Erlebnis Erde Folge 545: Naturgewalten – Tobende Meere
Folge 545
Naturgewalten – Tobende Meere
Folge 545 (45 Min.)
4 Kanincheneulenjunge im Erdbunker, ängstlich schauend, eins stehend im Vordergrund.
Bild: Plimsol Productions
Weltweit wird das Wetter extremer, bedrohlicher und unberechenbarer. Menschen können vor herannahenden Unwettern gewarnt und notfalls evakuiert werden. Doch was passiert mit den Tieren? Die Reihe „Naturgewalten“ zeigt außergewöhnliche Wetterereignisse aus ihrer Sicht. Wenn tobende Meere sie überrollen, verheerende Stürme sie an die Grenze ihrer Kräfte bringen oder sie alles verlieren, wofür sie gekämpft haben, müssen sie innerhalb kürzester Zeit reagieren. Dabei zeigt sich, wie erstaunlich anpassungsfähig Tiere sein können – und wo selbst ausgefeilte Überlebensstrategien an ihre Grenzen stoßen.
Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán haben sich Zehntausende Kubaflamingos versammelt, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Ein junges Weibchen brütet zum ersten Mal und hat sein Nest am Rand der Kolonie errichtet – gefährlich nah am Wasser. Gerade ist sein einziges Küken geschlüpft, als sich weit draußen über dem ungewöhnlich warmen Atlantik ein gewaltiger Hurrikan zusammenbraut. Viel früher als sonst in der Saison nimmt er Kurs auf Yucatán.
Noch kann das Küken sein Nest nicht verlassen. Als Sturm und Wasser die Kolonie erreichen, steht seine unerfahrene Mutter vor einer dramatischen Entscheidung. Auf den Kleinen Antillen trifft derselbe Hurrikan auf zwei winzige Anolis-Echsen. Gerade noch waren sie mit Balz und Rivalenkämpfen beschäftigt, nun klammern sie sich in den Orkanböen buchstäblich an ihr Leben. Gerade einmal sechs Gramm Körpergewicht stehen Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde gegenüber.
Ihre einzige Chance sind ihre großen Füße mit speziellen Haftlamellen. Welche Echsen einem solchen Sturm standhalten, ist dabei keineswegs nur eine Frage des individuellen Überlebens – Extremwetter kann sogar die weitere Entwicklung einer ganzen Population
beeinflussen. Vor der kalifornischen Küste zieht eine Seeotter-Mutter ihr wenige Tage altes Junges auf. Noch kann es nicht schwimmen und ist vollkommen auf sie angewiesen. Normalerweise bieten ausgedehnte Kelpwälder der kleinen Familie Schutz vor Wellen und Feinden.
Doch ein Großteil dieser Unterwasserwälder ist verschwunden. Als ein heftiger Wintersturm die Küste erreicht, muss die Mutter ihr Junges zurücklassen, um in der gewaltigen Brandung nach Nahrung zu suchen. Jede Welle kostet sie Kraft – und während sie ums eigene Überleben kämpft, ist ihr hilfloses Junges den tobenden Wassermassen ausgeliefert. Auch am Great Barrier Reef bedrohen ungewöhnlich hohe Meerestemperaturen ein ganzes Ökosystem. Ein Clownfischpaar hat gerade seine Eier abgelegt und kümmert sich um den Nachwuchs.
Schutz bietet ihm eine Seeanemone, in der das Weibchen seit Jahren lebt. Doch eine marine Hitzewelle bringt das empfindliche Zusammenspiel im Riff aus dem Gleichgewicht. Korallen bleichen aus, und auch die Anemone beginnt, ihren lebenswichtigen Schutz zu verlieren. Damit werden nicht nur die Clownfische verwundbar – ihr gesamter Lebensraum gerät in Gefahr. Ob Hurrikan, Wintersturm oder marine Hitzewelle: Die Veränderungen der Meere stellen ihre Bewohner vor immer neue Herausforderungen.
Manche Arten verfügen über erstaunliche Anpassungen, andere entwickeln neue Verhaltensweisen – und manchmal kann extremes Wetter sogar die Evolution beschleunigen. Doch wie schnell können Tiere reagieren, wenn sich ihre Umwelt immer schneller verändert? „Naturgewalten – Tobende Meere“ zeigt, wie viel Einfallsreichtum und Widerstandskraft nötig sind, um in einer Welt der Extreme zu bestehen. Erzählt wird der Film von Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens. Die dramaturgisch eingestreuten Nachrichtentexte werden von Julia-Niharika Sen und Ingo Zamperoni gesprochen. (Text: ARD)