Ärger für HBO wegen Sklaverei in „Confederate“

    Neues Projekt der „Game of Thrones“-Schöpfer mit Gegenwind

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 31.07.2017, 15:46 Uhr

    Ärger für HBO wegen Sklaverei in "Confederate" – Neues Projekt der "Game of Thrones"-Schöpfer mit Gegenwind – Bild: HBO

    Vergangene Woche hat der amerikanische Pay-TV-Sender HBO die Bestellung der neuen Serie „Confederate“ verkündet (fernsehserien.de berichtete), bei der die „Game of Thrones“-Showrunner David Benioff und D.B. Weiss verantwortlich zeichnen. Unmittelbar nach der Verkündung begann der Ärger. Denn in der Serie mit einem alternativen Geschichtsverlauf („Alt-History“) konnten sich die amerikanischen Südstaaten im Sezessionskrieg von 1861–65 erfolgreich gegen die Nordstaaten behaupten und existieren bis in die Gegenwart weiter – inklusive Sklaverei, die laut Serienbeschreibung zu einer „modernen Institution“ geworden sei.

    Die erste Welle der Empörung richtete sich dagegen, dass Benioff und Weiss nun einmal weißer Hautfarbe sind, und viele Amerikaner dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Geschichte nicht von Weißen interpretiert sehen wollten – schon gar nicht von dem Duo, das für diverse künstlerische Entscheidung in der Serie harsch kritisiert wurde (namentlich Gewalt gegen Frauen). Daneben war die Aussage „Sklaverei als moderne Institution“ eher schwer zu schlucken.

    In einem ersten Schritt wandten sich die Showrunner mit zwei weiteren wichtigen Produzenten des Projekts an die Öffentlichkeit, dem farbigen Ehepaar Nichelle Tramble Spellman („Good Wife“) und Malcolm Spellman („Empire“). Denn um auch die Perspektive jener Menschen in die Serie zu bringen, die auch heute noch die Folgen des damals gesäten Rassenhasses im Alltag erleben, hatten Benioff und Weiss sich frühzeitig um entsprechende Unterstützung für die Führungsebene der Serie bemüht.

    Weiss’ und Benioffs Hauptansatzpunkt für ihre Serie war die berühmte „Was wäre, wenn … ?“-Frage, die sie zunächst als Filmdrehbuch angegangen waren: Wie hätte sich die Weltgeschichte weiterentwickelt, wenn es statt der USA noch die Südstaaten als Confederate States of America gegeben hätte? Eine der Schlussfolgerungen war, dass die beiden Staaten nicht dauerhaft in Frieden gelebt hätten, so dass es mittlerweile einen weiteren (Bürger-)Krieg dort gegeben habe und nun der dritte bevor stünde. Eine weitere Schlussfolgerung war, dass die Sklaverei in dem neuen Staat noch existieren würde, aber dass sie in den mehr als 150 Jahren seit dem damaligen Bürgerkrieg auch ihr Gesicht verändert hätte – also die Sklaven nicht mehr als Arbeiter auf den Baumwollfeldern, bewacht von Aufsehern mit Peitschen, leben würden.

    Insgesamt wandten sich die vier Produzenten dagegen, die gesamte Idee ihrer Geschichte allein aufgrund einer kurzen Pressemeldung über die Serienbestellung zu verurteilen. Natürlich kann ihr Werk kritisiert werden, aber halt bitte das fertige Werk. Daneben widersprach Malcolm Spellman dem Vorwurf, die Serie würde die Südstaaten nachträglich als „Gewinner“ des Bürgerkriegs darstellen wollen und deren Rassenpolitik somit im Nachhinein in irgendeiner Form aufwerten oder gutheißen. In seinen Augen wirke die Sklaverei aus der Frühzeit der USA auch in der realen Welt bis heute nach. So sei es auch in der Welt der Serie „Confederate“, wo man zudem dann eben zwei Versionen von Amerika gegeneinander gestellt sieht.

    Auch HBOs Senderchef Casey Bloys nahm noch vergangene Woche zur Kritik an der angekündigten Serie Stellung. Auch er beanspruchte, dass „Confederate“ eigentlich nur aufgrund des fertigen Projekts zu kritisieren sei. HBO habe eine lange Tradition darin, seinen Serienmachern zu vertrauen. Allerdings gestand er ein, dass der Sender die falsche Form der Ankündigung gewählt habe. Statt einer knappen Pressemeldung wäre es besser gewesen, wenn man die Macher etwa hätte ein Interview geben lassen, so dass sie ihre Ideen ausführlicher hätten darlegen können, so dass sich die Kritik weniger an einzelnen Formulierungen und deren Interpretation hätte hochziehen können.

    Nichtsdestotrotz gab es am gestrigen Sonntag im Umfeld der „Game of Thrones“-Ausstrahlung den Aufruf, sich bei Twitter mit #NoConfederate gegen die Serie auszusprechen. Wie Deadline meldet, ist April Reign eine der Initiatoren des Hashtag-Protests – auf sie gehe auch der #OscarsSoWhite -Protest aus dem Jahr 2015 zurück.

    Der Sender äußerte sich laut Yahoo.com auch zu dieser Kritik: „Wir haben großen Respekt für die Gespräche um und die geäußerten Bedenken zu ‚Confederate‘. Wir haben Vertrauen darin, dass Nichelle, Dan, David und Malcolm sich dem Thema mit Sensibilität und großem Bedacht nähern. Das Serienprojekt steckt derzeit noch in den Kinderschuhen und wir hoffen daher, dass die Zuschauer sich ein Urteil vorbehalten, bis sie tatsächlich etwas sehen konnten.“

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