„Pastewka“-Finale: Die Dödel geben nochmal Vollgas – Review

    Ensemble der Erfolgsserie verabschiedet sich mit unnachahmlicher Spiellaune

    Rezension von Dennis Braun – 06.02.2020, 18:00 Uhr

    Das letzte Abendmahl für die Dödel: Die finale „Pastewka“-Staffel ist seit dem 7. Februar bei Prime Video verfügbar.

    Vor fast genau einem Jahr wurde bekannt, dass die kommende zehnte Staffel der ehemals in Sat.1 gestarteten Comedyserie „Pastewka“ gleichzeitig die letzte sein wird. Nach über 15 Jahren sei es laut Hauptdarsteller Bastian Pastewka an der Zeit, das enorm erfolgreiche Kapitel zu schließen und die Geschichten rund um sein (halb-)fiktives Ich und dessen Familie zu einem runden Abschluss zu bringen. Seit Freitag, den 7. Februar stehen bei Amazons Streamingdienst Prime Video nun die letzten zehn Folgen zum Streaming bereit.

    Das gesamte Ensemble aus den vergangenen Staffeln ist auch zum Finale noch einmal mit von der Partie: Neben Bastian Pastewka in der Rolle seines Lebens gibt es ein Wiedersehen mit Sonsee Neu als Bastians Ex-Freundin Anne, Matthias Matschke als Bastians Halbbruder Hagen, Cristina do Rego als dessen Tochter Kim, Dietrich Hollinderbäumer als Vater Volker Pastewka, Sabine Vitua als Regine Holl, Bastians Managerin, und Bettina Lamprecht als ungeliebte Schwägerin Svenja Bruck. Für die Drehbücher zeichnen neben Pastewka auch Sascha Albrecht, Claudius Pläging und Stefan Stuckmann verantwortlich. Erik Haffner und Markus Sehr sind die Regisseure des Amazon Originals, das von Brainpool Pictures im Auftrag von Minestrone TV unter dem ausführenden Produzenten Tobi Baumann hergestellt wurde.

    Nachdem die achte Staffel – die erste bei Prime Video – bei eingefleischten Fans gemischte Reaktionen hervorgerufen hatte und vor allem die düstere, fast schon depressive Stimmung bemängelt wurde, besann sich die vergangene neunte Staffel wieder auf die Stärken des Formats und mixte den typischen Fettnäpfchen-Humor mit den neu hinzugekommenen Elementen wie einer horizontaleren Erzählweise, die den Charakteren mehr Tiefe verlieh. Diese Entwicklung führt auch die letzte Auflage fort, die ein Jahr nach dem Cliffhanger von Staffel 9 einsetzt.

    Bastian kehrt mit Anne aus Afrika zurück, wo er zusammen mit ihr überraschend selbstlos Entwicklungsprojekte vorangetrieben hat und dadurch laut eigener Aussage zu einem neuen Menschen geworden ist. Beide haben nun endgültig eingesehen, dass sie als freundschaftliches Team gut funktionieren, nicht jedoch als Liebespaar.

    Nach der Ankunft am Frankfurter Flughafen kommt es direkt zu einer „Pastewka“-typischen Szene: Bastian möchte mit seinem berühmten roten Saab das Parkhaus verlassen, muss jedoch zu seinem Entsetzen feststellen, dass er über 6000 Euro für das Ticket zahlen soll – er war fälschlicherweise fest davon ausgegangen, den Tarif für einen Langzeitparkplatz gewählt zu haben. Da er den stolzen Betrag selbstverständlich nicht zahlen will, versucht er als Running Gag über mehrere Folgen hinweg mithilfe seiner Verwandtschaft inklusive Managerin Regine, das Auto widerrechtlich herauszuschmuggeln. Besonders eine detailverliebte „Bruderaktion“ mit Hagen in der ersten Folge strengt die Lachmuskeln an.

    Das Erste, was Hagen zu Bastians und Annes Rückkehr einfällt: „Und ihr habt gar nicht gebumst? … Ein ganzes Jahr?“© 2019 Amazon.com Inc., or its affiliates

    Apropos Hagen: Wie Bastian beim Besuch bei Vater Volker feststellt, hat sich sein Bruder dort einquartiert – offiziell, um Großteile des angeblich maroden Hauses zu renovieren. Dass er eigentlich mit seinem Foodtruck vom heimischen Biohof ausgezogen ist und was der wahre Grund dafür ist, erfährt Bastian erst nach und nach. Volker ist derweil latent beleidigt, dass Bastian ihm im Gegensatz zu Hagen anscheinend kein Geschenk aus Afrika mitgebracht hat, was er ihn gewohnt schonunglos spüren lässt. Ein weiterer Running Gag, der sich über die erste Staffelhälfte zieht.

    In der zweiten Folge klingelt Kim bei ihrem Großvater und eröffnet diesem sowie Bastian und Hagen, dass sie sich verlobt hat und demnächst heiraten möchte. Ihr berüchtigter dauergenervter und zuweilen aufbrausender Charakter scheint sich diesbezüglich gewandelt zu haben, sie macht einen ruhigen und ausgeglichenen Eindruck und kann sogar über die üblichen Spitzen ihres Onkels Bastian hinwegsehen. Dass dies natürlich nicht von langer Dauer sein wird, dürfte Kenner der Serie kaum überraschen. Ein absolutes Highlight stellt deren gemeinsame Szene in der dritten Folge „Die Bananenschnecke“ dar, in der sie Svenja auf Gut Bruck nachspionieren. Zwar lässt man hier keinen noch so infantilen Gag aus, diese fügen sich aber derart gekonnt in die Handlung ein, wie man es nur einer Serie wie „Pastewka“ verzeihen kann.

    Bastian will mit Kims Hilfe seine Schwägerin Svenja ausspionieren – der Schuss geht nach hinten los.© 2019 Amazon.com Inc., or its affiliates

    Anne überrascht Bastian derweil mit dem Wunsch, ein Kind zu bekommen und sich künstlich befruchten zu lassen. Auf sein „freundschaftliches Angebot“ reagiert sie allerdings vorerst zurückhaltend, will sich aber später mit ihm bei sich zu Hause treffen, um die Angelegenheit zu besprechen. Leider kollidiert dieser Termin mit einem Treffen, das Regine eingestielt hat: Für Bastians Projekt, seine handgeschriebenen Aufzeichnungen über seine Zeit in Afrika als Sachbuch zu veröffentlichen, hat sie einen bekannten Verleger gewinnen können. Leider verläuft das gemeinsame Mittagessen nicht so wie geplant – ein weiteres Charakteristikum, das den Zuschauern auch aus früheren Staffeln vertraut sein dürfte: Mehrere Handlungsfäden laufen zusammen, verheddern sich und sorgen für kleinere bis größere Katastrophen. Diese Twists, die gerade in Staffel 8 fast komplett gefehlt haben, wurden besonders in dieser Situation erfolgreich wiederbelebt.

    Bastian unterbreitet Anne einen delikaten Vorschlag.© 2019 Amazon.com Inc., or its affiliates

    Neben Gastauftritten von Anke Engelke und Hugo Egon Balder gibt es in der vierten Folge („Der Motivgeber“) auch ein Wiedersehen mit Michael Kessler, der mittlerweile Bastians ehemalige Hauptrolle als Dr. Roman Engel in der fiktiven ZDF-Serie „Ein Engel für alle Fälle“ übernommen hat. Deren neue Folgen werden ausgerechnet im Haus vom klammen Vater Volker gedreht, um diesem zu Geld zu verhelfen – worüber Bastian allerdings so gar nicht erfreut ist. Natürlich kommt es wieder zu kleineren humorvollen Scharmützeln mit seinem Freund und gleichzeitig beruflichen Widersacher, der ein (herrlich dargestelltes) blasiert-arrogantes Verhalten an den Tag legt. Doch Rache ist bekanntlich süß, und das gilt erst recht für Bastian … 

    Ausgerechnet mit der finalen zehnten Staffel ist „Pastewka“ komplett bei Prime Video angekommen. Eine deutlich höhere Gagdichte gepaart mit nachdenklichen, teils dramatischen Momenten liefert perfekte Unterhaltung sowohl für alteingesessene Fans als auch für Neueinsteiger. Natürlich soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden, wie die Serie endet – darüber kann sich jeder selbst seit dem 7. Februar eine Meinung bilden. Sicherlich kann man die Geschichten über den semifiktiven Bastian Pastewka, seine Beziehung zu Anne und der buckligen Verwandtschaft nicht ins Unendliche ziehen, über die Jahre ist einem das spielfreudige Ensemble jedoch definitiv ans Herz gewachsen.

    Die bevorstehende Trennung dürfte nicht nur beim Verfasser dieser Kritik einen Kloß im Hals hinterlassen, auch die Verantwortlichen vor und hinter der Kamera und von Prime Video wissen ganz genau, von welcher Perle in der deutschen Comedylandschaft sie sich nun verabschieden müssen. Umso mehr heißt es, jede Minute der zehnten Staffel zu genießen und ein letztes Mal Tränen zu vergießen – vor Lachen, vielleicht aber auch vor Abschiedsschmerz. Als kleiner Trostspender wird als Bonus noch eine umfangreiche Behind-the-Scenes-Dokumentation namens „Der letzte Trip“ veröffentlicht, in der Bastian in seinem roten Saab durch die Gegend fährt und mit seiner Serienfamilie auf 15 Jahre „Pastewka“ zurückblickt. Macht’s gut, ihr Dödel! Wir lieben euch, das ham wir besprochen.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten vier Folgen der zehnteiligen zehnten Staffel von „Pastewka“.

    Meine Wertung: 4,5/5

    Die komplette zehnte Staffel von „Pastewka“ ist seit dem 7. Februar 2020 bei Prime Video verfügbar.

    Trailer zur zehnten „Pastewka“-Staffel

    Über den Autor

    Dennis Braun, geboren einen Tag nach dem Mauerfall, ist ein richtiges Kind der 90er und Retro-Fan. Neben schaurig-schöner Eurodance-Musik kann er sich auch heute noch an diversen Gameshows wie „Geh aufs Ganze!“, „Glücksrad“, „familien duell“ oder „Der Preis ist heiß“ erfreuen, die er damals sehr häufig bei und mit seinen Großeltern geschaut hat. Daneben hat er ein Herz für gut gemachte deutsche Comedy, die allerdings bekanntermaßen recht spärlich gesät ist. Wenngleich er kein wirklicher Serienjunkie ist, laufen ihm dennoch ab und zu ein paar Produktionen wie der „Club der roten Bänder“ oder „The Strain“ über den Weg, die ihn in ihren Bann ziehen. Bereits seit Januar 2013 für fernsehserien.de tätig, verstärkt er seit März 2016 auch die Newsredaktion und kennt sich besonders im nationalen Bereich gut aus.

    Lieblingsserien: Pastewka, Club der roten Bänder, Die Dinos

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Freue mich schon sehr auf die Staffel. Schade, dass es die letzte sein wird. Wobei man letztendlich nie ganz sicher gehen kann, dass esin in ein paar Jahren nicht doch nochmal eine Staffel geben wird.
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        Spenser schrieb:
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        > Wobei man
        > letztendlich nie ganz sicher gehen kann, dass esin
        > in ein paar Jahren nicht doch nochmal eine Staffel
        > geben wird.

        Na, doch. Pastewka rudert eigentlich nicht zurück, wenn er mal eine Entscheidung getroffen hat. Leider.
        Aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist und die Serie hat lange existiert, wenn auch mit weniger Folgen, als man meinen sollte.
        Sogar die "Nackt"Staffel 8 mit dem Sprung zu Amazon Prime hat die Serie überstanden.
        Vielleicht ist jedes Konzept irgendwann mal ausgelutscht.

        Snake
      • am via tvforen.demelden

        Ich habe es diese Tage geschafft, die Serie zu beenden. Interessant, dass sie es vom Konzept her geschafft haben, die Fans über die anderthalb Jahrzehnte bei der Stange zu halten, denn die Art des Humors und der Stories änderten sich zum Ende hin doch gehörig. Zuletzt hat mich doch etwas gestört, dass Bastian häufig ziemlich ungepflegt rüberkam. Seine permanente tollpatschige Fettnäpfchentreterei mit laufender "Verschlimmbesserung" verursacht in der letzten Staffel bei mir ein dauerhaftes mulmiges Bauchgefühl, das irgendwie zu selten aufgelöst wurde. Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob die Truppe als nächstes wieder etwas Gemeinsames plant oder sich in alle Winde zerstreut. Ich finde es gut, dass die Serie ein Ende gefunden hat.
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      Ich habe mir die ersten vier Folgen auch im Kino angesehen. Die Szenen fand ich teilweise wieder super lustig, da musste ich fast losprusten. Davor habe ich gedacht, das ist ja schon was ausgelutscht nach 10 Staffeln und wiederholt sich aber die 4 Folgen waren klasse!!! Hagen ist wieder der Hammer. Anke Engelke spielt natürlich auch wieder mit. Das ist so eine Mischung vom alten Konzept der ersten Staffeln, und den neueren, die mir auch nicht so gefielen. Die anderen Folgen werde ich direkt durchbingen.
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        Ich hab die ersten vier Folgen vorab im Kino gesehen und war angenehm überrascht. Die Staffel macht richtig Spaß und ist für meinen Geschmack um Längen besser als die 9. Staffel, die zur Hälfte nur aus der langatmigen Arztserien-Story bestand.

        Diesmal ist das Tempo und die Gag-Dichte wieder deutlich höher. Und der rote Saab spielt eine Hauptrolle :)
        • am via tvforen.demelden

          Habe die Staffeln 1-9 und bis zur Achten alle gesehen. Sobald die letzte (10.Staffel) erscheint werde ich mir diese holen und sämtliche Folgen von Anfang bis Ende anschauen. Bin ein großer Fan dieser Comedyserie und kann diese nue empfehlen, Spass ist garantiert.

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