• Folge 7 (45 Min.)
    In 17 Tagen mit dem Rad von Norddeutschland nach Rom – Felix setzt sich immer neue Herausforderungen. – Bild: WDR/​Längengrad Filmproduktion/​Felix Benedikt Matern
    In 17 Tagen mit dem Rad von Norddeutschland nach Rom – Felix setzt sich immer neue Herausforderungen.
    Felix fällt auf. Nicht weil er es will, sondern weil sein Körper und seine Stimme sich immer wieder unkontrolliert bemerkbar machen. Felix hat das Tourette-Syndrom. Der 23-Jährige zuckt, schreit, stößt Laute aus – auf der Straße, während Uni-Vorlesungen, in Cafés. Seine Tics sind immer präsent und kosten ihn Kraft. Viele Menschen reagieren irritiert oder mit Ablehnung auf seine Tics. Schon als Kind hat Felix Mobbing, Ausgrenzung und Anfeindungen erlebt, doch er lässt sich davon nicht bestimmen. Er studiert BWL, reist, macht Sport und nimmt sich jedes Jahr ein neues großes Ziel vor. Dieses Jahr zieht er für ein Auslandssemester ins lettische Riga, weg aus seinem vertrauten Umfeld. Danach fährt er mehrere tausend Kilometer allein mit dem Fahrrad von Hamburg nach Rom. Immer mit dem Ziel, sich vom Tourette nicht einschränken zu lassen. „Menschen hautnah“ begleitet Felix bei seinen Herausforderungen. Der junge Mann fällt auf, und trotzdem versteckt er seine Krankheit nicht. Auch mit Fremden spricht er offen darüber. Denn Felix möchte zeigen, wie sich ein Leben mit Tourette anfühlt. (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 17.09.2026 WDR
  • Folge 8 (45 Min.)
    Marys Mutismus (l) ist stark ausgeprägt. In der Öffentlichkeit spricht sie fast nie und erstarrt vor Angst.
    Nia ist 15 und steht jeden Morgen vor derselben Frage: Was, wenn mich heute jemand etwas fragt? In der Schule oder bei fremden Menschen bringt sie kein Wort heraus, obwohl sie zu Hause sprechen kann. Selektiver Mutismus heißt die Angststörung. „Es ist so wie zwei Messer in meinem Hals. Und sobald jemand, mit dem ich nicht so sicher bin, auf mich zukommt oder in der Nähe ist, geht dieses Messer zu“, sagt Nia in einer Sprachnachricht. Genauso geht es auch Mary. In der Öffentlichkeit spricht sie fast nie. Wenn sie im Restaurant etwas bestellen möchte, muss ihre Schwester für sie sprechen. Zur Schule geht sie schon lange nicht mehr. Doch auch wenn sie stumm bleibt, ist Mary voller Gedanken, Humor, Wut und Träumen. Sie liebt Musik, backt nachts gegen ihre Unruhe an und träumt von einer Ausbildung zur Konditorin. Doch mit dem 18. Geburtstag rückt die Frage näher: Wie selbstständig kann ein Leben sein, wenn jeder Behördengang zur unüberwindbaren Hürde wird? „Es gibt die falsche Vorstellung, dass diese Kinder oder Jugendliche selbst entscheiden zu schweigen – und es sich damit leicht machen. Dabei wird übersehen, wie viel Angst dahintersteht und wie viel Kraft das alles kostet.“, sagt Nias Therapeutin, Ute Cramer. Für Nia ist die Schule ein Ort der Angst. Nur wenige wissen, warum sie nicht spricht. Gemeinsam mit ihrer Therapeutin wagt sie einen mutigen Schritt: Ihre Klasse soll erfahren, was hinter dem Schweigen steckt. So unterschiedlich ihre Welten sind – Berlin hier, Dorfleben dort – verbindet Mary und Nia die Stille. Und der Wunsch, sich nicht länger von ihr bestimmen zu lassen. „Menschen hautnah“ begleitet sie über zwei Jahre in ihrem Erwachsenwerden. Mary und Nia zeigen, wie viel Kraft in ihnen steckt, wie fein ihre Wahrnehmung ist, wie groß ihre Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Ein Film über Angst und Aufbruch. Und über die vielleicht wichtigste Frage der Jugend: Wie finde ich meine eigene Stimme? (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 01.10.2026 WDR
    Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 07.05., dann für den 21.05.2026
  • Folge 9 (45 Min.)
    Zwischenstation für verurteilte Täter: der Gewahrsam des Landgerichts Köln.
    Ein Angeklagter wird von zwei Wachtmeistern in den Saal 7 des Kölner Landgerichts geführt. Er soll seine Stieftochter über viele Jahre sexuell missbraucht haben, bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm. Der Richter, der das Urteil über ihn sprechen wird, heißt Christoph Kaufmann, seit über 20 Jahren schon ist er am Kölner Landgericht. Als Vorsitzender Richter verhandelt er „Jugendschutzsachen“, eine harmlos klingende Umschreibung dessen, was für viele schlimmer ist als Mord: sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Kein Richter, keine Richterin in Deutschland hat so viel Erfahrung mit der strafrechtlichen Aufarbeitung dieses Delikts, das oft menschliche Abgründe offenbart, die auch für einen Richter manchmal schwer zu ertragen sind. Es gab Zeiten, in denen Kaufmanns 2. Große Strafkammer am Kölner Landgericht als „Schmuddelkammer“ bezeichnet wurde. Viele Juristen machen meiden diesen Bereich. Kaufmann weiß warum: „Nirgends ist die Wahrheitsfindung für einen Richter schwieriger.“ Wenn es um sexuelle Gewalt geht, steht oft Aussage gegen Aussage. Selten gibt es Fotos oder Videos, auf denen die Täter zu sehen sind. „Meistens sind unsere einzigen Beweismittel die Erinnerungsbilder der fraglichen Opfer.“ Es sind fragile Beweise, weil die Taten oft sehr lang zurückliegen, die Erinnerungen an die traumatisierenden Erlebnisse sich verformt haben könnten oder verdrängt wurden. Es ist das erste Mal, dass ein Richter bereit ist, Einblick in seinen Arbeitsalltag am Gericht zu geben. Welche innere Haltung braucht es, um als Jurist diese Arbeit zu tun? (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 08.10.2026 WDR
  • Folge 10 (45 Min.)
    Das Universum meine es gut mit ihr. Luisa blickt deshalb optimistisch in ihre Zukunft.
    Luisa (20) liebt Menschenmengen und Achterbahnfahren, kann aus dem Nichts einen Witz erzählen oder sächsisch sprechen und ist voller Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben. Dass sie einen Gendefekt hat – das Williams-Beuren-Syndrom – sieht man ihr nicht an. Doch das fehlende kleine Stück auf dem siebten Chromosom prägt ihr Leben: Lernen, Struktur und Selbstmotivation kosten viel Kraft. „Ich merke schon, dass ich das alles will! Ich will es einfach!“, sagt Luisa nach ihrem ersten Date. Doch der Junge meldet sich nie wieder. Weil sie kontaktfreudig und wortgewandt ist, wird Luisa oft überschätzt und gleichzeitig stößt sie im Alltag an ihre Grenzen. „Manchmal würde ich mir echt wünschen, dass ich es nicht hätte“, sagt sie, als sie im Job wieder einmal überfordert ist, Fehler macht und eine Abmahnung bekommt. Mehr als sechs Jahre begleitet „Menschen hautnah“ Luisa auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden – vom ersten Arbeitsvertrag in einem Hotel über die Suche nach Liebe bis zum Auszug aus dem Elternhaus in eine inklusive WG. Im Zentrum des Films steht eine Familie aus vier Frauen, die eng miteinander verbunden sind: Luisa, ihre alleinerziehende Mutter Daniela und die beiden jüngeren Schwestern Mara und Laila. Zwischen Fürsorge, Überforderung, Humor und großer Nähe stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wie selbstständig kann Luisa wirklich leben – und was passiert, wenn familiäre Unterstützung wegfällt? „Fliegen oder fallen? – Luisa und ihr Gendefekt“ ist ein Langzeitporträt über Behinderung, Familie und den Wunsch nach Unabhängigkeit in einer Gesellschaft, die Inklusion verspricht, aber selten mitträgt. (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 15.10.2026 WDR
  • Folge 11 (45 Min.)
    „Viele Menschen denken, ich sei dumm. Dabei bin ich nicht dümmer als andere,“ erklärt Jennifer Springer, Lehramts-Studentin aus Köln. Im Alter von 32 Jahren veränderte ein Schlaganfall ihr Leben: Von einem Moment auf den anderen verliert die lebensfrohe und selbstbewusste junge Frau die Kontrolle über ihren Körper – und ihre Sprache. Seitdem stottert sie. Für die heute 34-Jährige bedeutet das nicht nur eine alltägliche Herausforderung, sondern auch eine tiefgreifende Erschütterung ihres Selbstbilds. Monatelang muss sie nicht nur mühsam ins Leben zurückfinden, sondern auch das flüssige Sprechen neu lernen. Im Alltag erfährt sie viel Ablehnung und Demütigungen, wenn sie sich nicht schnell genug ausdrücken kann. Sie entwickelt Ängste: vor dem Einkaufen beim Bäcker, vor dem Bahnfahren oder davor, mit fremden Leuten zu sprechen. Doch Jenni will den Mut nicht verlieren, sie geht zurück an die Uni, um ihr Masterstudium zur Deutsch- und Erdkundelehrerin abzuschließen. Dafür muss Jenni ein Praxissemester an einer Kölner Gesamtschule absolvieren und dort auch unterrichten. In diesem halben Jahr wird sich ihre berufliche Zukunft entscheiden. Denn gerade wenn es laut ist, stottert sie deutlich mehr. Parallel therapiert Jenni ihr Stottern bei einem deutschlandweit einmaligen Projekt: der Bonner Stotter-Therapie. Macht sie genug Fortschritte, bis sie alleine vor einer Klasse stehen muss? Und wie verhält sie sich, wenn Schüler sie nachäffen oder auslachen? (Text: WDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 22.10.2026 WDR

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