Querköpfe, Außenseiter, Optimisten – Westart live lüftet in der nächsten Ausgabe (Familien-) Geheimnisse, stellt existenzielle Fragen nach Ende und Neuanfang und schaut hoffnungsvoll in die Zukunft. Zu Gast bei Thomas Hermanns sind die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Adriana Altaras, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der Chansonnier und Entertainer Tim Fischer, die Pianistin Danae Dörken und der Bildhauer Christian Keinstar. Ein musikalisches Highlight ist der erste gemeinsame Auftritt von Tim Fischer und Danae Dörken, die ihn zu dem Marlene-Dietrich-Hit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ am Klavier begleitet.
Scharfsinnig und einfühlsam: Adriana Altaras: Schauspielerin, Regisseurin, Buchautorin: Wenn Adriana Altaras aus ihrem bewegten Leben erzählt, blitzen ihre Augen. 1960 als Tochter jüdischer Partisanen in Zagreb geboren, wuchs sie in Italien bei einer Tante auf, bevor die nach Deutschland emigrierten Eltern sie 1967 zu sich holten. Sie studierte in Berlin und New York, begann ihre Karriere am Theater und arbeitet heute vor allem fürs Fernsehen und als Bühnenregisseurin.
2011 erschien ihr erstes Buch „Titos Brille“, in dem sie mit viel Witz den Geheimnissen ihrer Familie nachforscht. 2014 wurde der Bestseller mit großem Erfolg verfilmt. Nach „Doitscha – Eine jüdische Mutter packt aus“ hat sie jetzt ihr drittes Buch veröffentlicht. In „Das Meer und ich waren im besten Alter“ vereinigt sie Alltagsbeobachtungen mit existenziellen Fragen – scharfsinnig, lebenserfahren und einfühlsam.
Auf ihrer Lesetour macht sie bei Westart live Station. Im Rausch der Sprache: Feridun Zaimoglu: Es luthert allerorten: Umso näher das Jubiläum rückt, umso mehr Filme, Events, Theaterstücke und Bücher rund um den großen Reformator Martin Luther rollen auf uns zu. Dass es trotz der Fülle immer noch neue und überraschende Facetten zu entdecken gibt, hat der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu mit seiner Fabulierkunst unter Beweis gestellt. In seinem Roman „Evangelio“ beschreibt er aus der Perspektive eines katholischen Landsknechts, wie der Querkopf und Überzeugungstäter in nur zehn Wochen auf der Wartburg das Neue Testament übersetzt, mit dem Teufel ringt und den Zweifel bekämpft.
Bei Westart live erzählt der Autor, warum ihn Luthers Sprache berauscht. Fotografisches Gedächtnis: Katharina Sieverding in Bonn: Riesige Fotos und monumentale Selbstporträts sind ihr Markenzeichen. Seit den 70er-Jahren arbeitet Katharina Sieverding, Beuys-Schülerin in Düsseldorf und später selbst Professorin an der Hochschule der Künste Berlin, mit Großformaten.
Ihre Serien loten das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft aus. Sie stellen durch Projektionen Beziehungen auf die Probe und legen mit Überblendungen unser kulturelles Gedächtnis und die Gegenwart übereinander. „Kein Bild ist denkbar ohne die Gesamtheit aller Bilder, die in der Welt sind“, sagt die 72-jährige Künstlerin. Die Bundeskunsthalle Bonn widmet ihr unter dem Titel „Kunst und Kapital“ eine große Retrospektive ihrer Werke aus den vergangenen fünf Jahrzehnten.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 16. Juli 2017. Endlich angekommen: der Chansonnier Tim Fischer: Schrille Diva, feinsinniger Chansonnier, abgründiger Schauspieler: Das alles ist Tim Fischer. Berühmt wurde er mit Liedern von Zarah Leander, Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Georg Kreisler. Liebe, Leid und Tod sind seine Themen – mal zart und gefühlvoll vorgetragen, mal bissig und frech. Seit fast drei Jahrzehnten steht er auf der Bühne und ist doch erst vor wenigen Tagen 44 geworden. „Ich bin jetzt ganz bei mir
angekommen“, sagt er selbstbewusst.
Genau so entschieden klingt auch der Titel seiner aktuellen CD, mit der er auf Tour ist: „Absolut“ heißt sie und ist eine Mischung aus Klassikern und neu geschriebenen Songs. Einen davon – „Meine Lieder“ – stellt er auf der Westart live-Bühne vor. Poetin am Piano: Danae Dörken: Sie ist erst 26 Jahre alt und eine der vielversprechendsten jungen Konzertpianistinnen. Danae Dörken wurde in Wuppertal geboren und wuchs in einer deutsch-griechischen Familie auf.
Mit fünf Jahren begann sie Klavier zu lernen, gewann schon nach sechs Monaten ihren ersten Wettbewerb und wurde seither für ihr ausdrucksstarkes, lyrisches Spiel mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Besonders am Herzen liegt es ihr, Brücken zu brauen. 2015 gründete sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester, der Pianistin Kiveli Dörken, ein Musikfestival auf der Insel Lesbos. Als Kontrapunkt zu Finanzkrise und Flüchtlingsdrama soll es den Menschen Mut machen und die musikalischen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland stärken.
„Unsere Großmutter stammt von hier“, sagt Danae Dörken. „Das ist das Griechenland, das wir kennen und lieben.“ Das Festival wird mit zwei Konzerten auch in Deutschland zu Gast sein: am 4. April in Berlin und am 5. April in Düsseldorf. Ode an die Menschlichkeit: Aki Kaurismäkis „Die andere Seite der Hoffnung“: Flüchtlingskrise auf Finnisch: In seinem neuen Film „Die andere Seite der Hoffnung“ erzählt Altmeister Aris Kaurismäki die Geschichte des Syrers Khaled, der eines Nachts in Helsinki dem gutmütigen, aber glücklosen Restaurantbetreiber Waldemar Wikström über den Weg läuft.
So unterschiedlich die beiden Männer sind, so verbindet sie doch der Mut zu einem radikalen Neuanfang. Bevor Khaled allerdings bei Waldemar eine neue Heimat findet, haben die beiden Außenseiter zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Auf der diesjährigen Berlinale wurde der Film umjubelt und mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Am 30. März kommt er in die deutschen Kinos.
Monumentale Passions-Oper: Bonner Debüt für Regiestar Peter Sellars: Der amerikanische Star-Regisseur Peter Sellars kommt nach Bonn und inszeniert John Adams’ „The Gospel According To The Other Mary“. Für das Opern-Oratorium um die Passion und Auferstehung Christi hat der Regisseur selbst das Libretto aus Texten des Alten und Neuen Testaments, Schriften von Mystikerinnen, Frauenrechtlerinnen und politischen Aktivistinnen sowie literarischen Zeugnissen von Überlebenden des Holocaust geschrieben.
Im Mittelpunkt stehen zwei starke Frauen: Maria von Magdala und ihre Schwester Martha. Premiere ist am 26. März. Westart live war bei den Proben dabei. Kunst in 60 Minuten: Christian Keinstar: Außergewöhnliche Materialien, verblüffende Installationen und spektakuläre Transformationen: Der Bildhauer Christian Keinstar ist bekannt für seine Arbeiten rund um die Themen Entstehen und Vergehen, Tod und Wiedergeburt, Ende und Neuanfang. Mal lässt er aus Betonteilen glühende Eisen hervorleuchten, mal versprüht er blutrotes Löschwasser in der Wüste von Nevada.
Bei seiner nächsten Ausstellung im Duisburger Lehmbruck Museum (6. April bis 18. Juni) steht der Guss eines Kopfes im Mittelpunkt. Das Metall wird langsam zum Schmelzen gebracht, in einer Gussform gesammelt, um sich wieder zu einem Kopf zu formen und erneut zu zerfließen. Auch bei Westart live lässt der Künstler das Publikum am Entstehungsprozess eines Werkes teilhaben. Verriss oder Hymne? Stefan Keims Theaterkritik: Diesmal hat sich unser Theaterkritiker Stefan Keim eine Uraufführung im Schlosstheater Moers angeschaut: die tiefschwarze Komödie „The Dead Inc. – Die Toten“ des amerikanischen Autors Michael Yates Crowley. (Text: WDR)
Deutsche TV-PremiereMo. 27.03.2017WDR
Sendetermine
So. 02.04.2017
08:45–10:05
08:45–
Mo. 27.03.2017
22:40–00:00
22:40– NEU
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