• Folge 554 (45 Min.)
    Der Jugendbund für Naturbeobachtung Halle auf Exkursion am Salzigen See. – Bild: MDR/​Peter Simank
    Der Jugendbund für Naturbeobachtung Halle auf Exkursion am Salzigen See.
    Ein Es ist ein Ort, wie es ihn in Deutschland kein zweites Mal gibt. Eine Landschaft mit vielen Gesichtern und in dieser Kombination einmalig. Im Mansfelder Land, hunderte Kilometer vom Meer entfernt, wachsen typische Küstenpflanzen wie sie sonst nur an der Nord- oder Ostsee zu finden sind, auf den sumpfigen Schilfflächen grasen Wasserbüffel und am Himmel zwischen Eisleben und Halle ziehen exotisch anmutende Vögel wie Bienenfresser ihre Kreise. „Ich komme aus Italien und wusste, dass das Land um die Saale etwas mit Salz zu tun hat. ‚Sale‘ heißt auf Italienisch ‚Salz‘“, sagt Noa Terracina vom Jugendbund für Naturbeobachtung. „Aber ich war noch nicht hier am Salzigen See. Ich finde das sehr faszinierend, vor allem die Salzvegetation. Das ist wirklich cool und unerwartet.“ Es ist eine Welt, die weit und breit zu den artenreichsten Landschaften gehört und eine, die das Ergebnis einer der größten Naturkatastrophen in Mitteldeutschland ist. Denn wo sich heute eine riesige Ebene erstreckt, schäumte vor 150 Jahren ein riesiges Meer, Mitteldeutschlands größter Binnensee – der Salzige See. Ende des 19. Jahrhunderts versiegten Millionen Kubikmeter Seewasser in durch Bergbau freigewordene unterirdische Gänge. Übrig geblieben ist eine Landschaft mit einem Mosaik aus Salzwiesen, Steppenvegetation und einer vor Artenreichtum strotzenden Tierwelt. Seit 2026 zählt dazu auch eine Herde Wasserbüffel. „Jetzt fühle ich mich hier fast wie in Afrika. Das ist großartig, so etwas zu sehen. Ich bin sehr zufrieden und ich freue mich schon auf den Moment, wo sie sich vermehren und weiter ausbreiten dürfen“, schwärmt Svenja Sammler, von der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Von dieser Stiftung stammt die Idee für das besondere Beweidungskonzept. Seit 2012 gehört ihr fast das gesamte Naturschutzgebiet am Salzigen See. Doch in den letzten Jahren verliert die Landschaft immer mehr von ihrem Reiz. Dichte, bis zu zwei Meter hohe Schilfflächen verdrängen zunehmend die wertvollen Salzwiesen und damit auch den Lebensraum für viele seltene Vogelarten wie dem Blaukehlchen. Das neue Beweidungskonzept erklärt Sebastian Stens, Landwirt am Salzigen See, so: „Die großen Schilfflächen sollen von den Büffeln beweidet werden. Denn Wasserbüffel können nicht schwitzen und müssen deshalb regelmäßig baden. Dadurch müssen sie durchs Schilf, treten es platt und grasen es ab. Bisher war das alles verwildert und wir konnten es auch nicht mehr mähen und landwirtschaftlich nutzen. Jetzt werden uns die Wasserbüffel dabei helfen.“ Der Film begleitet das besondere Pilotprojekt, genauso wie die Arbeit von Ornithologen und Botanikern, die versuchen, den vielen Geheimnissen des Salzigen Sees auf den Grund zu gehen – einer nahezu unbekannten Welt mitten in Deutschland. (Text: MDR)
    Deutsche TV-Premiere Di. 17.11.2026 MDR
  • Folge 555 (45 Min.)
    Bobfahrer Jörn Wenzel beim Training im Altenberger Trainingszentrum
    Was bedeutet Heimat, wie wichtig ist Tradition, wie sehr muss sich ein Ort Neuem zuwenden? Das sächsische Städtchen Altenberg im Osterzgebirge ist vielen vor allem als Wintersportzentrum bekannt. Dass Altenberg aber eine 800 Jahre alte Bergbaugeschichte hat, droht in Vergessenheit zu geraten. Viele Menschen hier haben selbst dort gearbeitet, ihr Leben ist geprägt von einer stolzen Ära, als Altenberg von und mit der Zinngrube lebte. Mit der Wende kamen Arbeitslosigkeit und Ungewissheit, viele zogen weg. Das Gefühl von Heimat bekam Risse, der Stolz auf das Erreichte verblasste. Aber es gibt Lichtblicke, Aufbruchstimmung, Menschen mit Ideen und Erfolgen – und damit neuen Grund, seine Heimat zu lieben. Knappen- und Bergbauvereine halten die Traditionen und die technischen Denkmale am Leben. Ein junger Bobsportler berichtet von seinem Weg zum Olympiasieg. Eine tatkräftige Frau erweckt ein traditionsreiches Café wieder zum Leben. Touristiker kümmern sich darum, Altenberg auch außerhalb der Wintersaison attraktiv für Urlauber zu machen. Thomas Kirsten, der 32 Jahre lang hier ununterbrochen Bürgermeister war, sagt: „Ich liebe einfach unsere Heimat, weil hier so viele nette Menschen sind, mit denen man sich unterhalten kann, man ist nie alleine. Und wenn man das doch sein will, dann kann man in die Natur gehen. Was ist es doch für ein Privileg, dass ich hier wohnen darf, wo andere Urlaub machen.“ Dabei sah es noch vor 30 Jahren hier ganz anders aus: Kaputte und kranke Bäume bis zum Horizont durch jahrzehntelangen sauren Regen. Der Förster zeigt, wie aus dem toten Wald wieder eine grüne Oase geworden ist. Und für internationale Wissenschaftler ist Altenberg ein überaus spannendes Forschungsobjekt – unter Tage im Schaubergwerk und über Tage auf alten Bergbauhalden. Bei der weihnachtlichen Mettenschicht – der letzten Schicht des Jahres für die Bergleute – schließt sich der Kreis um Heimat, Tradition und Neubeginn. (Text: MDR)
    Deutsche TV-Premiere Di. 24.11.2026 MDR
  • Folge 556 (45 Min.)
    Die spektakuläre Geschichte des einstigen Leipziger Versandhaus-Giganten Mey & Edlich erzählt von mutigen Visionen, ungewöhnlichen Ideen und Durchhaltekraft. Der Film startet parallel: in Leipzig-Plagwitz, an einem Gründerzeit-Palais über der Weißen Elster, wo der Name „Mey & Edlich“ seit mehr als einem Jahrhundert an der Fassade prangt. Und in Köln: mit Blitzlichtgewitter, um Models und Mode für Männer. Hier entsteht der neue Katalog von „Mey & Edlich“. Was verbirgt sich hinter „Mey & Edlich“, einst einem der größten Mode-Versender der Welt? Marius Wittwer, 26, Geschichtsstudent, History-Podcaster und einer der besten City Guides Leipzigs, geht auf Spurensuche. Er beginnt eine atemberaubende Recherche, die zurückführt in ein Jahrhundert von Aufstieg und Fall. Mit der Neugier eines Boulevardreporters und dem Ehrgeiz eines Archivars klappert Wittwer die Stadt ab – per Boot, per Fahrrad, in Aktenkellern, in alten Kirchen und bei Zeitzeugen. Wer war Ernst Mey, der Gründer? Jener Mann, der aus dem Erzgebirge kam, in Leipzig zum Investmentbanker und anschließend in Paris reich wurde, der schließlich zurückkehrte nach „Klein-Paris“, wie Goethe die alte Messe- und Handelsstadt Leipzig nannte, die der Visionär Karl Heine zur Boom-Town machte. Gleichzeitig in Köln das Fotoshooting: Männermode Instagram-like inszeniert. Von hier aus erzählt der Film parallel zu Marius Wittwers Reise über das spannende Unternehmerleben von Christian Busch. Vom Erben eines großen Versandhauses zum Macher eines Multi-Channel-Vertriebs, mit einer seiner wichtigsten Marken heute: „Mey & Edlich“, die bestehen soll in Zeiten von KI und Fast-Fashion. Das Unternehmen hat ein Kaiserreich, zwei Weltkriege und sogar 40 Jahre DDR überdauert, eine Zeit von Mangel und Misswirtschaft. Für Thomas und Uwe Albrecht ist das keine Geschichte, sondern ihre Kindheit. Dort, wo Mey & Edlich 120 Jahre produzierte, trifft Marius Wittwer auf die beiden. Als Kinder erlebten sie, wie ihr Vater „Mey & Edlich in Verwaltung“ durch Mangelwirtschaft und die Launen des SED-Parteistaats steuerte. Die Brüder sahen, wie ihr Vater für Mey & Edlich kämpfte – bis zum Herzinfarkt. Er wollte den Betrieb eines Tages, wenn der „Spuk“ vorbei wäre, in möglichst gutem Zustand übergeben. Das konnte nicht gelingen. Albrecht hatte keine Chance gegen die Planwirtschaft der DDR. Als die Mauer 1989 fällt und die Plagwitzer Industrie über Nacht dem Weltmarkt ausgesetzt ist, bricht alles zusammen. Als Plagwitz wieder erwacht, Anfang der 2000er, rettet das Versandhaus Walbusch den Namen „Mey & Edlich“ vorm völligen Vergessen. Ein (Text: MDR)
    Deutsche TV-Premiere Di. 01.12.2026 MDR

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