Vergabe der ‚TV-Oscars‘

    Güldene Rosen fürs deutsche Fernsehgärtlein

    Jutta Zniva – 08.05.2005

    Zugegeben, die zahlreichen preisgekrönten englischen und amerikanischen Produktionen kennt unsereins als Kontinental-Fernseher nicht. Wollen wir inniglichst hoffen, dass darunter exzellente Sendungen sind! Betrachtet man aber jene Gewinner, die am 7. Mai fürs deutsche TV diverse Goldene Rosen in Luzern einheimsten, kann man ein herzhaftes Gähnen schwer unterdrücken.

    Nach 43 Austragungen in Montreux wurde 2005 das internationale Fernsehfestival Rose d’Or (Goldene Rose) zum zweiten Mal im schweizerischen Luzern veranstaltet. Es gilt als das weltweit größte Festival der Fernsehunterhaltung, insgesamt hatten sich heuer 126 Programme aus immerhin 33 Ländern qualifiziert. Schauen wir zuerst mit glänzenden Augen über den Gartenzaun:
    Großbritannien wurde also mit Rosen überschüttet. „Little Britain“ von BBC wurde zur beste Comedy-Sendung gekürt, ihre beiden Darsteller Matt Lucas und David Williams als beste männliche Comedy-Darsteller geehrt. Pippa Haywood („Green Wing“ des britischen Channel 4) wurde beste Comedy-Darstellerin. In der Kategorie Sitcom gewann „Nighty Night“ (BBC), in der Kategorie Variety „Strictly Come Dancing“ (BBC). Beste Game-Show wurde „Test The Nation“ von BBC. Die beste Soap-Darstellerin kommt aus den USA (Lesley-Anne Down in „The Bold an The Beautiful“ / CBS) und der beste Darsteller aus Irland (Pat Nolan in „Fair City“ / RTE). Neben den 15 Hauptpreisen wurden zahlreiche weitere Auszeichnungen vergeben. So erhielt Bob Geldof für seinen Einsatz gegen Armut und Aids bekanntlich den Charity Award.

    Die Ergebnisse für Deutschland verweisen auf einen nicht wirklich verwegenen Geschmack der Jury: Bester Game-Show-Gastgeber wurde Thomas Gottschalk. Als beste Soap wurde „Forbidden Love“ ausgewählt. Klingt geheimnisvoll, entpuppt sich aber als die ARD-Produktion „Verbotene Liebe“. Die Comedy-Show „Schillerstraße“ von Sat.1 wurde mit dem Preis der Presse ausgezeichnet. „Ladykracher“ mit Anke Engelke gewann den FRAPA Scripted Format Award. Der Pilot Award ging an die deutsche Produktion „Dinner Dating“. Kennen wir das? Ist das „NachTisch“ oder ganz etwas Neues, noch nicht Gesendetes? Vermutlich!

    Beste Reality-Show ist „Super Nanny“? Kann man damit tatsächlich einen Blumentopf, geschweige denn eine Goldene Rose gewinnen? Ja – aber mit der Version des britischen Channel 4!

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Mir ist schleierhaft. Nicht, dass es so viel Murks in unserer TV-Landschaft gibt, sondern dass die Highlights beinahe komplett fehlen. Eigentlich sollten von 100 Sendungen auch irgendwie 10 doch mal so richtig nett werden. Wie vermeiden das unsere Fernsehschaffenden? Statitistisch gesehen müsste z.B. irgendwann ein gutes Drehbuch entstehen, auch wenn man Schimpansen an den Computer setzt. Man muss nur lange genug warten. Und es wird ja nicht gerade wenig (eigen)produziert. Also kann es nicht am Zufallk liegen, es muss konkrete Vermeidungsstrukturen geben, die Qualität explizit verhindern.

      Mir fällt immer mehr auf, dass man mir Sendungen absichtlich vermiest, auch wenn ich eigentlich interessiert wäre. Gestern die Ratpack-Kacke - das hätte doch auch nett werden können. Großes Meeting: "Wir haben hier eine Sache, Leute, ich fürchte, die könnte gut werden. Was machen wir dagegen?" - "Chef, ich hab's! Wir nehmen den Mittermaier als Conferencier!" (Stöhnen. Augenrollen. Kopfschütteln.) "Und wir ... lassen ihn SINGEN!" (Unkontrollierte Zuckungen, spontanes Erbrechen.) "Schulze, das ist großartig! Wäre ja noch schöner, wenn wir dieses Format nicht klein krichten."

      Die Programme sind voll von derlei Verhunzungen. Ich schaue mir sehr gerne alte Werbespots an. Sehe im Programm genau die richtige Sendung, nämlich "Reklame". Lese weiter ... Ruth Moschner und dieser grotesk unkomische Typ aus der Pudding-Werbung (und der miserablen Comedy Factory). Aha! Vielen Dank, aber danke, nein...

      Für wen arbeiten unsere Fernsehmacher? Was ist ihr geheimes Ziel? Ernähren sich Ausserirdische von den gleichförmigen Wellen, die ein gelangweiltes Gehirn produziert? Ich rieche da eine gigantische Verschwörung...
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        Ein wahres Wort, Dogwalker!

        Und eben nicht nur, dass eventuell gute, unterhaltsame und innovative Ideen scheinbar absichtlich schlecht gemacht werden, nein! Diese fragewürdigen Ausgeburten der kreativen Fernsehmacher vermehren sich dann auch wie die Pest, und werden entweder von einander kopiert oder unzählige Male durch neue Staffeln aufgewärmt und, obwohl es unmöglich scheint, von Mal zu Mal verschlechtert. DAS scheint dann das wirklich Kreative zu sein, und im schlimmsten Fall wird das dann belohnt.

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