• Folge 542 (45 Min.)
    Verfall, Vergessen, Neubeginn. Die Geschichte der Kamelien im Landschloss Pirna-Zuschendorf ist ein Stück sächsische Kulturgeschichte. Ein Ort, der fast verschwunden wäre und heute als eine der bedeutendsten historischen Kameliensammlungen Deutschlands gilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Landschloss zusehends. Dächer und Decken stürzten ein, die Gartenanlagen verwilderten. Der Abriss der Ruine schien nur noch eine Frage der Zeit sein. Doch 1988 wurde die Anlage gerettet, weil das VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden sie erwarb. Mit großem persönlichen Einsatz begannen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schloss und Park zu sichern, Pflanzen zu sammeln und historische Bestände wieder sichtbar zu machen. „Wir hatten viele Ideen für das Schloss. Doch gleich nach der Wende wurden wir liquidiert und unsere Leute von einem Tag zum anderen arbeitslos. Aber Pflanzen brauchen tägliche Pflege. Also gründeten wir einen Verein und lebten von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“, erinnert sich Matthias Riedel, der langjährige Leiter der Historischen Sammlung in Zuschendorf. Die Wurzeln der Kamelienleidenschaft reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. 1812 brachte Jacob Friedrich Seidel, Sohn eines Dresdner Hofgärtners, die ersten Kamelien nach Sachsen. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit seinem Bruder eine Gärtnerei – der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Denn Dresden entwickelte sich damals zum führenden Kamelienzentrum Europas. Tausende Pflanzen reisten von hier aus nach Russland, Italien oder Spanien. Armgard Grüner erinnert sich an ihren Vater Herbert Seidel: „Er ist immer unterwegs gewesen. In den Balkan, nach Rumänien und nach Petersburg. Für den Export war das sehr wichtig. Und wenn er zuhause in Dresden war, dann ging es jedes Mal nur um die Heizung. Das war immer das Problem: Wenn Frost kam, musste der Vater in Herrgottsfrühe Aufstehen und sich um die Kamelien kümmern.“ Heute werden im und um das Landschloss Zuschendorf auf über sechs Hektar, darunter 1.800 Quadratmeter Glashausfläche, historische Zierpflanzen bewahrt: Kamelien, Azaleen, Rhododendren, Bonsai. Die Seidelsche Kameliensammlung steht unter Denkmalschutz, Teile der Bestände sind in der Deutschen Genbank gesichert. Gartenarchitektin Magret Scheerer leitet heute die botanische Sammlung in Zuschendorf: „Ich habe eines gelernt, nämlich dass man die Kamelien immerfort retten muss. Wenn Heizungen kaputt gehen, Gewächshäuser undicht sind, Mittel gekürzt werden. Für so eine Kamelie ist eigentlich nie genug Geld da. Uns fehlen dringend Gärtner – es ist ein einziger Kampf.“ Der Film begleitet die Menschen, die ein besonderes botanische Erbe bewahren. Er zeigt die aufwendige Pflege jahrhundertealter Pflanzen ebenso wie die traumhaft schönen Bilder der Blütezeit, fängt lebendige Kulturgeschichte ebenso ein, wie botanische Präzision und die stille Schönheit einer Pflanze, die Sachsen einst Weltruhm brachte. (Text: MDR)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 09.06.2026 ARD MediathekDeutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 MDR
  • Folge 543 (45 Min.)
    Das Handy von Johanna Glöckner filmt das Tortenverzieren.
    Das Erzgebirge gilt vielen noch immer als Region der Traditionen, des Kunsthandwerks und der Weihnachtsbilder. Dieser Film aber schaut auf eine jüngere Generation, die ihre Heimat mit neuen Ideen, eigenen Bildern und großer Reichweite sichtbar macht. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die das Erzgebirge nicht hinter sich lassen wollen, sondern es auf ihre Weise weitererzählen. Zum Beispiel der Graffiti-Künstler André Morgner, der mit seinen „Boys from the Wood“ erzgebirgische Räuchermännchen neu interpretiert und sich zum Instagram-Phänomen gemausert hat. Sein Credo: „Das erzgebirgische Kunsthandwerk ist ein Kulturgut, das wir bewahren sollten. Mein Ziel ist, es zu entstauben und für andere Zielgruppen zugänglich zu machen. Ich würde gern das Erzgebirge zurück auf die Landkarte bringen!“ Markus Füchtner tickt da ganz ähnlich. Der Seiffener Nussknackerhersteller, der das Familienhandwerk in achter Generation weiterführt und dabei zwischen Tradition und modernen Figuren balanciert, betont immer wieder: „Wenn ich Beiträge in den sozialen Medien poste, geht es mir nicht ums Verkaufen, sondern um das ganze Erzgebirgsfeeling, um positive Nachrichten, die dem Image, das uns Erzgebirgern manchmal aufgedrückt wird, entgegenwirken.“ Da dürfen es dann auch mal Räucherfrauen und Heavy-Metal-Nussknacker sein. „Mrs. Bellringer“ – so nennt sich Johanna Glöckner auf Instagram. Sie macht das Erzgebirge mit Cupcakes und Macarons ein bisschen süßer. So verbindet sie Handwerk, Kreativität und Heimatverbundenheit. Letzteres ist auch Motorsportler Dustin Rothe aus Grünhainichen wichtig, der in Borstendorf ein Trainingsgelände für den Nachwuchs aufgebaut hat. Sie alle sind „ERZfluencer“ – kreative Content Creators, die zeigen, wie vielfältig ihre Region ist. In Stories, Reels, Shorts, TikToks, Posts und Beiträgen in Social Media machen sie ihr #hERZland für eine Community aus der ganzen Welt sichtbar. Sie balancieren dabei zwischen Verwurzelung und Offenheit und zeigen, dass das Erzgebirge mehr ist, als sein Klischee vermuten lässt. (Text: MDR)
    Deutsche TV-Premiere Di. 23.06.2026 MDR

Mehr Spoiler…

Hol dir jetzt die fernsehserien.de App