Rowan Atkinson in „Man vs Bee“: Von Arbeitern und Königen – Review

    Netflix mit kurzweiliger Sketch-Serie mit satirischer Tiefe

    Rezension von Fabian Kurtz – 26.06.2022, 19:09 Uhr

    Rowan Atkinson in „Man Vs Bee“ – Bild: Netflix
    Rowan Atkinson in „Man Vs Bee“

    Mit seinem „Mr. Bean“ zeigte Rowan Atkinson eine verschrobene und minderbemittelte Karikatur des Kleinbürgertums. Mit Tweed, Teddy und grünem Mini Cooper eroberte sich der stumme Tollpatsch so manches mitleidige Herz und erntete Lacher wie Beifall. Nach nunmehr 15 Jahren veröffentlicht Atkinson eine Hommage an sich selbst – und aktualisiert sich.

    In „Man vs Bee“ spielt er den geschiedenen, arbeits- und (vermutlich) obdachlosen Familienvater Trevor Bingley, der kurzfristig einen Job als Haussitter ergattern konnte, um den gemeinsamen Urlaub mit seiner Tochter zu finanzieren.

    In seinem ersten Einsatz in den neuen Job darf der schrullige Mann nun direkt in der Champions League spielen und soll das moderne High-Tech-Haus eines superreichen Paares hüten, das in den Urlaub fährt. Hierbei bekommt der sichtlich überforderte Trevor eine Einweisung in das hyperreale Anwesen, das so geordnet und zerbrechlich scheint, dass selbst Staubkörner um Einlass bitten müssten.

    Trevor muss sich für seine Taten vor Gericht verantworten. Netflix

    Dieser sterile Mikrokosmos wird jedoch schon bei Trevors Ankunft auf die Probe gestellt, denn gemeinsam mit dem pleiten Familienvater kommt eine kleine freche Biene in das Luxushaus. Trevor ist nun sichtlich bemüht, den Störenfried zu beseitigen und löst dabei eine Reihe von aberwitzigen Katastrophen aus, die ihn verzweifeln und schlussendlich wahnsinnig werden lassen.

    „Man vs Bee“ mag in erster Linie nach hohlem Klamauk und Slapstick klingen, doch verbirgt sich in dem hypermodernen Luxusbau ein gesellschaftlicher, wenn nicht sogar politischer Kommentar. Der Pedant Trevor ist von Beginn an überfordert ob der Unberechenbarkeit des kleinen Brummers, fühlt sich regelrecht in seiner Existenz bedroht.

    Nun sind auf der einen Seite Bienen zur Mangelware erklärt worden, auf der anderen Seite ist Trevor selbst ein kleiner Arbeiter, der in dem kapitalistischem Treibhaus zu überleben versucht. Beide sind nunmehr Opfer eines elitären Statussymbols geworden, in dem es zum guten Ton gehört, dass der Hund zehn Allergien hat und besser frisst als der Hamster im Rad.

    Ein Wettlauf der bedrohten Arten Netflix

    Das Kammerspiel beleuchtet dabei eine Life-Style-Gesellschaft, die vollkommen den Hang zur Realität verloren hat und dabei nicht merkt, dass selbst die kleinste Form individueller Unberechenbarkeit ihre hohen Türme zum Einsturz bringen kann. Der Drang, für alles eine beschriftete Schublade zu haben, zerstört dabei die natürliche Unordnung dessen, was man Leben nennen sollte und erklärt den Zufall zu einem freiheitlichen Todfeind.

    Die wahrhafte Tragik, die „Man vs Bee“ vermittelt, ist im Grunde das höchste Gut der Satire: Missstände spiegeln. Auch wenn es auf den ersten Blick nach primitiver Unterhaltung wirkt, ist es Rowan Atkinson und seinem Team aus Autor William Davies und Regisseur David Kerr gelungen, eine Stunde wunderbarer Comedy zu produzieren, die vielleicht dazu anregt, den englischen Garten daheim wieder zur Wiese zu machen.

    Diese Rezension basiert auf der Sichtung aller neun Episoden der Serie „Man vs Bee“.

    Meine Wertung: 4/​5

    „Man vs Bee“ ist seit dem 24. Juni auf Netflix mit allen Episoden abrufbar.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Habe mir die Serie angesehen. Fand sie total schlecht. Die Gags hat Rowan Atkinson schon früher in seiner alten Serie "Mr. Bean" gebracht. Nochmal muss ich mir dieses Machwerk nicht ansehen.
      • (geb. 1982) am

        was für ein Unsinn. Die Gags mit einer Biene und einem teuren Haus in Mr. Bean? In welchem Paralleluniversum?
    • am

      Grandios !

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