FedCon 2013: Panel mit Anthony Montgomery

    „Ich war pleite und wollte arbeiten“

    Michael Brandes – 14.05.2013, 14:19 Uhr

    Anthony Montgomery auf der FedCon XXII in Düsseldorf (links: Linda Park)

    Als Ensign Travis Mayweather, Steuermann der Enterprise NX-01, hatte Anthony Montgomery nicht unbedingt die anspruchsvollste Rolle, die im „Star Trek“-Universum je vergeben wurde. Doch in der Auswahl seiner Schauspieljobs sei er ohnehin schmerzfrei, verriet der 41-Jährige während seines FedCon-Panels in entwaffnender Offenheit.

    Montgomery hatte nach einem wiederkehrenden Gastauftritt in Ryan Murphys Primetime-Soap „Popular“ zunächst keinen neuen Job gefunden. Nachdem er zuvor schon mal vergeblich für „Star Trek – Raumschiff Voyager“ vorgesprochen hatte, kam das Angebot, in der neuen „Enterprise“ mitzuspielen. Als Berufung habe er das nicht empfunden: „Was es war, spielte eigentlich keine Rolle. Ich war pleite und wollte arbeiten.“ Letztlich sei er froh über jedes Jobangebot: „Was immer sie mich spielen lassen, ich mache es. Als Schauspieler ist es dein Job, zu den Auditions zu gehen und Arbeit zu finden.“

    Seine Rolle in „Enterprise“ sei „definitiv nicht erfüllend“ gewesen, bekannte er offenherzig, aber er sei trotzdem „sehr glücklich und dankbar“, ein Teil der „Star Trek“-Familie zu sein. Dabei zählt Montgomery zu jenen Schauspielern, die von sich behaupten, ihre eigenen Filme und Serien nur in Ausnahmefällen anzusehen. Als Grund nennt er seine eigenen Ambitionen: „Ich hatte auch bei ‚Enterprise‘ den Eindruck, dass wir zum Teil bessere Szenen gedreht hatten als jene, die ausgewählt worden sind.“ Auf Dauer sei das sehr frustrierend, jedoch wolle man seinen Ärger auch nicht am Set rauslassen. Eine Selbstschutzmaßnahme also.

    Unterm Strich war Montgomery mit „Enterprise“ dennoch sehr zufrieden, insbesondere in der Schlussphase. Er hat kein Verständnis für die damalige Absetzung: „Wir waren mit der vierten Staffel auf einem sehr guten Weg, hatten großartige Drehbücher.“ Auch die Quoten hätten sich, gemessen an der Ausstrahlung an einem Freitagabend, ordentlich entwickelt. „Unsere Serie hat sich gut geschlagen, sie hatte gerade zu sich selbst gefunden und noch genug Potential für weitere Staffeln. Sie hätte niemals abgesetzt werden dürfen.“ Letztlich lohne es sich jedoch nicht, sich Gedanken darüber zu machen, was in den Köpfen von Programmverantwortlichen vorgehe. Das sei eine Welt für sich. Immerhin könne jeder der Beteiligten jetzt sagen: „Wir waren ein Jahr länger auf Sendung als die Originalserie.“

    Vor fünf Jahren versuchte sich Montgomery als Musiker. Beim Hamburger Label AGR Television Records veröffentlichte er ein HipHop-Album. Ein Erfolg war „A.T.“ nicht, die Labelbetreiber hat er auch nie persönlich getroffen. Später schrieb er noch einen Song für „Single Ladies“, die erste fiktionale Serie von VH1. Wichtiger als die Musik sind ihm jedoch das Schauspiel und sein aktuelles Comic-Projekt: Gemeinsam mit Brandon Easton, einem Autoren der aktuellen „ThunderCats“-Neuauflage, hat er im vergangenen Jahr die Graphic Novel „Miles away“ realisiert. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Waisenkind Maxwell Miles, das mit übernatürlichen Reflexen ausgestattet ist. Nach einer Begegnung mit Alien-Flüchtlingen wird der schüchterne Teenager in einen interstellaren Krieg verwickelt, der im Zusammenhang mit der dunklen Vergangenheit seiner Familie steht. Montgomery arbeitet schon seit Jahren an „Miles Away“ und hofft, daraus eines Tages eine animierte Serie entwickeln zu können, der – so sein Masterplan – gern noch einige Kinofortsetzungen folgen dürfen.

    Zuletzt vor der Kamera stand Montgomery im Januar für den Independent-Film „Chariot“, an dem er erstmals auch als Produzent beteiligt ist. Der Suspense-Thriller spielt ausschließlich in einem Flugzeug, die Rolle ist für ihn eher ungewöhnlich: Er spielt einen texanischen Truckdriver.

    Auf einer Convention müssen Schauspieler damit rechnen, noch einmal ihre Jugendsünden aufarbeiten zu müssen. Auf die Frage nach seiner Rolle als Rapper in einem der berüchtigten „Leprechaun“-Gruselfilmchen, in denen der kleinwüchsige Warwick Davis einen Killerkobold verkörperte, bleibt Montgomery erwartungsgemäß ganz entspannt. „Es war meine erste Rolle, ich war wieder mal pleite“. Zugesagt hatte er letztlich, nachdem er sah, welche damals unbekannte Darstellerin acht Jahre zuvor für das Original vor der Kamera stand: „Jennifer Aniston war im ersten ‚Leprechaun‘-Film, und es hat ihrer Karriere nicht geschadet.“

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