Menschen hautnah Folge 10: Fliegen oder fallen? – Luisa und ihr Gendefekt
Folge 10
Fliegen oder fallen? – Luisa und ihr Gendefekt
Folge 10 (45 Min.)
Das Universum meine es gut mit ihr. Luisa blickt deshalb optimistisch in ihre Zukunft.
Bild: WDR/Südkino/Namche Okon
Luisa (20) liebt Menschenmengen und Achterbahnfahren, kann aus dem Nichts einen Witz erzählen oder sächsisch sprechen und ist voller Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben. Dass sie einen Gendefekt hat – das Williams-Beuren-Syndrom – sieht man ihr nicht an. Doch das fehlende kleine Stück auf dem siebten Chromosom prägt ihr Leben: Lernen, Struktur und Selbstmotivation kosten viel Kraft. „Ich merke schon, dass ich das alles will! Ich will es einfach!“, sagt Luisa nach ihrem ersten Date. Doch der Junge meldet sich nie wieder.
Weil sie kontaktfreudig und wortgewandt ist, wird Luisa oft überschätzt und gleichzeitig stößt sie im Alltag an ihre Grenzen. „Manchmal würde ich mir echt wünschen, dass ich es nicht hätte“, sagt sie, als sie im Job wieder einmal überfordert ist, Fehler macht und eine Abmahnung
bekommt. Mehr als sechs Jahre begleitet „Menschen hautnah“ Luisa auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden – vom ersten Arbeitsvertrag in einem Hotel über die Suche nach Liebe bis zum Auszug aus dem Elternhaus in eine inklusive WG. Im Zentrum des Films steht eine Familie aus vier Frauen, die eng miteinander verbunden sind: Luisa, ihre alleinerziehende Mutter Daniela und die beiden jüngeren Schwestern Mara und Laila.
Zwischen Fürsorge, Überforderung, Humor und großer Nähe stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wie selbstständig kann Luisa wirklich leben – und was passiert, wenn familiäre Unterstützung wegfällt? „Fliegen oder fallen? – Luisa und ihr Gendefekt“ ist ein Langzeitporträt über Behinderung, Familie und den Wunsch nach Unabhängigkeit in einer Gesellschaft, die Inklusion verspricht, aber selten mitträgt. (Text: WDR)