„Whiskey Cavalier“: Unterhaltsame Achterbahnfahrt für den Feierabend

    „Scrubs“-Schöpfer produziert leicht verdauliche Agentenserie

    14.05.2019, 15:38 Uhr – Bernd Krannich

    "Whiskey Cavalier": Unterhaltsame Achterbahnfahrt für den Feierabend – "Scrubs"-Schöpfer produziert leicht verdauliche Agentenserie – Bild: ABC
    „Whiskey Cavalier“

    Eine leichte Agentendramedy mit viel Action und zu viel Gerede über Gefühle erwartet Zuschauer, die am Dienstag Sat.1 einschalten und „Whiskey Cavalier“ schauen. Im Zentrum steht das Gespann aus dem emotional sehr reflektierten FBI-Agenten Will Chase (Scott Foley, „Scandal“, „Grey’s Anatomy“, „The Walking Dead“) und der kühl-kalkulierenden Frankie Trowbridge (Lauren Cohan). Bei ihrer Jagd nach Bedrohungen der amerikanischen Sicherheit quer durch Europa philosophieren sie über die Frage, ob der Mensch im Grunde gut oder böse ist, während ein Team aus emotional fragilen Kollegen sie unterstützt. Eben so, wie man sich die Retter der Welt vorstellt.

    Doch Spaß beiseite: Im Kern ist „Whiskey Cavalier“ ein neuer Aufguss der Grundidee, dass ein männlicher und ein weiblicher Ermittler gemeinsam unterwegs sind, sich über ihre jeweilige Weltsicht käbbeln – und dem jeweils anderen dabei auch ein Stück weit zu einem besseren Verständnis der Welt helfen – während sie sich immer wieder in enge Vorratsräume oder Kleiderschränke gedrängt finden: Die Körper peinlich, aber nicht ganz unangenehm aneinandergepresst. Was unweigerlich zu einem „kriegen-sie-sich-oder-kriegen-sie-sich-nicht“-Spielchen führt. Bei dem immer wieder die aufkeimende Bereitschaft des einen zum „nächsten Schritt“ von im falschen Moment auftauchenden Hindernissen unterbrochen wird.

    Hinter der Serie steht als Produzent Bill Lawrence, der auch schon „Scrubs“ geschaffen hat. In manchen Monologen von Will Chase spiegelt sich dann auch der Optimismus und das Harmoniebedürfnis von John „JD“ Dorian wieder, während das Augenrollen und die misanthropischen Seitenhiebe von Frankie durchaus von Dr. Perry Cox kommen könnten. Wie bei „Scrubs“ gelingt es der Serie dankenswerter Weise, den Nebenfiguren eigenes Profil zu geben und diese somit zu mehr als Stichwortgebern zu machen. Allerdings passt eben deren häufig sehr sozial unsicheres Verhalten kaum zu ihrer ernsten Aufgabe oder der Genialität in ihrem Fachbereich. Aber das hat es bei den Ärzten des Sacred Heart ja auch nie wirklich. Wie wenig ernst die Serie es mit der inneren Logik nimmt, lässt sich vielleicht dadurch belegen, dass die Aufträge des Teams sie immer (!) nach Europa bringen, das Team aber seine kleine Zentrale/Aufenthaltsraum in einer stillgelegten Bar in New York hat: Für jeden „brandheißen“ Auftrag muss also erstmal der Atlantik überquert werden.

    Waiting in Style: Das Team in Wartestellung in einer stillgelegten Bar in New York.
    Waiting in Style: Das Team in Wartestellung in einer stillgelegten Bar in New York.

    Die Auftaktepisode von „Whiskey Cavalier“ beginnt in Paris, wo sich Will Chase gerade in Selbstmitleid suhlt, traurig und schief zu „Total Eclipse of the Heart“ mitsingt und in einem verlebten Hotelzimmer sitzt: Seine Verlobte Gigi hat ihn gerade verlassen. Trotz seines bedauernswerten Zustands wird der Agent mit dem Codenamen Whiskey Cavalier von seinem Boss (Dylan Walsh) in den Einsatz geschickt. Und weil seine Rückendeckung – und bester Freund – Ray (Josh Hopkins) durch Abwesenheit glänzt, prompt angeschossen.

    Bei der weiteren Verfolgung des Falls muss Will später einen ehemaligen NSA-Analysten einfangen, der eine Datenbank mit CIA-Agenten hat mitgehen lassen und diese nun in Europa verkaufen will. Hier kreuzt schließlich CIA-Agentin Frankie Trowbridge – Codename Firey Tribune – seinen Weg, die für ihre Agentur die Liste abfangen und so das bedrohte Leben ihrer Kollegen retten soll. Frankie ist das genaue Gegenteil von Will: berechnend, eiskalt, jemand, der tut, was getan werden muss – ob Exekution oder Honey Trap. Frankie ist von der Wichtigkeit ihres Tuns überzeugt, und hat ihren Frieden damit geschlossen, dass das oftmals nicht angenehm ist. Dass sie dabei gegen den überemotionalen Agenten von der steifen Schwesterorganisation sticheln kann, ist da nur ein Bonus.

    Schnell haben die beiden Agenten ihre Beute zur Strecke gebracht, jagen sie sich aber während des Transports zurück in die Hände der US-Behörden mehrfach gegenseitig ab – beide Agenten sind der Überzeugung, dass nur ihre Organisation mit dem Gefangenen „angemessen“ umgehen würde. Das endet nur, als beide erkennen, dass es sich um einen Zwei-Personen-Job handelt, den zahlreichen weiteren Interessenten an dem NSA-Analysten ein Schnippchen zu schlagen.

    Frankie nimmt gerne das Kommando in die Hand.
    Frankie nimmt gerne das Kommando in die Hand.

    Die Einsicht, dass zwei Agenten besser sind als einer, haben am Ende der Auftaktfolge auch die Geheimdienstvorgesetzten. Das führt dazu, dass CIA und FBI Will und Frankie – „das beste, was die Agenturen zu bieten habe“ – zu einem Team zusammenstecken. Dabei sind beide Agenten davon überzeugt, der jeweilige Leiter des Teams zu sein. Die Serienmacher haben da wohl eine eindeutige Präferenz, heißt die Serie schließlich „Whiskey Cavalier“ und nicht „Fiery Tribune“ …

    Zum Team gehört Wills alte Freundin und Schulter zum Ausweinen Susan Sampson (Ana Ortiz, „Devious Maids“), eine exzellente Profilerin, die im Team auch die Rolle der „großen Schwester“ füllt. Die selbstbewusste Frau hält auch mit unangenehmen Wahrheiten nicht hinter dem Berg, ist in ihrer Kritik aber stets verständnisvoll und konstruktiv. Um im „Scrubs“-Vergleich zu bleiben: Sie ist die Carla im Team. Frankie bringt ihren Flügelmann und Gadget-Experten Jai Datta (Vir Das) mit ins Team, der die schönen Dinge des Lebens zu schätzen weiß und sehr darauf bedacht ist, diese auch in einem hübschen Zustand zu halten. Als Computer-Geek des Teams fungiert Tyler James Williams („The Walking Dead“, „Criminal Minds: Beyond Borders“) als Edgar Standish. Er ist das Nesthäkchen im Team, hat große Träume vom actionreichen Feldeinsatz, aber bisher keine Erfahrungen und neigt zudem zur jugendhaften Unordentlichkeit. Als Verbindungsmann des Teams ist Ray Price (Hopkins) zu sehen, der aber nach seinen Fehlern im Serienauftakt von Will die kalte Schulter gezeigt bekommt. Der recht oberflächliche Ray versucht, sich mit billigen Scherzen anzubiedern.

    Realismus erwartet wohl niemand von einer Serie wie „Whiskey Cavalier“. Für ein amerikanisches Networkformat hat sie das Alleinstellungsmerkmal, dass sie in Europa gedreht wurde, was eben schön anzusehende „alte“ Innenstädte und Gebäude mit sich bringt.

    Das Team: (v.l.): Tech-Guy Jai, Verbindungsman Ray Prince, Frankie, Will, Hacker Edgar Standish und Profilerin Susan
    Das Team: (v.l.): Tech-Guy Jai, Verbindungsman Ray Prince, Frankie, Will, Hacker Edgar Standish und Profilerin Susan

    Ein großer Streitpunkt zwischen Will und Frankie ist, wie angedeutet, ihr jeweiliges Menschenbild: Will ist für einen Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden sehr gutgläubig, hart an der Grenze zur Naivität, während bei Frankie bestehendes Misstrauen und Bildungsängste zur Berufswahl geführt hatten, und dort nur noch verstärkt wurden. Sie wittert überall Verrat, in jedem Kompliment eine Taktik und vertraut wohl nur Jai – auch wenn sie zu Susan schnell einen guten Draht bekommt.

    Ein weiterer guter Anhaltspunkt zur Einordnung der Serie ist, dass sie von ABC kommt – dem selben US-Sender, der auch schon „Castle“ und „Take Two“ im Programm hatte.

    „Whiskey Cavalier“ ist sicherlich kein Must-See-TV. Sie kann aber gute Feierabendunterhaltung für Zuschauer bieten, die sich gerne auf eine kleine emotionale Achterbahnfahrt zwischen herzlichen Momenten im Team, Spannung bei den Einsätzen und der leichten Enttäuschung begeben, weil die Protagonisten „auch in dieser Folge“ mal wieder knapp am „Happy End“ vorbeigeschrappt sind.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten fünf Episoden der Serie „Whiskey Cavalier“.

    Meine Wertung: 3/5


    © Alle Bilder: ABC

    Sat.1 zeigt ab dem 14. Mai die deutsche Free-TV-Premiere immer dienstags um 20.15 Uhr. Die Deutschlandpremiere der Episoden erfolgt jeweils am Vorabend beim Pay-TV-Sender Sat.1 emotions. In den USA wurde die Serie gerade nach einer Staffel und 13 Episoden eingestellt.

    Über den Autor

    Bernd Krannich

    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Vritra am 18.05.2019 17:26

      Da muss man nichts übersetzen, geschweige denn, sich Gedanken machen. Ich habe seit Jahren keine miesere Odd-Couple-Dramedy gesehen. Die Serie ist einfach nur schlecht und wird deshalb auch keinen neuen Hafen finden!
        hier antworten
      • User 1214802 am 16.05.2019 17:01

        Hoffe,das sie einen ABNEHMER bekommen.Der Herr sei Gepriessen.
          hier antworten
        • mynameistv (geb. 1979) am 14.05.2019 18:40

          Da die Serie nach einer Staffel eingestellt wurde, schau ich es mir erst gar nicht an, denn ich hasse es, wenn eine abgesetzt wird, die ich mag. 
          • Mork-vom-Ork am 15.05.2019 01:13

            Ist sie ja überhaupt nicht. ABC hat keine 2. Staffel bestellt, jedoch sucht Warner Bros. TV einen neuen Abnehmer.
          hier antworten
        • Ralfi am 14.05.2019 16:15 via tvforen.de

          Der Titel ist ja sowas von dämlich.....
          • Spenser am 16.05.2019 17:46 via tvforen.de

            Ralfi schrieb:
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            > Der Titel ist ja sowas von dämlich.....

            Gibt aber Sinn, da es sich um Agenten Codenamen handelt....bei "Agentin it Herz" hiess Lee Stetson ja auch "Scarecrow" (Vogelscheuche). Agentennamen sind meistens irgendwie etwas schräg. Du darfst den Titel nicht mit "Der Whiskey Kavalier" oder so übersetzen ;)

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