im Jahr 2002 betrat der amerikanische Kabelsender FX Networks mit Nachdruck die Bühne der Serienproduzenten: Die erste Staffel von „The Shield“ ging an den Start. Die Serie handelt von der korrupten Polizei-Spezialeinheit Strike Team, einer vierköpfigen Anti-Gang-Einheit eines ungewöhnlichen Polizeireviers in Los Angeles. Vielen Serienfans gilt „The Shield“ als eine der wenigen „perfekten“ Serien, bei der es nicht einmal am Finale nach sieben Staffeln etwas zu mäkeln gibt. Serienschöpfer Shawn Ryan schlug mit seiner actiongeladenen, realistischen Serie in eine ähnliche Kerbe wie „24“. Nur dass sein Protagonist, Detective Vic Mackey (Michael Chiklis), ein waschechter Anti-Held ist: Einerseits korrupt, andererseits zutiefst loyal gegenüber seiner Crew; einerseits ein liebender Familienvater, andererseits ein notorisch untreuer Ehemann; einerseits ein brillanter Verbrechensbekämpfer, andererseits dessen beflissener Gärtner.

    In Deutschland lief nur die erste Staffel von „The Shield“ auf einem ordentlichen Sendeplatz, konnte sich aber damals im Sommerprogramm bei ProSieben nicht durchsetzen. Fortan fristete dieses Kleinod der Erzählkunst ein Dasein auf Randsendeplätzen. Mit seinen insgesamt 88 Folgen hat „The Shield“ vermutlich gerade noch die richtige Größe, um in einem Sommer genossen zu werden.

    Worum geht es in „The Shield“?

    Im (fiktiven) Stadtbezirk Farmington von Süd-Los-Angeles, der von Gangs beherrscht wird, versucht die Stadt dem Verbrechen Herr zu werden. Dazu wurde knapp ein Jahr vor Handlungsbeginn in einer alten Kirche ein neues Polizeirevier eröffnet, um Bürgernähe zu praktizieren. Das Überleben des Reviers hängt von Erfolgen in der Verbrechensbekämpfung ab. Daran hat vor allem Captain Aceveda (Benito Martinez) großes Interesse – er hat politische Ambitionen, erfolgreiche Polizeiarbeit soll sein Sprungbrett sein. FerienSerien

    Captain Acevedo ist so versessen auf Erfolge, dass er Detective Vic Mackey (Chiklis) gewähren lässt, obwohl er diesem nicht traut. Mitsamt seinem Strike-Team aus den Detectives Shane Vendrell (Walton Goggins), Curtis „Lem“ Lemansky (Kenneth Johnson) und Ronnie Gardocki (David Rees Snell) bildet er eine weitestgehend autonome Untereinheit, die nach eigenem Gutdünken arbeitet. Dabei ahnt er das Ausmaß von dessen Korruption vermutlich nicht: Mackey und sein Team halten bei den Gangs die Hand auf und legen sich Geld für den Ruhestand zurück. Gleichzeitig sorgen sie mit brutalen wie auch eleganten Mitteln dafür, dass es keine Bandenkriege gibt, indem sie immer eine Gang an der Macht halten und deren Konkurrenz ausschalten. Das sorgt dafür, dass die Verbrechensstatistiken besser aussehen – keine Gangschießereien auf offener Straße, keine unbeteiligten Opfer.

    Daneben stehen in der Serie zunächst das engagierte Detective-Team Claudette Wyms (CCH Pounder) und Holland „Dutch“ Wagenbach (Jay Karnes) sowie die Streifenpolizisten Danielle „Danny“ Sofer (Catherine Dent) und Rookie Julien Lowe (Michael Jace) im Zentrum.

    Ebenfalls stärker im Fokus steht Makeys Familie: Ehefrau Corrine (Cathy Cahlin Ryan), Tochter Cassidy (Autumn Chiklis) sowie Matthew und Megan – von denen im Verlauf der Serie offenbart wird, dass sie an autistischen Entwicklungsstörungen leiden.

    Obwohl Vic Mackey die zentrale Figur der Serie ist, ist „The Shield“ doch ganz klar eine Ensemble-Serie. Die unterschiedlichen Teams haben häufig ihre eigenen Handlungen, daneben gibt es „Großeinsätze“, bei denen alle „am selben Fall“ arbeiten. Büro-Politik spielt oft eine Rolle, ebenso die ungeschriebenen Gesetze der Polizei und auch die vielfältigen privaten Beziehungen am Arbeitsplatz.

    Hintergründe

    Exklusive Eigenproduktionen im Serienbereich sind in den letzten 15 Jahren immer stärker zu einem notwendigen Alleinstellungsmerkmal in der Fernsehbranche geworden. Nachdem HBO mit „Die Sopranos“ gezeigt hatte, dass bei Publikum und Kritik erfolgreiche Serien auch jenseits der Budgets der großen Networks möglich sind, gesellte sich bald der Kabelsender FX in den Kreis der Produzenten von hochwertigen Drama-Serien. Dort ließ man Shawn Ryan freie Hand. Der zog in seinem Gefolge weitere namhafte Serienschöpfer hoch, etwa Kurt Sutter („Sons of Anarchy“) und Glen Mazzara („Damien“, „The Walking Dead“).

    Ryan bildete in „The Shield“ eine fesselnde Mischung aus Antiheldentum, Action und dem von Bündnissen, Feindschaften, Waffenstillständen und Intrigen sowie Polizeialltag.

    Dabei steht – grob gesagt – die 13-teilige erste Staffel weitestgehend für sich allein. Nach deren Erfolg begann mit der zweiten Staffel eine übergreifende Handlung, die sich in mehreren Etappen bis zum Serienende durchzog.

    Nach sieben Jahren durfte „The Shield“ schließlich sein Ende mit einer abschließenden Staffel zelebrieren. Fast wäre dem der Drehbuch-Autorenstreik von 2007/08 dazwischen gekommen, wegen dem sich Showrunner (und eben Autor) Ryan zeitweise nicht um die Post-Produktion kümmern wollte/konnte. Doch glücklicherweise endete der Streik schließlich rechtzeitig.

    Für wen ist „The Shield“ zu empfehlen?

    „The Shield“ ist sicher keine Serie für Zartbesaitete. Die Serie zeigt ungeschönt Aspekte des Lebens in einer Großstadt, wo Gangs und damit das Gesetz des Stärkeren herrschen und wo die einfachen Bürger in Armut und dem Schatten der Gangs leben. Kurzgesagt – eine Welt, in der kein Platz für ein Happy End ist. Das macht direkt der Serienpilot in mehrfacher Hinsicht deutlich.

    Für die Serie spricht sicher ihr hohes Maß an Spannung: Stets ist jemand Mackey und seinem Team auf der Spur, häufig muss der Detective sich immer neue Kniffe einfallen lassen, damit niemand Beweise gegen ihn findet, und gleichzeitig Polizeiarbeit leisten.

    Frauen sind in dieser Welt häufig Opfer. Vielfach ist die einzige Chance auf einen „Aufstieg“ die Anbiederung an eine Gang. Und im Zweifelsfall gibt es genug – organisierte wie einzelgängerische – Straftäter, die Frauen Gewalt antun.

    Schließlich gibt es noch den beständigen Überlebenskampf der Gangwelt, wo brutale Abschreckung, Rache und Machtkämpfe gleichsam krass inszeniert werden.

    Im Zentrum steht aber immer wieder die Frage nach den persönlichen Grenzen: Was ist man zu tun bereit, um sich selbst und seine engsten Vertrauten zu schützen. Welche Taten, Lügen und Allianzen kann man vor sich selbst rechtfertigen, welchen Schritt ist man nicht bereit, zu nehmen?

    Verfügbarkeit

    Dank ihres relativ hohen Alters ist „The Shield“ als Komplettbox mit 28 DVDs vergleichsweise günstig zu finden (unter 50 Euro). Aktuell ist die Serie zudem komplett bei den VoD-Aboangeboten von Amazon, maxdome und Sky zu finden.

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