Auf den Cayman Inseln – Die karibisch bunte Welt der Steueroase
Folge 398 (45 Min.)
Grüne Palmen, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser: Strände gibt es auf allen Cayman-Inseln, auf „Little Cayman“ sind sie noch am ursprünglichsten und so gut wie nie überlaufen.Bild: NDR/Florian MelzerIn der ganzen Welt sind die Kaimaninseln (Cayman Islands) vor allem für das bekannt, was sie nicht haben: Steuerpflicht. Es gibt dort keine Einkommensteuer, keine Lohnsteuer, keine Kapitalertragsteuer und auch keine sonstigen Abgaben. Die karibische Inselgruppe ist aber auch aus ganz anderen Gründen ein Paradies. Denn hier zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite: strahlend weiße Traumstrände, wilde Rochen, die sich streicheln lassen, und eine schillernde Persönlichkeit, den weltexklusiven türkisblauen (Blaue) Leguan, findet man hier. Einmal im Jahr geht es um das kulturelle Erbe der Insel.Während der Piratenwoche sind scharenweise Seeräuber unterwegs. Aber die muss heute niemand mehr fürchten. Lange bevor Multimillionäre die Cayman Islands entdeckt haben, war die Inselgruppe Rückzugsort für Piraten. Die fanden hier frisches Trinkwasser im Überfluss und Schildkröten als Proviant. Sogar der berüchtigte Blackbeard ist hier vor Anker gegangen. Die Piratenhistorie gilt als kulturelles Erbe der Caymans. Insulaner wie Darvin Ebanks sind Botschafter dieser Tradition. Seit 1978 ist er jedes Jahr während der Piratenwoche als Anführer einer Seeräubergruppe unterwegs. Das Rollenspiel ist für Darvin längst Passion: „Ich will, dass die Geschichte der Piraten nicht vergessen wird.“ Vor allem Grand Cayman, die Hauptinsel, ist Zufluchtsort für Millionäre und Milliardäre. Luxusvillen säumen die Strände. Mit ihnen wächst der Bedarf an exklusiver Dienstleistung. Thomas Tennant kommt als Privatkoch direkt zu den Anwesen seiner wohlhabenden Kundschaft. Sogar King Charles III., damals noch Prinz, hat er schon bekocht. Thomas aktueller Auftrag: ein Dinner für ein Ehepaar aus den USA – gewünscht ist echte Cayman-Küche. Auf der Speisekarte: Conch, große Schneckenmuscheln, und Grüner Leguan. Ja, der Grüne Leguan, ihn zu verspeisen, ist praktizierter Artenschutz. Er hatte sich extrem vermehrt und seinen türkisblauen Artgenossen fast verdrängt. Die Inselregierung lobte eine Fangprämie aus. „Aus der Not eine Delikatesse machen. Das ist Cayman Philosophie“, freut sich der Koch. Die einzigartige Unterwasserwelt der Cayman Islands ist streng geschützt. Am Strand gehen Teams der Umweltpolizei täglich auf Streife. Officer Carl Edwards ist im flachen Wasser vor Rum Point im Einsatz, wo Seesterne die Attraktion sind: „Unser Auftrag lautet, die Besucherströme zu lenken.“ Der sogenannte Kitchen Dance stammt noch aus der Zeit der Sklaverei. Die versklavten Afrikaner mussten damals ihre kulturellen Traditionen heimlich fortführen. Sie musizierten und tanzten in den Küchen der Plantagenhäuser. Eine Tradition, die fast in Vergessenheit geriet. Bis Melisha McField ihre Tanzgruppe Dreamchasers gründete. Fast 100 Traumjäger zelebrieren inzwischen die Rhythmen ihrer Vorfahren. Die Cayman Islands sind die Spitze eines gigantischen unterseeischen Berges, der von sehr tiefem Wasser umgeben ist. Mit bis zu 7686 Metern gilt das Cayman Trough als tiefster Punkt der Karibik – ein ideales Revier für Haie. Und für die Meeresbiologin Johanna Kohler: Sie nutzt die einzigartigen Strömungen und Riffe, um das Verhalten der Tiere zu studieren. An diesem Tag muss sie den kleinen Peilsender bergen, den die Wissenschaftler an einem Hai befestigt hatten, gar nicht so einfach bei dem starken Wellengang über der Tiefseerinne. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Do. 05.02.2026 NDR Thailands Elefanteninsel – Koh Chang im Lichtermeer
Folge 399 (45 Min.)Ein hundert Jahre alter Holz-Bottich und Baseballschläger-artige Stößel: Sunanta (links) und ihre Köchin Fern zerstampfen die kleinen Shrimps zu einer cremigen Würzpaste, die hier „Kapi“ heißt.Bild: NDR/Julian RingerIm äußersten Osten Thailands liegt eine Dschungelinsel, deren Ursprünglichkeit manchen an das Land vor dem Tourismusboom erinnert. Rund zwei Drittel der Fläche von Koh Chang ist noch von dichtem Regenwald bedeckt. Die „Elefanten-Insel“, so die direkte Übersetzung ihres Namens, zählt zu den am besten erhaltenen Waldgebieten Südostasiens. Doch völlig unberührt blieb auch Koh Chang nicht und mancherorts ist richtig was los. Die Frauen von Salakphet treffen sich am buddhistischen Tempel. Sie wollen Krathongs basteln, kleine Flöße aus Bananenblättern, für den großen Feiertag Loy Krathong, das thailändische Lichterfest.Verziert mit Blüten und Kerzen, werden die Flöße in der Vollmondnacht des zwölften Monats des thailändischen Mondkalenders von der Pier aufs Meer gesetzt, um alle Sorgen und Nöte davonzuschicken. Goy ist aufgeregt: Ihr Mann Lan nimmt wie jedes Jahr am Krathong-Wettbewerb teil. Beim Lichterfest wird das schönste Floß prämiert. Wird Lan seinen Titel vom letzten Jahr verteidigen können? Sunanta, genannt Mam, hat mit ihrer Köchin Fern kleine rote Kirschgarnelen getrocknet. Daraus stellen sie die traditionelle Garnelenpaste her, die Bestandteil jedes Thai-Currys ist. In einem 100 Jahre alten Holzbottich stampfen sie die kleinen Shrimps mit baseballschlägerartigen Stößeln zu einer cremigen Würzpaste, die hier Kapi heißt. Die muss sechs Monate lang fermentieren, bevor sie die perfekte Qualität hat. Wann sie fertig ist, erkennt Mam am strengen Geruch. In ihrem kleinen Seafood-Restaurant auf Stelzen serviert sie den Gästen traditionelle Thai-Speisen mit Kapi in allen Variationen. Die Ostseite der Insel ist kaum vom Tourismus berührt. Im Fischerdorf Salak Khok scheint die Zeit stillzustehen. Die Fischer leben in offenen Häusern in den Mangrovensümpfen und halten am traditionellen Lebensstil fest. Um aber auch ein paar zahlende Besucher in die Gegend zu locken, bieten sie romantische Gondelfahrten durch die Mangrovenkanäle an. Die Idee: sanfter Tourismus, der die Umwelt nicht zerstört. Dafür haben die Dorfbewohner eine Kooperative gegründet. Jeder bringt ein, was er kann: Geld oder Arbeitskraft. Alle Einnahmen werden geteilt und Grundstücke auf keinen Fall an Investoren verkauft. So will die Dorfgemeinschaft ihren traditionellen Lebensstil bewahren. Mo Herbier und das Team der Tierschutzgesellschaft Animal Welfare fahren ihre Morgenrunde, um die Straßenhunde von Koh Chang zu füttern. Etwa 3500 Streuner leben in den Wäldern und Dörfern der Insel. Die spendenfinanzierte Organisation, die eine Schweizerin mit Einheimischen gegründet hat, kümmert sich um Kastration, Impfungen. Die Tiere werden aufgepäppelt und dann zur Adoption freigegeben. Der Help Point ist eine Art Erholungsheim für gelähmte und kranke Hunde. Mit den kleinen Patienten gehen die Tierschützer Gassi zum Wasserfall oder machen sogar einen Mopedausflug ans Meer – Hundetransport im Beiwagen. Ein Strandbesuch mit Bad im Meer ist für den gelähmten Hund Honey der Höhepunkt des Tages. Am Lonely Beach scheint ein größeres Schiff am Strand zu liegen, Musik hallt von dort herüber. Die abenteuerliche Konstruktion ist absolut nicht seetüchtig. Der Bug, gebaut aus Treibgut und Meeresmüll, gehört zur Rude Boy Bar. Ihr Betreiber Chaiwat, genannt Leo, fährt an diesem Tag mit seinem kleinen Fischerboot raus, um das Frühstück für die Familie zu besorgen. Leo ist Speerfischer und will möglichst nichts kaufen. Das Meer bietet ihm alles: Nahrung und auch Baumaterial. Ständig ist er dabei, seine Recycling-Bar weiter zu verschönern. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Do. 19.02.2026 NDR Formentera
Folge 400 (45 Min.)Diese Insel der Balearen ist berühmt für ihr Wasser! Kristallklar und türkisfarben ist das Mittelmeer hier, dafür sorgen die riesigen Neptungraswiesen. Und so wird Formentera auch liebevoll „die kleine Karibik“ genannt. Ruhig und entspannt geht es zu. Mit viel Natur und ganz ohne Ballermann zieht die Baleareninsel seit Jahrzehnten Lebenskünstler, Hippies und Prominente an. In der Cala Saona gibt es einen ganz besonderen Lieferservice: Joel Vilson bringt per Speedboat Essen à la carte aus dem Strandrestaurant zu den Jachten, die hier vor Anker liegen.Geordert wird von Bord aus, meist über den Funkkanal 72, gezahlt wird per App. Und dann balanciert Joel riesige Paella-Pfannen auf dem Kopf quer durch die Bucht, eine Hand am Außenborder, die andere am Pfannenrand. Heikel ist vor allem der Moment, wenn Joel das Essen über die Bordwand reicht, trotzdem bleibt er tiefenentspannt, hat immer einen Spruch auf den Lippen. Und wenn er die leere Pfanne wieder abholt, übt er den Balanceakt komplett freihändig. Sol Courreges Bone hat eine Mission: Die Künstlerin will die Strände ihrer Insel sauber halten. In einer selbst gebastelten Maschine filtert sie tagein tagaus den Sand. Für die anstrengende Handarbeit sucht sie immer Mitstreiter am Strand, an diesem Tag helfen ein Italiener und sein kleiner Sohn. Aus den gefilterten Fundstücken fertigt sie in ihrem Atelier ganz unterschiedliche Kunstwerke, manchmal sogar seemannshohe Skulpturen. Bekannt ist Sol aber vor allem für ihre Fischschwarm-Bilder. Dabei schneidet sie jedes Fischlein mühsam aus Getränkedosen. Und natürlich hat sie auch die am Strand gesammelt. Auf der ganzen Welt hängen ihre Werke bei Formentera-Fans an der Wand. Seit 1988 werden auf der Insel E-Gitarren gefertigt in der Werkstatt von Ekki Hoffmann. Der ist aus Darmstadt nach Formentera ausgewandert und bietet Kurse an, in denen die Teilnehmenden sich ein eigenes Instrument bauen können. Meist sind es Männer, doch diesmal hat sich mal wieder eine Frau angemeldet. Nadine erfüllt sich hier einen Lebenstraum. Genau wie Uwe, der seinen Gitarrenhals aus einem ganz besonderen Stück sägt. Das edle Mahagoniholz diente einst als Tresen in der Musikerkneipe Bon Sol. Höhepunkt des Kurses: die Taufe der frisch geschleiften Gitarrenkörper im Meer. Nur so kommt der Balearensound in die Instrumente, sagt Ekki. Im Hafen von La Savina startet der Meeresbiologe Ismael Cerezo jeden Morgen Richtung Ibiza. Mit seinem Team erntet er in der Nähe der großen Schwesterinsel Neptungras. Denn hier gibt es noch riesige Wiesen der Unterwasserpflanze Posidonia Oceanica, die eine extrem wichtige Funktion im Ökosystem Mittelmeer hat. Sie filtert nicht nur das Meer, sondern kann auch besonders viel CO2 speichern, mehr als ein tropischer Regenwald. Für ein paar Ableger tauchen Ismael und seine Kollegen mehr als eine Stunde, sie gehen ganz behutsam vor, um auf keinen Fall die Pflanze nicht zu zerstören. Mit der wertvollen Fracht geht es dann zurück zu ihrer Heimatinsel. Dort flicken sie die Löcher in den Neptungraswiesen. Eine Sisyphusarbeit, die aber wichtig ist, damit das Markenzeichen von Formentera auch künftig nicht getrübt wird. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere Do. 05.03.2026 NDR
