Folge 551

  • Der Klosterpark Altzella – Rosen, Rocker und Ruinen

    Folge 551 (45 Min.)
    In diesem Outdoor-Museum werden Kühe gezüchtet. Hühner gackern unter DDR-Peitschenlampen. Über dem Parkboden galoppieren Stuten mit ihren Fohlen – unten drunter liegen 26 Wettiner aus der mittelalterlichen Frühzeit Sachsens begraben. Vielleicht sind es auch 27. Ganz genau weiß das niemand. Das Problem: Die Wettiner selbst haben die Klosterkirche samt Grabsteinen über ihren Ahnen abgerissen. Und die Historiker rätseln bis heute, wie viele Markgrafen nebst Ehefrauen und Kindern in Altzella exakt beerdigt sind. Der Klosterpark Altzella steckt voller Überraschungen. Sein romanisches Eingangsportal steht 1,60 Meter tief in der Erde. Und wirkt dennoch hoch und imposant. Die Katastrophe, die aus dem florierenden, immens reichen und für Mitteldeutschland sehr bedeutsamen Kloster eine Ruine machte – das war die Reformation. Martin Luthers Thesen zerstreuten die zuletzt noch 60 Mönche in alle Winde. Und die Nachgeborenen nutzten Altzella wie einen Steinbruch, trugen die Mauern einfach ab, um woanders wieder neu zu bauen. Ab 1800 entstand ein Landschaftspark. Mit den Klosterruinen als malerische
    Blickpunkte. Sichtachsen für die Ewigkeit. Nutztiere gibt es aber immer noch. „Damit erhalten wir die Anmutung und Lebensart des einstigen Klosters“, sagt der Historiker Dr. Peter Dänhardt. Und die Museologin Ina Schumann betont: „Im Kloster findet man Seelenfrieden und innere Ruhe.“ Dabei lassen sie es hier auch krachen: Beim Blues- und Rockfestival „brennt die Hütte“. Und zur Blumen- und Gartenschau finden zehntausend Besuchende ins ehemalige Kloster, kaufen winterharte Kiwis und trinken im gotischen Weinkeller Meißner Wein. Die Kräuterfee Koreen Vetter bietet Kurse im Klostergarten an: „Das Currykraut hilft gegen Bluthochdruck und eignet sich für eine vorzügliche Marinade.“ Der größte Weidenbaum Deutschlands steht hier. Ebenso eine uralte Betsäule, unter der Harfen-Solist Stefan Weyh an warmen Sommertagen aufspielt. Und das Alphorn bläst. In der historischen „Schreiberei“ können Kalligraphie-Fans Kurse buchen, bei denen mit Gold gearbeitet wird. Dem Publikum öffnet sich eine faszinierende Welt – seit über 850 Jahren gewachsen, geschändet und wieder auferstanden. (Text: MDR)
    Deutsche TV-Premiere Di. 29.09.2026 MDR

Sendetermine

Mi. 30.09.2026
01:10–01:55
01:10–
Di. 29.09.2026
21:00–21:45
21:00–
NEU
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