Frontal21

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    • Folge 617
      45 Min.

      Bruchbuden der Bildungsrepublik – Schimmel, Dreck, kaputte Decken

      Unterricht in bröckelndem Gemäuer, inmitten von Schimmel und Schmutz – so beginnt für viele Schüler und Lehrer das neue Schuljahr. An der Anna-Lindh-Grundschule in Berlin ist das seit Jahren Alltag, die für Hygiene zuständige Behörde spricht von einem „erbärmlichen Zustand“. Das ist offenbar nichts Außergewöhnliches, denn die Schule zählt nicht einmal zu den besonders sanierungsbedürftigen in der Hauptstadt. Laut einer aktuellen Studie der staatlichen Förderbank KfW hat sich der Investitionsrückstand an deutschen Schulen inzwischen auf 47,7 Milliarden Euro erhöht. Dabei hatten Bund und Länder verkündet, mehr Geld in den Bildungsbereich zu investieren. So hatte auch der rot-rot-grüne Senat in Berlin bereits vor zwei Jahren seine Schulbauoffensive auf den Weg gebracht: 5,5 Milliarden Euro bis Ende 2026 für Sanierung und Neubau. Passiert ist bisher wenig. Nach Ansicht von Matthias Sundermeier, Professor für Bauwirtschaft und Baubetrieb an der TU Berlin, fehle es allein schon an Personal. Berlin brauche fast doppelt so viele Mitarbeiter in den Bauämtern, um die angestrebten Sanierungsziele zu realisieren. Für Schüler und Lehrer bedeutet das: Weiter lernen in bröckelnden Gemäuern oder Not-Containern – und das bei steigenden Schülerzahlen und akutem Lehrermangel. Auch an der Anna-Lindh-Schule fragen sie sich, wie lange sie das schulpolitische Versagen noch kompensieren können: „Uns gehen langsam die Ideen aus, um den Schulbetrieb verantwortungsvoll bei einer hohen Qualität aufrechtzuerhalten“, so der Schulleiter. „Der Schulbetrieb braucht minimale Lebensbedingungen und wir nähern uns langsam aber sicher der roten Linie.“ „Frontal 21“ über die Auswirkungen jahrelanger Sparpolitik im Bildungsbereich und die Folgen für Schulen und Lehrer.

      Hetze, Lügen und Gerüchte – Wie Trauer zu Hass wird

      Bei der Auseinandersetzung am Wochenende des Chemnitzer Stadtfestes ist am frühen Sonntagmorgen ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Keine fünf Stunden nach der Tat meldet ein Online-Portal, dass die Belästigung einer Frau den Messerangriff ausgelöst haben soll. Die Situation sei eskaliert, als Männer ihr zu Hilfe kommen wollten. Zwar dementiert die Polizei diesen Tathergang, doch das Gerücht wird weiterverbreitet und für Stimmungsmache gegen Migranten und die Einwanderungspolitik genutzt – vor allem am Folgetag, als Haftbefehle gegen einen Syrer und einen Iraker beantragt werden. Wenn Bürger nicht „Schlachtvieh einer gescheiterten Asylpolitik“ sein wollen, tönt es aus den Reihen der AfD, die Verständnis für die Protestkundgebungen zeigen, auf denen Hitlergrüße gezeigt werden. Auch Fake News werden gezielt zur Mobilisierung eingesetzt: So instrumentalisiert die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel die Tat für ihren Aufruf, „nicht länger zu schweigen“ und twittert über angeblich 25 Messerstiche, durch die das Opfer Daniel H. gestorben sein soll, tatsächlich waren es fünf. „Frontal 21“ über Hetze, Lügen und Gerüchte und wie nach dem Vorfall in Chemnitz Trauer zu Hass wird.

      Chaos am Flughafen – Überlastete Sicherheitsdienste

      München, Frankfurt, Bremen – in diesem Sommer führten Pannen in der Fluggastkontrolle gleich mehrfach zu chaotischen Zuständen an deutschen Flughäfen. Bereits vor einem Jahr, im Sommer 2017, kam es in Düsseldorf zu Handgreiflichkeiten unter Passagieren, die mehrere Stunden warten mussten, bevor sie in den Sicherheitsbereich gehen konnten. Der Grund: zu wenige und überlastete Luftsicherheitsassistenten, die überwiegend bei privaten Sicherheitsdiensten angestellt sind. Sie müssen seit Mitte der 1990er Jahre sicherstellen, dass jeder Passagier kontrolliert wird, bevor er ein Flugzeug besteigt. Die Entlohnung sei gut, berichten Mitarbeiter gegenüber „Frontal 21“, aber die Arbeitsbedingungen seien schlecht. Deshalb wolle kaum jemand den Job machen. Bis zu sechs Stunden Kontrolle ohne Pause, ständige Schichtwechsel, keine psychologische Betreuung, eine Kurzausbildung und anschließendes „Learning on the Job“ – all das sorge für Sicherheitslücken, wie Deutschland sie auch in diesem Sommer erlebt habe. Aber auch baulich hängen die deutschen Flughäfen internationalen Standards hinterher. Deshalb fordert die Gewerkschaft der Polizei, die Sicherheitskontrollen wieder in die öffentliche Hand zu legen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dagegen will weiter privatisieren und die Bundespolizei beinahe komplett aus den Kontrollen streichen. „Frontal 21“ über Gründe für die teilweise chaotischen Zustände an deutschen Flughäfen.

      Zu viel Zucker – Selbst Babybrei ist häufig zu süß

      Wie gefährlich ist er für die Gesundheit? Zucker gilt als größter Feind der Zähne und kann zu Übergewicht und Diabetes führen. Ob es noch andere Auswirkungen auf den Körper gibt, darüber wird seit Jahrzehnten gestritten. So gab es in den 1960er Jahren eine Reihe von Studien amerikanischer Wissenschaftler, die Zucker für die Entstehung von Herzerkrankungen verantwortlich machten. Daraufhin lenkte die Zuckerindustrie die öffentliche Meinungsbildung in eine andere Richtung und setzte der Forschung eigene Ergebnisse entgegen, die das Gegenteil beweisen sollten. Und so nehmen die Menschen, auch in Deutschland, noch immer zu viel Zucker zu sich. Denn er ist nahezu überall zu finden – auch dort, wo man ihn nicht vermutet: Pizza, Joghurt oder Ketchup. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt 25 Gramm Zucker am Tag, 90 Gramm nimmt ein Erwachsener im Durchschnitt tatsächlich täglich zu sich. Selbst in Babybrei ohne Zuckerzusatz kann der Zuckergehalt sogar bei 40 Prozent und mehr liegen. Warum das so ist, die Politik nicht tätig wird und was die Zuckerlobby dazu sagt – mehr dazu bei „Frontal 21“. (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 04.09.2018 ZDF

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