„Doktor Schiwago“ Omar Sharif stirbt mit 83 Jahren

    „Palast der Winde“ und „Großstadt-Schocker“ boten TV-Rollen

    Stefan Genrich – 10.07.2015, 20:35 Uhr

    1973 beherrscht Omar Sharif (2. v.l.) als Kapitän Nemo „Die geheimnisvolle Insel“ – Bild: ORTF
    1973 beherrscht Omar Sharif (2. v.l.) als Kapitän Nemo „Die geheimnisvolle Insel“

    Zuerst im arabischen Sprachraum, dann international ist er ein Kinostar geworden – aber seit Ende der 70er-Jahre hat sich Omar Sharif hauptsächlich mit kleineren Rollen in Film und Fernsehen durchgeschlagen. Heute ist der ehrbare und gefühlvolle „Doktor Schiwago“ und spätere TV-Kapitän Nemo in „Die geheimnisvolle Insel“ mit 83 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben, wie die BBC und Deadline Hollywood eine Mitteilung der Agentur des Schauspielers wiedergeben.

    Der Ägypter studierte Mathematik und Physik, bevor er 1953 seine Karriere startete. Der erste Auftritt außerhalb seiner Heimat brachte schlagartig Weltruhm durch einen Monumentalfilm: Zusammen mit Hauptdarsteller Peter O’Toole, Alec Guinness und Anthony Quinn baute er 1962 dem britischen Beduinen-Anführer „Lawrence von Arabien“ ein gewaltiges Denkmal. 1965 verfilmte David Lean den Bestseller „Doktor Schiwago“ und verwandelte dabei den sowjetkritischen Roman in einen grandiosen Schmachtfetzen – nicht zuletzt dank Omar Sharif, der als leidgeprüfter Arzt im revolutionären Russland die Frauen im Kinopublikum seufzen ließ. 1968 folgte „Funny Girl“ an der Seite der jungen Barbra Streisand.

    Trotz des Riesenerfolgs mit diesem Musical fielen die Rollenangebote plötzlich bescheidener aus. Das Fernsehen meldete sich, so dass 1973 der Weihnachts-Mehrteiler „Die geheimnisvolle Insel“ Kapitän Nemo in Frankreich präsentierte. Die deutsche Premiere fand ein Jahr später statt: im Fernsehen der DDR. Die ARD zog im Januar 1975 nach. Im selben Jahr bescherte „Funny Lady“ als Fortsetzung von „Funny Girl“ Omar Sharif auf viele Jahre einen letzten Kassenschlager. Ein paar TV-Movies und Kinofilme weiter war der Ruhm beinahe vergessen. Jedenfalls zog der einstige Frauenscharm bis in die 80er-Jahre nur weniger bedeutende Aufträge an Land.

    1984 stellte sich endlich wieder Erfolg ein. Aber ein jüngerer Konkurrent beherrschte „Palast der Winde“: In der Miniserie dient Omar Sharif als Mentor Koda Da seinem Schützling Ashton Pelham-Martyn (Ben Cross), der als britischer Offizier im späten 19. Jahrhundert das Herz einer indischen Prinzessin erobert. Weitere Geschichtsdramen wie „Peter der Große“ mit Maximilian Schell und harmlose Fernsehfilme wie „Mutter mit vier Töchtern“ schlossen sich an.

    Die 90er-Jahre verzeichneten viele Auftritte in Billigproduktionen und ägyptischen Filmen, aber auch Nebenrollen etwa im Blockbuster „Der 13. Krieger“ mit Superstar Antonio Banderas. Auf dem Bildschirm war Omar Sharif etwa in „Ken Folletts Roter Adler“, „Gullivers Reisen“ mit „Cheers“-Gastwirt Ted Danson und „Katharina die Große“ mit Catherine Zeta-Jones zu sehen.

    2003 überraschte ein Comeback die Kinobesucher: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ überzeugte gleichermaßen Kritiker und Publikum. Ansonsten reichte es im gleichen Jahr lediglich für eine Präsentation von Gruselgeschichten als mysteriöser Taxifahrer in der Serie „Großstadt-Schocker“. 2009 nahm Omar Sharif Abschied vom Fernsehen mit „Scriptum – Der letzte Tempelritter“. Ein bisschen Kino rundete die lange Karriere ab. Aktuell durchläuft noch ein Kurzfilm die Nachproduktion.

    Der Starrummel der 60er-Jahre hat Omar Sharif für immer das Siegel von „Doktor Schiwago“ aufgeklebt. Trotz der Identifikation mit einer einzelnen Figur hat Omar Sharif sein Talent in unzähligen Filmen und Miniserien unter Beweis gestellt. Sein Sohn Tarek erlag nicht den Verlockungen des Berufs seines Vaters, obwohl er als Kind in zwei Hits mitwirkte. Erst Enkel Omar Sharif jr. sucht auch sein Glück vor der Kamera. Immerhin lief es mit der Serie „Virginie“ in Kanada recht gut: Jedoch dann versickerte die Karriere, bis 2015 nach langer Durststrecke ein neuer Kinofilm entsteht. Es könnte also passieren, dass der Name Omar Sharif über den Tod hinaus in Film und Fernsehen auftaucht – in Verbindung mit seinem Nachfolger aus der Familie.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Thinkerbelle am 10.07.2015 16:30 via tvforen.demelden

      Ich habs grad gelesen:

      http://www.focus.de/kultur/kino_tv/bekannt-durch-lawrence-von-arabien-schauspieler-omar-sharif-stirbt-mit-83-jahren_id_4808927.html

      Omar Sharif ist gestorben. Laut seines Sohnes soll er schon seit 3 Jahren an Alzheimer gelitten haben. Gestorben ist er aber wohl an einem Herzinfarkt.

      Möge er in Frieden ruhen!
      • Sir Hilary am 10.07.2015 18:19 via tvforen.demelden

        Die Serie geht leider weiter....

        Von seiner Erkrankung wusste ich, aber je nach Verlauf kann man damit noch relativ lange Leben.

        Nun hat sein Herz versagt...

        Ich weis noch wie ich mich freute Ihn vital und gut in Form im Kino zu sehen - in Hidalgo ! Auch dies ist nun schon 11 Jahre her.

        Eines weis man von Omar Sharif : Er hat sein Leben in vollen Zügen genossen und nichts ausgelassen.

        Ich danke Ihm für seine großartigen Fähigkeiten als Schauspieler ! Erst kürzlich sah ich ihn mal wieder in einer seiner seltenen ( aber genialen ) Schurkenrollen : Als Korrupten und verbrecherrischen Kommissar in "Der Coup" .

        Wenn ich an ihn denke , dann fallen mir Doktor Schiwago,natürlich an "Lawrence von Arabien, Der Coup , Die Frucht des Tropenbaums , Top Secret , oder Inspector Clouseau ein - wo er auch sein Talent für Komik zeigen konnte.

        In "Ein Himmelhund von einem Schnüffler" spielte er eine ähnlich fiese Rolle wie in der Coup , und auch Mackenna's Gold gab er den Schurken. Daneben durfte er auch öfter mal den Helden geben.

        Ein sehr vielseitiger Schauspieler den man mit den unterschiedlichsten Genres in Verbindung bringt - und mehr kann man als Akteur wohl nicht erreichen...


        Gruß

        Sir Hilary

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